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So, 09:59 Uhr
13.09.2015
Neues aus Bad Frankenhausen

5. Orgellauf ist Geschichte

Peter Zimmer aus Bad Frankenhausen wirft einen Blick zurück in die Geschichte des Orgellaufs von Bad Frankenhausen...

Am 1. August 2010 begann Laura Schildmann ihren Dienst als Kantorin und fand im Orgelverein aktive Mitstreiter in Sachen Sanierung der Großen-.Strobel-Orgel. Und da ja bei allen Sanierungs- und anderen Problemen immer wieder auch Eigenmittel aufgebracht werden müssen, um ans Ziel zu gelangen, wurde die Idee „Orgellauf“ diskutiert und in die Tat umgesetzt. 2011 erfolgte erstmalig der Start. Solch ein Unternehmen ist ja mit viel Aufwand verbunden und so dachte man an einen 2-Jahresrhythmus. Doch die Nachfrage führte zu einem jährlichen Rhythmus und so fand in diesem Jahr schon der 5. Lauf zugunsten der zu sanierenden Orgel in der Unterkirche statt.

5. Orgellauf ist Geschichte (Foto: Privat) 5. Orgellauf ist Geschichte (Foto: Privat)

Immer wieder ist – wie bei allen „Freilichtveranstaltungen“ – die bange Frage nach dem Wetter. Doch die Organisatoren ließen sich nicht abhalten und schon früh um sieben Uhr traf man sich, um alles Notwendige aufzubauen und einzurichten.
Und wie schon in den vergangenen Jahren gab es vor dem eigentlichen Lauf den Läufergottesdienst.
Superintendent Bálint hielt die Predigt und führte aus:

„Liebe Gemeinde,
als ich den Bibeltext für den heutigen Sonntag las, den die neue Predigtordnung vorschlägt, da umspielte meinen Mund ein Lächeln. Denn dieser Text steht symbolisch für das Laufen, das im Zentrum der nach diesem Gottesdienst stehenden Anstrengungen steht: allerdings einmal im horizontalen und einmal im vertikalen Sinne.
Horizontal ist die Bewegung der Läufer, vor allem derer wie mir, die sich zu wenig Zeit nehmen können und viel zu selten laufen, flache Strecken aber geradeso bewältigen, ohne in kurzen Abständen ein Sauerstoffzelt zu benötigen.
Das Laufen entspricht einer Bewegung, die uns Menschen eignet. Jahrtausende sind Menschen vorwiegend gelaufen während wir heute mehr sitzen und fahren, also allenfalls „bewegt werden“. Diese Passivität hat ihren Preis, denn viele haben damit zu tun, dass sie mangels Bewegung zu viel mit sich herumschleppen.

Vertikal ist die Bewegung vor allem der Läufer, die geübt sind, die die Herausforderung suchen, die ihr Training ständig steigern (müssen), um den Kick noch zu fühlen. Sie tauschen ihre Trainingsergebnisse in Echtzeit mit Lauffreuden in einer Läufer-Community, die sofort sehen können, wie viel, welche Strecke, mit welcher Herzfrequenz ihr, per Pulsuhr verbundener Trainingspartner absolviert hat. Das spornt an, denn schließlich will sich keiner als „Couchpotato” oder „Chaiselonguekartoffel“ bezeichnen lassen. Aktiv und jung sein ist in unserer Zeit hipp, Gesundheit zahlt sich aus und ist ein sehr nützlicher Nebeneffekt des Laufens mit Langzeitwirkung.

In früheren Zeiten vollzog sich das Laufen nicht als sportlicher Vergleich, als Freizeitbeschäftigung oder Training für „Laufevents“ aller Art, sondern Laufen war überlebensnotwendig, um Nahrung und Wohnstatt zu finden. Wer nicht lief überlebte nicht. Die Seßhaftwerdung ist eine zivilisatorische Errungenschaft, die ihre Licht- und Schattenseiten hat.

Was heute als Ausgangspunkt meiner Predigt nahe liegt, vollzieht sich im Predigttext auch in horizontaler und vertikaler Weise, jedoch in der damals vorhandenen Existentialität. Hören wir (auf) unseren Predigttext aus dem Buch Genesis:

Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran und kam an eine Stätte, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der Stätte und legte ihn zu seinem Haupt und legte sich daselbst schlafen. Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden bis an den Himmel rührend, und siehe, die Engel Gottes stiegen darauf hinauf1 und hinieder. Und der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land.
Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe. Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht! Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels. Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er zu seinem Haupt gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Steinmal und goss Öl oben darauf und nannte die Stätte Bethel (Beth-El = Haus Gottes).

Liebe Gemeinde,
wer die Vorgeschichte dieses Predigttextes kennt, weiß, dass Jakob in schneller Bewegung ist. Er joggt zwar nicht für einen guten Zweck, so wie Viele heute nach dem Gottesdienst, aber er rennt um sein Leben, denn er ist auf der Flucht - in mehr oder minder horizontaler Bewegung.

Die Flucht musste er antreten, weil er seinen Bruder Esau betrog und dieser ihm dafür nach dem Leben trachtete. Sein Handeln hatte Konsequenzen und führt ihn ins weit entfernte Mesopotamien, den heutigen Irak. Dort wohnt ein Verwandter, der Bruder der Mutter Rebekka, also sein Oheim. Daselbst soll er sich verbergen, nach Möglichkeit eine rechte Frau finden und warten, bis der Zorn des Bruders „verraucht“ ist.

Jakob ist in Bewegung, doch ab und an muss auch er eine Pause machen und rasten. In einer Fluchtnacht hat er diesen merkwürdigen Traum, von dem wir hörten. Merkwürdig im Wortsinne deshalb, weil er des Merkens würdig ist, also kein banaler und für bedeutungslos gehaltener Traum. Jakob empfängt eine Botschaft für sich, entschlüsselt sie und wendet sie vertrauensvoll auf sich an.

Dass Jakob diesen Traum als klare Zusage Gottes versteht, wird durch sein Handeln am Morgen erkennbar – er steht auf und macht aus dem „Schlafstein“ einen „Gedenkstein. Jakob hält inne, seine Flucht erhält eine Unterbrechung und inmitten des Versuches, sein Leben zu retten, richtet er sich von der horizontalen Ebene auf die vertikale Ebene aus.
Eine heilsame, eine Not wendende Unterbrechung. Unterwegssein wie Joggen braucht Pausen. Beim Joggen in der Regel zwischen den Läufen, im Leben kann es mittendrin, gewollt oder ungewollt, nötig werden. Manchmal sind wir vernünftig, achten auf uns und halten von alleine inne, bisweilen wird uns von unserem Körper unmissverständlich klar gemacht, dass nun eine Pause ansteht (wie ein Gedenkstein).

Als Christen leben wir in der Gewissheit, dass das ganze Leben eine Wanderung ist und wir unsere letztgültige Heimat nicht hier haben, sondern sie suchen und schlussendlich bei Gott finden.

Dabei ist es wichtig, dass wir immer wieder die vertikale Ausrichtung und die Stille suchen, weil nur sie uns die Kraft gibt, den Weg zu gehen. Die Kraft dafür erhalten wir, wenn wir ihn (den Weg) bewusst und heilsam unterbrechen. Uns dem öffnen, der uns begegnen will.
In der Unterbrechung der eigenen Bewegung der Flucht, als er schläft und nicht auf sich selbst vertraut, als er sich (los)lässt, begegnet Jakob Gott. Er kann das nicht machen, er kann das nicht bewirken, er kann sich nur öffnen. Die Begegnung geht von Gott aus.
Die von Jakob erlebte Nähe Gottes vermittels der (diese visualisierenden) Engel und die ihm zugesprochene Verheißung, sind auf Wahrnehmung angewiesen. Jakob könnte sie wegwischen, wie einen Albtraum, sie als ein Hirngespinst abtun und sagen, dass das nicht real ist, doch er lässt sich darauf ein und nimmt es für „bare Münze“.

Von Sportlern können wir immer wieder hören, dass sie überrascht sind, wenn sie einen Erfolg erzielten, weil sie sich selbst gar nicht so stark einschätzten und dann überglücklich sind, dass sie gewannen – den Wettkampf und auch den Kampf gegen sich selbst. Jakob wird später auch noch einen Kampf kämpfen, hier aber ist seine Stärke, dass er sich (ein)lässt und auf Gott vertraut, obwohl er „nur träumte“.

„Da berühren sich Himmel und Erde“ und dort, wo der Verbindungspunkt zwischen beiden ist, setzt er sein Denkmal. Dieses Denk-Mal trägt seine Bedeutung in sich: innehalten, an etwas denken, verlangt, wenn es mit Tiefe geschehen soll, die Besinnung, die Ruhe, einen Zeitpunkt und Einhalt. Dies geschieht in der heilsamen Unterbrechung der Bewegung, im Einlassen auf Gott.

Was heißt das für uns heute, hier in Bad Frankenhausen, wo viele in Bewegung sein werden? Es gibt kleine und große Runden, die mit dazu beitragen sollen, die Orgel zu sanieren und ihr wieder zu dem Klang zu verhelfen, der sie eigentlich auszeichnet.

Wir können diesen Orgellauf als ein Sinnbild für unseren Lebensweg verstehen. Es kommt darauf an, seinen Lebensweg, Runde um Runde zu gestalten. Immer wieder jedoch braucht es Punkte, an denen wir inne halten, Luft holen und uns fragen, ob wir noch das richtige Schrittmaß haben, ob Leib, Seele und Geist noch „mitkommen“, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind, ob wir womöglich auf andere Läufer achten müssen, die neben und mit uns laufen.
Immer wieder sollten wir uns wie Jakob „Haltepunkte“ suchen. Dort ist es gut, wenn wir inne halten, uns besinnen und auf Gott einlassen und prüfen, was nun dran ist. Insofern ist dieser Gottesdienst in Verbindung mit dem Lauf ein Sinnbild für das, was gemeint ist: den Lebensweg laufen und immer wieder (lieber häufiger als selten) innehalten und uns vertikal ausrichten und uns den Zuspruch Gottes geben lassen.

Das wünsche ich uns heute an diesem Tag, an dem wir in Bewegung sind und an jedem weiteren Tag unseres Lebens. Laufen und Innehalten gehören zusammen, bei allem aber ist eines wichtig, sich wie Jakob zu öffnen für den Zu- und Anspruch Gottes.

Dann können wir vertrauensvoll singen:
Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt.
Amen!“
5. Orgellauf ist Geschichte (Foto: Privat)
5. Orgellauf ist Geschichte (Foto: Privat)
5. Orgellauf ist Geschichte (Foto: Privat)
5. Orgellauf ist Geschichte (Foto: Privat)
5. Orgellauf ist Geschichte (Foto: Privat)
5. Orgellauf ist Geschichte (Foto: Privat)

Nach dem Gottesdienst ging es hinaus zum Start. Dort stand schon Orgelspieler Martin Frankenhäuser mit seinem Instrument bereit, um die Wartenden durch das Drehen des Kurbelrades fröhliche Melodien dem Instrument zu entlocken. Zuerst begannen die Kinder ihre Rundenläufe um die Kirche. Mit dem Ton einer Orgelpfeife gab Kantorin Schildmann den Start für alle anderen Läufer frei. Es wurde die 1,9 km lange Runde durch die Stadt – selbstverständlich auch am Strobelhaus vorbei – gelaufen oder gewalkt oder nur einfach per Spaziergang mit interessanten Informationen aus der Stadtgeschichte absolviert. Auch Ehepaar Bálint nahm am Lauf teil. Alle Läufer bekamen am Ende ein kleines Geschenkt und schenkten durch ihr Engagement dem Orgelverein für den aufzubringenden finanziellen Eigenanteil ein hübsches Sümmchen.

Für alle Anwesenden gab es in der Kirche diverse Basare: wunderschöne Patchworkarbeiten, Blumengestecke, Pflanzen für den Garten und schmackhafte Konfitüren, Bücher und andere Raritäten. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt.

Besonders erfreulich war für die Organisatoren, dass die Hausmänner der Stadt – trotz vielfacher Einsätze – sich wieder mit einer Runde und einem Sponsorenbeitrag beteiligten. Auch die Funker und Mitglieder des DRK opferten Freuzeit und sicherten die Laufstrecke ab.
Für alles ehrenamtliches Engagement aller Beteiligten kann man nur sagen: DANKE!

Impressionen vom 5. Orgellauf

Text und Foto´s:
Peter Zimmer
Bad Frankenhausen
Autor: khh

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