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Fr, 12:40 Uhr
28.11.2014

Lichtblick: Advent heißt Ankunft

Am Sonnabendabend um 18 Uhr beginnt liturgisch das neue Kirchenjahr mit dem 1. Advent, die Glocken läuten den Sonntag ein. Advent heißt Ankunft. Christen bereiten sich auf die Ankunft des Christus vor, der als Mensch geboren, in einem Stall das Licht der Welt erblickte und in einer Krippe liegend für uns zum Lichtblick wurde...


Seine Ankunft war so ärmlich wie schon die Suche nach einem Obdach zuvor: Maria und Josef waren wie Asylanten auf der Suche nach einer Bleibe. Sie erfuhren überall eine Abfuhr, „wir haben selbst nicht genug“, „kein Platz“, „wir müssen erst an uns denken“.

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Wenn Heilig Abend die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium gelesen wird, dann merken wir bei dieser Passage kaum auf, rümpfen allenfalls die Nase über diese herzlosen Zeitgenossen.

Doch Moment mal, stehen wir nicht selbst in der Gefahr, so herzlos zu sein? Im Schutze der Dunkelheit, ohne Mut, ohne Sachargumente werden Parolen gegen Flüchtlinge an Häuserwände geschmiert, werden im Internet Parolen skandiert, die sich das Prädikat „Hetze“ redlich verdient haben.

„Die liegen uns auf der Tasche“ wird da behauptet, dabei hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gerade wissenschaftlich sauber ermittelt, dass die 6,6 Millionenen Ausländer ohne Deutschen Pass in Deutschland für 22 Milliarden Euro Überschuss im Sozialsystem sorgen. In der Pressemeldung heißt es: „Jeder Ausländer zahlt laut der Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung pro Jahr durchschnittlich 3.300 Euro mehr Steuern und Sozialabgaben, als er an staatlichen Leistungen erhält. Das Plus pro Kopf ist demnach in den vergangenen zehn Jahren um über die Hälfte gestiegen. Den Forschern zufolge widerlegen diese Zahlen die weit verbreitete Einschätzung, dass Zuwanderung die Sozialsysteme belastet.“

Ist es, angesichts solcher nachgewiesenen Realität, nicht eine Schande, wenn Menschen auf die Straße gehen oder gegen andere Menschen im Internet pöbeln, die vor Krieg und Gewalt fliehen? Wer kann da noch beschaulich Adventslieder singen, muss es nicht einen Aufstand der wirklich Anständigen geben, die ein Herz für Menschen haben, die auf Zeit unseren Schutz brauchen und in manchen Fällen sogar dafür sorgen, dass die, die jetzt pöbeln, später einen Arzt besuchen können, weil „die Ausländer“ unser Sozialsystem erheblich mitfinanzieren statt es zu belasten?

Advent ist neben der Karzeit vor Ostern die zweite Fastenzeit im Kirchenjahr. Der Mensch soll sich ganz auf die Ankunft konzentrieren und nachdenken. Wie könnte Fasten in diesem Jahr aussehen? Enthalten wir uns doch einfach mal in diesem Advent der schnellen und plumpen Antworten, dem Sozialneid und der Missgunst.

Ich bin überzeugt, dass wir dann besser leben, den Menschen im anderen sehen, ihn aufnehmen wie der Wirt, der wenigstens im Stall noch ein Plätzchen hatte, weil die „Hütte schon voll“ war. Was vergeben wir uns, wenn wir diesen Menschen helfen?

Bei meinem Besuch in der Erstaufnahmeeinrichtung letzte Woche, bin ich durch die Warmherzigkeit dieser Menschen sehr angerührt worden. Nehmen wir diese Menschen auf und sorgen wir uns um sie, wir werden beschenkt (und mancher vielleicht auch heilsam beschämt). Diese Menschen leben uns den Zusammenhalt über alle Grenzen von Volk und (Nicht)Religion vor. Sie verkörpern das, was mancher von uns heute in unserer Gesellschaft vermisst, eine Gemeinschaft die bestärkt und trägt. Wer ihnen die Tür und das Herz öffnet, wird erleben, dass das auf seinen Alltag ausstrahlt, dann kommt ER an, dessen Advent uns verheißen ist.

Einen gesegneten, nachdenklichen und besinnlichen Advent wünsche ich Ihnen,
Superintendent Bálint
Autor: red

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