Mi, 14:28 Uhr
04.11.2015
Ausbildungsmarkt hat Talsohle erreicht
Anzahl der Verträge stabilisiert sich
Jahrelang hat sich die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse in Industrie, Handel und Dienstleistung verringert. Inzwischen stellt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt jedoch eine Stabilisierung bei den registrierten Neuverträgen in Nord- und Mittelthüringen fest...
Anzahl der neuen Ausbildungsverträge im Bereich der IHK Erfurt im Vergleich der letzten 10 Jahre (Foto: Quelle: IHK Erfurt)
Die Talsohle ist erreicht. Auch in den kommenden Jahren ist aufgrund der zu erwartenden Schulabgänger kein weiterer Rückgang bei den Ausbildungsbewerbern zu befürchten. Deren Zahl ist aber zu gering, um alle angebotenen Lehrstellen zu besetzen. Damit behält der Wettbewerb um die Fachkräfte von Morgen weiterhin seine Brisanz, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser.
Derzeit würden sich jährlich rund 8.000 Schüler im Freistaat um einen Ausbildungsplatz bewerben. Dennoch blieben auch 2015 fast 2.000 Stellen unbesetzt.
Keine Nachwuchsprobleme gebe es gegenwärtig bei den industriell-technischen Berufen. Die Jugendlichen orientieren sich wieder stärker in diese Richtung und sorgen für steigende Vertragszahlen in der Metallbranche oder im Bausektor, so der IHK-Chef. Insgesamt würden derzeit fast 39 Prozent aller Neuverträge im gewerblichen Bereich geschlossen – das sei der beste Wert seit 10 Jahren.
Licht und Schatten zeigten sich besonders im Hotel- und Gaststättenwesen. Zwar konnten hier erstmals wieder leicht gestiegene Ausbildungszahlen registriert werden, aber viele Jugendliche unterschätzten die fachlichen und zeitlichen Anforderungen. So würden 10 Prozent der Verträge in den ersten vier Monaten der Ausbildung wieder gelöscht.
Zu einem neuen Sorgenkind scheint sich der Handel zu entwickeln. Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse ist in diesem Bereich in den letzten 10 Jahren um mehr als die Hälfte gesunken, zieht Grusser ein ernüchterndes Fazit. Der aktuelle Zuzug von Flüchtlingen und Asylbewerbern kann die Situation kurzfristig nicht verbessern, eröffnet aber in den nächsten Jahren auch Chancen. Dazu ist eine überlegte und zielgerichtete Berufsvorbereitung der Flüchtlinge notwendig, fasst der IHK-Hauptgeschäftsführer zusammen. Dies würde Thüringen helfen, dem Fachkräftemangel zumindest in einigen Bereichen entgegenzuwirken.
Autor: red
Anzahl der neuen Ausbildungsverträge im Bereich der IHK Erfurt im Vergleich der letzten 10 Jahre (Foto: Quelle: IHK Erfurt)
Die Talsohle ist erreicht. Auch in den kommenden Jahren ist aufgrund der zu erwartenden Schulabgänger kein weiterer Rückgang bei den Ausbildungsbewerbern zu befürchten. Deren Zahl ist aber zu gering, um alle angebotenen Lehrstellen zu besetzen. Damit behält der Wettbewerb um die Fachkräfte von Morgen weiterhin seine Brisanz, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser.
Derzeit würden sich jährlich rund 8.000 Schüler im Freistaat um einen Ausbildungsplatz bewerben. Dennoch blieben auch 2015 fast 2.000 Stellen unbesetzt.
Keine Nachwuchsprobleme gebe es gegenwärtig bei den industriell-technischen Berufen. Die Jugendlichen orientieren sich wieder stärker in diese Richtung und sorgen für steigende Vertragszahlen in der Metallbranche oder im Bausektor, so der IHK-Chef. Insgesamt würden derzeit fast 39 Prozent aller Neuverträge im gewerblichen Bereich geschlossen – das sei der beste Wert seit 10 Jahren.
Licht und Schatten zeigten sich besonders im Hotel- und Gaststättenwesen. Zwar konnten hier erstmals wieder leicht gestiegene Ausbildungszahlen registriert werden, aber viele Jugendliche unterschätzten die fachlichen und zeitlichen Anforderungen. So würden 10 Prozent der Verträge in den ersten vier Monaten der Ausbildung wieder gelöscht.
Zu einem neuen Sorgenkind scheint sich der Handel zu entwickeln. Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse ist in diesem Bereich in den letzten 10 Jahren um mehr als die Hälfte gesunken, zieht Grusser ein ernüchterndes Fazit. Der aktuelle Zuzug von Flüchtlingen und Asylbewerbern kann die Situation kurzfristig nicht verbessern, eröffnet aber in den nächsten Jahren auch Chancen. Dazu ist eine überlegte und zielgerichtete Berufsvorbereitung der Flüchtlinge notwendig, fasst der IHK-Hauptgeschäftsführer zusammen. Dies würde Thüringen helfen, dem Fachkräftemangel zumindest in einigen Bereichen entgegenzuwirken.
