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So, 09:28 Uhr
07.06.2015

Pflegebranche tut sich schwer

Die deutschen Unternehmen fremdeln noch immer mit der gezielten Ansprache ausländischer Fachkräfte. Zu stark wirkt die Logik des Anwerbestopps nach: Seit den 70er Jahren hat die Politik qualifizierte Zuwanderung allenfalls erlaubt, aber selten aktiv ermöglicht. Genau das jedoch wäre heute notwendig, wie das Beispiel der Pflegebranche verdeutlicht...


Selbst wenn es Unternehmen an Fachkräften mangelt, tun sie sich schwer, gezielt Arbeitnehmer aus dem Ausland für sich zu gewinnen. Das zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung am Beispiel der Pflegebranche. Kaum ein anderer Wirtschaftszweig in Deutschland hat derart große Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden.

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61 Prozent der Pflegeeinrichtungen haben Vakanzen, durchschnittlich sind dort 4,3 Stellen unbesetzt. Trotzdem, so das Ergebnis einer Unternehmensbefragung, hat bislang nur ein Sechstel der Pflegebetriebe versucht, Fachkräfte im Ausland zu rekrutieren.

Für die repräsentative Studie befragte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) knapp 600 Arbeitgeber. Drei von vier Pflegeeinrichtungen, die vakante Stellen haben, bezeichnen demnach die Suche nach geeigneten Fachkräften als schwierig. Trotzdem nimmt die Rekrutierung aus dem Ausland den letzten Platz ein unter den Strategien, mit denen die Pflegebranche diesem Arbeitskräftemangel begegnet. Gerade einmal 16 Prozent der Einrichtungen wählen diesen Weg. Lieber werben die Unternehmen Personal von der Konkurrenz ab (20 Prozent) oder versuchen, den Krankenstand abzusenken (83 Prozent).

„An der Pflegebranche wird deutlich, wie weit Deutschland von einer gezielten und am Arbeitsmarkt orientierten Einwanderungspolitik entfernt ist“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Denn trotz aller Personalknappheit ist für 59 Prozent der Pflegebetriebe ohne Erfahrung mit Rekrutierung aus dem Ausland dies auch künftig keine Option: Zu aufwendig, zu teuer, zu hohe rechtliche Hürden, lauten die Begründungen. 83 Prozent der befragten Unternehmen mit Rekrutierungserfahrung stießen bei ihrer internationalen Fachkräftegewinnung auf bürokratische Hemmnisse, 67 Prozent auf Probleme bei der Anerkennung von Qualifikationen. 60 Prozent hatten Schwierigkeiten mit der Einwanderungserlaubnis für Drittstaatler.

Deshalb wünschen sich die Unternehmen einen Abbau rechtlicher Hürden (67 Prozent), bessere Angebote an Sprach- und Integrationskursen (87 Prozent) und mehr Informationsmöglichkeiten über Bewerber (73 Prozent). Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen benötigen Unterstützung. Die Studie zeigt: Je größer das Unternehmen und je professioneller seine Personalabteilung, desto mehr Arbeitskräfte aus dem Ausland gewinnt es. Kaum aktiv sind vor allem die ambulanten Pflegedienste, von denen nur jeder zehnte in den vergangenen drei Jahren Rekrutierungsversuche im Ausland unternommen hat. Dagegen war jede fünfte stationäre Krankenpflegeeinrichtung und Altenpflegeeinrichtung aktiv, um international zu rekrutieren.

Das Land, in dem die deutschen Pflegebetriebe in den vergangenen drei Jahren am häufigsten Arbeitskräfte gesucht haben, ist Spanien. Dort waren 61 Prozent aller Unternehmen mit internationaler Rekrutierungserfahrung aktiv. Dahinter folgen Polen (19 Prozent), Kroatien (16 Prozent), Rumänien (14 Prozent), Italien (13 Prozent) und Griechenland (12 Prozent). Bei den wenigen Unternehmen, die auch Rekrutierungsversuche außerhalb der Europäischen Union unternommen haben, verteilen sich die Aktivitäten vor allem auf osteuropäische Länder (Bosnien Herzegowina, Ukraine, Russland, Moldawien) und asiatische Länder (China, Philippinen, Vietnam).

Pflegeeinrichtungen, die Mitarbeiter aus dem Ausland eingestellt haben, ziehen mehrheitlich ein positives Fazit. 60 Prozent der Unternehmen sind mit diesen Pflegefachkräften zufrieden oder sehr zufrieden. Positiv bewerten die Unternehmen bei den aus dem Ausland eingestellten Mitarbeitern vor allem die Einsatzbereitschaft. 48 Prozent der Betriebe schätzen diese höher ein als bei ihren deutschen Mitarbeitern. Deutlich schlechter beurteilen die Personalverantwortlichen die Praxiserfahrung der Migranten. 53 Prozent der Unternehmen sagen, sie sei niedriger als die ihrer übrigen Mitarbeiter.

„Angesichts der demographischen Entwicklung mit höherem Pflegebedarf und geringerem Angebot an Arbeitskräften ist die gezielte Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland unverzichtbar“, sagte Dräger. Mehr qualifizierte Einwanderung entbinde die Pflegebranche allerdings nicht davon, Bezahlung, Arbeitsbelastung und Image zu verbessern. Hilfreich für eine erfolgreiche Anwerbung aus dem Ausland seien bessere Informationen für Unternehmen, ein bundesweit einheitliches Verfahren bei der Berufsanerkennung von Pflegefachkräften sowie einfachere und transparentere Zuwanderungsregeln. Um interessierten Arbeitgebern mehr Sicherheit zu geben, bedürfe es effizienter Stellenbörsen und der Zertifizierung von Personaldienstleistern.
Autor: red

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Kommentare
horschti14
08.06.2015, 09:29 Uhr
Was ist die Ursache für den Fachkräftemangel?
Vielleicht sollte man erst einmal Ursachenforschung betreiben.
Warum gibt es denn den Fachkräftemangel in der Pflege?

Ganz einfach: Der Beruf des Altenpflegers ist unatraktiv.
Schlechte Arbeitszeiten(Schichtdienste und Überstunden), körperlich schwere Arbeit und vor allem die schlechte Bezahlung in den neuen Bundesländern sind der Grund.

Das sollte man ersteinmal ändern, bevor der Ruf nach Fachkräften aus dem Ausland laut wird.
henyklein
08.06.2015, 16:21 Uhr
Die Pflegebranche - Mangelwirtschaft
Nur eine Anmerkung am Rande: Wenn nach der Erhebung 4,5 Stellen im Schnitt unbesetzt sind, kassiert die Pflegeeinrichtung dennoch den unverschämt hohen Preis für ihre Wohnklos. Der Pflegebedürftige, die Pflegekasse, Verwandte und die Sozialhilfe zahlen ja, ohne zu fragen. Und wer aufmuckt darf immer schön im Hinterkopf behalten: "Wird mein Anverwandter vielleicht deswegen schlecht behandelt?".

Ein Beispiel aus der Verwandschaft: ein Heimplatz Pflegestufe 2 kostet knapp 3000 Euro, davon 1000 (EINTAUSEND) Euro Miete, spricht 500 Euro warm inclusive Futter + 500 Euro so genannte Investitionszulage. Dafür ist das Zimmer aber mit 20 qm schön groß (*SATIRE*).

Solange die Stellen, die die Pflege bezahlen, den mafiösen Strukturen in diesem Bereich nichts entgegen setzen, wird sich auch nix ändern.

Henry
BadPeace
09.06.2015, 08:50 Uhr
ganz oben die machen sich den sack voll
sicher zahlen die zu betreuenden schon genug geld + pflegestufe, betreuung etc. der fachkräftemangel bleibt, wobei es sich mit der weile im bereich pflege generell um personalmangel handelt wie helfer und so weiter. nur warum soll ein hohes tier der sich den hintern platt sitzt um mehr mitarbeiter bemühen wenn er sieht das 3 leute die selbe arbeit schaffen die normalerweise 5 auf einer station machen? wäre ja auch unrentabel und falls doch eine kontrolle kommt schreiben sie eine ausschreibung auf den arbeitsmarkt die sowas von unlookrativ ist das sich niemand melden wird und falls doch gibt es ja noch mobbing. bin einer der wenigen die sich für diesen beruf entschieden haben, es ist kein zuckerschlecken und vorallem sollte in vielen einrichtungen die teamfähigkeit und arbeitsweise überarbeitet werden, denn da wo ich war bisher möchte auch kein auslandsbürger arbeiten, denn auch die haben ein gewissen.
es gibt natürlich auch positive einrichtungen wo man den mangel an mitarbeitern imens mitbekommt, geld würde es anschaulicher machen, jedoch wer arbeitet schon gern, würden mehr arbeitskräfte auch wirklich mehr schaffen ?oder länger pause machen? politisch gesehen sollte man nur die kosten für ein heim überarbeiten, dennwie erwähnt, die oben verdienen mehr wenn weniger arbeiter die selbe arbeit machen wie die volle anzahl. unterm strich wenn schlagartig alle stellen besetzt würden, ginge niemand mehr in ein heim weil die kosten explodieren würden für einen platz da die großen chefs ja nun auch keine einbußen haben möchten.
leider bewegt es auch viele mit dem pflegeberuf aufzuhören durch die fatalen arbeitsbedingungen, früh aufstehen, ständig wechselnde dienstpläne(fast täglich)kurzer wechsel von spät auf früh,überstunden wo niemand weis wann und ob man sie mal abbummeln darf, keine freien wochenenden und man muss immer freundlich und nett sein.
Siehe Arbeitsagentur vor ein paar jahren, "gehen sie doch nach österreich oder die schweiz oder holland arbeiten". und das ohne der prognose der geburtsschwachen jahre nachzugehen, nun ist und wird deutschland immer älter und wir kommen an einen punkt wo uns unsere eigenen gesetze und die ganze politik auf die füße fällt, siehe doch wie schwer man sich tut um einen "ausländer" in deutschland arbeiten zu lassen, bis die anfangen dürfen sind jahre vergangen und unsummen an gelder verschwendet worden für gesetze und regelungen die wir aufstellten.
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