So, 12:39 Uhr
31.08.2014
Wilhelm Ranke – Wiehes zu Unrecht vergessener Sohn
Vom Heimatverein Rastenberg erscheint ein Buch über Wilhelm Ranke (1804-1871), der als jüngerer Bruder Leopold von Rankes in Wiehe geboren wurde. Bislang galt er als der vergessene Bruder. Ein Buch über einen interessanten Mann, den die 1860er Kriege ruinierten...
Wilhelm Ranke besuchte Schulpforte, studierte in Halle Theologie und bald Jura, wechselte nach Berlin und begann nach dem Studium seine Berufslaufbahn in Naumburg und Aschersleben. Bald wechselte er nach Posen, wo er Zeitzeuge des polnischen Aufstandes wurde.
1850 wurde er zum Regierungskommissar ernannt, wechselte nach Breslau und arbeitete in der Generalkommission für Schlesien. Dieses Organ hatte die sog. Bauernbefreiung zu realisieren, mit der Ablösung von Grunddienstbarkeiten und der Separation. Eine Verlobung in Martinskirchen zerschlug sich, doch wurden ihm die Chancen erfolgreichen Wirtschaftens demonstriert und für eigene Aktivitäten eröffnet. So wurde auch Wilhelm Ranke zu einem Gründer, der Grund und Boden erwarb und im Raum Storkow sogar Ambitionen hatte, nach Alaun und Kohle suchen zu lassen.
Neuerscheinung zu Wiehes vergessenen Sohnes (Foto: Dr. Dr. Markus Vette, Heimatverein Rastenberg)
Nach eigenen Angaben bereiste er sämtliche schlesischen Kreise und knüpfte Kontakte zur Standesherrschaft Muskau, die zuvor durch Pückler berühmt wurde, wohin sogar nach seinem Tode noch eine kleine Rente gezahlt wurde. Wilhelm Ranke blieb unverheiratet und kinderlos. Er war über Jahre hinweg ein erfolgreicher Schriftsteller, publizierte auf verschiedenen Gebieten, zum Geldwert der Forstberechtigungen, zu den Verirrungen der christlichen Kunst, den Verirrungen der christlichen Welt und schrieb ein Schauspiel Das Täubchen von Neuenburg, was sich auf das schweizerische Neuenburg bezieht und einen preußischen Tenor aufweist.
Wilhelm Ranke sammelte über lange Jahre Gemälde und Kunstschätze, wofür er in Silbersee bei Teupitz eine Galerie errichtet. Etwas nördlicher in Groß Köris hatte er schon 1843 Land erworben und die Siedlung Rankenheim begründet, wo er lange Jahre Torf förderte. 1959 schied er gesundheitlich bedingt aus dem Staatsdienst aus.
Bild des Hauses in Rankenheim/ Groß Köris nahe Berlin (Foto: Dr. Dr. Markus Vette, Heimatverein Rastenberg)
In seinen späten Jahren ging Wilhelm Ranke deutlich auf Distanz zu seinem ältesten Bruder Leopold von Ranke, denn er musste die Folgen der preußischen Politik, die Leopold ja verherrlichte, ausbaden, und diese Folgen der Leibeigenschaft und Fronarbeit waren drastisch und bitter. Sie wurden dem Juristen in Schlesien, zumal unweit die Leibeigenschaft im russisch regierten polnischen Gebiet, bis in die 1860er Jahre deutlich demonstriert. So machte Wilhelm 1865 den preußischen Adel für diese Folgen verantwortlich, in dem Jahr, in dem sein Bruder Leopold geadelt wurde. Wilhelm Ranke sammelte die Biografien der Geschwister, insbesondere der Brüder Ranke, die er in einer Familienchronik niederlegen wollte.
In seinen Unternehmen in Teupitz war er seinen Arbeitern Vorbild, musste sich aber mitunter körperlicher Gewalt von Eindringlingen widersetzen und war in erheblichem Maße von Disziplinlosigkeit und Verantwortungslosigkeit betroffen. Seine Briefe und Notizen zeigen, wie deutlich die Reichseinigungskriege der 1860er Jahre bis in sein Todesjahr 1871 seine Unternehmungen beeinträchtigten und schließlich ruinierten. So wurde das Motto Friede ernährt, Unfriede verzehrt aus seiner thüringischen Heimat für Wilhelm Ranke zu seinem Lebensende eine bittere Wahrheit. Sein Tod blieb übrigens unaufgeklärt, eilig wurde sein Erbe geregelt.
Autograf Wilhelm Ranke Was habe ich auf Erden gewollt… (Foto: Dr. Dr. Markus Vette, Heimatverein Rastenberg)
Der Autor des Buches (Dr. Dr. Markus Vette) hatte bereits zu Otto von Ranke, Leopolds ältesten Sohn, Pfarrer im Militärwaisenhaus Potsdam und in St. Elisabeth Berlin, sowie über Heinrich Ranke, Leopolds Lieblingsbruder, der auf Rügen Bücher weilte, veröffentlicht (Angekommen und angenommen). Für das Buch zu Wilhelm Ranke wurden die Quellen im Nachlass der Geschwister Ranke im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem erkundet und in neue Zusammenhänge gesetzt.
Das neue Buch Wilhelm Ranke erscheint in der Schriftenreihe des Heimatvereins Rastenberg und kann regulär im Buchhandel unter der ISBN-Nummer 3-978-938853-29-0 für 11 Euro bestellt werden. Bei Haushaltwaren Weise in Wiehe, Leopold-von-Ranke-Straße 31, werden freundlicherweise Bücher ausgelegt. Die Einwohner von Wiehe dürfte es vermutlich überraschen, einen so vielseitig gebildeten und aktiven Sohn ihrer Stadt näher kennenzulernen, der manches über Leopold von Ranke in anderem Zusammenhang erscheinen lässt. Denn Wilhelm Rankes Siedlung Rankenheim ist neben den Straßennamen der einzige öffentliche Ort, der mit dem Namen Ranke an das Wirken der Familie aus Wiehe erinnert.
Autor: redWilhelm Ranke besuchte Schulpforte, studierte in Halle Theologie und bald Jura, wechselte nach Berlin und begann nach dem Studium seine Berufslaufbahn in Naumburg und Aschersleben. Bald wechselte er nach Posen, wo er Zeitzeuge des polnischen Aufstandes wurde.
1850 wurde er zum Regierungskommissar ernannt, wechselte nach Breslau und arbeitete in der Generalkommission für Schlesien. Dieses Organ hatte die sog. Bauernbefreiung zu realisieren, mit der Ablösung von Grunddienstbarkeiten und der Separation. Eine Verlobung in Martinskirchen zerschlug sich, doch wurden ihm die Chancen erfolgreichen Wirtschaftens demonstriert und für eigene Aktivitäten eröffnet. So wurde auch Wilhelm Ranke zu einem Gründer, der Grund und Boden erwarb und im Raum Storkow sogar Ambitionen hatte, nach Alaun und Kohle suchen zu lassen.
Neuerscheinung zu Wiehes vergessenen Sohnes (Foto: Dr. Dr. Markus Vette, Heimatverein Rastenberg)
Nach eigenen Angaben bereiste er sämtliche schlesischen Kreise und knüpfte Kontakte zur Standesherrschaft Muskau, die zuvor durch Pückler berühmt wurde, wohin sogar nach seinem Tode noch eine kleine Rente gezahlt wurde. Wilhelm Ranke blieb unverheiratet und kinderlos. Er war über Jahre hinweg ein erfolgreicher Schriftsteller, publizierte auf verschiedenen Gebieten, zum Geldwert der Forstberechtigungen, zu den Verirrungen der christlichen Kunst, den Verirrungen der christlichen Welt und schrieb ein Schauspiel Das Täubchen von Neuenburg, was sich auf das schweizerische Neuenburg bezieht und einen preußischen Tenor aufweist.
Wilhelm Ranke sammelte über lange Jahre Gemälde und Kunstschätze, wofür er in Silbersee bei Teupitz eine Galerie errichtet. Etwas nördlicher in Groß Köris hatte er schon 1843 Land erworben und die Siedlung Rankenheim begründet, wo er lange Jahre Torf förderte. 1959 schied er gesundheitlich bedingt aus dem Staatsdienst aus.
Bild des Hauses in Rankenheim/ Groß Köris nahe Berlin (Foto: Dr. Dr. Markus Vette, Heimatverein Rastenberg)
In seinen späten Jahren ging Wilhelm Ranke deutlich auf Distanz zu seinem ältesten Bruder Leopold von Ranke, denn er musste die Folgen der preußischen Politik, die Leopold ja verherrlichte, ausbaden, und diese Folgen der Leibeigenschaft und Fronarbeit waren drastisch und bitter. Sie wurden dem Juristen in Schlesien, zumal unweit die Leibeigenschaft im russisch regierten polnischen Gebiet, bis in die 1860er Jahre deutlich demonstriert. So machte Wilhelm 1865 den preußischen Adel für diese Folgen verantwortlich, in dem Jahr, in dem sein Bruder Leopold geadelt wurde. Wilhelm Ranke sammelte die Biografien der Geschwister, insbesondere der Brüder Ranke, die er in einer Familienchronik niederlegen wollte.
In seinen Unternehmen in Teupitz war er seinen Arbeitern Vorbild, musste sich aber mitunter körperlicher Gewalt von Eindringlingen widersetzen und war in erheblichem Maße von Disziplinlosigkeit und Verantwortungslosigkeit betroffen. Seine Briefe und Notizen zeigen, wie deutlich die Reichseinigungskriege der 1860er Jahre bis in sein Todesjahr 1871 seine Unternehmungen beeinträchtigten und schließlich ruinierten. So wurde das Motto Friede ernährt, Unfriede verzehrt aus seiner thüringischen Heimat für Wilhelm Ranke zu seinem Lebensende eine bittere Wahrheit. Sein Tod blieb übrigens unaufgeklärt, eilig wurde sein Erbe geregelt.
Autograf Wilhelm Ranke Was habe ich auf Erden gewollt… (Foto: Dr. Dr. Markus Vette, Heimatverein Rastenberg)
Der Autor des Buches (Dr. Dr. Markus Vette) hatte bereits zu Otto von Ranke, Leopolds ältesten Sohn, Pfarrer im Militärwaisenhaus Potsdam und in St. Elisabeth Berlin, sowie über Heinrich Ranke, Leopolds Lieblingsbruder, der auf Rügen Bücher weilte, veröffentlicht (Angekommen und angenommen). Für das Buch zu Wilhelm Ranke wurden die Quellen im Nachlass der Geschwister Ranke im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem erkundet und in neue Zusammenhänge gesetzt.
Das neue Buch Wilhelm Ranke erscheint in der Schriftenreihe des Heimatvereins Rastenberg und kann regulär im Buchhandel unter der ISBN-Nummer 3-978-938853-29-0 für 11 Euro bestellt werden. Bei Haushaltwaren Weise in Wiehe, Leopold-von-Ranke-Straße 31, werden freundlicherweise Bücher ausgelegt. Die Einwohner von Wiehe dürfte es vermutlich überraschen, einen so vielseitig gebildeten und aktiven Sohn ihrer Stadt näher kennenzulernen, der manches über Leopold von Ranke in anderem Zusammenhang erscheinen lässt. Denn Wilhelm Rankes Siedlung Rankenheim ist neben den Straßennamen der einzige öffentliche Ort, der mit dem Namen Ranke an das Wirken der Familie aus Wiehe erinnert.
