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Fr, 11:49 Uhr
24.04.2015

Ein Blog verweigert den Gehorsam

Beim Lesefest am Samstag in Sondershausen wird auch Norbert Engelhardt dabei sein. Er wird Auszüge aus seinem zweiten Lyrikband „eWigkeit“ vortragen. Im Vorfeld dazu erreichte kn folgende Meldung über sein neues Werk...

Ein Blog verweigert den Gehorsam

Norbert K. Engelhardt legt mit „eWigkeit“ zweiten Lyrikband vor.

Seit elektronische Maschinen die permanente Verfügbarkeit sichern, sowohl unsere wie auch die sämtlicher Informationen, ist jeder Teilnehmer gefangen im digitalen Netz. Bestimmte noch vor knapp 10 Jahren, als Norbert K. Engelhardts „Schön im letzten Augenblick“ erschienen war, der Besitz oder die Nutzungsmöglichkeit eines Computers, wer sich im WorldWideWeb verwirklichen oder bedienen konnte, so ist gerade im industrialisierten Teil der Welt mit Einzug von SmartPhone und Tablet jeder zu Sender und Empfänger geworden. Und das zu jeder Zeit an jedem Ort. Die Kunst und Literatur schien sich aus den Museen und Büchern zu verabschieden um in die Welt hinaus zu ziehen.

In dieser Zeit legt Norbert K. Engelhardt seinen gewichtigen Band „eWigkeit“ in der ARTE Fakt Verlagsanstalt als lyrisches Kalenderblatt oder Tagebuch, wird man meinen, vor. Aber das ist es nicht. Es ist ein lyrischer Blog, der sich dem Netz verweigert.

Häufig ist ein Blog eine lange, chronologisch abwärts sortierte Liste von Einträgen, die in bestimmten Abständen umbrochen wird. Der Blogger steht als wesentlicher Autor über dem Inhalt, und häufig sind die Beiträge aus der Ich-Perspektive geschrieben. Das Blog bildet ein für Autor und Leser einfach zu handhabendes Medium zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu spezifischen Themen.

Aber Engelhardts Gedichte sind weit weg von Facebook- oder Instagram-Beiträgen, in denen die einzige Nachricht aus dem Leben des Mitteilenden das Foto einer geglückten Dessertkreation in einem italienischen Restaurant vor dem Verspeisen ist. Sie sind auch nicht unkommentierte Kopien von Lifestyle-Artikeln der online-Regenbogenpresse.

Sie sind, was sie sind: Gedichte voller sprachlicher Bilder, unerwarteter Wendungen und Rhythmen. Sie führen den Leser in die inneren, oftmals düsteren Tiefen von Engelhardts Emotionen und Gedanken. Wenn es nach seinem Debüt „Schön im letzten Augenblick“ noch irgendeines Beweises bedurft hätte, dass aus Engelhardt ein Dichter zu uns spricht, dann liefert „eWigkeit“ den Nachweis von Beständigkeit und einzigartigem sprachlichem Stil.

Seine Texte sind verknappt und auf das Wesentlichste verkürzt. Dem Verständnis mancher Leser mag sich die Bildsprache in einigen Gedichten entziehen und doch ist sie nicht hermetisch. Die schriftlichen Entäußerungen haben ihre Wurzeln in Tagesereignissen. Ob es sich um politische, kulturelle oder ganz persönliche private Erlebnisse handelt, muss offen bleiben.
Norbert K. Engelhardt schreibt seit den 70-er Jahren und legt hier im 60. Lebensjahr ein wahrlich gewichtiges Werk vor. Sein täglich Brot verdient er seit nunmehr 25 Jahren als Bauplaner im eigenen Planungsbüro im nordthüringischen Sondershausen. Kurz nach seinem Studium (Hochbau) in Halle und Leipzig, das Abitur machte er am berühmten Bauhaus in Dessau, hat es ihn hierher verschlagen. Manch anderer schreibt jetzt seine Memoiren. Norbert K. Engelhardt breitet sein Leben der mehr als 10 verflossenen letzten Jahre in diesem Band in wunderschönen Bildern aus.

Die im kleinen Stolberg-Ortsteil Schwenda lebende und arbeitende Malerin Ines Alig-Petsch illustrierte die Gedichte. Auch ihre Grafiken sprechen eine eigene Sprache.
Was hier zwischen 2 Buchdeckel gepresst ist, ist Zeitgeist, ist ein echter Lyrik-Blog, der der Suche nach per Google-Anzeige geworbenen Lesern im Internet nicht bedarf. Dieses Blog-Buch wird seine Leser auch in der realen Welt finden.

Norbert Engelhardt liest Auszüge aus „eWigkeit“ am 25.04.2015 um 12.00 Uhr im Musikstadtladen in der Galerie am Schlossberg in Sondershausen. Im Anschluss haben Sie Gelegenheit, sich Ihr Exemplar vom Autor signieren zu lassen.

Engelhardt, Norbert K.: „eWigkeit“, ARTE Fakt Verlagsanstalt, 2015, 230 Seiten, 10 Grafiken von Ines Alig-Petsch. ISBN 3-937364-06-4

***Auszug aus „eWigkeit“

Alter

Es ist viel zu kalt
Für den Hauch eines Lächelns
Der Pfad führt in grüne Schatten
Am Horizont zieht
Ölig schwarzes Wasser
Schweiß rinnt an mir herab
Auf der Erde liegen
Zwei Augen
Zwei Lippen
Ein Kopf
Ein Schwert
Ein Haar
Ich seh sie schüchtern an
Jahre vergehen
Werden brünett
Kerzen funkeln durch die Zeit
Das Alter übt auf die
Bremse treten
Ich drücke eine Hand
Ich bins

Urban

Ich halte mich für kultiviert
Und lehne mich weit vor
Tommi Hilfiger umhüllt mich
Ich schreibe kleine Worte
Du gehörst nicht hierher
Mein Hemd ist weiß
Ich biedere mich nicht an
Manchmal denke ich
An sinnvolles Erreichen
Ich löse Glaubwürdigkeit
Im Markt
Mir paßt es zu umarmen
Dabei: Ich stamme vom Land
Dickflüssig das Denken dort
Man schwimmt im kalten Wasser
Preßt seine Gefühle nicht
In USB-Sticks
Lacht nicht
Steht früh auf und
Stirbt später als geplant.

Politiker

Ich hab mir angewöhnt
Mich zu fürchten
Ich tauche ungelassen auf
Und beschrifte eine Mappe
Verschwende Gold zu Geld
Poliere Holz
Mein Jungbrunnenblick
Erscheint mir angebracht
Klein mein Lächeln
Klein mein: hab ich schon gesehen
Ich krieche auf mageren Vieren
In einen Freitag
Und habe noch zwanzig Minuten
Aufsässig zu suchen
Zu Dringen zu Brusten
Mein Zwergenaufstand
Wird mit Müdigkeit
Zur Nervosität
Zum Bitteschön
Es klingelt
Fingerspitzengefühl setzt sich
An die Tagesordnung
Ein Blickduell, ein Text
Irgendwo mischen sich
Taten mit Gedanken
Oben, ganz Oben
Ohne mich.
Autor: khh

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