eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Do, 14:16 Uhr
27.08.2015
Thüringer Lehrerverband

Bauseweins Brief ist beschämend

Mit Entsetzen und Unverständnis hat die Landesleitung des tlv thüringer lehrerverband auf Andreas Bauseweins (SPD) Vorschlag reagiert, die Schulpflicht für die Kinder von Asylbewerbern auszusetzen...


"Dass ein solcher Gedanke in einem Land wie Deutschland überhaupt laut ausgesprochen wird, ist schlichtweg schockierend", kommentiert der stellvertretende Landesvorsitzende Frank Fritze den Vorstoß des Erfurter Oberbürgermeisters.

Anzeige symplr (1)
"Er gibt Wasser auf die Mühlen der sogenannten 'Asylkritiker' und spricht diesen Kindern eines ihrer grundlegenden Menschenrechte ab – das Recht auf Bildung." Deshalb könne er auch nicht verstehen, warum der Deutsche Lehrerverband eine entsprechende Äußerung unterstütze. "Mir ist nicht klar, für welche Thüringer Pädagogen dieser Verband spricht. Der tlv und auch unser Bundesverband, der Verband Bildung und Erziehung (VBE), stehen selbstverständlich zu 100% hinter dem UN-konformen Bildungsauftrag, der ausnahmslos für alle Kinder gilt."

Selbstverständlich, so Fritze weiter, wisse er sehr wohl um die Probleme, die mit der Beschulung der Flüchtlingskinder einhergehen. "Die bildungspolitischen Bedingungen hier in Thüringen sind alles andere als optimal. Unsere Lehrer bewegen sich aufgrund der Personalsituation ohnehin ständig am Limit. Jetzt noch Kinder in die Klassen mit aufzunehmen, die teilweise stark traumatisiert sind, die kaum Deutsch verstehen und die aufgrund der Flucht vielleicht schon monatelang in keiner Schule mehr waren, stellt eine enorme Herausforderung dar – eine Herausforderung, die das vom tlv seit Langem geforderte KompetenzNetzwerk Schule mittragen könnte."

Allerdings dürfe die Antwort auf diese Herausforderung nicht sein, dass die Verantwortlichen in eine Vermeidungshaltung fallen. "Aussitzen ist in diesem Falle das Schlimmste, was man den Kindern antun kann", ist Fritze überzeugt. "Denn jeder Tag, an dem ein Kind etwas lernt, ist eine lohnenswerte Investition in seine Zukunft. Zu suggerieren, dies sei eine Ressourcen-Verschwendung, weil die Familie womöglich sowieso bald wieder abgeschoben wird, ist menschenverachtend."

Klar sei jedoch auch, konstatiert Fritze weiter, dass die Thüringer Landespolitik dringend handeln muss. Momentan lasse sie die Schulen – wie mit vielen anderen dringenden Problemen auch – allein. "Natürlich klingt es gut, wenn Kultusministerin Klaubert vor den großen Ferien ankündigt, 1,2 Millionen Euro in das Projekt Deutsch als Zweitsprache zu investieren. Rechnet man diese Zahlen jedoch einmal herunter, wird schnell klar: Das ist nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein!"

Denn, so führt Fritze aus, mit den 1,2 Millionen Euro würden 50 Lehrerstellen für Deutsch als Zweitsprache finanziert. Allerdings gäbe es bereits 5000 Kinder ausländischer Herkunft an Thüringens Schulen, sodass ein Lehrer auf 100 Schüler käme. "Oder anders gerechnet: Von den 1,2 Millionen Euro entfallen pro Jahr 240 Euro auf jedes der 5000 Asylbewerberkinder. Das sind 20 Euro pro Monat. Ein qualifizierter Deutschunterricht kann damit wohl kaum finanziert werden." Einen solchen Lehrer zugeteilt bekommen zu haben sei wie einen Lottogewinn, zitiert Fritze eine Grundschulleiterin aus Schmölln. "Nur leider ist sogar dieser Lottogewinn zeitlich befristet!"

Die aktuelle Debatte um die Flüchtlinge sei zweifellos eine schwierige. "Sie jedoch auf dem Rücken der Schwächsten auszutragen – nämlich der Kinder – ist beschämend." Stattdessen müssten schnellstmöglich Bedingungen geschaffen werden, die eine Beschulung der Flüchtlingskinder ermöglichen, ohne dass eine neue Überforderungssituation entsteht.
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare
Glaskugel
27.08.2015, 15:24 Uhr
Bausewein, ging allein...
Interessant, was unmittelbar Betroffene von Bausewein's Vorschlag halten. Als OB wird der Kamerad vermutlich Cheffchen vom Schulträger Stadt sein. Schon blöd, wenn die eigenen Unterstellten den Chef für eine Pfeife halten.
Peter59
27.08.2015, 15:52 Uhr
Egal, was der kleine "Dampfprüfer" schreibt....
Der Nick ist hier sicher Programm, viel "heißer Dampf", und der wird geprüft. Vielleicht sollte ich mich in Zukunft "Dauerwelle" nennen....na, ja....
Zum Thema: Schüler ohne Deutschkenntnisse sitzen in den Klassen sinnlos rum, wenn sie die Sprache nicht beherrschen. Wieso wird Bausewein da angegriffen? Stimmt doch! Schulpflicht dann, wenn der Schüler mit Migrationshintergrund dem Geschehen sprachlich folgen kann. Was ist daran so schlimm.... Ich gehe nicht davon aus, dass der o.g. Autor Lehrer an einer weiterführenden Schule ist. Man sollte nicht zu allem einen Kommentar abgeben. Wenn "Dampfprüfer" gern möchte, kann er sich beteiligen am Projekt"Deutsch für Asylbewerber", dann braucht die Schulpflicht nur kurz oder gar nicht ausgesetzt werden....
flower1
27.08.2015, 17:57 Uhr
Schulpflicht ja, aber ....
nur mit deutsch Kenntnissen. Denn wie sollen diese Kinder weiterkommen, wenn sie nichts verstehen. Wie wäre es, wenn man den Kindern erst einmal unsere Sprache beibringt um sie fit zu machen für die Schule. Die Kinder werden von der ersten in die zweite Klasse "übernommen" und dann kommen sie nicht in die nächste Klasse weil die Kenntnisse fehlen? Das stelle ich mir für diese Kinder grausam vor.

Da zu sitzen, nichts zu verstehen und dann wieder neue Gesichter, andere Lehrer und das Gefühl versagt zu haben! Aber lt. Artikel vom 26.08. zu den sogenannten Stützpunktschulen habe ich kein Verständnis in Bezug auf die Grundschulen. Da werden die Lehrer und Eltern allein gelassen, weil die Integration angeblich so gut klappt. Da ist die Rede von "Analphabeten". Wenn hier aber ein Einstieg in der zweiten Klasse (aufgrund des Alters des Kindes) erfolgt, dann leidet wohl nicht nur das Kind, welches kein Wort versteht, sondern auch die Qualität des Unterrichts für die anderen Kinder. Zumal die Klassenstärken meist jenseits der 25 liegen. Warum nicht verstärkt zuerst deutsch unterrichten und wenn die Kinder fit sind in den Klassen integrieren. Aber dafür fehlt wohl wieder das nötige "Kleingeld".
Glaskugel
27.08.2015, 19:16 Uhr
Ich habe es geahnt. Schule nur für Deutsche
"Schulpflicht dann, wenn der Schüler mit Migrationshintergrund dem Geschehen sprachlich folgen kann"

Und sich dann darüber aufregen, dass Parallelgesellschaften entstehen. Gegen diese Schnapsidee ist Bauseweins Forderung Kinderfasching. Wo sollen die Kinder denn Deutsch lernen, wenn nicht in der Schule und mit zeitnaher Schulpflicht?

Und jetzt dürfen Sie weiter auf meinem Nicknamen herumbeissen @Peter59. Und nennen Sie sich ruhig "Dauerwelle". Mich stört das nicht.
flower1
27.08.2015, 20:08 Uhr
Schule nur für Deutsche?
Vielleicht haben Sie hier nicht richtig gelesen Dampfprüfer. Haben Sie selbst Kinder? Können sie sich vielleicht in ein solches Kind hineinversetzen? Ich stelle es mir schlimm vor kein Wort zu verstehen. Wenn man sich manchmal in unsere Supermärkte begibt geht es einem als Erwachsener auch so. Da wird russisch gesprochen, dort arabisch usw. Und man versteht kein Wort. Schon komisch, oder? Nun stellen wir uns die Kinder vor und versetzen uns mal in Ihre Lage. Es sollen sicher auch keine Parallelgesellschaften entstehen. Im Gegenteil. Jeder kann von dem Anderen lernen. Aber wenn erst mal die Sprachbarriere gefallen ist, fällt es den Kindern dann auch leichter Kontakte zu schließen. Die Rede ist ja auch nicht von Deutsch-Kursen, welche Monate dauern. Vergessen Sie nicht, Kinder lernen schnell. Vielleicht fragt man zuerst mal die Lehrer, welche auf dieser Ebene schon Erfahrungen gesammelt haben und trifft dann die Entscheidungen. Momentan wird aber immer nur diskutiert, "gelabert" aber nichts getan. Das unsere Politiker bis Dato nur geschlafen haben und die Augen und Ohren geschlossen haben ist schon schlimm genug. Deshalb jetzt meine (unser aller und damit spreche ich hier auch für die Seite der Flüchtlinge) : Laßt endlich Taten sprechen.
Paulinchen
27.08.2015, 20:09 Uhr
Vielleicht hilft beim Deutschlernen ja auch die Vernunft
Was wir jetzt für die asylberechtigten Kinder brauchen, wären nach meiner Auffassung, eine Art Sonderschulen, an denen nichts außer Deutsch gelehrt wird.

Versetzen wir uns doch mal in deren Lage. Ab morgen gehen unsere Kinder in Peking zur Schule. Was wird wohl dabei raus/rumkommen? Wer von uns kann dann seinen Kindern helfen??? Man kann doch wohl einem Kind nicht Fachunterricht erteilen, wenn es der jeweiligen Landessprache weder in Wort, noch in Schrift mächtig ist. Da ist doch das Chaos vorprogrammiert und Kinder sind obendrein bekanntlich auch noch grausam untereinander. Wer da glaubt, dass sein Kind mit Freude in die Schule geht, der ist ganz bestimmt auf dem Holzweg.

Kann man nicht Lehrer im Ruhestand reaktivieren, die diesen Kindern ihre künftige „Heimatsprache“ vermitteln. Gut fände ich es auch noch, wenn deren Eltern gleich mitgingen. Dann könnten sie sich zuhause gegenseitig beim Deutschlernen unterstützen. Ein Versuch sollte es doch wert sein oder?
NICHTS IST UNMÖGLICH....
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)