Di, 12:10 Uhr
07.10.2014
Rückblick: Veranstaltungen im Panorama Museum
Auch diesen Monat macht Fred Böhme vom Panoramamuseum Bad Frankenhausen einen Rückblick auf die letzten Veranstaltungen...
Am 26. September fand mit der Lesung + Ausstellung in der Studiogalerie der zweite Teil des diesjährigen Projektes Zeitenwende – 100 Jahre 1. Weltkrieg statt, der gemeinsam mit dem Bad Frankenhäuser Bibliotheksverein vorbereitet und realisiert wurde. Leider fand diese ambitionierte Gedächtnisveranstaltung nur wenige interessierte Besucher.
Selbst die Kunstfreunde, die an diesem Abend die einmalige Gelegenheit hatten, Werke völlig vergessener Künstler in Augenschein zu nehmen, ließen sich diese Chance entgehen. Wann aber kann man noch Werke von Friedrich von Schennis, Oskar Graf, Cornelia Paczka-Wagner, Bruno Heroux oder Theo Scharf im Original erleben? Auch die Lesung selbst bot einige literarische Perlen jenseits des überaus populären Im Westen nichts neues von Remarques oder Arnold Zweigs Erziehung vor Verdun an, zum Beispiel einen Auszug aus Ludwig Winders Thronfolger, dem es wie keinem anderen zuvor gelang, die Dramatik der Ereignisse um das Attentat auf den österreichischen Thronfolger einzufangen, aber auch überaus prägnante Passagen aus Ernst Tollers Erinnerungsbuch Eine Jugend in Deutschland oder Carl Zuckmayers Memoiren Als wär ´s ein Stück von mir.
Am eindringlichsten waren aber sicher die Texte, in denen die Zeitgenossen von damals selbst zu Wort kamen und ihre Erlebnisse schilderten oder in Feldpostbriefen ihren Angehörigen davon berichteten. Natürlich war das eine Menge Textmaterial, das an diesem Abend von lesenden Laien und nicht von Schauspielerprofis vorgetragen wurde – letztere hätten manchem Text sicher noch mehr Leben einhauchen und damit dramatischere Wirkungen verleihen können – doch ändert das nichts daran, dass dieser Abend durchaus für manch anderen geschichtsinteressierten Gast ebenfalls eine literarisch-künstlerische Horizonterweiterung hätte werden können.
Amanda Rheaume Trio, live 1; Rechteinhaber: Olaf Telle
Ganz anders dagegen sah es am Abend des 3. Oktober in der Eingangshalle des Museums aus. Am Tag der deutschen Einheit, an dem bereits tagsüber weit über 700 Besucher das Panoramagemälde und die laufende Sonderausstellung besichtigt hatten, kamen abends dann noch einmal mehr als 130 Gäste zum Konzert des kanadischen AMANDA RHEAUME TRIOs.
Amanda Rheaume, Frankokanadierin mit einer Menge schottischer, französischer und indianischer Vorfahren, von denen erstere zur Generation der ersten europäischen Siedler Manitobas gehörten, verstand diesen Abend ähnlich wie ihre aktuelle CD-Veröffentlichung Keep A Fire als eine Geschichten-Reise in die Vergangenheit ihrer Familie und zugleich Kanadas. Das Auftaktstück war erst einmal Open Door, eine musikalische Aufforderung einzutreten und veranschaulichte den traditionellen musikalischen Kosmos des Trios. Amanda spielte perkussiv ihre akustische Gitarre, übernahm den gesanglichen Hauptpart und ab und an spielte sie dazu noch Mundharmonika, Fraser Holmes zu ihrer Linken widmete sich entweder seiner E-Gitarre oder der Mandoline und unterstützte sie bei mehrstimmigen Gesangspassagen und zu ihrer Rechten MJ Dandeneau (MJ steht führ Marie-Josée) am E-Bass, die ebenfalls beim Backround-Gesang mitmachte.
Dem musikalischen Auftakt folgte dann in gebrochenem Deutsch die von Marie-Jo vorgetragene Begrüßung des Publikums, was eine pure Charmeoffensive war und dafür einige Lacher erntete und sofort freundlichen Beifall vom Publikum erhielt. Strongest Heart war als nächstes auch zugleich das Auftaktstück ihrer aktuellen CD. Hier zeigte Fraser bereits, welch begnadeter Gitarrist er ist, wenn er mit kleinen Licks und sparsamen Gitarren-Läufen Americana-Breitwand-Feeling verbreitete, Marie-Jo auch mal den Bass markant singen ließ und dazu der mehrstimmige Satzgesang der Drei, der durchaus wohlig an längst vergessene Americana-Zeiten in den späten 60ern und frühen 70ern erinnerte. Das funktioniert nicht nur in den Weiten Kanadas oder denen der USA sondern auch auf dem Schlachtberg von Bad Frankenhausen, denn das Publikum wirkte von Anfang an hochgestimmt.
Das Folgestück Steal It Back erlebte an diesem Abend seine Bühnenpremiere, folglich war hier auch noch nicht alles ganz rund, doch der Wechselgesang zwischen Amanda und ihren beiden Mitstreitern geriet so mitreißend, dass das Publikum spontan mit klatschte, erst recht bei dem wunderbar-rasanten Gitarrensolo von Fraser. Natürlich wäre es passender gewesen, dazu zu tanzen, wie Amanda danach feststellte, einer Aufforderung, der im Laufe des Abends tatsächlich einige Gäste nachkamen.
Vor dem nächsten Stück erzählte sie von ihrer Großmutter Stella, einer Indianerin, die einen Franzosen heiratete. Doch erst einmal musste sie ihm beibringen, wie man Feuer im Regen entzündet, also ein kultureller Austausch der besonderen Art und dann folgte mit dem großartigen Keep A Fire In The Rain einer der Höhepunkte dieses Konzertabends, bei dem Marie-Jo ihren Bass mit dem Bogen strich und auf diese Weise seltsame Geräusche entlockte und Fraser mit atmosphärischen Gitarren-Klängen überraschte, was den Raum irgendwie öffnete und beim Zuhörer ein Gefühl von Weite erzeugte. Und gerade diese, Amandas Familiengeschichten gaben dem Abend eine besondere, eine sehr persönliche Note. Das war kulturelle Begegnung, die über bloße Unterhaltung hinaus ging.
Bei der Vorstellung ihrer Mitmusiker kam sie nicht umhin, darauf aufmerksam zu machen, dass Marie-Jo nicht aus derselben Stadt wie sie und Fraser komme, sondern aus dem Norden Winnipegs, wo es ziemlich kalt ist und wo sie, so frotzelte Amanda, in einem Iglu hause. Sie erzählte von der Weite und den großen Entfernungen in ihrem Heimatland, wogegen Strecken von Österreich nach Bad Frankenhausen, die sie an diesem Tag absolviert hatten, sich bescheiden ausnehmen würden. Dann kündigte Marie-Jo mit ihrer unfreiwillig komischen, abgelesenen deutschen Ansage Write You A Letter einen Song für alle an, die einen schlechten Tag hatten.
Und prompt folgte eine Nummer, die wie eine Tüte Rückenwind wirkte und in jeder Country-Kneipe bedenkenlos aufgeführt werden könnte. Neben überwiegend eigenen Stücken erwiesen die drei auch großen Musikerkollegen ihres Heimatlandes ihre Referenz, indem sie Neil Youngs Heart Of Gold oder Bruce Cockburns Lovers In A Dangerous Time an diesem Abend. Das Publikum reagierte darauf erst recht sehr positiv. Viele verkaufte CDs und gleich mehrere Zugaben am Ende des Konzertes waren Beweis genug dafür, wie positiv dieser Konzertabend von seinen zahlreichen Besuchern aufgenommen wurde.
Fred Böhme
Autor: khhAm 26. September fand mit der Lesung + Ausstellung in der Studiogalerie der zweite Teil des diesjährigen Projektes Zeitenwende – 100 Jahre 1. Weltkrieg statt, der gemeinsam mit dem Bad Frankenhäuser Bibliotheksverein vorbereitet und realisiert wurde. Leider fand diese ambitionierte Gedächtnisveranstaltung nur wenige interessierte Besucher.
Selbst die Kunstfreunde, die an diesem Abend die einmalige Gelegenheit hatten, Werke völlig vergessener Künstler in Augenschein zu nehmen, ließen sich diese Chance entgehen. Wann aber kann man noch Werke von Friedrich von Schennis, Oskar Graf, Cornelia Paczka-Wagner, Bruno Heroux oder Theo Scharf im Original erleben? Auch die Lesung selbst bot einige literarische Perlen jenseits des überaus populären Im Westen nichts neues von Remarques oder Arnold Zweigs Erziehung vor Verdun an, zum Beispiel einen Auszug aus Ludwig Winders Thronfolger, dem es wie keinem anderen zuvor gelang, die Dramatik der Ereignisse um das Attentat auf den österreichischen Thronfolger einzufangen, aber auch überaus prägnante Passagen aus Ernst Tollers Erinnerungsbuch Eine Jugend in Deutschland oder Carl Zuckmayers Memoiren Als wär ´s ein Stück von mir.
Am eindringlichsten waren aber sicher die Texte, in denen die Zeitgenossen von damals selbst zu Wort kamen und ihre Erlebnisse schilderten oder in Feldpostbriefen ihren Angehörigen davon berichteten. Natürlich war das eine Menge Textmaterial, das an diesem Abend von lesenden Laien und nicht von Schauspielerprofis vorgetragen wurde – letztere hätten manchem Text sicher noch mehr Leben einhauchen und damit dramatischere Wirkungen verleihen können – doch ändert das nichts daran, dass dieser Abend durchaus für manch anderen geschichtsinteressierten Gast ebenfalls eine literarisch-künstlerische Horizonterweiterung hätte werden können.
Amanda Rheaume Trio, live 1; Rechteinhaber: Olaf Telle
Ganz anders dagegen sah es am Abend des 3. Oktober in der Eingangshalle des Museums aus. Am Tag der deutschen Einheit, an dem bereits tagsüber weit über 700 Besucher das Panoramagemälde und die laufende Sonderausstellung besichtigt hatten, kamen abends dann noch einmal mehr als 130 Gäste zum Konzert des kanadischen AMANDA RHEAUME TRIOs.
Amanda Rheaume, Frankokanadierin mit einer Menge schottischer, französischer und indianischer Vorfahren, von denen erstere zur Generation der ersten europäischen Siedler Manitobas gehörten, verstand diesen Abend ähnlich wie ihre aktuelle CD-Veröffentlichung Keep A Fire als eine Geschichten-Reise in die Vergangenheit ihrer Familie und zugleich Kanadas. Das Auftaktstück war erst einmal Open Door, eine musikalische Aufforderung einzutreten und veranschaulichte den traditionellen musikalischen Kosmos des Trios. Amanda spielte perkussiv ihre akustische Gitarre, übernahm den gesanglichen Hauptpart und ab und an spielte sie dazu noch Mundharmonika, Fraser Holmes zu ihrer Linken widmete sich entweder seiner E-Gitarre oder der Mandoline und unterstützte sie bei mehrstimmigen Gesangspassagen und zu ihrer Rechten MJ Dandeneau (MJ steht führ Marie-Josée) am E-Bass, die ebenfalls beim Backround-Gesang mitmachte.
Dem musikalischen Auftakt folgte dann in gebrochenem Deutsch die von Marie-Jo vorgetragene Begrüßung des Publikums, was eine pure Charmeoffensive war und dafür einige Lacher erntete und sofort freundlichen Beifall vom Publikum erhielt. Strongest Heart war als nächstes auch zugleich das Auftaktstück ihrer aktuellen CD. Hier zeigte Fraser bereits, welch begnadeter Gitarrist er ist, wenn er mit kleinen Licks und sparsamen Gitarren-Läufen Americana-Breitwand-Feeling verbreitete, Marie-Jo auch mal den Bass markant singen ließ und dazu der mehrstimmige Satzgesang der Drei, der durchaus wohlig an längst vergessene Americana-Zeiten in den späten 60ern und frühen 70ern erinnerte. Das funktioniert nicht nur in den Weiten Kanadas oder denen der USA sondern auch auf dem Schlachtberg von Bad Frankenhausen, denn das Publikum wirkte von Anfang an hochgestimmt.
Das Folgestück Steal It Back erlebte an diesem Abend seine Bühnenpremiere, folglich war hier auch noch nicht alles ganz rund, doch der Wechselgesang zwischen Amanda und ihren beiden Mitstreitern geriet so mitreißend, dass das Publikum spontan mit klatschte, erst recht bei dem wunderbar-rasanten Gitarrensolo von Fraser. Natürlich wäre es passender gewesen, dazu zu tanzen, wie Amanda danach feststellte, einer Aufforderung, der im Laufe des Abends tatsächlich einige Gäste nachkamen.
Vor dem nächsten Stück erzählte sie von ihrer Großmutter Stella, einer Indianerin, die einen Franzosen heiratete. Doch erst einmal musste sie ihm beibringen, wie man Feuer im Regen entzündet, also ein kultureller Austausch der besonderen Art und dann folgte mit dem großartigen Keep A Fire In The Rain einer der Höhepunkte dieses Konzertabends, bei dem Marie-Jo ihren Bass mit dem Bogen strich und auf diese Weise seltsame Geräusche entlockte und Fraser mit atmosphärischen Gitarren-Klängen überraschte, was den Raum irgendwie öffnete und beim Zuhörer ein Gefühl von Weite erzeugte. Und gerade diese, Amandas Familiengeschichten gaben dem Abend eine besondere, eine sehr persönliche Note. Das war kulturelle Begegnung, die über bloße Unterhaltung hinaus ging.
Bei der Vorstellung ihrer Mitmusiker kam sie nicht umhin, darauf aufmerksam zu machen, dass Marie-Jo nicht aus derselben Stadt wie sie und Fraser komme, sondern aus dem Norden Winnipegs, wo es ziemlich kalt ist und wo sie, so frotzelte Amanda, in einem Iglu hause. Sie erzählte von der Weite und den großen Entfernungen in ihrem Heimatland, wogegen Strecken von Österreich nach Bad Frankenhausen, die sie an diesem Tag absolviert hatten, sich bescheiden ausnehmen würden. Dann kündigte Marie-Jo mit ihrer unfreiwillig komischen, abgelesenen deutschen Ansage Write You A Letter einen Song für alle an, die einen schlechten Tag hatten.
Und prompt folgte eine Nummer, die wie eine Tüte Rückenwind wirkte und in jeder Country-Kneipe bedenkenlos aufgeführt werden könnte. Neben überwiegend eigenen Stücken erwiesen die drei auch großen Musikerkollegen ihres Heimatlandes ihre Referenz, indem sie Neil Youngs Heart Of Gold oder Bruce Cockburns Lovers In A Dangerous Time an diesem Abend. Das Publikum reagierte darauf erst recht sehr positiv. Viele verkaufte CDs und gleich mehrere Zugaben am Ende des Konzertes waren Beweis genug dafür, wie positiv dieser Konzertabend von seinen zahlreichen Besuchern aufgenommen wurde.
Fred Böhme

