Mi, 09:35 Uhr
09.09.2015
DIW Studie zu politischen Präferenzen
Die Deutschen und die Politik - 25 Jahre danach
Die Parteienbindung ist im Osten Deutschlands geringer, die Wahlbeteiligung im Westen höher, bessere Sozialleistungen wünscht man sich in hüben wie drüben - eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hat sich mit den politischen Präferenzen 25 Jahre nach der Wiedervereinigung auseinandergesetzt...
Die Analyse umfasst die Jahre 1990 bis 2014 und beruht insbesondere auf den aktuellsten vom DIW Berlin in Zusammenarbeit mit TNS Infratest Sozialforschung erhobenen Daten der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP), offiziellen Daten der Bundes- und Landeswahlleiter sowie auf Daten der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage (ALLBUS). Auch wenn mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Bundespräsidenten Joachim Gauck gleich zwei Ostdeutsche die politischen Spitzenämter Deutschlands innehaben, ist die politische Einheit keineswegs in den Einstellungen der Bürger zur Politik und zur Beteiligung am politischen Prozess vollzogen, bilanziert Martin Kroh, stellvertretender Leiter des SOEP am DIW Berlin, Professor für Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität und mitverantwortlich für die Untersuchung.
Die deutlichsten Ost-West-Unterschiede finden sich hinsichtlich der Frage, ob sich eine Person seit langem einer bestimmten Partei verbunden fühlt. Obwohl die Bevölkerung in Ostdeutschland zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung durchaus mit dem Parteiensystem des Westens vertraut war, ist die Bindung an einzelne Parteien im Osten bis heute deutlich schwächer ausgeprägt, so Kroh. Die Analysen zeigen, dass die Parteienbindung im Westen Deutschlands deutlich höher ist als im Osten, auch wenn der Abstand nach und nach abgenommen hat. Dies ändert sich insbesondere mit der jüngeren Generation, also jenen, die zur Wendezeit Kinder oder Jugendliche waren.
Diese Unterschiede in der Wahlbeteiligung sind umso bedeutsamer, je mehr sich die politischen Präferenzen von Menschen in Ost- und Westdeutschland unterscheiden. Insbesondere die Stärke der Linkspartei veranschaulicht die Unterschiede in den politischen Vorstellungen, so Ronny Freier, Juniorprofessor an der FU Berlin und Experte für Politische Ökonomie am DIW Berlin und Mitautor der Studie. Während sich die Linke im Westen nie als Volkspartei etablieren konnte, ist sie dies im Osten längst: Davon zeugt etwa der konstant hohe Zuspruch bei der Sonntagsfrage von um die 20 Prozent.
Autor: redDie Analyse umfasst die Jahre 1990 bis 2014 und beruht insbesondere auf den aktuellsten vom DIW Berlin in Zusammenarbeit mit TNS Infratest Sozialforschung erhobenen Daten der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP), offiziellen Daten der Bundes- und Landeswahlleiter sowie auf Daten der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage (ALLBUS). Auch wenn mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Bundespräsidenten Joachim Gauck gleich zwei Ostdeutsche die politischen Spitzenämter Deutschlands innehaben, ist die politische Einheit keineswegs in den Einstellungen der Bürger zur Politik und zur Beteiligung am politischen Prozess vollzogen, bilanziert Martin Kroh, stellvertretender Leiter des SOEP am DIW Berlin, Professor für Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität und mitverantwortlich für die Untersuchung.
Weniger Parteibindung im Osten Deutschlands
Bei der Frage nach dem politischen Interesse lässt sich kein eindeutiger Trend ausmachen: In den meisten Jahren fällt es in beiden Landesteilen ähnlich hoch aus. Statistisch signifikante Unterschiede zeigen sich bei der Frage nach der Bedeutung von politischem und gesellschaftlichem Engagement. Während dieses erwartungsgemäß zur Wendezeit für viele Menschen im Osten Deutschlands eine große Rolle spielte, wird persönliches Engagement danach im Westen wichtiger gewertet.Die deutlichsten Ost-West-Unterschiede finden sich hinsichtlich der Frage, ob sich eine Person seit langem einer bestimmten Partei verbunden fühlt. Obwohl die Bevölkerung in Ostdeutschland zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung durchaus mit dem Parteiensystem des Westens vertraut war, ist die Bindung an einzelne Parteien im Osten bis heute deutlich schwächer ausgeprägt, so Kroh. Die Analysen zeigen, dass die Parteienbindung im Westen Deutschlands deutlich höher ist als im Osten, auch wenn der Abstand nach und nach abgenommen hat. Dies ändert sich insbesondere mit der jüngeren Generation, also jenen, die zur Wendezeit Kinder oder Jugendliche waren.
Höhere Wahlbeteiligung im Westen Deutschlands
Die Wahlbeteiligung weist für beinahe alle Wahlebenen deutliche Unterschiede auf: Sie ist bei Bundes-, Landtags oder Kommunalwahlen in den neuen Bundesländern fast durchweg niedriger als in den alten. Bei den Bundestagswahlen etwa lag sie im Osten (ohne Berlin) durchgängig zwischen drei und acht Prozentpunkte unter der im Westen. Gesellschaftlich besorgniserregend ist die historisch niedrige Wahlbeteiligung bei Landtagswahlen. Im Jahr 2014 gaben in Sachsen und Brandenburg deutlich unter 50 Prozent Wahlberechtigte ihre Stimme ab.Diese Unterschiede in der Wahlbeteiligung sind umso bedeutsamer, je mehr sich die politischen Präferenzen von Menschen in Ost- und Westdeutschland unterscheiden. Insbesondere die Stärke der Linkspartei veranschaulicht die Unterschiede in den politischen Vorstellungen, so Ronny Freier, Juniorprofessor an der FU Berlin und Experte für Politische Ökonomie am DIW Berlin und Mitautor der Studie. Während sich die Linke im Westen nie als Volkspartei etablieren konnte, ist sie dies im Osten längst: Davon zeugt etwa der konstant hohe Zuspruch bei der Sonntagsfrage von um die 20 Prozent.
