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Mi, 13:06 Uhr
16.09.2015
EU will Grenzwerte für Quecksilber in Fisch lockern

Mehr Nervengift für Verbraucher

Die Europäische Kommission plant eine Lockerung der Grenzwerte für Quecksilber in Fisch. Bei ohnehin schon hochbelasteten Raubfischen soll den Verbrauchern künftig eine deutlich höhere Dosis des Nervengifts zugemutet werden...


Dies geht aus einem Arbeitspapier der Europäischen Kommission vom 29. Mai dieses Jahres hervor, das der Verbraucherorganisation foodwatch vorliegt. Die Grenzwertentscheidung soll nach foodwatch-Informationen zuvor noch am 21. September mit einer Expertenkommission beraten werden.

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Die Verbraucherorganisation forderte die Europäische Kommission auf, von einer Lockerung der Grenzwerte abzusehen. Dazu startete foodwatch heute unter www.quecksilber-aktion.foodwatch.de eine Unterschriften-Aktion an die EU-Kommission. "Die Pläne sind das Gegenteil von gesundheitlichem Verbraucherschutz. Die Kommission verfährt nach dem Motto: Risiken und Nebenwirkungen verfehlter Industrie- und Umweltpolitik werden mit voller Wucht an Schwangere und Kleinkinder weitergereicht", kritisierte Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von foodwatch. "Die zulässigen Quecksilber-Höchstwerte für Raubfische sind schon heute deutlich höher als bei anderen Lebensmitteln - sie dürfen auf keinen Fall erhöht werden."

Die Höhe der Quecksilber-Grenzwerte orientiert sich an wirtschaftspolitischen Zielen und damit an der tatsächlichen Belastung der Fische: Trotz der hohen Quecksilber-Messwerte soll ausreichend Fisch für den Markt zu gelassen werden. Dem Arbeitspapier der Kommission zufolge will soll nun einerseits der zulässige Quecksilber-Höchstwert bei Raubfischen von einem auf zwei Milligramm pro Kilogramm Fisch verdoppelt werden. Im Gegenzug plant die EU-Kommission eine Verschärfung der Grenzwerte bei anderen Fisch-Arten von derzeit 0,5 auf 0,1 Milligramm pro Kilogramm Fisch.

Aus Sicht von foodwatch ist dies ein "Trick", um die De-facto-Lockerung der Höchstgrenzen zu verschleiern. Denn kleinere, nicht-räuberische Fische sind meist so niedrig belastet, dass sie die geplanten, künftigen Höchstwerte bereits heute einhalten - eine Verschärfung der Grenzwerte würde also nicht zu einer niedrigeren Belastung der Konsumenten führen. Andererseits führte die geplante Lockerung der Grenzwerte für Raubfische dazu, dass künftig noch höher belastete Schwert- oder Haifischprodukte für den Markt zugelassen würden.

"Unter dem Strich wird die Quecksilberaufnahme der Verbraucher steigen. Die Verschärfung der Grenzwerte für kleine Fische bringt nur auf dem Papier eine Verbesserung des Verbraucherschutzes - die Lockerung der Grenzwerte für Raubfische bringt aber de facto eine höhere Belastung für die Menschen. Das ist ein perfides Ablenkungsmanöver, das allein der Wirtschaft hilft, zum Schaden der Gesundheit von uns Verbrauchern", so Matthias Wolfschmidt von foodwatch.

Untersuchungen der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA zeigen, dass insbesondere große Raubfische am Ende der Nahrungskette wie Schwert- und Thunfische oft deutlich höher mit Quecksilber belastet sind, als es die derzeit geltenden Grenzwerte eigentlich erlauben. Die Folge: Heute dürfen etwa 50 Prozent des Fangs nicht verkauft werden - nach der geplanten Lockerung der Grenzwerte würden aufgrund ihrer Belastung nur noch 14,5 Prozent des Fangs als unverkäuflich eingestuft, wodurch sich die gesundheitlichen Risiken für die Verbraucher deutlich erhöhen würden.

Quecksilber ist ein für den Menschen hochgiftiges Schwermetall. Es wird etwa von Kohlekraftwerken in die Luft oder als Bestandteil von Agrochemikalien in Böden und Gewässer freigesetzt. Im Meer wird daraus das 100-fach giftigere Methyl-Quecksilber, welches von Fischen aufgenommen wird. Die Verschmutzung der Weltmeere mit dem Nervengift birgt ein gravierendes gesundheitliches Risiko, vor dem die deutsche Bundesregierung insbesondere Schwangere und (Klein-) Kinder warnt. Das Schwermetall kann zu Entwicklungsstörungen des Fötus führen und bei Erwachsenen für eine Reihe von Nervenstörungen verantwortlich sein. Besonders hoch mit Quecksilber belastet sind Raubfische, die am Ende der Nahrungskette stehen, wie Hai-, Schwert- und Thunfische.

foodwatch forderte die EU-Kommission auf, auf die Lockerung der Grenzwerte zu verzichten und stattdessen Maßnahmen zu ergreifen, um die Belastung der Menschen zu senken. So solle der Einsatz von schwermetallhaltigen Pflanzenschutzmitteln schnellstmöglich verboten und der Quecksilberausstoß durch die Verbrennung von Kohle zur Energiegewinnung konsequent und maximal reduziert werden.
Autor: red

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Kommentare
Eckenblitz
16.09.2015, 14:41 Uhr
Erhöhung
es ist schon sehr zweifelhaft, was unsere eu-politiker/innen da vom stapel lassen, oder? langsam muss man sich fragen, was da für typen im eu-parlament sitzen, wollen sie teile der menschheit mit gewalt ausrotten? sollen unsere kinder schon im jüngsten alter einen gesundheitsschaden davontragen, so das sie mit sicherheit das rentenalter nicht erreichen?

ist das nicht wieder ein beispiel, wie hörig die politik gegenüber der wirtschaft ist? in was für einer traumwelt leben diese eu-menschen in brüssel überhaupt? sind die bestechungsgelder so hoch, dass man jeden mist zustimmt, nur damit die skrupellose wirtschaft gewinn ohne ende machen kann?
tuco
16.09.2015, 21:15 Uhr
Esst mehr Fisch!
Och, irgendwie muss man doch das ganze Quecksilber loswerden.
Erst lässt man die Pharma-Konzerne das Gelumpe in die Gewässer leiten. Dann kommt "Möchtegern-Gourmet-Kunde" und holt sich "veredelten" Fisch auf den Herd... Hmmmm lecker! Etwas später schüttet der Kunde den Pharmaherren erneut die Taschen voll, in Form von nun benötigten Medikamenten - Die kommen vor lachen nicht in den Schlaf!

Übrigens, das mit den Grenzwerten, sieht (sah) man generell nicht so eng: Man muss ja schließlich an die Wirtschaft denken.
Bestes (sic!) Beispiel: Fisch aus der Bucht von Fukushima.
„Was? Fisch ist 'hoch' radiaktiv belastet?! Papelapapp! Wir sagen euch wie hoch 'hoch' ist!“ Und so wurden flugs die Grenzwerte nach oben verschoben. Und nicht nur bei Fisch.

Einen guten Appetit!
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