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Do, 20:10 Uhr
10.07.2014

Schottland - mehr als Dudelsack, Kilt und Haggis

Insgesamt zwei Reisegruppen waren mit dem Bus auf Schottlandtour. Diese Reise wurde von einem Wuppetrtaler Reisebüro zusammengestellt und über die Gewerkschaft Knappschaft angeboten. Da auf der 2. Reise noch Plätze frei waren, konnte ich mit meiner Frau ( IG Metall) ebenfalls mitreisen. Von dieser besonderen Erlebnisreise möchte ich gerne mit Text und Bildern berichten, so ein Leser...

Bis auf wenige Ausnahmen gehörten alle Teilnehmer der Generation 60+ an, also Senioren, aber noch fit für solch eine doch etwas anstrengende, aber interessante und erlebnisreiche Reise.

Schottland - mehr als Dudelsack, Kilt und Haggis (Foto: Thomas Leipold) Schottland - mehr als Dudelsack, Kilt und Haggis (Foto: Thomas Leipold)

Unser Hotel, fast ein kleines Schlösschen, in der Stadt Pitlochry war immer wieder Ausgangspunkt für Tagesausflugsfahrten. Der Aufenthalt im Hotel war sehr angenehm. Diverse Salons, Klubräume, Kaminzimmer luden abends zum gemütlichen Beisammensein ein, sicher auch bei dem ein oder anderen Glas Whisky, einem Bier oder einem Cocktail. In unserer Halbpension war ein schottisches Frühstück und abends ein 3 Gänge Menü bereits enthalten. Für einige Reiseteilnehmer waren die Menüs erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig.

Schottland - mehr als Dudelsack, Kilt und Haggis (Foto: Thomas Leipold) Schottland - mehr als Dudelsack, Kilt und Haggis (Foto: Thomas Leipold)

Aber wenn man eine Reise tut, dann möchte man sicher auch regionale Speisen angeboten bekommen und probieren. Sicher ist es der normale deutsche Gast und Gaumen nicht unbedingt gewohnt zum Frühstück Eier mit Speck (Ham and Egg), kleine Bratwürstchen mit Rosmarin gewürzt serviert zu bekommen. Aber es gab natürlich auch Toast, Käse, Schinken, Kochschinken, Marmeladen und etliches mehr, was wir auch als kontinentales Frühstück so bezeichnen würden. Das Servicepersonal und die Betreiberfamilie des Pitlochry Dundarach Hotels waren sehr freundlich, zuvorkommend und höflich und stets bemüht die Gäste zufrieden zu stellen. Einige unserer Teilnehmer hatten hier auch die praktische Möglichkeit ihr Schul- und Praxisenglisch wieder aufzufrischen, aber das Service Team verfügte teils auch über Deutschkenntnisse.

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Pitlochry selbst ist eine für schottische Verhältnisse schon größere Stadt mit mehreren Ortsteilen, im südlichen Teil Schottlands gelegen und zählt zu den so genannten Borders. Das richtige Bergland, die Highlands, befinden sich im weiter nördlichen Teil. Etwas Handwerk, Kunstgewerbe und die kleinste Destillerie Schottlands runden das Bild des Ortes ab, der ansonsten auch sehr stark auf Tourismus ausgerichtet ist. Auf der gesamten Reise und zu den Ausflugsfahrten begleitete uns das Busunternehmen Hainleite Tourist der Fa. Keitel GmbH.

Jochen Keitel, als unser Busfahrer, meisterte nicht nur hervorragend den in Großbritannien üblichen Linksverkehr, auch ein vierspuriger Kreisverkehr mit zusätzlicher Ampelregelung konnte ihn nicht aus seiner Ruhe bringen. Die nächtlichen Überfahrten der Fähre von Rotterdam nach Hull (Niederlande nach England) und auch zurück waren für manche trotz ruhigen Seegangs schon eine kleine Herausforderung, musste man doch auch in der Koje (Bett) mit den leichten Schaukelbewegungen erst einmal zurechtkommen. Auch unser Bus wurde hier mit verschifft und stand somit bei der Ankunft im Hafen wieder zur Verfügung.

Schottland - mehr als Dudelsack, Kilt und Haggis (Foto: Thomas Leipold) Schottland - mehr als Dudelsack, Kilt und Haggis (Foto: Thomas Leipold)

Die Tagesausflüge führten uns beispielsweise nach Inverness – der Hauptstadt der Highlands, über Sterling nach York, Glasgow, Edinburgh – der Hauptstadt Schottlands und auf das Edinburgh Castle. Weitere Ausflüge führten uns nach Aberdeen und nach Schloss Balmoral, dem Sommersitz der Königlichen Familie. Leider war die Queen oder ein anderes Mitglied der Königsfamilie nicht im Schloss, vielleicht hätte man gemeinsam eine Tea Time einlegen können.

Schottland - mehr als Dudelsack, Kilt und Haggis (Foto: Thomas Leipold) Schottland - mehr als Dudelsack, Kilt und Haggis (Foto: Thomas Leipold)

Selbstverständlich ging es bei der Fahrt nach Inverness über die Panoramastraße am Loch Ness entlang. Auch wenn sicher jeder seine Kamera gezückt hatte, aber Nessi ließ sich leider nicht sehen. Zu den Tagesausflügen begleitete uns jeweils ein kompetenter und deutsch sprechender Reisebegleiter/Reisebegleiterin, so dass man viel Interessantes und Wissenswertes unter anderem über die Region, Städte, Schlösser und Castles, deren Geschichte, dem heutigen Leben und vieles mehr erfahren konnte. Immer wieder fielen auch uns die vielen Schornsteine auf den Dächern der Häuser im viktorianischen oder klassizistischem (und für uns eben typisch britisch) auf. Jeder Kamin/Ofen hat seinen eigenen Abzug. Bei einem Haus in Edinburgh zählten wir 24 Schornsteine, dann war die Breite des Hauses für diese Anlagen ausgereizt.

Für alle faszinierend waren während der Fahrten die Ausblicke auf die Landschaften, Siedlungen, Schlösser, Burgen und auch natürlich die weite Bergwelt. Sehr erstaunlich für uns war unter anderem die dort vorkommende Vielfalt, Größe und Farbenpracht an Rhododendren, Ginsterarten und im Hochland das Heidekraut. Wer das Hochland im September besucht kann dann auch die Heide in ihrer vollen Farbenpracht an den Bergen und Hängen genießen. Je weiter man ins Hochland kommt, desto spärlicher wird die Vegetation. Die Faszination dieser Landschaften war für uns sehr beeindruckend.

Während es in den Borders noch Weiden und saftiges Grasland gibt, auf dem auch Kühe und Rinder gehalten werden können, dominiert im Hochland dann die Schafwirtschaft. Unsere Reisebegleiterin erzählte, dass es in Schottland etwa 5,6 Millionen Einwohner gäbe, aber über 13 Millionen Schafe. Man könnte meinen, dass die Schafe offenbar in der kargen Landschaft besser zurecht kämen als die Menschen. Das trifft es aber nicht. Auch hier ergeben sich Notwendigkeiten in der Tierhaltung, wenn man davon zumindest einen Teil seines Lebensunterhaltes bestreiten muss.
Schottland - mehr als Dudelsack, Kilt und Haggis (Foto: Thomas Leipold)
Schottland - mehr als Dudelsack, Kilt und Haggis (Foto: Thomas Leipold)
Schottland - mehr als Dudelsack, Kilt und Haggis (Foto: Thomas Leipold)

Die Wolle und auch das Lamm-/ Schaffleisch werden hier sehr geschätzt. Lamm ist fester Bestandteil der Ernährung.
Bei einem „Schottischen Abend“ am vorletzten Abend in unserem Hotel erlebten wir live einen Dudelsackspieler (Piper) in kompletter Tracht. Der als Kilt (knielange „Schottenrock“) oder Plaid als kürzere Variante ist übrigens nur ein Teil. Zur kompletten Ausstattung gehört quasi alles, vom Stiefel über Socken, Hemd/Bluse bis zur „Mütze“. Das Muster wird als Tartan bezeichnet und charakterisiert insgesamt das Karomuster, mit dem man Zugehörigkeiten (zu Clans/Familien) erkennen kann. Es gibt aber auch „moderne“ Varianten des Tartan. In einer großen Bank in Schottland haben wir zum Beispiel die Angestellten mit einem in „neutralen“ Schwarztönen gehaltenen Kilt gesehen. Unsere Reisebegleitung darauf angesprochen, ob es stimme, dass unter dem Schottenrock gar nichts weiter an Stoff sei antwortete sehr diplomatisch und sagte, dass sich darunter die Zukunft Schottlands befinde. Den Rest überlasse ich gerne Ihrer Fantasie. Wer sich einen solchen Kilt nicht leisten kann, kann ihn auch in entsprechenden Stores ausleihen. Dann wird aber unter anderem aus hygienischen Gründen das Tragen einer Unterhose verlangt.

Doch zurück zu unserem Schottischen Abend. Unter den dargebotenen Stücken habe ich „Amazing Race“ und als Abschlussmelodie auch „Muss i denn zum Städtele hinaus“ sofort wieder erkannt. Den Klang dieses Instrumentes verbindet man automatisch mit Reisen, Ferne, Verträumtheit, Schlössern und Burgen und manchmal schwingt auch ein kleines bisschen Wehmut mit. Denken Sie zum Beispiel an den Titel „Albany“ von Roger Whittaker, dem Schloss hoch in den Bergen von Norton Green. Etwas Wehmut kam auch in uns auf, wussten wir doch, dass wir am übernächsten Morgen mit einem Zwischenstopp bereits die Heimreise antreten werden.
Natürlich war auch eine Whisky-Verkostung mit dabei und es gab den berühmten Haggis, ein Nationalgericht. Parallelen dieser Speise kann man etwa mit der bei uns bekannten Grützwurst (auch Tote Oma zu DDR Zeiten genannt) ziehen. Allerdings war hier auch grobfaserigeres Lammfleisch enthalten, vergleichbar etwa in einer feinen Sülze. Auch hier schmeckte man den Rosmarin als ein Hauptgewürz heraus. Das Gleiche war uns bereits bei anderen Gerichten aufgefallen.

Auf unserer Rückreise von Pitlochry zur Fähre nach Hull machten wir noch einen längeren Zwischenstopp in Gretna Green. Der Ort an der schottischen Grenze zu England gelegen ist durch seine Hochzeitsschmiede weltberühmt geworden. Hier hatten früher die minderjährigen Leute bereits im Alter ab 16 Jahren die Möglichkeit zu heiraten, selbst wenn das nicht im Interesse der Eltern war. Selbstverständlich wurde auch in unserer Gruppe mit 2 ausgewählten Teilnehmern hier eine solche, sicher nicht ganz ernst gemeinte Hochzeitszeremonie während der Führung zelebriert. Zur gleichen Zeit fand aber auch in einem anderen Hochzeitsraum auch eine echte Trauung statt. Im Gegensatz zu Deutschland ist es in Großbritannien egal ob man kirchlich oder standesamtlich heiratet, beides wird gleichberechtigt anerkannt.

Auch die Rückfahrt mit der Fähre von Hull nach Rotterdam war wieder ein Erlebnis. Gegen 20:15 Uhr unserer Zeit legte die Fähre ab. Aber bereits lange vor dieser Zeit waren viele Passagiere auf den Decks um die Aussicht zu genießen, die Verladevorgänge zu beobachten und die Abfahrt hier zu erleben. Ein wunderschönes Panorama bot sich dann auch noch, als die Sonne zwischen den Wolken glutrot unterging und quasi im Meer versank. Auch nach dem Dunkelwerden boten sich immer wieder imposante Bilder wenn andere beleuchtete Passagier- und Frachtschiffe vorbei fuhren.


Schottland (Foto: Thomas Leipold) Schottland (Foto: Thomas Leipold)

Mein Fazit dieser Reise: Ein besonderes Erlebnis mit vielfältigen und faszinierenden Eindrücken, manche kann man gar nicht so in Worte fassen. Treffender ist da der Satz: Man muss es selbst gesehen und erlebt haben.
Vielleicht konnte ich Sie ja etwas für dieses Reiseziel begeistern und Ihre nächste Urlaubsplanung oder Reise geht auch nach Schottland?

Eine interessante Anmerkung für hochgradig sehbehinderte oder blinde Menschen, wie mich:
Nicht nur auf englischen Straßen gilt Linksverkehr, auch z. B. Rolltreppen fahren hier auf der linken Seite aufwärts und rechts wieder abwärts. Leitsysteme, Fußgängerampeln usw. sind ebenfalls so orientiert. In Deutschland ist das genau wie im Straßenverkehr auf der rechten Seite orientiert.

Text und Fotos
Thomas Leipold
Autor: khh

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