Fr, 13:40 Uhr
09.05.2014
Römische Truppen in Thüringen
Nach vielen Jahren der Suche ist jetzt zum ersten Mal der archäologische Nachweis römischer Truppenpräsenz in Mitteldeutschland gelungen. Wo das im Kyffhäuserkreis der Fall ist, hat teilte jetzt das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Weimar mit..
Beim Dorf Hachelbich im Kyffhäuserkreis ist im Zuge mehrjähriger Untersuchungen durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie ein römisches Marschlager aus dem 1. bis 3. Jh. n. Chr. zweifelsfrei lokalisiert worden. Ausgangspunkt waren Ausgrabungen im Rahmen einer bodendenkmalpflegerischen Routinemaßnahme im Vorfeld eines Straßenneubaus. Zur weiteren Erkundung des Areals kamen geophysikalische Verfahren und archäologische Befliegungen sowie ergänzend Oberflächenbege-hungen zum Einsatz.
Römische Truppen in Thüringen (Foto: Die Bildrechte liegen beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar (TLDA).)
Römische Beschläge und Nägel von Sandalen römischer Legionäre aus Hachelbich, Kyffhäuserkreis
Die Bildrechte liegen beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar (TLDA).
Die Anlage folgt in den erschlossenen Teilen dem aus dem antiken Schrifttum und archäologischen Befunden den aus den Provinzen und grenznahen Gebieten des Römischen Reiches bekannten Schema: Ein Spitzgraben auf der Südseite ist auf etwa 425 m nachgewiesen. Im Osten folgt nach einer abgerundeten Ecke ein etwa gleich langes Grabenstück. Im Nordosten befindet sich ein geophysikalisch prospektierter Eingang mit vorgelagertem Grabenstück (titulum). Acht Backöfen mit Arbeitsgrube vervollständigen die bisher ausgegrabenen Strukturen. Sollte sich die Anlage im Norden und Westen in ähnlicher Art fortsetzen, liegt ein unregelmäßiges Viereck mit ei-nem umschlossenen Raum von mindestens 18 ha vor. Unter den noch nicht sehr zahlreichen Funden befinden sich zur römischen Ausrüstung gehören-de Buntmetallgegenstände und vier eiserne Schuhnägel. Die bisher wenigen Hinweise zur zeitlichen Einordnung lassen einen breiten Spielraum vom 1. Jh. bis 3. Jh. nach Christus zu, so dass noch kein sicherer Bezug zu einem eventuell aus der antiken Überlieferung bekannten Feldzug hergestellt wer-den kann.
Römische Truppen in Thüringen (Foto: Die Bildrechte liegen beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar (TLDA).)
Graben des römischen Marschlagers bei Hachelbich, Kyffhäuserkreis während der Ausgrabungen
Die Bildrechte liegen beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar (TLDA).
Derartige Marschlager dienten der Unterbringung der Truppe auf den Feldzügen und waren nur eine Nacht bis einige Tage in Betrieb. Sie sind von den Legionären innerhalb weniger Stunden angelegt worden.
Die antiken Truppenbewegungen folgten damals bekannten Streckenführungen, die durch die Entdeckung erstmals im Detail rekonstruiert werden können. In Nordthüringen bildet das Tal der Wipper zwischen Hainleite und Windleite einen engen natürlichen Korridor mit einem alten Überlandweg, der über das Obereichsfeld nach Westen in Richtung Werra- bzw. Wesertal führt. Nach Osten öffnen sich südlich des Kyffhäusers Wege in das Thüringer Becken, das mittlere Saalegebiet und das östliche Harzvorland.
Römische Truppen in Thüringen (Foto: Die Bildrechte liegen beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar (TLDA).)
Graben des römischen Marschlagers von Hachelbich während der Ausgrabung
Die Bildrechte liegen beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar (TLDA).
Die in diesem Jahr und den Folgejahren geplanten weiteren Ausgrabungen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen werden ohne Zweifel zu einer Vermehrung des Fundbestandes, einer genaueren zeitlichen Einordnung und weiteren Hinweisen zum Aussehen der Anlage führen.
Autor: khhBeim Dorf Hachelbich im Kyffhäuserkreis ist im Zuge mehrjähriger Untersuchungen durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie ein römisches Marschlager aus dem 1. bis 3. Jh. n. Chr. zweifelsfrei lokalisiert worden. Ausgangspunkt waren Ausgrabungen im Rahmen einer bodendenkmalpflegerischen Routinemaßnahme im Vorfeld eines Straßenneubaus. Zur weiteren Erkundung des Areals kamen geophysikalische Verfahren und archäologische Befliegungen sowie ergänzend Oberflächenbege-hungen zum Einsatz.
Römische Truppen in Thüringen (Foto: Die Bildrechte liegen beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar (TLDA).)
Römische Beschläge und Nägel von Sandalen römischer Legionäre aus Hachelbich, Kyffhäuserkreis
Die Bildrechte liegen beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar (TLDA).
Die Anlage folgt in den erschlossenen Teilen dem aus dem antiken Schrifttum und archäologischen Befunden den aus den Provinzen und grenznahen Gebieten des Römischen Reiches bekannten Schema: Ein Spitzgraben auf der Südseite ist auf etwa 425 m nachgewiesen. Im Osten folgt nach einer abgerundeten Ecke ein etwa gleich langes Grabenstück. Im Nordosten befindet sich ein geophysikalisch prospektierter Eingang mit vorgelagertem Grabenstück (titulum). Acht Backöfen mit Arbeitsgrube vervollständigen die bisher ausgegrabenen Strukturen. Sollte sich die Anlage im Norden und Westen in ähnlicher Art fortsetzen, liegt ein unregelmäßiges Viereck mit ei-nem umschlossenen Raum von mindestens 18 ha vor. Unter den noch nicht sehr zahlreichen Funden befinden sich zur römischen Ausrüstung gehören-de Buntmetallgegenstände und vier eiserne Schuhnägel. Die bisher wenigen Hinweise zur zeitlichen Einordnung lassen einen breiten Spielraum vom 1. Jh. bis 3. Jh. nach Christus zu, so dass noch kein sicherer Bezug zu einem eventuell aus der antiken Überlieferung bekannten Feldzug hergestellt wer-den kann.
Römische Truppen in Thüringen (Foto: Die Bildrechte liegen beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar (TLDA).)
Graben des römischen Marschlagers bei Hachelbich, Kyffhäuserkreis während der Ausgrabungen
Die Bildrechte liegen beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar (TLDA).
Derartige Marschlager dienten der Unterbringung der Truppe auf den Feldzügen und waren nur eine Nacht bis einige Tage in Betrieb. Sie sind von den Legionären innerhalb weniger Stunden angelegt worden.
Die antiken Truppenbewegungen folgten damals bekannten Streckenführungen, die durch die Entdeckung erstmals im Detail rekonstruiert werden können. In Nordthüringen bildet das Tal der Wipper zwischen Hainleite und Windleite einen engen natürlichen Korridor mit einem alten Überlandweg, der über das Obereichsfeld nach Westen in Richtung Werra- bzw. Wesertal führt. Nach Osten öffnen sich südlich des Kyffhäusers Wege in das Thüringer Becken, das mittlere Saalegebiet und das östliche Harzvorland.
Römische Truppen in Thüringen (Foto: Die Bildrechte liegen beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar (TLDA).)
Graben des römischen Marschlagers von Hachelbich während der Ausgrabung
Die Bildrechte liegen beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar (TLDA).
Die in diesem Jahr und den Folgejahren geplanten weiteren Ausgrabungen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen werden ohne Zweifel zu einer Vermehrung des Fundbestandes, einer genaueren zeitlichen Einordnung und weiteren Hinweisen zum Aussehen der Anlage führen.