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Do, 00:23 Uhr
03.12.2015
Kommunalpolitik

Der Kampf um die Grundschule

Über den gestrigen Kreistagsbeschluss, dass mit Ablauf des Schuljahrs die Schmücke-Grundschule Geschichte als Schulteil aufgehoben wird und Teil der Gemeinschaftsschule Oldisleben wird, hatte kn bereits berichtet. Es war ein Kampf und man darf gespannt sein, ob es nicht auch noch ein gerichtlicher Kampf wird...

Das ist die Schließung der Grundschule Heldrungen auf Raten, wie es CDU-Fraktionsführer Jens Krautwurst bezeichnete. Die bereits eingeschulten Kinder in Heldrungen werden bis zur 4. Klasse an der Grundschule verbleiben und dann zur Gemeinschaftsschule Oldisleben wechseln. Alle Neueinschulungen werden nur noch in der Grundschule Oldisleben erfolgen.

Im Vorfeld der heutigen Sitzung hatte es eine Vielzahl von Protestschreiben aus Heldrungen und Umgebung gegen die Schließung gegeben. Man merkte der Landrätin Antje Hochwind (SPD) an, dass sie wohl doch Zweifel an der Schließung der GS Heldrungen hatte. Sie hatte verkündet, sie werde sich der Stimme enthalten. Die Beschlussvorlage, wie sie letztendlich durch den Kreistag ging kam ja von ihr, mit dem Hintergrund, die Klasse wenigstens bis zum planmäßigen Schulwechsel zusammen zu halten und nicht noch vorher die Klassen zu mischen.

Weil am 6. Dezember die Einschreibungen für die ersten Klassen beginnen, blieb ihr keine zeit, wie sie meinte, nochmals ausgiebiger über Alternativen zu diskutieren, hatte allerdings in der eigenen Fraktion keinen Rückenhalt.

Der Fraktionsführer der SPD/Grüne Matthias Strejc hatte in seinem Diskussionsbeitrag klar gemacht, die Fraktion werden an der einmal beschlossenen Schulnetzplanung festhalten. Wir haben, so Strejc, diese Schulnetzplanung so festgelegt, weil wir finanziell nicht alle bestehenden Schulen erhalten können. Er erinnerte daran, dass er als Bürgermeister von Bad Frankenhausen auch der Schließung der Schule Udersleben zustimmen musste.

Wir machen uns mit dem Beschluss nicht gerade beliebt, so Strejc, aber wir werden tragen den Beschlussentwurf der Landrätin mit.

Die CDU hatte gleich zu Beginn der Kreistagssitzung einen Gegenbeschluss eingereicht, in dem sie sich für den Fortbestand der Grundschule Heldrungen in der Form eingesetzt hat, dass bis zum Beschluss der Schulnetzplanung 2018 die GS Heldrungen Bestand haben sollte.
Beschlussvorschlag
Der Beschlussvorschlag wurde mehrheitlich von SPD/Grüne und die Linke abgelehnt.

Jens Krautwurst verwies darauf, dass die Eltern nicht nur die GS als Gebäude, sondern in der Schulform der Ausbildung erhalten wollen und die Eltern haben ein Wahlrecht, machte Krautwurst klar. Krautwurst bemängelte, dass Schulen und Eltern eher an einen Tisch gemusst hätten, denn es ginge nicht nur ums Geld, sondern auch um die Schulform.

Bevor allerdings die Kreistagsmitglieder in die hitzige Diskussion einstigen, hatte Susann Weber, Elternsprecherin der GS Heldrungen Rederecht bekommen.
Sie appellierte an die Kreistagsmitglieder, die GS Heldrungen zu erhalten. Sie erinnerte daran, dass die GS Heldrungen in einem Projekt Innovatives Lernen in Thüringen eingebunden sei. Sie bemängelte, dass einige Fördermittel dazu nicht abgerufen worden seien (Hochwind: Bei uns ist kein Antrag eingereicht worden).

Kopfschütteln rief Torsten Blümel (Die Linke) bei den Gästen aus Heldrungen hervor, als er sagte, Heldrungen sei keine Schließung, sondern nur eine "Verlagerung".

Karl-Josef Ringleb (CDU) und Reiner Scheerschmidt (VIBT) wiesen auf rechtliche Probleme hin. Ringleb: Das ist eine feindliche Übernahme der GS Heldrungen durch Oldisleben.
Scheerschmidt: Der Kreistag hat nie ein Votum abgeben dürfen, dass die Gemeinschaftsschule Oldisleben eine erste Klasse bilden darf. Beide Redner räumten ein, hier könne es rechtliche Probleme geben.

Jörg Steinmetz (CDU) zeigte Solidarität mit Heldrungen, denn "seine Schule" in Keula steht ja auch vor dem Aus.
Erwartungsgemäß sprachen sich Gudrun Holbe (CDU) und Henry Hunger (CDU) für den Erhalt der GS Heldrungen aus, während Uwe Vogt (SPD) an dem Beschluss der Schulnetzplanung festhielt.

Alle Meinungen hier niederschreiben zu wollen, würde wohl den Rahmen sprengen. Interessant aber, dass der Geolift mehrfach ins Spiel kam. Dafür haben wir Geld, aber nicht für die Kinder in Heldrungen, so der Vorwurf, ob Susann Weber, Jens Krautwurst oder Reiner Scheerschmidt.

Abstimmungsergebnisse gibt es hier:
Aus für Grundschule Heldrungen auf Raten
Autor: khh

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Kommentare
Susann Weber
03.12.2015, 09:47 Uhr
Viele Probleme bei "Sterben auf Raten" nicht bedacht
Erstmal vornweg:
Wenn die Schulnetzplanung wie sie beschlossen worden ist, umgesetzt werden würde, dann gäbe es in der Gemeinschaftsschule keine Klassen 1-4, sondern ab nächstes Jahr in dem neuen Gebäude eine Grundschule, welche in Kooperation mit der Gemeinschaftsschule (Klasse 5-10) zusammen arbeitet.

Und jetzt zu den entstehenden Problemen, welche wohl keiner in der Kreisverwaltung bedacht hat:
1. Was passiert mit den Kindern aus dem jetzigen Kurs 1 in Heldrungen, welche die Schuleingangsphase verlängern müssten?
Eine verlängerte Schuleingangsphase gibt es in dem Konzept der Gemeinschaftsschule nicht. Lt. Thüringer Schulordnung gibt es auch bis zum Ende der 8. Klasse keine Versetzungsentscheidung in einer Gemeinschaftsschule. Müssen diese Kinder jetzt in Kurs 2, bzw. die 2. Klasse oder dürften sie wiederholen? Wenn ja, wo? In Oldisleben, so dass sie aus ihrem Klassenverbund rausgerissen werden müssen, sogar die Schule wechseln müssen?
Durch das klassenübergreifende Lernen hätte sie in der Grundschule weder Klassenraum, noch Klassenverbund, noch Lehrer beim verlängern wechseln müssen....Und nun???

2. Von welchen Lehrern werden unsere Kinder unterrichtet?
Die Lehrer der derzeitigen Grundschule sind an der Grundschule eingesetzt. Werden sie, wenn der Teil in Heldrungen jetzt Gemeinschaftsschule wird, erhalten bleiben? Wer kann das garantieren? Niemand!!!! Die Lehrerzuweisungen kommen nicht vom Kreis. Es könnte also auch passieren, dass unsere Kinder, selbst wenn sie im Klassenverbund bleiben, eine/n neue/n Lehrer/in vor die Nase gesetzt bekommen, oder dass Probleme auftreten, weil es weniger Lehrerzuweisungen gibt und diese geschrumpfte Lehrerzahl zwischen Heldrungen und Oldisleben pendeln müssen....

3. Was passiert in 2-3 Jahren mit dem Hort?
Je weniger Kinder in die zukünftige Gemeinschaftsschule in Heldrungen gehen, desto weniger Hortbedarf besteht. Es ist für mich nur eine Frage der Zeit, bis es heißt, dass es in Heldrungen keinen Hort, zuerst wohl keinen Früh- dann auch keinen Nachmittagshort mehr geben wird, weil es immer weniger Schüler, somit auch immer weniger Hortbedarf gibt. Sollen wir unsere Kinder dann in die Luft hängen oder müssen wir sie morgens nach Oldisleben bringen, dann fahren sie mit dem Bus zur Schule nach Heldrungen und nach dem Unterricht wieder nach Oldisleben???

Unsere Kinder werden bei dieser Variante bestraft, bestraft dafür, dass der Kreistag die Schulnetzplanung NICHT konsequent umgesetzt hat, bestraft für das Versagen unserer Politiker!!!
Raisch
03.12.2015, 13:52 Uhr
Bankrotterklärung/ Unfähigkeit
Der Beschluss des Kreistages stellt eine Bankrotterklärung, wenn nicht gar die Unfähigkeit, der Mitglieder des Kreistages dar, auf Probleme zu reagieren und möglichst zu Gunsten der betroffenen Bürger.

Die Kreistagsmitglieder wurden gewählt, um sich für ihre Wähler und die Belange der Bürger einzusetzen. Bei dem gefassten Beschluss geht es längst nicht mehr um die Belange der Bürger und um mögliche Entscheidungen für die Kinder der betroffenen Gemeinden, obwohl dieses möglich wäre, und so den Belangen des demographischen Wandels entgegengewirkt werden könnte.

Es geht nur noch um parteipolitische Positionen, welche unbedingt durchgeboxt werden müssen. Auch Rundreisen einiger Kreistagsmitglieder in verschiedenen Teilen des Kyffhäuserkreises nutzen nichts, wenn man die gegebenen Versprechen nicht einhält.

Versprechen sind das eine, und sie werden sich vor den nächsten Wahlen wieder vermehren. Wer glaubt dann noch den Politikern?
Niemand!!!
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