Mi, 11:06 Uhr
17.09.2014
Reinhold Messner wird 70
Er begleitet ihn gewissermaßen seit seiner Kindheit: Reinhold Messner, der legendäre Abenteurer, Bergsteiger, Selbsterfahrer, Selbstvermarkter, Warner, Autor und Unternehmer. Geburtstagsgedanken von Bodo Schwarzberg...
Reinhold Messner am 9. März 2012 in der Nordhäuser Ballspielhalle.
Als er im Jahre 1986 mit dem 8.516 Meter hohen Lhotse seinen 14. Achttausender bestieg, schnitt ich aus dem Erfurter SED-Organ Das Volk, Rubrik Auf einen Blick, einen Siebenzeiler aus, in dem diese unglaubliche Leistung in einem einzigen Satz Erwähnung fand.
Ich klebte den Siebenzeiler in ein Buch über die 100 höchsten Berge der Welt in das Kapitel Lhotse, ohne auch nur im Entferntesten daran zu glauben, dass ich ihm angesichts von Mauer und Stacheldraht dies einmal würde persönlich zeigen können.
Doch als er am 9. März 2012 in Nordhausen weilte, um sein Leben in einem Vortrag Revue passieren zu lassen, konnte ich Messner diese kleine Geschichte erzählen und mir das Buch von ihm signieren lassen.
Ein Höhepunkt war für mich zuvor das Interview, das ich im Auftrag der nnz mit ihm führen durfte. Ich bewundere vor allem seinen Ehrgeiz, mit dem er selbst von der ganzen Welt für unerreichbar gehaltene Ziele erreichen konnte und immer noch erreicht. Er ist das lebende Beispiel dafür, was ein Mensch auf welchem Gebiet auch immer leisten kann, wenn er es nur will.
Aber er steht auch für die Nutzung der Medien als sein Vehikel, mit denen er sich herausstellt und die Welt an sich selbst misst. Dass er mit seinem Aufbruch ins Ungewisse auf diese Weise den Boden für Hunderttausende kleine Alltagsaussteiger bereitete, die die Gebirge und Schneewüsten dieser Welt überfluten und verschandeln, weist er überwiegend von sich.
Die Imbissbude auf dem Matterhorn aus dem Jahre 1988, aufgestellt für die Sendung Verstehen Sie Spaß, kann als bedrohliches Symbol und als Warnung dafür dienen, was die Marktwirtschaft tut, wenn ihr jemand wie Messner einen profitablen Weg aufzeigt.
Dieser Weg drängt selbst die Lebensgefahr an den Rand, in die sich Menschen begeben, die es wagen, der vermeintlich schützenden Zivilisation für einige Zeit den Rücken zu kehren. Der Tod seines Bruders Günter am Nanga Parbat im Jahre 1970 und die bis heute anhaltenden Diskussionen über Schuld und Fahrlässigkeit ist mit ein Ausdruck dafür. Denn eines steht doch fest: Auch Günter Messner wusste, dass sein Leben am gefährlichsten Achttausender der Welt nicht so sicher ist, wie daheim in Südtirol. Das aber schreibt kaum jemand.
Messners Kunst der Selbstvermarktung, die heute in seinem MMM, dem aus sechs Niederlassungen bestehenden, von dem Abenteurer vollkommen allein finanzierten Messner Mountain Museum, gipfelt, und mit der Yeti-Geschichte eine recht schrille Blüte trieb, hat dennoch auch einen Nutzen für diese Welt: Denn nie wird der Wegbereiter für Hunderttausende andererseits müde, die Fragilität unserer von ihm mit zugänglich gemachten Naturlandschaften herauszustellen, ihre Gefährdung durch Profitsucht und Egomanentum.
Nachdem er 1989/90 als erster Mensch gemeinsam mit Arved Fuchs die Antarktis durchquert hatte, machte er seinen ganzen Einfluss geltend, den eisigen Kontinent durch einen neuen Antarktisvertrag vor Baggern und Bohrgeräten aller Art für immer zu schützen. Dies gelang: Vorerst.
Bodo Schwarzberg
Kommentare bitte nur mit Klarnamen
Autor: redReinhold Messner am 9. März 2012 in der Nordhäuser Ballspielhalle.
Als er im Jahre 1986 mit dem 8.516 Meter hohen Lhotse seinen 14. Achttausender bestieg, schnitt ich aus dem Erfurter SED-Organ Das Volk, Rubrik Auf einen Blick, einen Siebenzeiler aus, in dem diese unglaubliche Leistung in einem einzigen Satz Erwähnung fand.
Ich klebte den Siebenzeiler in ein Buch über die 100 höchsten Berge der Welt in das Kapitel Lhotse, ohne auch nur im Entferntesten daran zu glauben, dass ich ihm angesichts von Mauer und Stacheldraht dies einmal würde persönlich zeigen können.
Doch als er am 9. März 2012 in Nordhausen weilte, um sein Leben in einem Vortrag Revue passieren zu lassen, konnte ich Messner diese kleine Geschichte erzählen und mir das Buch von ihm signieren lassen.
Ein Höhepunkt war für mich zuvor das Interview, das ich im Auftrag der nnz mit ihm führen durfte. Ich bewundere vor allem seinen Ehrgeiz, mit dem er selbst von der ganzen Welt für unerreichbar gehaltene Ziele erreichen konnte und immer noch erreicht. Er ist das lebende Beispiel dafür, was ein Mensch auf welchem Gebiet auch immer leisten kann, wenn er es nur will.
Aber er steht auch für die Nutzung der Medien als sein Vehikel, mit denen er sich herausstellt und die Welt an sich selbst misst. Dass er mit seinem Aufbruch ins Ungewisse auf diese Weise den Boden für Hunderttausende kleine Alltagsaussteiger bereitete, die die Gebirge und Schneewüsten dieser Welt überfluten und verschandeln, weist er überwiegend von sich.
Die Imbissbude auf dem Matterhorn aus dem Jahre 1988, aufgestellt für die Sendung Verstehen Sie Spaß, kann als bedrohliches Symbol und als Warnung dafür dienen, was die Marktwirtschaft tut, wenn ihr jemand wie Messner einen profitablen Weg aufzeigt.
Dieser Weg drängt selbst die Lebensgefahr an den Rand, in die sich Menschen begeben, die es wagen, der vermeintlich schützenden Zivilisation für einige Zeit den Rücken zu kehren. Der Tod seines Bruders Günter am Nanga Parbat im Jahre 1970 und die bis heute anhaltenden Diskussionen über Schuld und Fahrlässigkeit ist mit ein Ausdruck dafür. Denn eines steht doch fest: Auch Günter Messner wusste, dass sein Leben am gefährlichsten Achttausender der Welt nicht so sicher ist, wie daheim in Südtirol. Das aber schreibt kaum jemand.
Messners Kunst der Selbstvermarktung, die heute in seinem MMM, dem aus sechs Niederlassungen bestehenden, von dem Abenteurer vollkommen allein finanzierten Messner Mountain Museum, gipfelt, und mit der Yeti-Geschichte eine recht schrille Blüte trieb, hat dennoch auch einen Nutzen für diese Welt: Denn nie wird der Wegbereiter für Hunderttausende andererseits müde, die Fragilität unserer von ihm mit zugänglich gemachten Naturlandschaften herauszustellen, ihre Gefährdung durch Profitsucht und Egomanentum.
Nachdem er 1989/90 als erster Mensch gemeinsam mit Arved Fuchs die Antarktis durchquert hatte, machte er seinen ganzen Einfluss geltend, den eisigen Kontinent durch einen neuen Antarktisvertrag vor Baggern und Bohrgeräten aller Art für immer zu schützen. Dies gelang: Vorerst.
Bodo Schwarzberg
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