Fr, 07:32 Uhr
05.09.2014
Heute vor 100 Jahren
Heute vor 100 Jahren starb im Alter von gerade einmal 36 Jahren der damalige Oberbürgermeister der Stadt Sondershausen, Robert Kämmerer. Dazu erreichte kn folgender historischer Bericht...
Er wurde am 23. Dezember 1877 in Schernberg geboren. Nach der Schulzeit in Schernberg, besuchte er von 1895 bis 1897 das Gymnasium in Sondershausen.
Das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften absolvierte er an den Universitäten in Jena, Berlin und Halle-Wittenberg. 1906 wurde er Richter am fürstlichen Amtsgericht in Sondershausen. In der Trauerfeier ("Der Magistrat, Gemeinderat und sämtliche städtische Beamte hatten sich hierzu eingefunden") wurde sein Werdegang wie folgt beschrieben:
"Als er aus der Schule entlassen wurde, war ein hochbegabter Jüngling und liebenswürdiger Mensch, von dem alle Lehrer die besten Erwartungen hegten.
Nach gründlichem Studium und nachdem er das Leben kennen gelernt und die sogenannten Wanderjahre hinter sich hatte, kam er im Jahre 1907 wieder hierher, wo er trotz seines jugendlichen Alters einstimmig zum Oberhaupt der Stadt gewählt wurde. Das spricht wohl am besten für ihn. Die Erwartungen, die man damals in ihn setzte, hat er vollauf und reichlich erfüllt."
Als Offizier des Reserve-Infanterie-Regiment 82 meldete sich Robert Kämmerer bereits zu Beginn des 1. Weltkrieges im August 1914 freiwillig. Das dritte Bataillon, in dessen Stab er als Bataillons-Adjutant wirkte, versammelte sich in Gotha. Von dort schickte er am 10. August 1914 das folgende Portrait als Postkarte von sich an seine Mutter in Schernberg.
Zwei Tage später erfolgte die Verlegung an die Westfront. Per Zug wurde Aachen erreicht und ohne große Gefechte stand das Regiment am 4. September, einen Tag vor Beginn der Marne-Schlacht nur noch zwei Tage vor Paris in Penchard.
In der Chronik des Regiments schrieb Hauptmann Dr. Ritze: "In der Ferne sahen wir den Lichtschein von Paris und die Scheinwerfer aufblitzen. Einige wollten den Eiffelturm haben leuchten sehen. Wir waren ja auch nur noch etwa 35 km von der Innenstadt entfernt.
Mir ist dieser schöne Sommertag deshalb so sehr in Erinnerung geblieben, weil er der Vorabend furchtbarster Ereignisse für das Regiment war, der Vorabend des Tages, an dem das Regiment die meisten Toten und Verwundeten an Offizieren und Mannschaften in nur wenigen Stunden während des ganzen Krieges verloren hat.
Hierbei fiel durch Kopfschuß der allseitig beliebte Adjutant des Bataillons, Oblt. d. R. Kämmerer - Oberbürgermeister von Sondershausen -, als er mit dem Kommandeur, Major Krag, zum Angriff vorging."
Das war am 5. September 1914. Aber erst 1919 fand er wohl die letzte Ruhe auf dem Soldatenfriedhof Chambry, heute ungefähr eine Autostunde östlich von Paris. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge schreibt:
"Der deutsche Soldatenfriedhof Chambry wurde im Januar 1919 von den französischen Militärbehörden angelegt, die die deutschen Toten aus 25 Gemeindebereichen des Departements Seine-et-Marne hier zusammenbetten.
Dieser Friedhof liegt Paris von allen deutschen Kriegsgräberstätten des Ersten Weltkrieges am nächsten. Zu einem großen Teil handelt es sich um Gefallene oder an ihren Verwundungen Gestorbene der Truppenteile, die die Spitze der deutschen 1. Armee bei ihrem Vorstoß in die Flanke der französischen Hauptstadt Ende August/Anfang September 1914 bildeten. Unter den gegebenen - auch klimatischen Verhältnissen - hat man seinerzeit die Toten auf dem Kampffeld schnell provisorisch beigesetzt; dadurch ging für den größten Teil die Identität verloren. Daher läßt sich für diese Toten nur in Ausnahmefällen feststellen, welcher Truppe sie angehörten und welches ihre Heimatgarnison war."
Man muss also davon ausgehen, dass Robert Kämmerer in einem von zwei Gemeinschaftsgräbern mit insgesamt 998 weiteren nicht identifizierten gefallenen deutschen Soldaten liegt.
Zuause sorgte die Nachricht vom seinem Tod nur einen Monat nach der Mobilmachung für Bestürzung. Hier einige Kommentare aus der Zeitung "Der Deutsche":
"Oberbürgermeister Robert Kämmerer auf dem Felde der Ehre gefallen.
In tiefe, schmerzliche Trauer wird unsere Stadt und werden weite Kreise darüber hinaus durch eine Nachricht versetzt, wonach die Hoffnung aufgegeben werden muß, unser Oberbürgermeister Kämmerer sei nur verwundet worden und befinde sich vielleicht noch am Leben. Dem Magistrat ist heute vormittag eine Feldpostkarte aus Frankreich folgenden Inhalts zugegangen:
..... vor Paris, 6. September 1914. Oberleutnant Kämmerer, Adjutant, gesternabend leider gefallen. Kopfschuß. gez. Krag, Major und Batl.-Kommandeur.
1907, als junger Gerichtsassessor unmittelbar an die Spitze des Gemeinwesens unserer Residenzstadt berufen, hat Oberbürgermeister Kämmerer es verstanden, sich zu einem ebenso entschiedenen wie einsichtsvollen, tüchtigen Leiter desselben zu entwickeln. Auch dem Landtag unseres Fürstentums, dem er seit 1912 angehörte, war er ein eifriges, geschätztes Mitglied. In ersprießlicher Weise trat er für die Förderung der Gemeinden ein. Nun hat Oberbürgermeister Kämmerer noch das Leben dem Vaterlande zum Opfer gebracht. Ehre immerdar seinem Andenken!"
Ebenfalls in der Zeitung veröffentlichte der Gymnasiallehrer Johannes Bärwinkel einige Tage später folgendes Gedicht:
Oberbürgermeister Robert Kämmerer U
Und nun auch du! - Ach schon manches mal,
Daß eine Thräne sich ins Aug' mir stahl!
So manchmal mitten in des Jubels Wogen,
Griff mir's ans Herz und zittere die Hand,
Wenn angstvoll ich die Namen überflogen,
Dahinter jenes Kreuzes Zeichen stand,
Des Kreuzes, das mit fürchterlicher Schwere
Der Heimat trägt die stumme Kunde zu:
"Auch er gefallen auf dem Feld der Ehre!" -
Und nun auch du! -
Und nun auch du! - Noch seh ich hochgemut
Blitzenden Auges dich in heil'ger Glut
Aus ernster Friedensarbeit dich erheben.
Wie du mit deiner ganzen jungen Kraft
Dich je als leuchtend Vorbild ihr gegeben,
Ergriffst das Banner du der Bürgerschaft,
Als kaum des Krieges Furien erwachten,
Und trugst es stolz im ersten Aufgebot
Und zogst hinaus ins Kampfgewühl der Schlachten -
Zum jähen Tod! -
Nun hat man irgendwo - ach, ist das hart! -
Im Feindesland still dich eingescharrt!
Kein Grab ward dir im Schoß der Heimaterde!
Doch wehrt der Ruhm,um den du kämpfend warbst,
Daß je dein Name hier vergessen werde,
Der du für uns den Tod des Helden starbst.
Und wenn vor Gott wir Haupt und Kniee beugen,
Daß gnädig Sieg auf Sieg er uns gebracht,
Sei stolz und dankbar als gefallnen Zeugen
Auch dein gedacht!"
Michael Glaser für Jürgen Meyer, Schernberg, Großneffe von Robert Kämmerer zu dessen 100.Todestag.
Autor: khhEr wurde am 23. Dezember 1877 in Schernberg geboren. Nach der Schulzeit in Schernberg, besuchte er von 1895 bis 1897 das Gymnasium in Sondershausen.
Das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften absolvierte er an den Universitäten in Jena, Berlin und Halle-Wittenberg. 1906 wurde er Richter am fürstlichen Amtsgericht in Sondershausen. In der Trauerfeier ("Der Magistrat, Gemeinderat und sämtliche städtische Beamte hatten sich hierzu eingefunden") wurde sein Werdegang wie folgt beschrieben:
"Als er aus der Schule entlassen wurde, war ein hochbegabter Jüngling und liebenswürdiger Mensch, von dem alle Lehrer die besten Erwartungen hegten.
Nach gründlichem Studium und nachdem er das Leben kennen gelernt und die sogenannten Wanderjahre hinter sich hatte, kam er im Jahre 1907 wieder hierher, wo er trotz seines jugendlichen Alters einstimmig zum Oberhaupt der Stadt gewählt wurde. Das spricht wohl am besten für ihn. Die Erwartungen, die man damals in ihn setzte, hat er vollauf und reichlich erfüllt."
Als Offizier des Reserve-Infanterie-Regiment 82 meldete sich Robert Kämmerer bereits zu Beginn des 1. Weltkrieges im August 1914 freiwillig. Das dritte Bataillon, in dessen Stab er als Bataillons-Adjutant wirkte, versammelte sich in Gotha. Von dort schickte er am 10. August 1914 das folgende Portrait als Postkarte von sich an seine Mutter in Schernberg.
Zwei Tage später erfolgte die Verlegung an die Westfront. Per Zug wurde Aachen erreicht und ohne große Gefechte stand das Regiment am 4. September, einen Tag vor Beginn der Marne-Schlacht nur noch zwei Tage vor Paris in Penchard.
In der Chronik des Regiments schrieb Hauptmann Dr. Ritze: "In der Ferne sahen wir den Lichtschein von Paris und die Scheinwerfer aufblitzen. Einige wollten den Eiffelturm haben leuchten sehen. Wir waren ja auch nur noch etwa 35 km von der Innenstadt entfernt.
Mir ist dieser schöne Sommertag deshalb so sehr in Erinnerung geblieben, weil er der Vorabend furchtbarster Ereignisse für das Regiment war, der Vorabend des Tages, an dem das Regiment die meisten Toten und Verwundeten an Offizieren und Mannschaften in nur wenigen Stunden während des ganzen Krieges verloren hat.
Hierbei fiel durch Kopfschuß der allseitig beliebte Adjutant des Bataillons, Oblt. d. R. Kämmerer - Oberbürgermeister von Sondershausen -, als er mit dem Kommandeur, Major Krag, zum Angriff vorging."
Das war am 5. September 1914. Aber erst 1919 fand er wohl die letzte Ruhe auf dem Soldatenfriedhof Chambry, heute ungefähr eine Autostunde östlich von Paris. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge schreibt:
"Der deutsche Soldatenfriedhof Chambry wurde im Januar 1919 von den französischen Militärbehörden angelegt, die die deutschen Toten aus 25 Gemeindebereichen des Departements Seine-et-Marne hier zusammenbetten.
Dieser Friedhof liegt Paris von allen deutschen Kriegsgräberstätten des Ersten Weltkrieges am nächsten. Zu einem großen Teil handelt es sich um Gefallene oder an ihren Verwundungen Gestorbene der Truppenteile, die die Spitze der deutschen 1. Armee bei ihrem Vorstoß in die Flanke der französischen Hauptstadt Ende August/Anfang September 1914 bildeten. Unter den gegebenen - auch klimatischen Verhältnissen - hat man seinerzeit die Toten auf dem Kampffeld schnell provisorisch beigesetzt; dadurch ging für den größten Teil die Identität verloren. Daher läßt sich für diese Toten nur in Ausnahmefällen feststellen, welcher Truppe sie angehörten und welches ihre Heimatgarnison war."
Man muss also davon ausgehen, dass Robert Kämmerer in einem von zwei Gemeinschaftsgräbern mit insgesamt 998 weiteren nicht identifizierten gefallenen deutschen Soldaten liegt.
Zuause sorgte die Nachricht vom seinem Tod nur einen Monat nach der Mobilmachung für Bestürzung. Hier einige Kommentare aus der Zeitung "Der Deutsche":
"Oberbürgermeister Robert Kämmerer auf dem Felde der Ehre gefallen.
In tiefe, schmerzliche Trauer wird unsere Stadt und werden weite Kreise darüber hinaus durch eine Nachricht versetzt, wonach die Hoffnung aufgegeben werden muß, unser Oberbürgermeister Kämmerer sei nur verwundet worden und befinde sich vielleicht noch am Leben. Dem Magistrat ist heute vormittag eine Feldpostkarte aus Frankreich folgenden Inhalts zugegangen:
..... vor Paris, 6. September 1914. Oberleutnant Kämmerer, Adjutant, gesternabend leider gefallen. Kopfschuß. gez. Krag, Major und Batl.-Kommandeur.
1907, als junger Gerichtsassessor unmittelbar an die Spitze des Gemeinwesens unserer Residenzstadt berufen, hat Oberbürgermeister Kämmerer es verstanden, sich zu einem ebenso entschiedenen wie einsichtsvollen, tüchtigen Leiter desselben zu entwickeln. Auch dem Landtag unseres Fürstentums, dem er seit 1912 angehörte, war er ein eifriges, geschätztes Mitglied. In ersprießlicher Weise trat er für die Förderung der Gemeinden ein. Nun hat Oberbürgermeister Kämmerer noch das Leben dem Vaterlande zum Opfer gebracht. Ehre immerdar seinem Andenken!"
Ebenfalls in der Zeitung veröffentlichte der Gymnasiallehrer Johannes Bärwinkel einige Tage später folgendes Gedicht:
Oberbürgermeister Robert Kämmerer U
Und nun auch du! - Ach schon manches mal,
Daß eine Thräne sich ins Aug' mir stahl!
So manchmal mitten in des Jubels Wogen,
Griff mir's ans Herz und zittere die Hand,
Wenn angstvoll ich die Namen überflogen,
Dahinter jenes Kreuzes Zeichen stand,
Des Kreuzes, das mit fürchterlicher Schwere
Der Heimat trägt die stumme Kunde zu:
"Auch er gefallen auf dem Feld der Ehre!" -
Und nun auch du! -
Und nun auch du! - Noch seh ich hochgemut
Blitzenden Auges dich in heil'ger Glut
Aus ernster Friedensarbeit dich erheben.
Wie du mit deiner ganzen jungen Kraft
Dich je als leuchtend Vorbild ihr gegeben,
Ergriffst das Banner du der Bürgerschaft,
Als kaum des Krieges Furien erwachten,
Und trugst es stolz im ersten Aufgebot
Und zogst hinaus ins Kampfgewühl der Schlachten -
Zum jähen Tod! -
Nun hat man irgendwo - ach, ist das hart! -
Im Feindesland still dich eingescharrt!
Kein Grab ward dir im Schoß der Heimaterde!
Doch wehrt der Ruhm,um den du kämpfend warbst,
Daß je dein Name hier vergessen werde,
Der du für uns den Tod des Helden starbst.
Und wenn vor Gott wir Haupt und Kniee beugen,
Daß gnädig Sieg auf Sieg er uns gebracht,
Sei stolz und dankbar als gefallnen Zeugen
Auch dein gedacht!"
Michael Glaser für Jürgen Meyer, Schernberg, Großneffe von Robert Kämmerer zu dessen 100.Todestag.


