Mo, 11:27 Uhr
14.09.2015
Harter Wettbewerb
Fallende Preise im Supermarkt
Gute Zeiten für Verbraucher: Die Preise im Lebensmitteleinzelhandel sind so niedrig wie selten zuvor. Was viele Kunden freut, geht allerdings zu Lasten des Handels, der Erzeuger und oft auch der Qualität...
Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel ist im europäischen Vergleich ein Einkaufsparadies, meint Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt.
Im ersten Halbjahr 2015 hätte es dort so viele Sonderangebote wie selten zuvor gegeben. Die großen Marktführer – egal ob Discounter oder klassischer Vollversorger-Supermarkt – liefern sich derzeit einen gnadenlosen Preiskampf um die Kunden, begründet Grusser die Entwicklung. Infolge dessen würde der Preisdruck an die Hersteller immens erhöht, was kleine und mittelständische Firmen auch in Thüringen zunehmend in Bedrängnis bringe.
Schon heute beherrschten die fünf großen Handelsketten (Schwarz-Gruppe, Metro-Gruppe, Aldi, Rewe und Edeka) fast 70 Prozent des Marktes. Erst kürzlich hatte sich die Monopolkommission gegen die Fusion von Edeka und Tengelmann ausgesprochen, um eine marktbeherrschende Stellung zu vermeiden. Besonders die Anbieter mit Vollsortiment konnten im vergangenen Jahr ihre Marktanteile weiter ausbauen.
Aufgrund der geringeren Kaufkraft und des Überangebotes an Verkaufsfläche agierten die ostdeutschen Verbraucher besonders preissensibel. In Thüringen und den neuen Bundesländern insgesamt ist der Wettbewerb noch härter. So weist der Freistaat beispielsweise im Vergleich zur Hansestadt Hamburg 25 Prozent mehr Handelsfläche pro Einwohner aus, hat aber nur 87 Prozent der bundesdurchschnittlichen Kaufkraft, analysiert der IHK-Hauptgeschäftsführer.
Zwischenzeitlich führe der Kampf um die Preise auch dazu, dass sich selbst große Lebensmittelproduzenten mit dem Handel überwerfen. So wären in einer großen Handelskette dann einige Markenartikel zeitweise nicht in den Regalen verfügbar gewesen.
Besonders die Erzeuger von Fleisch- und Milchwaren klagten über ein hartes Preisdiktat und unrentable Herstellungskosten. Die Folge seien Personalabbau und veränderte Lieferketten zu Lasten regionaler Anbieter. Doch Qualität hat ihren Preis. Der Bürger muss auch bereit sein, für hochwertige Produkte einen angemessenen Preis zu zahlen, unterstreicht Grusser.
Autor: redDer deutsche Lebensmitteleinzelhandel ist im europäischen Vergleich ein Einkaufsparadies, meint Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt.
Im ersten Halbjahr 2015 hätte es dort so viele Sonderangebote wie selten zuvor gegeben. Die großen Marktführer – egal ob Discounter oder klassischer Vollversorger-Supermarkt – liefern sich derzeit einen gnadenlosen Preiskampf um die Kunden, begründet Grusser die Entwicklung. Infolge dessen würde der Preisdruck an die Hersteller immens erhöht, was kleine und mittelständische Firmen auch in Thüringen zunehmend in Bedrängnis bringe.
Schon heute beherrschten die fünf großen Handelsketten (Schwarz-Gruppe, Metro-Gruppe, Aldi, Rewe und Edeka) fast 70 Prozent des Marktes. Erst kürzlich hatte sich die Monopolkommission gegen die Fusion von Edeka und Tengelmann ausgesprochen, um eine marktbeherrschende Stellung zu vermeiden. Besonders die Anbieter mit Vollsortiment konnten im vergangenen Jahr ihre Marktanteile weiter ausbauen.
Aufgrund der geringeren Kaufkraft und des Überangebotes an Verkaufsfläche agierten die ostdeutschen Verbraucher besonders preissensibel. In Thüringen und den neuen Bundesländern insgesamt ist der Wettbewerb noch härter. So weist der Freistaat beispielsweise im Vergleich zur Hansestadt Hamburg 25 Prozent mehr Handelsfläche pro Einwohner aus, hat aber nur 87 Prozent der bundesdurchschnittlichen Kaufkraft, analysiert der IHK-Hauptgeschäftsführer.
Zwischenzeitlich führe der Kampf um die Preise auch dazu, dass sich selbst große Lebensmittelproduzenten mit dem Handel überwerfen. So wären in einer großen Handelskette dann einige Markenartikel zeitweise nicht in den Regalen verfügbar gewesen.
Besonders die Erzeuger von Fleisch- und Milchwaren klagten über ein hartes Preisdiktat und unrentable Herstellungskosten. Die Folge seien Personalabbau und veränderte Lieferketten zu Lasten regionaler Anbieter. Doch Qualität hat ihren Preis. Der Bürger muss auch bereit sein, für hochwertige Produkte einen angemessenen Preis zu zahlen, unterstreicht Grusser.