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Fr, 00:36 Uhr
07.11.2014

Rückblick auf Benefizkonzert

Der 200.Geburtstag des Frankenhäuser Orgelbauer Julius Strobel wurde würdig und fröhlich gefeiert. Peter Zimmer schaut für kn zurück...


Am 7. Oktober 1814 wurde Julius Strobel geboren. Dies war für den Verein „Orgelfreunde der Großen-Strobel-Orgel e.V.“ Anlaß. eine würdige Geburtstagsfeier zum 200. vorzubereiten. In zahlreichen Sitzungen überlegte sich der Vorstand ein abwechslungsreiches Programm, holte sich Partner mit ins Boot und lud viele Gäste für den 11. Oktober 2014 in die Unterkirche zu Bad Frankenhausen ein.

Rückblick auf Benefizkonzert (Foto: Peter Zimmer) Rückblick auf Benefizkonzert (Foto: Peter Zimmer)

Um 15.00 Uhr begann der Reigen der diversen Veranstaltungen. Nach Begrüßung durch den Vereinsvorsitzenden Ulrich Schreiber und dem Kreiskantor Andreas Fauß (Sondershausen) referierte Museumsdirektor Dr. U. Hahnemann mit dem Thema „Orgelbauer in Bad Frankenhausen“. Durch seine umfangreichen Recherchen wurde deutlich, dass nicht nur Julius Strobel und seine Söhne, sondern auch vorher Johann Nordt in Bad Frankenhausen das Orgelhandwerk in hoher Qualität realisierten.

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Und wie immer sprach Dr. Hahnemann frei und sehr lebendig, so das die zahlreichen Zuhörer (der Gemeindesaal war mit etwa 100 Gästen gut gefüllt) gar nicht merkten, wie schnell die 60 Minuten vorbei waren.

Anschließend gab es ein musikalisches Intermezzo an der Orgel mit Kantorin Laura Schildmann. Da sie nur zu gut um die nichtspielbaren Register der Orgel weiß, konnte sie – wie immer – gekonnt den Zuhörern einige romantische Kompositionen darbieten. Dass dabei manchmal auch ein nicht passender „Pfeifton“ zu hören war, war gewollt, damit deutlich wird, dass die Orgel wirklich dringend die Sanierung braucht.

Rückblick auf Benefizkonzert (Foto: Peter Zimmer) Rückblick auf Benefizkonzert (Foto: Peter Zimmer)

Kantorin –Laura Schildmann

Natürlich ist es „Sitte und Gebrauch“, dass an solch einem Tag ein geistliches Wort an die Anwesenden gerichtet wird. Dies geschah durch Superintendent Kristóf Bálint.

In seiner Ansprache bereitete er die neue Spendenaktion des Fördervereins vor. Er führte aus: „Liebe Geburtstagsfestgemeinde, es ist schon ein schöner wenn auch ungewöhnlicher Anlass, dass wir heute hier zusammensitzen und miteinander Geburtstag eines Mannes feiern, der nicht unter uns weilt. Nun weiß ich nicht, wie sehr er an diesem Tage Anteil nehmen könnte, im 200. Lebensjahr lässt die Konzentration gewiss schon mehr nach als bei manchem, der mit 70 Jahren stetig unterwegs und beschäftigt ist oder mit 50 zuweilen einschläft, weil die Kraft auch schon nicht mehr langt. Zu Julius Strobel ist deswegen in einer Andacht nicht viel zu sagen, dass war an anderer Stelle zu hören und zu lesen und wird auch weiter noch zu hören sein. Wichtig ist mir ein Gedanke, der ganz belangreich zu Strobel und auch den anderen Orgelbauern gehört, von denen uns Dr. Hahnemann um 15 Uhr erzählte. Sie alle haben Ihre Gaben zu Ihrer Berufung gemacht.

Für Gaben ist dabei oft ein Synonym gebräuchlich, das auf einem Text fußt, der heute eine besondere Rolle spielen wird und auf den ich unsere Aufmerksamkeit lenken möchte: Mathäus Kapitel 25. Dort lesen wir, kurz paraphrasiert, von einem Herrn, der eine längere Reise antrat. Er überließ drei Knechten je eine größere Summe Geldes in der damals gebräuchlichen Währung „Talent“ (griech: ta,lanton „die Waage“ - ein Talent [griechische Rechnungseinheit] entsprach sechstausend Drachmen/Denare. Eine Drachme war der Tageslohn eines Arbeiters. Die anvertraute Summe betrug also 30.000 (82 Jahre), 12.000 (33 Jahre) bzw. 6.000 (16,5 Jahre) Einkünfte eines Tagelöhners. Eine unvorstellbare Menge Geld für damalige Zeit. Zum Vergleich: die Einkünfte König Herodes' des Großen betrugen 900 Talente per anno). Die drei Knechte gingen sehr unterschiedlich mit ihren Talenten um. Die beiden mit fünf bzw. zwei Talenten gingen los, setzten Ihre Talente ein, riskierten u.U. den Verlust der Talente und machten ordentlich Gewinn. Der dritte war ängstlicher Art und vergrub sein Talent. Als der Herr wiederkam, lobte er die beiden ersten, die ihre Talente engagiert einsetzten, den, der es verbarg, schalt er aus.

Dies einmal als Zusammenfassung in nuce, ich komme gleich darauf zurück. Die Währung „Talent“ ist wie vieles Biblisches in unseren aktiven „Sprachschatz“ eingegangen und steht für Gaben wie Spielen eines Instrumentes, Sangeskunst, Zahlengedächtnis, sportliche, handwerkliche, künstlerische Fertigkeiten aller Art. Wer mit solchen Gaben ausgestattet ist, der ist gesegnet, scheinbar pagan formuliert, der ist „talentiert“.

Die Frankenhäuser Orgelbauer, mitsamt ihres berühmtesten, haben mit Ihren „Talenten gewuchert“, d.h. sie haben sie nicht vergraben wie der Diener, der sein Talent im Boden versenkte. Ihn schilt der Herr, weil er es nicht einsetzte, damit arbeitete und Gewinn erzielte.

Wenn wir mal von der Bedeutung von Talent als Währung absehen und auf die Konnotation unserer Tage achten, so bekommt diese biblische Geschichte einen unglaublich aktuellen Bezug.

Julius Alexander Strobel hat sein Talent nicht vergeudet, obwohl er aus der Not, bedingt durch den frühen Tod des Vaters und der Notwendigkeit schnell Geld zu verdienen, um die sieben Geschwister zu ernähren, mehrere Berufe kennenlernte und in ihnen arbeitete. Er widmete sich schlussendlich dem, worin er die meisten Gaben besaß, ging in die Lehre, um das, was schon angelegt war, noch zu vervollkommnen, baute sein Wissen und sein Können, sein Talent, aus und setzte es gekonnt ein. Davon können wir uns beim Klang der Orgel überzeugen, deren Klangschönheit heute nicht einmal ansatzweise und im vollen Umfang erkennbar ist, es jedoch hoffentlich bald wieder sein wird.
Ein Bibeltext bliebe ein Text aus ferner Zeit, wenn wir ihn nicht auf uns anwendeten und ihn befrügen, was er uns heute zu sagen im Stande ist.

Ich meine viel. Ich nehme in unserer Gesellschaft wahr, dass viele Menschen genau wissen, was sie nicht wollen, was schief läuft -vor allem bei anderen- und wo sie nicht mitmachen und damit dem Diener gleichen, der sein Talent vergräbt. War es früher ein Vorrecht der Jugend allein, sich zu verweigern und unentwegt zu kritisieren, so scheint mir unsere gesamte Gesellschaft von diesem pubertären Bazillus heimgesucht worden zu sein, der in seiner Endkonsequenz dazu führt, dass sich alle hinsetzen und abwarten und über die nörgeln, die etwas, wenn auch manchmal falsch machen, die sich einsetzen und etwas riskieren.

Mir fällt auf, das wir uns angewöhnt haben, im unentwegten Diskurs zu denken, Für und Wider werden so lange abgewogen, bis die eigentliche Sache nicht mehr voranzubringen ist. Da werden Talkshows besucht, greise Kanzler befragt, um dann auf deren Aussagen eine riesige Empörungsblase entstehen zu lassen, statt einfach mal zu schauen, wo könnte ich mich einbringen und mit meinen Talenten wuchern?

Mir fällt auf, dass viele Menschen bis heute wissen, dass die Kirche nichts für sie ist. Sie können, danach befragt, oft gar keinen richtigen Grund nennen oder wenn, dann einen, der mit Ihnen nicht viel zu tun hat, wie z.B. die Verbandelung von „Thron und Altar“ zu Zeiten des hiesigen Fürstenhauses, in der die Kirche, Gott sei es geklagt, nicht deutlich auf der Seite der Armen stand.

Dass Sie es auch im Bauernkrieg nicht war, ist schnell widerlegt, weil einer der Anführer sogar Pfarrer war, was gern übersehen wird in der Tradition derer, die ihn für den Prototyp des Klassenkämpfers der Arbeiterklasse erklärten und damit auch nicht ganz die Wahrheit sagten.
Mir fällt auf, dass viele Menschen die Kirche als Versammlungsort sehen, wenn Konzerte zu hören sind. Die Schwellenangst, von der wir da binnenkirchlich gerne reden, ist gar nicht so groß, es braucht nur ein paar „Prinzen“ und schon ist die Kirche voll. Musik wie die der Prinzen gäbe es aber vermutlich nicht, wenn es die jahrhundertelange kirchenmusikalische Tradition nicht gäbe und Chöre wie die Thomaner und Kruzianer.

Mir fällt auf, dass wir uns über solchen Wahrnehmungen gern in eine Wagenburg zurückziehen und uns mit Argumenten auf einen langen Kampf einrichten oder aber fatalistisch die Hände in den Schoss legen wollen und dabei gar nicht merken, dass diese Gesellschaft, „die vergessen hat, das sie Gott vergessen hat“, uns von Gott zur Aufgabe gemacht wurde.

Hier wird das Gleichnis von den Talenten besonders klar, denn ich glaube und da schließe ich alle Anwesenden und Ferngebliebenen ein, dass wir viel zu oft verzagen und den Spaten aus dem Schuppen holen, um unsere Talente einzugraben, denn „es hat ja ohnehin keinen Sinn“.

Hätte uns Gott in diese Welt gestellt, wenn er keine Hoffnung für sie hätte? Gab es nicht beileibe schon schwierigere Zeiten als die unsere, in der wir endlich in einem Rechtsstaat leben? Wie viele Menschen auf dieser Welt können das nicht! Nein, es ist meine Überzeugung: Gott stellt uns in diese Welt, damit wir das Salz in ihr sind. So wie eine gute Suppe auch vom Salzgehalt lebt, so bekommt das Leben nur Würze, wenn Salz in ihm ist. Das darf aber nicht schal sein und werden, das muss Würzmächtigkeit besitzen.

Die bekommt es nicht aus sich heraus, die muss es sich im Vertrauen auf Gott schenken lassen. Das ist nicht zu machen und wir müssen das auch gar nicht, denn wir können nur tun, was ER, dessen Lob dieses Instrument bestimmt ist, schon vorhat. Deswegen ist es gut, wenn wir im Vertrauen auf ihn in dieser Welt wirken, wenn wir ihn loben und ihn befragen was geboten sei.

Ich habe den Weg des heute beginnenden „Talentprojektes“ mit großer Sympathie verfolgt und begleitet und wir werden im Anschluss dazu mehr hören. Ich finde wir sollten im Vertrauen auf Gott, der uns in diese Welt stellt, solche Dinge wagen. Warum nicht mal diesen Text ernst nehmen, etwas riskieren und 50 Talente einsetzen?

Überhaupt wünsche ich uns als Kirche mehr Mut dazu. Wir dürfen dabei auch Fehler machen, das ist allemal besser als nur da zu sitzen und alte Zeiten zu glorifizieren, die es meist gar nicht verdienen und was uns auch nicht wirklich voranbringt. Im Vertrauen auf Gottes Handeln wollen wir uns in den Dienst an dieser Welt nehmen lassen. Er kennt uns und sorgt für uns, denn er gab uns unsere Talente. Bringen wir sie ein, seien wir das Salz der Suppe, nach dem die Menschen gerne greifen, weil sie merken, dass es ihr Leben würzt. Dann ist keine Schwelle zu hoch, kein Engagement ziellos, kein Talent unwillkommen. Bringen wir uns ein, diese Gesellschaft braucht uns und Gott will uns in den Dienst stellen, dafür gab er uns unsere Talente. Amen.“ Kantorin Schildmann stellte nach diesen geistlichen Worten die „praktische Umsetzung“ vor: Jeder, der sich für die Sanierung der Orgel engagieren möchte, kann vom Orgelverein 50 € erhalten und muß innerhalb von 6 Monaten versuchen, diese Summe um einiges durch verschiedene Aktionen zu vermehren. Erste Gäste haben diese Möglichkeit des Engagements ergriffen.
Nach den vielen geistigen Beiträgen wurde auch der Hunger gestillt. Frau Schildmann hatte im Vorfeld ihre Orgel noch einmal genauer unter die Lupe genommen und alle an ihr im Schnitzwerk des Prospektes sichtbaren Früchte erfasst – nicht umsonst wird diese Orgel auch „Gemüseorgel“ genannt.

Mit dieser „Inventur“ begab sich Frau Schildmann zu Herrn Bálint, der vor seinem Theologiestudium Koch lernte, und bat um einen Rezeptvorschlag. So machte sich der Superintendent ans Werk und kreierte eine Vorsuppe, ein Hauptgericht und eine Nachspeise. Selbstverständlich wurden diese im Familienkreis erst mal gekostet und erst danach bei „Schütze“ in Auftrag gegeben – allerdings in diesem Jahr erst mal nur die Suppe und die Nachspeise (das vollständige Orgel-Essen wird zu einem späteren Zeitpunkt serviert – Gelegenheiten werden sich im Laufe der Nächsten Jahre ergeben!). Familie Schütze hat ihre Arbeit zu vollster Zufriedenheit aller, die am Essen beteiligt waren, vollbracht – und das als Sponsorentätigkeit! ‚Selbst Generalmusikdirektor Markus L. Frank war von diesen Speisen begeistert.

Rückblick auf Benefizkonzert (Foto: Peter Zimmer) Rückblick auf Benefizkonzert (Foto: Peter Zimmer)

Generalmusikdirektor Markus L. Frank

Eine Auflockerung war die anschließende Versteigerung diverser Objekte, bei der es fröhlich und ausgelassen zuging. In gewohnt routinierter Form offerierte Pastorin Wiegleb die einzelnen Gegenstände und erreichte so, dass fast alles „unter den Hammer“ kam und eine weitere Summe für die Sanierung zusammen kam.


Versteigerung mit Pastorin Wiegleb
Während der gesamten Veranstaltungen waren im Kirchenraum zwei Stände platziert, die für eine Spende bzgl. der Orgel schöne Dinge anboten. Es gab einen Stand mit Patchwork-Arbeiten, die Frau Elke Pauligk in mühevoller Arbeit in ihrer wenigen Freizeit anfertigt, und Frau Hannelore Zimmer mit ihrem Blumenstand.


Höhepunkt des Tages war das Benefizkonzert des Lohorchesters Sondershausen unter Leitung von Generalmusikdirektor Markus L. Frank. Ehe die Musiker beginnen konnten gab es natürlich auch Grußworte.

Rückblick auf Benefizkonzert (Foto: Peter Zimmer) Rückblick auf Benefizkonzert (Foto: Peter Zimmer)

In Vertretung der Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, die ja die Schirmherrschaft für diesen Tag übernommen hatte, führte Hildigund Neubert, Staatssekretärin in der Thüringer Staatskanzlei, aus: „Sehr geehrter Herr Schreiber, Vorsitzender Vorstand Förderverein „Orgelfreunde der Großen Strobel-Orgel e.V.“, sehr geehrte Frau Schildmann, Kantorin, sehr geehrter Herr Dirigent/Vorstand Loh-Orchester Sondershausen, liebe Freunde der Großen Strobel-Orgel Bad Frankenhausen, meine sehr verehrten Damen und Herren, ich freue mich, heute in Bad Frankenhausen so viele Musik- und vor allem Orgelfreunde begrüßen zu dürfen.

Ich darf Sie recht herzlich von Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht grüßen, die mit großer Freude die Schirmherrschaft über das Projekt „Sanierung der Strobel-Orgel“ übernommen hat. Leider kann die Ministerpräsidentin aus Termingründen das Konzert nicht persönlich besuchen. Ganz besonders freue ich mich darüber, dass eines unserer namhaften und traditionsreichen Thüringer Orchester – das Loh-Orchester Sondershausen – heute für uns und für einen guten Zweck spielen wird.

Wir erleben ein Benefiz-Konzert der besonderen Art –ein Geburtstagskonzert für Julius Strobel, der vor 200 Jahren geboren wurde, und für die Restaurierung der Strobel-Orgel hier in der Unterkirche von Bad Frankenhausen. Für dieses Zeichen der Solidarität unter Musikliebhabern möchte ich dem Loh-Orchester meinen herzlichen Dank aussprechen!

Thüringen ist ein Musikland und Thüringen ist ein Orgelland! Orgelmusik und Orgelbau verfügen in unserem Land über eine große Tradition. Bei zahlreichen Veranstaltungen in unserem Land steht die Orgel im Mittelpunkt – ich nenne nur den Thüringer Orgelsommer oder die Thüringer Bachwochen. Zwischen Rennsteig und Kyffhäuser, dem Vogtland und dem Südharz, der Rhön und dem Schiefergebirge erklingen mehr als 2.000 Orgeln. Es verwundert daher nicht, dass namhafte Orgelbauer wie Silbermann, Trost, Peternell, Strobel und Oestreich in unserem Land ihre Spuren hinterlassen haben. Bedeutende Komponisten wie die Bachs, Franz Liszt oder Max Reger haben Orgeln in allen Regionen Thüringens zum Erklingen gebracht. Es gibt in Thüringen einen wunderbaren Dreiklang. Er lautet: „Orgel – Kirche – Landschaft“. Jede Kirche braucht eine Orgel, und unsere Thüringer Landschaft, die Dörfer und Städte, wären nicht denkbar ohne Kirchenschiffe und die Kirchtürme, die oftmals weithin sichtbar ins Land ragen. Auch wenn die Kirchtürme mitunter schiefer sind als der schiefe Turm von Pisa.1 Sie in Bad Frankenhausen wissen, wovon ich spreche. Musik eröffnet dem Menschen eine andere Dimension. Musik, Orgelmusik zumal, erhöht den Alltag. „Durch ihren gleichmäßigen und dauernd aushaltbaren Ton hat die Orgel etwas von der Art des Ewigen an sich“ – so hat es Albert Schweitzer – selbst genialer Orgelkenner und Orgelretter – auf den Punkt gebracht. Aus gutem Grund gilt schließlich die Orgel in ihrem unverwechselbaren Klang, in ihren unglaublichen Tiefen und Höhen als Königin aller Instrumente. Die Orgel ist das größte natürliche Musikinstrument. Ihre musikalische Reichweite der Frequenzen nach oben und unten übertrifft sogar das größte Sinfonieorchester.

Deshalb vielleicht auch die Nachbarschaftshilfe vom Loh-Orchester aus Sondershausen. Dass die Orgel in unseren Kirchen das musikalische Tor zur Ewigkeit ist, dass – wie es Hermann Hesse ausdrückt – das „Orgelspiel wie ein Gebet“ ist, ja dass die Orgel die Seele zu Gott erhebt, all dieses Faszinierende am Instrument aller Instrumente, das können wir bei jedem Orgelspiel spüren. Kein Instrument vereinigt in sich so viele Stimmen, so viele Instrumente, die Flöte, den Bass, die Viola, das Cello, oft auch Horn, Trompete, Schalmei, ja bis hin zur menschlichen Stimme, der „vox humana“ in sich wie die Orgel, die in ihrer bunten Vielheit doch eine Einheit bildet. Die Orgel als musikalischen Ausdruck des Miteinanders in der christlichen Gemeinde, für das Miteinander der Menschen einer Stadt, einer Kommune, einer Region, ja einer weltoffenen Gesellschaft, in der die unterschiedlichen Stimmen und Begabungen jeweils ihren Platz haben. Lassen wir in der heutigen Epoche der global vernetzten Welt die wortlose Orgelmusik zur Sprache aller Menschen, zur Botin der Toleranz und des Friedens werden! Das ist für mich als Politikerin in der Zeit der Globalisierung ein wichtiger Aspekt.

Mit vereinten Kräften packen alle an, um die wertvolle Strobel-Orgel in Bad Frankenhausen zu erhalten. Wir wollen diese historische Orgel vor dem Verfall retten und für die Nachwelt erhalten. Sonst geht ein unwiederbringliches Kulturgut mit überregionaler Bedeutung verloren. Die Restaurierung der Strobel-Orgel ist eine der anspruchsvollsten Maßnahmen an Thüringer Orgeln, die derzeit geplant und vorgesehen sind. Die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands und das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie haben das Restaurierungsvorhaben der Strobel-Orgel zu einem Schwerpunkt der Orgeldenkmalpflege in den kommenden Jahren erklärt.

Damit die Vielstimmigkeit an vielen historisch wertvollen und oft einmaligen Orgeln überall bei uns in Thüringen wieder ertönt, brauchen wir auch weiterhin Menschen wie Sie im Verein „Orgelfreunde der Großen Strobel-Orgel e.V.“ in Bad Frankenhausen:
die sich der Erhaltung unserer historischen Kulturdenkmäler verpflichtet fühlen.
Menschen, denen es wichtig ist, dass Orgel- und Kirchenmusik als klingendes Gotteslob gepflegt wird.

Menschen, die im unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz unsere Orgeln als Meisterwerke von höchster Kunst erhalten und wieder zum Leben erwecken und zum Klingen bringen wollen.
Sie können stolz darauf sein, dass Sie bis jetzt schon zehn Prozent der geplanten rund 600.000 Euro als Spenden für die Strobel-Orgel gesammelt haben.

Mein Dank gilt dem Förderverein „Orgelfreunde der großen Strobel-Orgel e.V.“, allen Förderern und Helfern, die mit ihrer Arbeit und ihrem Fleiß auch in Zukunft sich in den Dienst der Sanierung der Strobel-Orgel stellen. Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg und Gottes Segen. Uns allen ein unterhaltsames und ertragreiches Benefiz-Konzert mit dem Loh-Orchester Sondershausen.“

Auch die Stadt Bad Frankenhausen begrüßte die zahlreich erschienenen Konzertgäste. Der 1. Beigeordnete der Stadt, Dr. Andreas Räuber, führte u.a. aus:
„Zunächst darf ich mich für die Einladung zur heutigen Veranstaltung bedanken und zugleich herzliche Grüße von Herrn Bürgermeister Strejc übermitteln.

Die Kirchen der Stadt Bad Frankenhausen sind mehr als Gebetshäuser. Sie prägen unser Stadtbild und haben eine hohe identitätsstiftende Wirkung und zeugen von einer hohen Heimatverbundenheit. Aber sie sind in die Jahre gekommen und brauchen Unterstützung, finanzielle und bisweilen auch statische. Manchmal geschieht Dynamit an Stellen, wo man sie nicht gebrauchen kann und Statik, wo Bewegung gewünscht wäre. Daher ist es ein gutes Gefühl. In einer solch wunderschön restaurierten Kirche, unmittelbar vor dem Konzert des Loh-Orchesters, ein paar Worte an Sie richten zu dürfen. Denn neben dem zu erwartenden musikalischen Klangerlebnis gibt es zwei mindestens ebenso wichtige Anlässe: der 200. Geburtstag des Frankenhäuser Orgelbauers Julius Strobel und der Start der nächsten Phase zum Erwerben von Spenden.

Es ist ein großes Projekt, dem sich der Förderverein Strobel-Orgel verschrieben hat. Seit 2006 hat er sich an die Herkulesaufgabe gemacht, die fehlenden Mittel durch Spenden auszugleichen. Zwar stellen das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und die EKM beträchtliche Finanzmittel zur Verfügung, aber die Deckungslücke bleibt leider enorm. Aber der Förderverein lässt sich hiervon nicht beirren und sorgt mit vielfältigen Aktivitäten für zusätzliche Einnahmen auf dem Spendenkonto. Die Orgelaktivwochen mit dem Orgellauf gehören dazu ebenso wie Infostände zum Fliederfest, die traditionelle Orgelmusik zu Silvester oder Konzerte wie das heutige oder der imposante Auftritt der „Prinzen“ hier in der Unterkirche. Und somit leisten die 30 Mitglieder des Fördervereins zugleich einen Beitrag für das gesellschaftliche Leben in unserer Stadt.

Dazu fallen mir spontan Verse aus einem Brecht-Gedicht ein, die abgewandelt etwa so lauten könnten: „So nützten sie sich, indem sie ehrten und ehrten sie, indem sie sich nützten.“ Liebe Mitglieder des Fördervereins, verehrte Gäste, ich wünsche ihnen für die neue Phase der Spendenakquise viel Erfolg, weiterhin so tolle Ideen und noch mehr engagierte Mitstreiter. Wir haben als Stadt großen Respekt vor ihrem Mut und ihrem Engagement. Bitte betrachten sie unsere Mitgliedschaft im Förderverein als Wertschätzung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit und als Akt der Solidarität, wenngleich der finanzielle Obolus doch eher überschaubar ist...“

Nun endlich konnte das Benefizkonzert beginnen! Generalmusikdirektor Markus L. Frank vom Lohorchester Sondershausen betrat das Dirigentenpult und dann erlebten die Zuhörer ein exzellentes Konzert mit der „Coriolan“-Ouvertüre von Ludwig van Beethoven, „Kol Nidrei“ von Max Bruch mit dem Violoncello-Solisten Sebastian Hennemann und der „Reformations-Sinfonie“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy mit dem Choralsatz „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Nach solch einem ausgezeichneten Musikerlebnis gab es – wie schon öfters in der Unterkirche zu erleben – stehenden Applaus mit der Hoffnung, dass es auch in den kommenden Jahren solche Konzerte des Loh-Orchesters geben möge.

Daß es auch für Staatssekretärin Neubert ein besonderes Erlebnis war, wird in ihrer Gästebucheintragung deutlich: „RES SEVERA VERUM GAUDIUM“ – Inschrift der Gewandhaus-Orgel zu Leipzig („wahre Freude ist eine ernste Sache“) – Sie spüren das im Kampf um Ihre Orgel, die nach dem Jahrhundert der Kriege und Diktaturen nun in Frieden zu neuem Klang erwachen soll. Gottes Segen für diese lohnende Aufgabe! – Ihre Hildigund Neubert. Auch Markus L. Frank gab seiner Freude im Gästebuch der Unterkirche Ausdruck: „Herzlichen Dank für den freundlichen Empfang! Das Loh-Orchester Sondershausen und die Unterkirche – wie wunderbar passt das zusammen! Gerne waren wir wieder hier zu Besuch – mit den Klängen des Reformations-Chorals „Ein feste Burg“ wünsche ich viel Mut und gutes Gelingen bei Ihrem großen Vorhaben! Ganz herzlich Ihr Generaldirektor Markus L. Frank“.


Ein großes gelungenes Geburtstagsfest ging zu Ende. Nur noch wenige hielten sich in der Kirche auf. Da Markus L. Frank die Kirche nur vom Standpunkt des Dirigenten bisher kannte, machte er sich mit einigen Anwesenden auf den Weg zur Orgelempore, um die großartige Sicht von dort oben auf den gesamten Kirchenraum zu sehen und zu bestaunen. Und da blieb es nicht aus, dass der Vollblutmusiker Frank sich an die Orgel setzte und unter der Assistenz von Kantorin Schildmann (sie weiß, welche Register noch spielbar sind) einige Stücke spielte. Es wird Zeit, dass die Orgel saniert wird, denn dann könnte es ja möglich werden, dass Markus L. Frank mal ein komplettes Konzert an der Strobelorgel gibt!

Wie man Kantorin Schildmann und den Vorstand des Fördervereins „Strobel-Orgel“ kennt, werden sie sich nicht auf diesen Erfolgen ausruhen, sondern schon überlegen, was im kommenden Jahr möglich sein könnte – unter anderem steht der 5. Orgellauf auf dem Terminkalender!
Peter Zimmer
Rückblick auf Benefizkonzert (Foto: Peter Zimmer)
Rückblick auf Benefizkonzert (Foto: Peter Zimmer)
Rückblick auf Benefizkonzert (Foto: Peter Zimmer)
Rückblick auf Benefizkonzert (Foto: Peter Zimmer)
Rückblick auf Benefizkonzert (Foto: Peter Zimmer)
Rückblick auf Benefizkonzert (Foto: Peter Zimmer)
Autor: khh

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