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So, 10:11 Uhr
28.09.2014

Nachklang zur Sonderausstellung

„Wir schaffen auch einem jczlichen bürgere fride in seiner behausunge – Gerichtsbarkeit und Kriminalfälle vom Mittelalter bis zur Neuzeit in der Kyffhäuserregion“. Eine Nachbetrachtung zur Sonderaussellung im Regionalmuseum Bad Frankenhausen...

Am 14. September, mit dem „Tag des offenen Denkmals“, endete die diesjährige Sonderausstellung der Sommermonate. Zahlreiche Besucher aus Stadt und Region haben die Ausstellung besucht. Bereits in den zurückliegenden Ausgaben haben wir in loser Reihenfolge einige Ausstellungsthemen veröffentlicht. Hier nun ein weiterer Beitrag:

Von Stein und Sühnekreuzen

An Weg – und Straßenrändern oder an Wegkreuzungen haben sich bis in die Gegenwart besondere Denkmale des Mittelalters erhalten. Es handelt sich um Steinkreuze, die mehr oder weniger kunstvoll gearbeitet sind. In der Regel bestehen sie aus dem Steinmaterial, welches sich in unmittelbarer Umgebung des Standortes befindet. Ein solches Steinkreuz wurde gesetzt, um Sühne für verschieden Taten zu leisten. Oft handelte es sich um einen Mordfall. Die im mittelalterlichen christlichen Glauben verwurzelten Menschen gingen davon aus, dass das Opfer unvorbereitet in die Seligkeit gegangen ist. Dem Täter wurde zur Pflicht auferlegt, zur Sühne verschiedene Opfer zu bringen. Unter anderem musste von ihm ein Steinkreuz als Zeichen der Buße gesetzt werden. Dieses wurde nicht immer an die Stelle der Tat gesetzt, sondern an einem belebten Weg oder an einer Straße. Viele Menschen sollten auf die Tat aufmerksam gemacht werden und gleichzeitig sprachen die Vorübergehenden ein Gebet für das Opfer. Die Errichtung dieser Sühnekreuze fällt in die Zeit des 13. bis 16. Jahrhunderts. Nach der Reformation setzte sich langsam ein anderes Weltverständnis durch und für die Bestrafung von Mordtaten war die weltliche Rechtsprechung zuständig. Die Stein- oder Sühnekreuze haben sich bis in die Gegenwart erhalten und sie unterliegen dem Denkmalsschutz.

Nachklang zur Sonderausstellung (Foto: Regionalmuseum Bad Frankenhausen) Nachklang zur Sonderausstellung (Foto: Regionalmuseum Bad Frankenhausen)

Steinkreuz in Seehausen im Juni 2014

Um die Steinkreuze ranken sich meist Geschichten und Sagen, wie um das Steinkreuz, welches sich an der Landstraße zwischen Ichstedt und Udersleben unter einer Linde befindet.
Vermutlich steht es an dieser Stelle seit dem 15. Jahrhundert. Noch zum Ende des 19. Jahrhunderts soll auf dem Kreuz ein Beil erkennbar gewesen sein
.
Eine dieser Sagen erzählt:
„Einst ging ein Fleischer aus Bad Frankenhausen gegen Abend nach vollbrachtem Tagewerk von Ichstedt kommend der Heimat zu. An der Grenze zwischen Ichstedt und Udersleben sah er ein Kalb stehen, das ihm herrenlos erschien. Von Skrupel nicht geplagt, ergriff der kräftige Mann das Tier und huckte es sich auf. Als ihm aber beim Weitergehen das Kalb immer schwerer wurde, bekam er Gewissensbisse und versuchte daher das Tier zurückzutragen. Aber noch ehe er an die Fundstelle kam, hatte ihm der Teufel, der die Gestalt des Kalbes angenommen hatte, das Genick umgedreht und der Fleischer sank leblos zu Boden. Das Kalb soll noch heute in der Flur umherlaufen und die Gegend unsicher machen.“

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Eine andere Sage erzählt:
„In der Nähe von Ichstedt standen früher 3 Kreuze in der Flur. Hier soll ein Glockengießermeister mit seinem Gesellen und seinem Lehrling den Auftrag zum Guß einer Glocke erhalten haben. Der erste Guß war mißlungen. Als der Meister nun zum zweiten Guß schritt und auch das Erz bereits in der Schmelze war, glaubte er, daß die Menge nicht ausreichen würde. Er machte sich daher auf den Weg nach Frankenhausen, um von dort noch Erz zu holen, seinen Lehrjungen ließ er aber an der Stelle zurück, damit dieser das Feuer unter der Schmelze unterhielt.

Der verspürte aber große Lust, sich selbst einmal zu versuchen, handelte gegen des Meisters Anordnung und Befehl und ließ die Glockenspeise in die Form laufen. Der Guß gelang. Als der Meister nun von Frankenhausen zurückkam und feststellen mußte, daß der Lehrling gegen sein Gebot gehandelt hatte, schlug er diesen brutal zu Tode. Der ihm mit Erz nachfolgende Geselle hatte den Totschlag mit ansehen müssen. Da er ihn ungerechtfertigt fand, empörte ihn die Tat seines Meisters und erschlug den Jähzornigen, dann aber legte er selbst Hand an sich, weil auch er ungerecht gehandelt hatte. Für die drei Glockengießer wurden später drei unterschiedlich große Steinkreuze gesetzt, das größte für den Meister, das mittelste für den Gesellen und das kleinste für den Lehrling.“
Heute steht an der vermeintlichen Stelle noch ein Steinkreuz, welches gleichzeitig die Flurgrenze zwischen Udersleben und Ichstedt bildet.

Antje Kuchenbecker, Dipl.-Museologin
Ihr Museumsteam
Autor: khh

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