Do, 22:24 Uhr
11.09.2014
Motto: Norddeutsche Impulse
Festival Alter Musik in Thüringen GÜLDENER HERBST 2014 vom 26. September bis 12. Oktober an 16 Orten in Thüringen. Leider nur einmal im Norden Thüringens...
Philipp Heinrich Erlebach zum 300. Todestag und Carl Philipp Emanuel Bach zum 300. Geburtstag
- Internationale, hochkarätige Interpreten der historischen Aufführungspraxis
- Wiedererstaufführungen aus den Archiven
- Konzerte, Führungen, Vortrag, Symposium, Gottesdienste
- Ein Hörausflug in die reiche, vielfarbige Geschichte der Barockmusik im Austausch zwischen Thüringen und den Metropolen der Hanse
Mit: WESER RENAISSANCE BREMEN, Les Amis de Philippe, Hamburger Ratsmusik, Kesselberg Ensemble (Foto), Bell'arte Salzburg, Telemannisches Collegium Michaelstein, Les haulz et les bas, Peter Kooij, Monika Mauch, David Erler, Chiyuki Okamura, Jan van Elsacker, Matthias Vieweg, Julia Kirchner, Dorothea Wagner, Stefan Kunath, Felix Schwandtke, Sergio Azzolini, Ai Ikeda, Ieva Saliete und mehr...
In: Auerstedt, Bad Liebenstein, Benshausen bei Meiningen, Dornburg, Eisfeld, Erfurt, Gotha, Jena, Kospoda, Martinroda bei Ilmenau, Rudolstadt, Sondershausen, Suhl, Waltershausen, Wandersleben und Weimar
Der GÜLDENE HERBST 2014 steht bevor: Das Festival Alter Musik in Thüringen bringt die reiche Musikgeschichte des Landes wieder und unerhört und vielfarbig zum Klingen, eröffnet Entdeckungen und Genüsse für Kenner und Neugierige. Unter dem Motto Norddeutsche Impulse widmet sich das Festival 2014 vor allem Philipp Heinrich Erlebach (1657 Esens/Ostfriesland - 1714 Rudolstadt/Thüringen) zum 300. Todestag und Carl Philipp Emanuel Bach (1714 Weimar - 1788 Hamburg) zum 300. Geburtstag. Beide Komponisten sind biografisch eng mit Thüringen verbunden: Erlebach kam aus dem Norden nach Thüringen, Bach ging von hier in den Norden ein runder Anlass für neuzeitliche Erstaufführungen bislang noch nicht edierter Erlebach-Kompositionen und für eine Beleuchtung der Impulse des Nordens in Thüringen mit Musik aus der Zeit der Kinderstube Erlebachs, mit wechselseitigen Beeinflussungen norddeutscher und italienischer Traditionen, mit Musik aus der Hanseregion Riga, mit einer musikalischen Erkundung der Patenschaft Georg Philipp Telemanns für Carl Philipp Emanuel Bach u. v. m. Auf dem Programm stehen neun Konzerte und elf Musikalische Gottesdienste, vier lokalspezifischen Führungen und Vorträge sowie ein Internationales musikwissenschaftliches Symposium, das allen Musikbegeisterten offensteht. Die Austragungsorte sind: Auerstedt, Bad Liebenstein, Benshausen bei Meiningen, Dornburg, Eisfeld, Erfurt, Gotha, Jena, Kospoda, Martinroda bei Ilmenau, Rudolstadt, Sondershausen, Suhl, Waltershausen, Wandersleben und Weimar. Es gastieren herausragende Interpreten aus dem In- und Ausland.
Zum Auftakt des Festivals in der Jakobskirche Weimar (26.9.) sowie als Wiederholung in der Michealiskirche Erfurt (27.9.) begrüßen wir mit WESER RENAISSANCE BREMEN unter der Leitung von Manfred Cordes. Das Programm entführt in die stilistische Vielfalt der norddeutschen Musik, wie Erlebach sie in seiner Heimat erlebt hat oder erlebt haben könnte. Neben den im 17. Jahrhundert führenden Komponisten des Hamburger Musiklebens wie dem gebürtigen Thüringer Matthias Weckmann (16161674), dem Kapellmeister der Hamburger Ratskapelle Dietrich Becker (16231679) sowie Christoph Bernhard (16281692), dem Meisterschüler von Heinrich Schütz, werden weitere wichtige Komponistenpersönlichkeiten vorgestellt, die die norddeutsche Musikkultur maßgeblich prägten, so u. a. Augustin Pfleger (16351686) und der in Lüneburg wirkende Christian Flor (16261697). ein international renommiertes Ensemble für die Musik des 16. und 17. Jahrhunderts. Das Ensemble widmet sich unermüdlicher Neugier vor allem der Zeit zwischen Josquin Desprez und Dietrich Buxtehude. International gefragte Gesangssolisten und hochspezialisierte Instrumentalisten für die Originalinstrumente der jeweiligen Epoche musizieren zusammen in plastischer Lebendigkeit.
Das Familien- und Jugendkonzert Die Bremer Stadtmusikanten im Schloss Sondershausen (3.10.) lockt alle Generationen in den Blauen Saal, um die Brücke von der Alten Musik in unsere Zeit zu schlagen. Dabei werden viele staunen, welche Nähe es gibt zwischen Jazzimprovisation auf Tuba oder Saxophon und der Musik der Stadtpfeifer auf Zink oder Schalmei. Das Publikum erlebt ein reiches Spektrum an Blasinstrumenten mit Auge und Ohr denn wer kennt sie schon alle: Tuba, Sopransaxophon, Bassklarinette, Whistle, Schalmei und Zink, oder hat sie gar schon zusammen in einem Konzert gehört? Das Jazzduo Jörgen Welander/Mike Schweizer und das Mittelalter-Duo Les haulz et les bas sind komödiantisch kostümiert, um in die Rollen der Bremer Stadtmusikanten zu schlüpfen. Der klassische Märchenstoff wird von der Sprecherin Petra Gack zur Musik erzählt und berührt zentrale Themen des Lebens: Scheitern, Mut, Älterwerden, Freundschaft, Kunst. Das Konzert bietet überdies einen Ausflug in das kulturelle Umfeld, aus dem der geniale Komponist Johann Sebastian Bach hervor gegangen ist: denn er stammte aus einer Familie von Stadtpfeifern, wie sie in vielen Orten Thüringens über Generationen musizierten und zahlreiche, zwar weniger bekannte, aber dennoch qualitativ hoch stehende Komponisten hervorbrachten, die gar nicht so selten in den reichen Hansestädten des norddeutschen Raumes zu Brot und Ruhm gelangten.
Carl Philipp Emanuel Bach, sein Patenonkel Georg Philipp Telemann und ihre musikalische Beziehung stehen im Mittelpunkt, wenn in der St. Petri-Kirche Wandersleben die Hamburger Ratsmusik unter Leitung der Gambistin Simone Eckert aufspielt (28.9.) Der zweitälteste Sohn Johann Sebastian Bachs, hoch geschätzter Komponist und einer der berühmtesten Clavieristen Europas quittierte seinen dreißig Jahre währenden Dienst als Cembalist am Preußischen Hof, um 1768 die Stelle des Kapellmeisters seines verstorbenen Patenonkels, in Hamburg anzunehmen. Eine Gelegenheit, den Unruhen des Siebenjährigen Kriegs zu entgehen, viel mehr jedoch lockte ihn vermutlich der Status des freien bürgerlichen Künstlers ins Hamburger Amt. Dort war er als städtischer Musikdirektor der fünf Hanseatischen Hauptkirchen für etwa zweihundert Konzerte jährlich kompositorisch verantwortlich. Der jeweiligen Hamburger Amtszeit Telemanns und Bachs entstammen auch die fünf Sonaten des Konzertprogramms, die in Rückbesinnung an Bachs Berliner Zeit eine Suite des mit ihm in der Kronprinzlichen Hofkapelle in Rheinsberg musizierenden Theorbisten Ernst Gottlieb Baron (16961760) einrahmen. Telemann und Bach wirkten beide in der Hamburger Ratsmusik, einem vom Stadtrat u. a. für die musikalische Untermalung von Staatsangelegenheiten angestellten Eliteensemble. Seit 1991 knüpft das gleichnamige Ensemble hier an. Der einmalige Reiz des Ensembles entspringt seiner enthusiastischen Interpretation der nuancenreichen, so beredten Musik seiner Vorgänger: ein kreativer Dialog zwischen Tradition und Gegenwart. Zuvor referiert Rainer Bayreuther in der Menantes-Literaturgedenkstätte zum Thema Zwischen Hof und Stadt über das Verhältnis von Kunst und Politik zwischen 1700 und 1750 am Beispiel von Christian Friedrich Hunold (Menantes) und Carl Philipp Emanuel Bach. Zwischen Vortrag und Konzert gibt es im Pfarrhof Kaffee und Kuchen.
Das Schloss Eisfeld und das Alte Schloss Dornburg stehen am 4. und 5. Oktober im Zeichen des Barockfagotts und innovativer, unkonventioneller Musik voller Leidenschaft. Der in Deutschland geborene Johann Gottfried Müthel (1728 Mölln1788 Riga) letzter Schüler J. S. Bachs und exzellenter Cembalist wählte einen Karriereweg, wie ihn damals zahlreiche deutsche Musiker einschlugen: Sie kamen auf ihrer Reise nach Sankt Petersburg auch ins Baltikum, so etwa nach Riga, wo sie attraktive Arbeitsbedingungen vorfanden. Müthel wurde dort Kapellmeister und Organist der Petri-Kirche. Der siebenhundertjährige deutsche Machteinfluss (12. bis 19. Jahrhundert) sowie die geografische Lage Lettlands zwischen Ost und West führten neben allen politischen Schwierigkeiten zu einem regen kulturellen Austausch. So waren auch die Kompositionen Müthels zu Lebzeiten nicht nur in den Kulturhauptstädten des Baltikums, sondern auch in London, Wien und Paris weithin bekannt und wurden gern gespielt. Müthel zu Ehren benannte sich das 2004 von lettischen Musikern und Absolventen der Schola Cantorum Basiliensis gegründete Kesselberg Ensemble (Basel/Riga) nach dem Rigaer Stadtteil, in welchem dieser seinen Lebensabend verbrachte. Innerhalb von zwei recht verschiedenen Solo-Konzerten (der insgesamt acht) von Müthel wird das dynamische Ensemble in Zusammenarbeit mit der lettischen Cembalistin Ieva Saliete, dem Basler Fagottvirtuosen Sergio Azzolini und der in Tokio geborenen Ai Ikeda die leidenschaftliche und bizarre Musik des Komponisten in ihrer ganzen Sturm und Drang-Stilbreite ausloten.
Philipp Heinrich Erlebachs 300. Todestag nimmt auch das international besetzte wissenschaftliche Symposium in Weimar (10.10.), fortgesetzt in Rudolstadt (11.10.) zum Anlass, den in der Musikgeschichtsschreibung lange Zeit vernachlässigten und unterschätzten Komponisten wie seine wenigen von ehemals über eintausend Werken erhaltenen Kompositionen (darunter Kantaten, Liedersammlungen, Motetten, Ouvertüren und Kammermusikwerke) durch die Präsentation aktueller musikwissenschaftlicher Forschungsergebnisse sowie die Möglichkeit zur Diskussion neu ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken. Eine intensive und fundierte Auseinandersetzung mit seinem uvre erscheint umso notwendiger wie auch vielversprechender, als ein Großteil seiner überlieferten Werke bislang nur unediert vorliegt und sein Schaffen in der musikhistorischen Reflexion des Barockzeitalters bisher deutlich unterrepräsentiert ist. Viele unbekannte Aspekte und neue Fragestellungen bzgl. des Schaffens, des Kompositionsstils, der Ästhetik wie auch der zeitgenössischen Wirkung der Werke Philipp Heinrich Erlebachs werden zur Sprache kommen. Die Verortung seiner Musik in der Stilistik des Hochbarock zwischen Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach sowie im Kontext der thüringischen und mitteldeutschen Musikgeschichte wird dabei im Zentrum der Diskussion stehen. Herzlich dazu eingeladen sind neben den musikwissenschaftlichen Spezialisten aus Deutschland, Kanada und Japan auch alle musikbegeisterten oder fachkundigen Interessierten.
Opernhaft wird es am 10.10. in Bad Liebensteins Kurtheater mit Julia Kirchner und Matthias Vieweg und dem Telemannischen Collegium Michaelstein bei Georg Philipp Telemanns Pimpinone, oder Die ungleiche Heirat in halbszenischer Aufführung. Ursprünglich als Intermezzo giocoso für Georg Friedrich Händels Oper »Tamerlano« konzipiert, fand Telemanns »Pimpinone, oder Die ungleiche Heirat« zusammen mit der Händelschen Oper ihre Uraufführung 1725 am Theater des Hamburger Gänsemarktes. Das Publikum war begeistert: Pimpinone wurde zu Telemanns größtem Bühnenerfolg..
Im Zeichen der Ehrung des Rudolstädter Hofkapellmeisters Philipp Heinrich Erlebach (16571714), dessen Todestag sich am 17. April zum 300. Mal jährte steht am 11.10. das Festkonzert auf Schloss Heidecksburg Erlebachs langjähriger Wirkungsstätte. In den 35 Jahren seiner Rudolstädter Zeit als Capellmeister am Hof des Grafen Albert Anton von Schwarzburg-Rudolstadt schuf der universale, gleichermaßen im französischen, italienischen und deutschen Stil bewanderte und immens fleißige Komponist mehr als 750 Werke zur Andacht, Gemütsergötzung und Prunkentfaltung und bediente dabei nahezu alle musikalischen Gattungen seiner Epoche. Etwa neunzig Prozent seines handschriftlich überlieferten uvres wurden jedoch beim Schlossbrand von 1735 unwiederbringlich vernichtet. Dieser Verlust wiegt umso schwerer, als Erlebach zu seiner Zeit als einer der bedeutendsten in Mitteldeutschland wirkenden Tonsetzer zwischen Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach galt. Dementsprechend kursierten wiederum glücklicherweise unter den Kantoren bereits vor dem Schlossbrand zahlreiche Kopien Erlebachscher Werke. So kann das Ensemble Les Amis de Philippe unter der Leitung von Sebastian Knebel Kompositionen aus mehreren Schaffensepochen Erlebachs präsentieren, deren bisher noch unedierte Aufführungspartituren vom Musikwissenschaftler Manfred Fechner eigens für das Gedenkkonzert erstellt wurden: Eine der berühmten Ouvertüren (1693) sowie zwei der geistlichen Kantaten (1708) werden kontrastiert von zwei intimen, heutzutage wohl zum ersten Mal wieder erklingenden Kammerkantaten mit jeweils vierstimmiger Motette. Den festlichen Ausklang bildet die vollständige Wiederaufführung der 1708 im thüringischen Mühlhausen uraufgeführten dreisätzigen Repräsentationsmusik zu Ehren von Kaiser Joseph I.
Zum Abschluss in der Maloca Auerstedt (12.10.) präsentieren Bellarte Salzburg das eigens auf das Festival zugeschnittene Programm Der edle Wettstreit. Ein Abend ein Prinzip ein hochkünstlerischer Disput. In Wettstreit und Vereinigung, gemäß der doppelten Bedeutung des Terminus concertare, stehen sich zwei barocke Streichinstrumente gegenüber: Die Viola da gamba, die am Bein, also auf dem Schoß haltend gespielt wird, übernahm zunächst auf Grund ihrer Größe im Ensemble die Funktion des Solo-Tenors und galt als das aristokratische, das edle unter den Streichinstrumenten. Als Gegenpart dazu präsentiert sich die kleine, anfänglich als niederes, zum Tanz aufspielendes Instrument eingesetzte Barockvioline, die sich im Laufe des 17. Jahrhunderts zum virtuosen und damit angesehenen Soloinstrument mauserte. Es erklingen Werke von Philipp Heinrich Erlebach, Dietrich Buxtehude, Johann Rosenmüller und anderen norddeutschen Meistern. Machen Sie sich auf einen musikalisch-phantastischen Wettstreit des renommierten Ensembles gefasst als krönender Abschluss des Festivals!
Das Programm und weitere Informationen siehe: www.gueldener-herbst.de sowie www.amt-ev.de/de/Presse/Presse.php
Autor: khhPhilipp Heinrich Erlebach zum 300. Todestag und Carl Philipp Emanuel Bach zum 300. Geburtstag
- Internationale, hochkarätige Interpreten der historischen Aufführungspraxis
- Wiedererstaufführungen aus den Archiven
- Konzerte, Führungen, Vortrag, Symposium, Gottesdienste
- Ein Hörausflug in die reiche, vielfarbige Geschichte der Barockmusik im Austausch zwischen Thüringen und den Metropolen der Hanse
Mit: WESER RENAISSANCE BREMEN, Les Amis de Philippe, Hamburger Ratsmusik, Kesselberg Ensemble (Foto), Bell'arte Salzburg, Telemannisches Collegium Michaelstein, Les haulz et les bas, Peter Kooij, Monika Mauch, David Erler, Chiyuki Okamura, Jan van Elsacker, Matthias Vieweg, Julia Kirchner, Dorothea Wagner, Stefan Kunath, Felix Schwandtke, Sergio Azzolini, Ai Ikeda, Ieva Saliete und mehr...
In: Auerstedt, Bad Liebenstein, Benshausen bei Meiningen, Dornburg, Eisfeld, Erfurt, Gotha, Jena, Kospoda, Martinroda bei Ilmenau, Rudolstadt, Sondershausen, Suhl, Waltershausen, Wandersleben und Weimar
Der GÜLDENE HERBST 2014 steht bevor: Das Festival Alter Musik in Thüringen bringt die reiche Musikgeschichte des Landes wieder und unerhört und vielfarbig zum Klingen, eröffnet Entdeckungen und Genüsse für Kenner und Neugierige. Unter dem Motto Norddeutsche Impulse widmet sich das Festival 2014 vor allem Philipp Heinrich Erlebach (1657 Esens/Ostfriesland - 1714 Rudolstadt/Thüringen) zum 300. Todestag und Carl Philipp Emanuel Bach (1714 Weimar - 1788 Hamburg) zum 300. Geburtstag. Beide Komponisten sind biografisch eng mit Thüringen verbunden: Erlebach kam aus dem Norden nach Thüringen, Bach ging von hier in den Norden ein runder Anlass für neuzeitliche Erstaufführungen bislang noch nicht edierter Erlebach-Kompositionen und für eine Beleuchtung der Impulse des Nordens in Thüringen mit Musik aus der Zeit der Kinderstube Erlebachs, mit wechselseitigen Beeinflussungen norddeutscher und italienischer Traditionen, mit Musik aus der Hanseregion Riga, mit einer musikalischen Erkundung der Patenschaft Georg Philipp Telemanns für Carl Philipp Emanuel Bach u. v. m. Auf dem Programm stehen neun Konzerte und elf Musikalische Gottesdienste, vier lokalspezifischen Führungen und Vorträge sowie ein Internationales musikwissenschaftliches Symposium, das allen Musikbegeisterten offensteht. Die Austragungsorte sind: Auerstedt, Bad Liebenstein, Benshausen bei Meiningen, Dornburg, Eisfeld, Erfurt, Gotha, Jena, Kospoda, Martinroda bei Ilmenau, Rudolstadt, Sondershausen, Suhl, Waltershausen, Wandersleben und Weimar. Es gastieren herausragende Interpreten aus dem In- und Ausland.
Zum Auftakt des Festivals in der Jakobskirche Weimar (26.9.) sowie als Wiederholung in der Michealiskirche Erfurt (27.9.) begrüßen wir mit WESER RENAISSANCE BREMEN unter der Leitung von Manfred Cordes. Das Programm entführt in die stilistische Vielfalt der norddeutschen Musik, wie Erlebach sie in seiner Heimat erlebt hat oder erlebt haben könnte. Neben den im 17. Jahrhundert führenden Komponisten des Hamburger Musiklebens wie dem gebürtigen Thüringer Matthias Weckmann (16161674), dem Kapellmeister der Hamburger Ratskapelle Dietrich Becker (16231679) sowie Christoph Bernhard (16281692), dem Meisterschüler von Heinrich Schütz, werden weitere wichtige Komponistenpersönlichkeiten vorgestellt, die die norddeutsche Musikkultur maßgeblich prägten, so u. a. Augustin Pfleger (16351686) und der in Lüneburg wirkende Christian Flor (16261697). ein international renommiertes Ensemble für die Musik des 16. und 17. Jahrhunderts. Das Ensemble widmet sich unermüdlicher Neugier vor allem der Zeit zwischen Josquin Desprez und Dietrich Buxtehude. International gefragte Gesangssolisten und hochspezialisierte Instrumentalisten für die Originalinstrumente der jeweiligen Epoche musizieren zusammen in plastischer Lebendigkeit.
Das Familien- und Jugendkonzert Die Bremer Stadtmusikanten im Schloss Sondershausen (3.10.) lockt alle Generationen in den Blauen Saal, um die Brücke von der Alten Musik in unsere Zeit zu schlagen. Dabei werden viele staunen, welche Nähe es gibt zwischen Jazzimprovisation auf Tuba oder Saxophon und der Musik der Stadtpfeifer auf Zink oder Schalmei. Das Publikum erlebt ein reiches Spektrum an Blasinstrumenten mit Auge und Ohr denn wer kennt sie schon alle: Tuba, Sopransaxophon, Bassklarinette, Whistle, Schalmei und Zink, oder hat sie gar schon zusammen in einem Konzert gehört? Das Jazzduo Jörgen Welander/Mike Schweizer und das Mittelalter-Duo Les haulz et les bas sind komödiantisch kostümiert, um in die Rollen der Bremer Stadtmusikanten zu schlüpfen. Der klassische Märchenstoff wird von der Sprecherin Petra Gack zur Musik erzählt und berührt zentrale Themen des Lebens: Scheitern, Mut, Älterwerden, Freundschaft, Kunst. Das Konzert bietet überdies einen Ausflug in das kulturelle Umfeld, aus dem der geniale Komponist Johann Sebastian Bach hervor gegangen ist: denn er stammte aus einer Familie von Stadtpfeifern, wie sie in vielen Orten Thüringens über Generationen musizierten und zahlreiche, zwar weniger bekannte, aber dennoch qualitativ hoch stehende Komponisten hervorbrachten, die gar nicht so selten in den reichen Hansestädten des norddeutschen Raumes zu Brot und Ruhm gelangten.
Carl Philipp Emanuel Bach, sein Patenonkel Georg Philipp Telemann und ihre musikalische Beziehung stehen im Mittelpunkt, wenn in der St. Petri-Kirche Wandersleben die Hamburger Ratsmusik unter Leitung der Gambistin Simone Eckert aufspielt (28.9.) Der zweitälteste Sohn Johann Sebastian Bachs, hoch geschätzter Komponist und einer der berühmtesten Clavieristen Europas quittierte seinen dreißig Jahre währenden Dienst als Cembalist am Preußischen Hof, um 1768 die Stelle des Kapellmeisters seines verstorbenen Patenonkels, in Hamburg anzunehmen. Eine Gelegenheit, den Unruhen des Siebenjährigen Kriegs zu entgehen, viel mehr jedoch lockte ihn vermutlich der Status des freien bürgerlichen Künstlers ins Hamburger Amt. Dort war er als städtischer Musikdirektor der fünf Hanseatischen Hauptkirchen für etwa zweihundert Konzerte jährlich kompositorisch verantwortlich. Der jeweiligen Hamburger Amtszeit Telemanns und Bachs entstammen auch die fünf Sonaten des Konzertprogramms, die in Rückbesinnung an Bachs Berliner Zeit eine Suite des mit ihm in der Kronprinzlichen Hofkapelle in Rheinsberg musizierenden Theorbisten Ernst Gottlieb Baron (16961760) einrahmen. Telemann und Bach wirkten beide in der Hamburger Ratsmusik, einem vom Stadtrat u. a. für die musikalische Untermalung von Staatsangelegenheiten angestellten Eliteensemble. Seit 1991 knüpft das gleichnamige Ensemble hier an. Der einmalige Reiz des Ensembles entspringt seiner enthusiastischen Interpretation der nuancenreichen, so beredten Musik seiner Vorgänger: ein kreativer Dialog zwischen Tradition und Gegenwart. Zuvor referiert Rainer Bayreuther in der Menantes-Literaturgedenkstätte zum Thema Zwischen Hof und Stadt über das Verhältnis von Kunst und Politik zwischen 1700 und 1750 am Beispiel von Christian Friedrich Hunold (Menantes) und Carl Philipp Emanuel Bach. Zwischen Vortrag und Konzert gibt es im Pfarrhof Kaffee und Kuchen.
Das Schloss Eisfeld und das Alte Schloss Dornburg stehen am 4. und 5. Oktober im Zeichen des Barockfagotts und innovativer, unkonventioneller Musik voller Leidenschaft. Der in Deutschland geborene Johann Gottfried Müthel (1728 Mölln1788 Riga) letzter Schüler J. S. Bachs und exzellenter Cembalist wählte einen Karriereweg, wie ihn damals zahlreiche deutsche Musiker einschlugen: Sie kamen auf ihrer Reise nach Sankt Petersburg auch ins Baltikum, so etwa nach Riga, wo sie attraktive Arbeitsbedingungen vorfanden. Müthel wurde dort Kapellmeister und Organist der Petri-Kirche. Der siebenhundertjährige deutsche Machteinfluss (12. bis 19. Jahrhundert) sowie die geografische Lage Lettlands zwischen Ost und West führten neben allen politischen Schwierigkeiten zu einem regen kulturellen Austausch. So waren auch die Kompositionen Müthels zu Lebzeiten nicht nur in den Kulturhauptstädten des Baltikums, sondern auch in London, Wien und Paris weithin bekannt und wurden gern gespielt. Müthel zu Ehren benannte sich das 2004 von lettischen Musikern und Absolventen der Schola Cantorum Basiliensis gegründete Kesselberg Ensemble (Basel/Riga) nach dem Rigaer Stadtteil, in welchem dieser seinen Lebensabend verbrachte. Innerhalb von zwei recht verschiedenen Solo-Konzerten (der insgesamt acht) von Müthel wird das dynamische Ensemble in Zusammenarbeit mit der lettischen Cembalistin Ieva Saliete, dem Basler Fagottvirtuosen Sergio Azzolini und der in Tokio geborenen Ai Ikeda die leidenschaftliche und bizarre Musik des Komponisten in ihrer ganzen Sturm und Drang-Stilbreite ausloten.
Philipp Heinrich Erlebachs 300. Todestag nimmt auch das international besetzte wissenschaftliche Symposium in Weimar (10.10.), fortgesetzt in Rudolstadt (11.10.) zum Anlass, den in der Musikgeschichtsschreibung lange Zeit vernachlässigten und unterschätzten Komponisten wie seine wenigen von ehemals über eintausend Werken erhaltenen Kompositionen (darunter Kantaten, Liedersammlungen, Motetten, Ouvertüren und Kammermusikwerke) durch die Präsentation aktueller musikwissenschaftlicher Forschungsergebnisse sowie die Möglichkeit zur Diskussion neu ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken. Eine intensive und fundierte Auseinandersetzung mit seinem uvre erscheint umso notwendiger wie auch vielversprechender, als ein Großteil seiner überlieferten Werke bislang nur unediert vorliegt und sein Schaffen in der musikhistorischen Reflexion des Barockzeitalters bisher deutlich unterrepräsentiert ist. Viele unbekannte Aspekte und neue Fragestellungen bzgl. des Schaffens, des Kompositionsstils, der Ästhetik wie auch der zeitgenössischen Wirkung der Werke Philipp Heinrich Erlebachs werden zur Sprache kommen. Die Verortung seiner Musik in der Stilistik des Hochbarock zwischen Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach sowie im Kontext der thüringischen und mitteldeutschen Musikgeschichte wird dabei im Zentrum der Diskussion stehen. Herzlich dazu eingeladen sind neben den musikwissenschaftlichen Spezialisten aus Deutschland, Kanada und Japan auch alle musikbegeisterten oder fachkundigen Interessierten.
Opernhaft wird es am 10.10. in Bad Liebensteins Kurtheater mit Julia Kirchner und Matthias Vieweg und dem Telemannischen Collegium Michaelstein bei Georg Philipp Telemanns Pimpinone, oder Die ungleiche Heirat in halbszenischer Aufführung. Ursprünglich als Intermezzo giocoso für Georg Friedrich Händels Oper »Tamerlano« konzipiert, fand Telemanns »Pimpinone, oder Die ungleiche Heirat« zusammen mit der Händelschen Oper ihre Uraufführung 1725 am Theater des Hamburger Gänsemarktes. Das Publikum war begeistert: Pimpinone wurde zu Telemanns größtem Bühnenerfolg..
Im Zeichen der Ehrung des Rudolstädter Hofkapellmeisters Philipp Heinrich Erlebach (16571714), dessen Todestag sich am 17. April zum 300. Mal jährte steht am 11.10. das Festkonzert auf Schloss Heidecksburg Erlebachs langjähriger Wirkungsstätte. In den 35 Jahren seiner Rudolstädter Zeit als Capellmeister am Hof des Grafen Albert Anton von Schwarzburg-Rudolstadt schuf der universale, gleichermaßen im französischen, italienischen und deutschen Stil bewanderte und immens fleißige Komponist mehr als 750 Werke zur Andacht, Gemütsergötzung und Prunkentfaltung und bediente dabei nahezu alle musikalischen Gattungen seiner Epoche. Etwa neunzig Prozent seines handschriftlich überlieferten uvres wurden jedoch beim Schlossbrand von 1735 unwiederbringlich vernichtet. Dieser Verlust wiegt umso schwerer, als Erlebach zu seiner Zeit als einer der bedeutendsten in Mitteldeutschland wirkenden Tonsetzer zwischen Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach galt. Dementsprechend kursierten wiederum glücklicherweise unter den Kantoren bereits vor dem Schlossbrand zahlreiche Kopien Erlebachscher Werke. So kann das Ensemble Les Amis de Philippe unter der Leitung von Sebastian Knebel Kompositionen aus mehreren Schaffensepochen Erlebachs präsentieren, deren bisher noch unedierte Aufführungspartituren vom Musikwissenschaftler Manfred Fechner eigens für das Gedenkkonzert erstellt wurden: Eine der berühmten Ouvertüren (1693) sowie zwei der geistlichen Kantaten (1708) werden kontrastiert von zwei intimen, heutzutage wohl zum ersten Mal wieder erklingenden Kammerkantaten mit jeweils vierstimmiger Motette. Den festlichen Ausklang bildet die vollständige Wiederaufführung der 1708 im thüringischen Mühlhausen uraufgeführten dreisätzigen Repräsentationsmusik zu Ehren von Kaiser Joseph I.
Zum Abschluss in der Maloca Auerstedt (12.10.) präsentieren Bellarte Salzburg das eigens auf das Festival zugeschnittene Programm Der edle Wettstreit. Ein Abend ein Prinzip ein hochkünstlerischer Disput. In Wettstreit und Vereinigung, gemäß der doppelten Bedeutung des Terminus concertare, stehen sich zwei barocke Streichinstrumente gegenüber: Die Viola da gamba, die am Bein, also auf dem Schoß haltend gespielt wird, übernahm zunächst auf Grund ihrer Größe im Ensemble die Funktion des Solo-Tenors und galt als das aristokratische, das edle unter den Streichinstrumenten. Als Gegenpart dazu präsentiert sich die kleine, anfänglich als niederes, zum Tanz aufspielendes Instrument eingesetzte Barockvioline, die sich im Laufe des 17. Jahrhunderts zum virtuosen und damit angesehenen Soloinstrument mauserte. Es erklingen Werke von Philipp Heinrich Erlebach, Dietrich Buxtehude, Johann Rosenmüller und anderen norddeutschen Meistern. Machen Sie sich auf einen musikalisch-phantastischen Wettstreit des renommierten Ensembles gefasst als krönender Abschluss des Festivals!
Das Programm und weitere Informationen siehe: www.gueldener-herbst.de sowie www.amt-ev.de/de/Presse/Presse.php
