Di, 15:23 Uhr
07.10.2014
Erich-Kästner Abend
Vom Verein der Freunde und Förderer der Stadt- und Kurbibliothek Bad Frankenhausen kam dieser Bericht, verbunden mit eionem Tipp zur geschenkten Stunde...
Unter dem Titel Leben ist immer lebensgefährlich lud der Verein der Freunde und Förderer der Stadt- und Kurbibliothek Bad Frankenhausen am 25.09.2014 zu einem Erich-Kästner-Abend ein. Die Vereinsmitglieder Annerose Schaadt und Marianne Ehrenberg stellten das dichterische Schaffen des am 23. Februar 1899 in Dresden geborenen Schriftstellers und Journalisten vor.
Unter anderem erfuhren die Zuhörer, dass Erich Kästner nie vor gehabt hatte Kinderbücher zu schreiben. Auf diese Idee brachte ihn erst die Verlegerin Edith Jacobsohn, die nach deutschen Autoren für ihren Kinderbuchverlag Williams & Co suchte. Sie ermutigte ihn, nicht nur über Kinder sondern auch für Kinder zu schreiben. So machte sich Kästner an die ersten Kapitel seines Romans Emil und die Detektive, mit dem er 1929 berühmt wurde. Diesem folgten 1930 Pünktchen und Anton sowie 1933 Das fliegende Klassenzimmer. Aber der Schriftsteller schrieb nicht nur für Kinder. Der junge Kästner, der freche Shootingstar der Berliner Literatur-Szene 1931, hatte in seinem ersten Roman "Fabian. Die Geschichte eines Moralisten" alle Register gezogen. Doch zu explizit waren die Sexszenen, zu verunglimpfend die zynischen Sticheleien der Protagonisten über deutsche Nationalheiligtümer, zu eklig fiel manche Bauchbeschreibung aus.
Noch in der verharmlosten Fassung galt das Werk als dekadent und obszön. Aber auch mit seinen Gedichten macht sich Kästner nicht nur Freunde. In teilweise lockerer Umgangssprache kritisiert er in seinen Werken gesellschaftliche Missstände wie Untertanengeist und die Verherrlichung des Krieges. So schreibt er zum Beispiel in einer Parodie auf ein Gedicht von Goethe: Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn? Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Diese Einstellungen führten dazu, dass seine Bücher bei der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 auf die Scheiterhaufen kamen. Obwohl Kästner von den Nationalsozialisten mehrfach verhaftet wurde und 1942 sogar Schreibverbot erhielt, blieb er trotzdem in Deutschland. Er schrieb unter einem anderen Namen weiter und verfasste sogar das Drehbuch zum Monumentalfilm Münchhausen, der 1942 in Berlin gedreht wird. Nach dem Krieg leitete Kästner das Feuilleton der Neuen Zeitung in München. Dies ist die erste überregionale Zeitung, die nach dem Krieg in Deutschland erscheinen darf. Er gründete zwei Kabaretts: 1945 Die Schaubude, 1951 Die kleine Freiheit in München. Ab 1946 gab Kästner die Zeitschrift Pinguin. Für junge Leute heraus. Er schrieb in dieser Zeit die Kinderbücher Das doppelte Lottchen und Die Konferenz der Tiere. Die Wiederentdeckung seines literarischen Werks aus der Zeit der Weimarer Republik begann erst ab den 70er Jahren (Fabian wurde erst 1980 verfilmt). 1974 verstarb er in München. Angeregt durch den Erich-Kästner-Abend werden wohl einige der Zuhörer zu den Werken dieses Autors greifen. Ein großes Dankeschön an Frau Schaadt und Frau Ehrenberg für ihren Vortrag und Dank für die Vorbereitung an das Team der Bibliothek.
Am 25.10.2014 um 19.30 Uhr findet traditionell unsere Die geschenkte Stunde in der Stadt- und Kurbibliothek statt. Es werden wieder 4 bekannte Bürger unserer Stadt ihre Lieblingsliteratur vorstellen.
Norbert Bagschik
Vereinsvorsitzender
Autor: khhUnter dem Titel Leben ist immer lebensgefährlich lud der Verein der Freunde und Förderer der Stadt- und Kurbibliothek Bad Frankenhausen am 25.09.2014 zu einem Erich-Kästner-Abend ein. Die Vereinsmitglieder Annerose Schaadt und Marianne Ehrenberg stellten das dichterische Schaffen des am 23. Februar 1899 in Dresden geborenen Schriftstellers und Journalisten vor.
Unter anderem erfuhren die Zuhörer, dass Erich Kästner nie vor gehabt hatte Kinderbücher zu schreiben. Auf diese Idee brachte ihn erst die Verlegerin Edith Jacobsohn, die nach deutschen Autoren für ihren Kinderbuchverlag Williams & Co suchte. Sie ermutigte ihn, nicht nur über Kinder sondern auch für Kinder zu schreiben. So machte sich Kästner an die ersten Kapitel seines Romans Emil und die Detektive, mit dem er 1929 berühmt wurde. Diesem folgten 1930 Pünktchen und Anton sowie 1933 Das fliegende Klassenzimmer. Aber der Schriftsteller schrieb nicht nur für Kinder. Der junge Kästner, der freche Shootingstar der Berliner Literatur-Szene 1931, hatte in seinem ersten Roman "Fabian. Die Geschichte eines Moralisten" alle Register gezogen. Doch zu explizit waren die Sexszenen, zu verunglimpfend die zynischen Sticheleien der Protagonisten über deutsche Nationalheiligtümer, zu eklig fiel manche Bauchbeschreibung aus.
Noch in der verharmlosten Fassung galt das Werk als dekadent und obszön. Aber auch mit seinen Gedichten macht sich Kästner nicht nur Freunde. In teilweise lockerer Umgangssprache kritisiert er in seinen Werken gesellschaftliche Missstände wie Untertanengeist und die Verherrlichung des Krieges. So schreibt er zum Beispiel in einer Parodie auf ein Gedicht von Goethe: Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn? Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Diese Einstellungen führten dazu, dass seine Bücher bei der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 auf die Scheiterhaufen kamen. Obwohl Kästner von den Nationalsozialisten mehrfach verhaftet wurde und 1942 sogar Schreibverbot erhielt, blieb er trotzdem in Deutschland. Er schrieb unter einem anderen Namen weiter und verfasste sogar das Drehbuch zum Monumentalfilm Münchhausen, der 1942 in Berlin gedreht wird. Nach dem Krieg leitete Kästner das Feuilleton der Neuen Zeitung in München. Dies ist die erste überregionale Zeitung, die nach dem Krieg in Deutschland erscheinen darf. Er gründete zwei Kabaretts: 1945 Die Schaubude, 1951 Die kleine Freiheit in München. Ab 1946 gab Kästner die Zeitschrift Pinguin. Für junge Leute heraus. Er schrieb in dieser Zeit die Kinderbücher Das doppelte Lottchen und Die Konferenz der Tiere. Die Wiederentdeckung seines literarischen Werks aus der Zeit der Weimarer Republik begann erst ab den 70er Jahren (Fabian wurde erst 1980 verfilmt). 1974 verstarb er in München. Angeregt durch den Erich-Kästner-Abend werden wohl einige der Zuhörer zu den Werken dieses Autors greifen. Ein großes Dankeschön an Frau Schaadt und Frau Ehrenberg für ihren Vortrag und Dank für die Vorbereitung an das Team der Bibliothek.
Am 25.10.2014 um 19.30 Uhr findet traditionell unsere Die geschenkte Stunde in der Stadt- und Kurbibliothek statt. Es werden wieder 4 bekannte Bürger unserer Stadt ihre Lieblingsliteratur vorstellen.
Norbert Bagschik
Vereinsvorsitzender
