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Fr, 07:01 Uhr
12.06.2015

Lichtblick: (Ein)Blick nach vorn

In diesen Tagen traf Gerold Peetz eine unerwartete Nachricht, die ihn einerseits mit Kummer und auch Erbitterung erfüllte, andererseits aber auch mit Hoffnung und Aussöhnung...


Die junge Pfarrerin unserer Kirchgemeinde, erst nach mühsam überbrückter Vakanzzeit vor etwas mehr als einem Jahr von einer anderen Landeskirche zu uns entsandt, hat für alle überraschend die Aufgabe ihres Amtes hier bei uns zum Herbst dieses Jahres bekannt gegeben.

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Es war in den Zeitungen, die darüber berichteten, herauszulesen, dass sie sich nicht am rechten Platz fühle. Ob sich Unbehagen im Umgang mit einzelnen Gemeinden bei ihr breitgemacht hat oder das Frömmigkeitsprofil dieser Gemeinden unzureichend bzw. zu divergent war, bleibt offen. Das traf viele der Gemeindemitglieder und auch mich sehr.

Sicherlich zählt der sonntägliche Kirchgang bei den wenigsten Christen unserer Gegend nicht mehr zu den Gewissenssachen, denen man in erster Linie mit Eifer nachgeht. Es mag an 40 Jahren „Auszeit“ in der DDR-Vergangenheit liegen, aber auch an verschobenen Interessenlagen oder sogar an Gottesdiensten, welche dem einzelnen Kirchgänger aus Ressentiments dem Prediger gegenüber kein wöchentliches Geschenk, sondern nur noch eine lästige Pflicht geworden sind. Aber auch das Stichwort Demografie könnte hier fallen.

Allerdings las ich erst kürzlich in einem von einem Theologen und gleichzeitig Arzt (Dr. Manfred Lütz) verfassten Buch, dass Gottesdienste nicht unterhaltsam sein sollen, Gottesdienstbesuche auch weder in der Regel der Bildung nützen noch neue interessante Kontakte schaffen. Vielmehr stehe man, so der Autor, „…im Gottesdienst völlig zwecklos, aber höchst sinnvoll wenigstens diese eine unwiederholbare Stunde von 168 Wochenstunden vor Gott und wird hingerissen aus der Enge alltäglicher Betriebsamkeit in die Mitte der Welt.“

Dem kann ich unbedingt zustimmen, ich sehe jedoch auch, sobald ich mich in unsere Pfarrerin hineinversetze, Verzweiflung und Frustration, wenn man wochenlang vor nahezu leeren Bänken predigen muss. Gerade, wenn man voller Enthusiasmus seine erste Pfarrstelle nach abgeschlossener Ausbildung besetzt hat, muss das ein schmerzliches Erleben sein, welches auf Dauer zermürbt und sich nach Auswegen umsehen lässt.

Sie fühlte sich gewiss von den eigentlich gar nicht so wenigen Gemeindemitgliedern, die jedoch zumeist nur auf dem Papier und nicht als echte Anwesende in der Kirche erscheinen, sitzen gelassen. Nun fühlen diese Leute dasselbe: Ihre Pfarrerin lässt sie im Stich.
Wie heißt es im Psalm 68, 20? „Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.“ (Psalm 68, 20)

Alles Klagen bringt keinen der Betroffenen weiter. Stattdessen sollten wir uns dafür einsetzen, als eine geschlossene und aktive Gemeinde aufzutreten. Wir sollten nicht gekränkt sein, sondern nach vorn blicken und auf Gott vertrauen, dass uns ein neuer Geistlicher gegeben wird, der die mühevolle Aufgabe der Seelsorge und Verkündigung in unseren weitläufigen und zudem recht „entvölkerten“ Kirchengemeinden übernimmt. Und so wünsche ich unserer Pfarrerin auch für ihre neue Tätigkeit Freude, Kraft und Zuversicht!
Gerold Peetz, Gemeindepädagoge

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Autor: red

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