Do, 17:40 Uhr
11.06.2015
Treffen der Konfirmandenjubilare
Von weit her sind viele der älteren Herrschaften gekommen, die sich zum Fest der Jubelkonfirmation in die Unterkirche Bad Frankenhausen einladen ließen....
Wie erfreuten sie sich, als sie eintraten und den hellen und renovierten Kirchenraum erblickten. Natürlich ist manches noch nicht fertig, aber die frischen Farben lassen das Kircheninnere freundlich erstrahlen.
Am Sonntag nach Pfingsten trafen sich etwa 50 Jubilare, die vor 50, 60, 65 und 70 Jahren in der Unterkirche konfirmiert wurden. Schon ein halbe Stunde vor Gottesdienstbeginn versammelten sie sich im Gemeindesaal, um die Anwesenheit festzustellen und den Ablauf zu erläutern. Mit dem Einsetzen der Orgelmusik zogen sie in die Kirche ein – wie es sich gehört: die Ältesten voran und am Schluß die Jüngsten.
Noch vor der Predigt wurde mit einer Gedenkminute auch deren gedacht, die aus Krankheitsgründen nicht dabei sein konnten bzw. die schon verstorben sind.
In ihrer Predigt ging Pfarrerin Magdalena Seifert sowohl auf die besondere Bedeutung des Sonntags Trinitatis als auch auf den besonderen Anlaß der Jubelkonfirmation ein: Liebe Festgemeinde heute am Tag der Jubelkonfirmation, wenn wir heute diesen besonderen Gottesdienst miteinander feiern, dann gehört er in eine ganze Reihe von festlichen Tagen, die wir seit Beginn des Monates Mai hier in unserer Kirchgemeinde Bad Frankenhausen miteinander erleben. Diese Reihe hat begonnen am 3.Mai, als wir das Festjahr 800 Jahre Kirche an diesem Platz mit einem Kantatengottesdienst eröffnet haben. Sie ist fortgesetzt worden am vergangenen Pfingstsonntag mit dem Fest der Konfirmation und heute nun eine Woche später haben wir das Fest der Jubelkonfirmation.
Aller guten Dinge sind drei, so sagt man. Drei besondere Gottesdienste im Monat Mai – da ist der Mai in diesem Jahr gut gefüllt. Und der heutige Sonntag Trinitatis trägt mit seiner Bedeutung in sehr schöner Weise zu solcher Erfüllung bei. Denn auch er hat mit der Zahl drei zu tun. Trinitatis – das heißt Dreieinigkeit oder auch Dreifaltigkeit. Und was feiern wir zu Trinitatis? Wir feiern die Erfüllung. Wir lassen die hohen kirchlichen Festtage der vergangenen Wochen noch einmal an unserem inneren Auge vorüberziehen – Ostern und Himmelfahrt und Pfingsten. Das waren Tage voller Leben und gefüllt mit der Kraft des Heiligen Geistes. Dieser gute Geist Gottes weht von Pfingsten her noch herüber nun auch zu unserem heutigen Festtag. Es ist gut, daß es Gottes Geist ist, der unser Fest erfüllt. Denn das ist schon entscheidend in unserem Leben und auch in unserem Zusammenleben – welcher Geist da herrscht. Und von welchem Geist wir uns beherrschen lassen. Insofern stimmen wir dankbar ein in die Bitte, mit der wir unseren Gottesdienst heute begonnen haben: im Namen Gottes des Vaters, der unsere Welt geschaffen hat und der jeden von uns ins Leben gerufen hat, im Namen des Sohnes Jesus Christus, der uns erlöst hat, der uns frei macht und der unser Leben heilt, und im Namen des Heiligen Geistes, der ein Tröster ist und ein Helfer und ein Ratgeber. Nicht nur den Gottesdienst heute haben wir so begonnen – immer, wenn wir als christliche Gemeinde zusammen kommen, stellen wir uns so unter die Fülle und Kraft unseres dreieinigen Gottes.
Also ist Trinitatis eigentlich etwas ganz alltägliches, etwas, das wir sozusagen immer im Munde führen. Und doch ist es noch viel mehr. Es legt einen Glanz auf unser Leben und einen Segen, der unvergänglich ist.
Das heutige Fest des Konfirmationsjubiläums hat viel damit zu tun. Und so geht unser Blick zurück - 50 und 60 Jahre und 65 und 70 Jahre. Das ist – gemessen an der langen Geschichte unserer Kirche – eine kurze Wegstrecke. Und doch nimmt auch diese kurze Wegstrecke uns mit hinein in den großen Rahmen. Und sie führt auch uns letztlich zurück an den Anfang. So wie wir im Lauf unseres Lebens immer wieder einmal zurück an die Anfänge geführt werden. Heute ist so ein Tag. Heute erinnern wir uns. Wir erinnern uns an Ihre Konfirmationen, liebe Teilnehmer unseres Festes. 1945 – 1950 – 1955 – 1965. Das sind die Jahre, an die wir dabei in besonderer Weise denken. Und jedes dieser Jahre spricht für sich. Jedes dieser Jahre hatte seine besonderen geschichtlichen Ereignisse und hatte seine besondere Stimmung. Zu Palmarum 1945 – da war der Krieg noch immer nicht zu Ende. Und er hatte doch schon unermeßlich viel Leid und große Not auch in Ihre Familien gebracht.
Fünf Jahre später – 1950 - war der Mangel der Nachkriegszeit noch immer zu spüren. Es begannen auch schon wieder gesellschaftliche Verwerfungen und es ging um Orientierung. Woran halten wir uns? Wer zeigt uns einen guten Weg für unser Leben, nachdem alle Großspurigkeit und Menschenverachtung ins Verderben geführt hatten? Das waren auch ihre Fragen, liebe Konfirmanden von damals. Es hat mich sehr beeindruckt, was die Schriftstellerin Christa Wolf – Jg. 1929 und 1946 als Jugendliche mit ihrer Familie nach Bad Frankenhausen gekommen, in ihren Erinnerungen aus diesen Jahren erzählt. Sie berichtet von einem Pfarrer (nach unseren Recherchen muß es Pfarrer Grawley gewesen sein) der diese Fragen der jungen Leute gespürt hat und der sie eingeladen hat zum Konfirmandenunterricht. Er wollte ihnen mit dem lesen in der Bibel und Gesprächen über unseren Glauben eine Orientierung geben. In den folgenden Jahren dann war Konfirmandenunterricht und auch die Konfirmation nicht mehr selbstverständlich. Es wurden zwar noch fast alle Kinder getauft, es kamen noch viele zur Christenlehre bei Frau Wurziger und Frl. Möller – doch es kamen längst nicht mehr alle zur Konfirmation. Es machte sich neben einem Geist der Gleichgültigkeit zunehmend eine immer stärker werdende staatliche Repression breit. Auch an dieser Stelle waren darum wieder Vorbilder gefragt. Menschen, an denen Sie, liebe ehemalige Konfirmanden, sich orientieren konnten. Das waren in erster Linie Ihre Familien – die Eltern, oft auch die Großeltern und die Paten, die Sie auf Ihrem Weg in unsere christliche Gemeinde begleitet haben und die sie nun darin unterstützt haben, sich konfirmieren zu lassen. Das waren auch Ihre Pfarrer, die Ihnen die Botschaft der Bibel nahegebracht haben, mit Ihnen gebetet und gesungen haben, und die vielleicht auch manchen Streit mit den Schulen oder Schulämtern für Sie ausgefochten haben. Vielleicht haben Sie in den zurückliegenden Wochen immer wieder einmal an sie gedacht und an alle, die damals mit Ihnen in unsere Kirche gekommen waren zum Fest Ihrer Konfirmation – die Eltern und Geschwister, die Großeltern, die Paten.
Heute nun ist es schön, daß SIE gekommen sind. Zum Teil sind es weite Wege, die Sie dafür gefahren sind. Nach der Konfirmation und dem Ende der Schulzeit sind manche von Ihnen durch die Berufsausbildung, durch das Studium oder durch ihre Eheschließung an ganz verschiedene Orte gelangt. Manchmal gab es dann noch eine Verbindung zu Bad Frankenhausen und zu den alten Freunden. Manchmal gab es lange keine Verbindung. Doch heute sind Sie hier zusammen. Und ganz gleich, wie weit der Weg nach hier war oder wie lose der Kontakt bisher noch gewesen ist – EINE Verbindung gibt es, die Sie alle umfasst. Das ist Ihre Konfirmation hier in unserer Unterkirche und das ist zuvor Ihre Taufe. Auch in unserer Unterkirche oder in der Altstädter oder sogar noch in der Oberkirche sind Sie getauft worden.
Das liegt nun noch weiter zurück als Ihre Konfirmation. Doch auch daran erinnern wir uns heute. Besonders heute. Nicht allein deshalb, weil die Taufe am Anfang steht und die Voraussetzung ist für die Konfirmation, sondern weil uns der heutige Sonntag Trinitatis an diesen Anfang zurück führt. Zu unserer Taufe und zu dem dreifachen Segen, der zur Taufe gehört – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Im Evangelium für diesen Tag hören wir, was dieser Segen bedeutet und was das heißt, getauft zu sein. Nikodemus, ein jüdischer Gelehrter, kommt zu Jesus und will von ihm etwas wissen über seine besondere Vollmacht, über seine besondere Verbindung zu Gott. Was ist es, so wendet sich Nikodemus an Jesus – was dir so viel Kraft verleiht? Und Jesus spricht zu ihm über die Bedeutung der Taufe. Er sagt: es reicht zum Leben nicht aus, was am Beginn geboren wird und was so ins Leben kommt. Sondern wir müssen von neuem geboren werden durch Wasser und den Heiligen Geist. Das geschieht in der Taufe. In der Taufe bekommen wir das Wasser des ewigen Lebens und den Geist Gottes geschenkt. Beides trägt uns ein Leben lang. Und diese Verbundenheit zu Gemeinschaft der Gottesfamilie ist so grundlegend, daß wir sie nicht verlieren können. Die Taufe gilt. Sie gilt ein Leben lang. Und sie gilt über den Tod hinaus. Und auch wenn wir uns zuweilen entfernt haben von Gott – wenn wir die Verbindung verloren haben oder wenn wir sie aufgegeben haben aus Bitterkeit über Leid und Schmerz in unserem Leben – die Taufe gilt. Sie ist wie eine weit geöffnete Tür zur Gemeinschaft der Gottesfamilie. Gott hält diese Tür offen und wir können immer wieder eintreten durch diese Tür und die Verbindung zu ihm von neuem suchen. Ganz gleich, wie jung oder wie alt wir sind. Denn natürlich ist die Taufe kein Jungbrunnen. Auch wer getauft ist, wird älter und trägt die Spuren des Alterns. Auch wer getauft ist, kennt Angst und Versagen. Auch wer getauft ist, muß Leid tragen. Auch wer getauft ist, verstrickt sich manchmal in die schwierigsten Widersprüche. Aber wer getauft ist, ist mit einer besonderen Gabe gesegnet. Das ist die Gabe des neuen Anfangs. Wir alle, liebe Festgemeinde, haben diese besondere Gabe. Wir haben sie ein Leben lang. Der Geist Gottes schenkt sie uns. Denn er ist ein Geist der Bewegung, der Lebendigkeit und der Freiheit. Er hilft mir, frei zu werden von Lasten, die mich beschweren und manchmal auch lähmen. Er erinnert mich an den Glanz und an den Segen, der durch Gottes Güte auf meinem Leben liegt. Er schenkt mir so einen Blick, mit dem ich im Vertrauen auf meinen Lebensweg sehen kann. Immer noch in Hoffnung und immer noch mit Erwartungen.
Der heutige Tag ist wie eine Station auf diesem Weg. Das Konfirmationsjubiläum ist ein Moment der Besinnung. Auch der Möglichkeit, mir ein paar Fragen zu stellen:
Was trägt mein Leben? Was hat mir bis hierher geholfen?
Ist es nicht eine große Gnade, den Gottesdienst feiern zu können in einer Kirche, in der seit 800 Jahren Menschen Gottes Wort hören, ihn mit ihren Liedern loben und im Gebet zu ihm rufen?
Ich erinnere mich an die Begegnung mit einer älteren Dame aus unserer Gemeinde im vergangenen Sommer. Sie erzählte mir aus ihrem langen Leben, sie erzählte von ihrer Familie, sie erzählte von besonderen Ereignissen. Und dann wollte sie mir ihren Konfirmationsspruch sagen. Doch der fiel ihr in dem Moment nicht ein. Das tat ihr leid, aber es ließ sich nicht ändern. Einige Zeit später bekam ich eines Nachmittags einen Anruf von ihr. Sie war im Garten gewesen und in dem Moment war ihr ihr Konfirmationsspruch wieder eingefallen – es war der 1.Vers aus Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Das wollte sie mir sagen und ich fand das herrlich – wie wichtig ihr das Segenswort Gottes war und wie es sie begleitet hat ihr Leben lang.
Was bedeutet es mir, so unter Gottes Segen zu sein? Kann ich seinen Segen spüren?
Heute sollen Sie, liebe Jubilare, wissen – Gott steht zu seinem Segenswort, das er Ihnen in Ihrer Taufe und zu Ihrer Konfirmation gegeben hat. Und er ruft uns immer wieder und lädt uns ein, unsere Wege mit ihm zu gehen.
Das Vertrauen darauf soll Ihnen heute von neuem gestärkt werden durch den Segen Gottes, der Ihnen an unserem Altar dann zugesprochen wird.
Als Kirchgemeinde wünschen wir Ihnen dazu auch weiterhin Glauben, Liebe und Hoffnung von Gott, dem Vater und dem Sohn Jesus Christus und dem Heiligen Geist. Amen. Anschließend erfolgte die Einsegnung und Übergabe der Erinnerungsurkunden an die Teilnehmer.
Festlich gestaltet wurde der Gottesdienst musikalisch durch den Posaunenchor Oldisleben unter Leitung von Kantorin Schildmann. Frau Hannelore Zimmer, die schon seit über 35 Jahren die Blumen-Ausschmückung verrichtet, hatte auch diesmal die Kirche mit verschiedenen Blumenarrangements gestaltet. Nach dem Gottesdienst wurden als Erinnerung an das Jubiläum von den einzelnen Gruppen Fotos erstellt.
Am Nachmittag traf man sich zu einer (von vielen ehrenamtlichen Helfern vorbereiteten) fröhlichen Kaffeetafel im Gemeindesaal.
Es wurde über das Baugeschehen an und in der Unterkirche und die Veränderungen in der Stadt informiert. Die Anwesenden tauschten sich über manche Kinder- und Jugendstreiche und die weiteren Lebenswege aus. Viele nutzen auch die Gelegenheit zu einem Treffen mit den ehemaligen Klassenkameraden. Man hofft, daß man sich in fünf oder zehn Jahren gesund und munter zu einem weiteren Konfirmationsjubiläum in einer dann komplett innen und außen sanierten Unterkirche einschließlich der Großen-Strobel-Orgel wiedersehen kann.
Text: Peter Zimmer
Fotos: Görtz-Mäder
Autor: khhWie erfreuten sie sich, als sie eintraten und den hellen und renovierten Kirchenraum erblickten. Natürlich ist manches noch nicht fertig, aber die frischen Farben lassen das Kircheninnere freundlich erstrahlen.
Am Sonntag nach Pfingsten trafen sich etwa 50 Jubilare, die vor 50, 60, 65 und 70 Jahren in der Unterkirche konfirmiert wurden. Schon ein halbe Stunde vor Gottesdienstbeginn versammelten sie sich im Gemeindesaal, um die Anwesenheit festzustellen und den Ablauf zu erläutern. Mit dem Einsetzen der Orgelmusik zogen sie in die Kirche ein – wie es sich gehört: die Ältesten voran und am Schluß die Jüngsten.
Noch vor der Predigt wurde mit einer Gedenkminute auch deren gedacht, die aus Krankheitsgründen nicht dabei sein konnten bzw. die schon verstorben sind.
In ihrer Predigt ging Pfarrerin Magdalena Seifert sowohl auf die besondere Bedeutung des Sonntags Trinitatis als auch auf den besonderen Anlaß der Jubelkonfirmation ein: Liebe Festgemeinde heute am Tag der Jubelkonfirmation, wenn wir heute diesen besonderen Gottesdienst miteinander feiern, dann gehört er in eine ganze Reihe von festlichen Tagen, die wir seit Beginn des Monates Mai hier in unserer Kirchgemeinde Bad Frankenhausen miteinander erleben. Diese Reihe hat begonnen am 3.Mai, als wir das Festjahr 800 Jahre Kirche an diesem Platz mit einem Kantatengottesdienst eröffnet haben. Sie ist fortgesetzt worden am vergangenen Pfingstsonntag mit dem Fest der Konfirmation und heute nun eine Woche später haben wir das Fest der Jubelkonfirmation.
Aller guten Dinge sind drei, so sagt man. Drei besondere Gottesdienste im Monat Mai – da ist der Mai in diesem Jahr gut gefüllt. Und der heutige Sonntag Trinitatis trägt mit seiner Bedeutung in sehr schöner Weise zu solcher Erfüllung bei. Denn auch er hat mit der Zahl drei zu tun. Trinitatis – das heißt Dreieinigkeit oder auch Dreifaltigkeit. Und was feiern wir zu Trinitatis? Wir feiern die Erfüllung. Wir lassen die hohen kirchlichen Festtage der vergangenen Wochen noch einmal an unserem inneren Auge vorüberziehen – Ostern und Himmelfahrt und Pfingsten. Das waren Tage voller Leben und gefüllt mit der Kraft des Heiligen Geistes. Dieser gute Geist Gottes weht von Pfingsten her noch herüber nun auch zu unserem heutigen Festtag. Es ist gut, daß es Gottes Geist ist, der unser Fest erfüllt. Denn das ist schon entscheidend in unserem Leben und auch in unserem Zusammenleben – welcher Geist da herrscht. Und von welchem Geist wir uns beherrschen lassen. Insofern stimmen wir dankbar ein in die Bitte, mit der wir unseren Gottesdienst heute begonnen haben: im Namen Gottes des Vaters, der unsere Welt geschaffen hat und der jeden von uns ins Leben gerufen hat, im Namen des Sohnes Jesus Christus, der uns erlöst hat, der uns frei macht und der unser Leben heilt, und im Namen des Heiligen Geistes, der ein Tröster ist und ein Helfer und ein Ratgeber. Nicht nur den Gottesdienst heute haben wir so begonnen – immer, wenn wir als christliche Gemeinde zusammen kommen, stellen wir uns so unter die Fülle und Kraft unseres dreieinigen Gottes.
Also ist Trinitatis eigentlich etwas ganz alltägliches, etwas, das wir sozusagen immer im Munde führen. Und doch ist es noch viel mehr. Es legt einen Glanz auf unser Leben und einen Segen, der unvergänglich ist.
Das heutige Fest des Konfirmationsjubiläums hat viel damit zu tun. Und so geht unser Blick zurück - 50 und 60 Jahre und 65 und 70 Jahre. Das ist – gemessen an der langen Geschichte unserer Kirche – eine kurze Wegstrecke. Und doch nimmt auch diese kurze Wegstrecke uns mit hinein in den großen Rahmen. Und sie führt auch uns letztlich zurück an den Anfang. So wie wir im Lauf unseres Lebens immer wieder einmal zurück an die Anfänge geführt werden. Heute ist so ein Tag. Heute erinnern wir uns. Wir erinnern uns an Ihre Konfirmationen, liebe Teilnehmer unseres Festes. 1945 – 1950 – 1955 – 1965. Das sind die Jahre, an die wir dabei in besonderer Weise denken. Und jedes dieser Jahre spricht für sich. Jedes dieser Jahre hatte seine besonderen geschichtlichen Ereignisse und hatte seine besondere Stimmung. Zu Palmarum 1945 – da war der Krieg noch immer nicht zu Ende. Und er hatte doch schon unermeßlich viel Leid und große Not auch in Ihre Familien gebracht.
Fünf Jahre später – 1950 - war der Mangel der Nachkriegszeit noch immer zu spüren. Es begannen auch schon wieder gesellschaftliche Verwerfungen und es ging um Orientierung. Woran halten wir uns? Wer zeigt uns einen guten Weg für unser Leben, nachdem alle Großspurigkeit und Menschenverachtung ins Verderben geführt hatten? Das waren auch ihre Fragen, liebe Konfirmanden von damals. Es hat mich sehr beeindruckt, was die Schriftstellerin Christa Wolf – Jg. 1929 und 1946 als Jugendliche mit ihrer Familie nach Bad Frankenhausen gekommen, in ihren Erinnerungen aus diesen Jahren erzählt. Sie berichtet von einem Pfarrer (nach unseren Recherchen muß es Pfarrer Grawley gewesen sein) der diese Fragen der jungen Leute gespürt hat und der sie eingeladen hat zum Konfirmandenunterricht. Er wollte ihnen mit dem lesen in der Bibel und Gesprächen über unseren Glauben eine Orientierung geben. In den folgenden Jahren dann war Konfirmandenunterricht und auch die Konfirmation nicht mehr selbstverständlich. Es wurden zwar noch fast alle Kinder getauft, es kamen noch viele zur Christenlehre bei Frau Wurziger und Frl. Möller – doch es kamen längst nicht mehr alle zur Konfirmation. Es machte sich neben einem Geist der Gleichgültigkeit zunehmend eine immer stärker werdende staatliche Repression breit. Auch an dieser Stelle waren darum wieder Vorbilder gefragt. Menschen, an denen Sie, liebe ehemalige Konfirmanden, sich orientieren konnten. Das waren in erster Linie Ihre Familien – die Eltern, oft auch die Großeltern und die Paten, die Sie auf Ihrem Weg in unsere christliche Gemeinde begleitet haben und die sie nun darin unterstützt haben, sich konfirmieren zu lassen. Das waren auch Ihre Pfarrer, die Ihnen die Botschaft der Bibel nahegebracht haben, mit Ihnen gebetet und gesungen haben, und die vielleicht auch manchen Streit mit den Schulen oder Schulämtern für Sie ausgefochten haben. Vielleicht haben Sie in den zurückliegenden Wochen immer wieder einmal an sie gedacht und an alle, die damals mit Ihnen in unsere Kirche gekommen waren zum Fest Ihrer Konfirmation – die Eltern und Geschwister, die Großeltern, die Paten.
Heute nun ist es schön, daß SIE gekommen sind. Zum Teil sind es weite Wege, die Sie dafür gefahren sind. Nach der Konfirmation und dem Ende der Schulzeit sind manche von Ihnen durch die Berufsausbildung, durch das Studium oder durch ihre Eheschließung an ganz verschiedene Orte gelangt. Manchmal gab es dann noch eine Verbindung zu Bad Frankenhausen und zu den alten Freunden. Manchmal gab es lange keine Verbindung. Doch heute sind Sie hier zusammen. Und ganz gleich, wie weit der Weg nach hier war oder wie lose der Kontakt bisher noch gewesen ist – EINE Verbindung gibt es, die Sie alle umfasst. Das ist Ihre Konfirmation hier in unserer Unterkirche und das ist zuvor Ihre Taufe. Auch in unserer Unterkirche oder in der Altstädter oder sogar noch in der Oberkirche sind Sie getauft worden.
Das liegt nun noch weiter zurück als Ihre Konfirmation. Doch auch daran erinnern wir uns heute. Besonders heute. Nicht allein deshalb, weil die Taufe am Anfang steht und die Voraussetzung ist für die Konfirmation, sondern weil uns der heutige Sonntag Trinitatis an diesen Anfang zurück führt. Zu unserer Taufe und zu dem dreifachen Segen, der zur Taufe gehört – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Im Evangelium für diesen Tag hören wir, was dieser Segen bedeutet und was das heißt, getauft zu sein. Nikodemus, ein jüdischer Gelehrter, kommt zu Jesus und will von ihm etwas wissen über seine besondere Vollmacht, über seine besondere Verbindung zu Gott. Was ist es, so wendet sich Nikodemus an Jesus – was dir so viel Kraft verleiht? Und Jesus spricht zu ihm über die Bedeutung der Taufe. Er sagt: es reicht zum Leben nicht aus, was am Beginn geboren wird und was so ins Leben kommt. Sondern wir müssen von neuem geboren werden durch Wasser und den Heiligen Geist. Das geschieht in der Taufe. In der Taufe bekommen wir das Wasser des ewigen Lebens und den Geist Gottes geschenkt. Beides trägt uns ein Leben lang. Und diese Verbundenheit zu Gemeinschaft der Gottesfamilie ist so grundlegend, daß wir sie nicht verlieren können. Die Taufe gilt. Sie gilt ein Leben lang. Und sie gilt über den Tod hinaus. Und auch wenn wir uns zuweilen entfernt haben von Gott – wenn wir die Verbindung verloren haben oder wenn wir sie aufgegeben haben aus Bitterkeit über Leid und Schmerz in unserem Leben – die Taufe gilt. Sie ist wie eine weit geöffnete Tür zur Gemeinschaft der Gottesfamilie. Gott hält diese Tür offen und wir können immer wieder eintreten durch diese Tür und die Verbindung zu ihm von neuem suchen. Ganz gleich, wie jung oder wie alt wir sind. Denn natürlich ist die Taufe kein Jungbrunnen. Auch wer getauft ist, wird älter und trägt die Spuren des Alterns. Auch wer getauft ist, kennt Angst und Versagen. Auch wer getauft ist, muß Leid tragen. Auch wer getauft ist, verstrickt sich manchmal in die schwierigsten Widersprüche. Aber wer getauft ist, ist mit einer besonderen Gabe gesegnet. Das ist die Gabe des neuen Anfangs. Wir alle, liebe Festgemeinde, haben diese besondere Gabe. Wir haben sie ein Leben lang. Der Geist Gottes schenkt sie uns. Denn er ist ein Geist der Bewegung, der Lebendigkeit und der Freiheit. Er hilft mir, frei zu werden von Lasten, die mich beschweren und manchmal auch lähmen. Er erinnert mich an den Glanz und an den Segen, der durch Gottes Güte auf meinem Leben liegt. Er schenkt mir so einen Blick, mit dem ich im Vertrauen auf meinen Lebensweg sehen kann. Immer noch in Hoffnung und immer noch mit Erwartungen.
Der heutige Tag ist wie eine Station auf diesem Weg. Das Konfirmationsjubiläum ist ein Moment der Besinnung. Auch der Möglichkeit, mir ein paar Fragen zu stellen:
Was trägt mein Leben? Was hat mir bis hierher geholfen?
Ist es nicht eine große Gnade, den Gottesdienst feiern zu können in einer Kirche, in der seit 800 Jahren Menschen Gottes Wort hören, ihn mit ihren Liedern loben und im Gebet zu ihm rufen?
Ich erinnere mich an die Begegnung mit einer älteren Dame aus unserer Gemeinde im vergangenen Sommer. Sie erzählte mir aus ihrem langen Leben, sie erzählte von ihrer Familie, sie erzählte von besonderen Ereignissen. Und dann wollte sie mir ihren Konfirmationsspruch sagen. Doch der fiel ihr in dem Moment nicht ein. Das tat ihr leid, aber es ließ sich nicht ändern. Einige Zeit später bekam ich eines Nachmittags einen Anruf von ihr. Sie war im Garten gewesen und in dem Moment war ihr ihr Konfirmationsspruch wieder eingefallen – es war der 1.Vers aus Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Das wollte sie mir sagen und ich fand das herrlich – wie wichtig ihr das Segenswort Gottes war und wie es sie begleitet hat ihr Leben lang.
Was bedeutet es mir, so unter Gottes Segen zu sein? Kann ich seinen Segen spüren?
Heute sollen Sie, liebe Jubilare, wissen – Gott steht zu seinem Segenswort, das er Ihnen in Ihrer Taufe und zu Ihrer Konfirmation gegeben hat. Und er ruft uns immer wieder und lädt uns ein, unsere Wege mit ihm zu gehen.
Das Vertrauen darauf soll Ihnen heute von neuem gestärkt werden durch den Segen Gottes, der Ihnen an unserem Altar dann zugesprochen wird.
Als Kirchgemeinde wünschen wir Ihnen dazu auch weiterhin Glauben, Liebe und Hoffnung von Gott, dem Vater und dem Sohn Jesus Christus und dem Heiligen Geist. Amen. Anschließend erfolgte die Einsegnung und Übergabe der Erinnerungsurkunden an die Teilnehmer.
Festlich gestaltet wurde der Gottesdienst musikalisch durch den Posaunenchor Oldisleben unter Leitung von Kantorin Schildmann. Frau Hannelore Zimmer, die schon seit über 35 Jahren die Blumen-Ausschmückung verrichtet, hatte auch diesmal die Kirche mit verschiedenen Blumenarrangements gestaltet. Nach dem Gottesdienst wurden als Erinnerung an das Jubiläum von den einzelnen Gruppen Fotos erstellt.
Am Nachmittag traf man sich zu einer (von vielen ehrenamtlichen Helfern vorbereiteten) fröhlichen Kaffeetafel im Gemeindesaal.
Es wurde über das Baugeschehen an und in der Unterkirche und die Veränderungen in der Stadt informiert. Die Anwesenden tauschten sich über manche Kinder- und Jugendstreiche und die weiteren Lebenswege aus. Viele nutzen auch die Gelegenheit zu einem Treffen mit den ehemaligen Klassenkameraden. Man hofft, daß man sich in fünf oder zehn Jahren gesund und munter zu einem weiteren Konfirmationsjubiläum in einer dann komplett innen und außen sanierten Unterkirche einschließlich der Großen-Strobel-Orgel wiedersehen kann.
Text: Peter Zimmer
Fotos: Görtz-Mäder









