Mi, 15:00 Uhr
17.02.2016
Neues aus Bad Frankenhausen
Neues Jahr – neuer Beginn in neuen Räumen
Mit dem 1. Januar begann die Diakonie Sozialstation ihre Arbeit in der Erfurter Straße 45 ( Lindenpassage ) in Bad Frankenhausen in neuen Räumen. Peter zimmer gibt einen Einblick in das neue Domizil...
Mehrere Jahre befand die Sozialstation am Stadtrand in der Stiftstraße hinter dem Wilhelmstift. Sie war weit vom Stadtzentrum entfernt. Auch war eine Begegnung von Senioren nur schwer zu realisieren, da man nur den Wilhelm-Schall-Saal im Hauptgebäude für solche Zwecke nutzen konnte und der Zugang nicht behindertengerecht ist. So gab es schon seit längerem Überlegungen bzgl. stadtnäherer, bezahlbarer Räumlichkeiten, in dem Vermieter der Räume im ehemaligen Lindensaalgebäude fand man einen fairen Partner.
So wurden über die Jahreswende zwei Räume renoviert und für die Belange der Diakonie Sozialstation eingerichtet.
Das Team der Diakonie Sozialstation
Am 15. Januar fand dann die Einweihung der Station statt. Nach Begrüßung der Anwesenden gab es eine Andacht – schließlich ist diakonische Arbeit dem christlichen Ethos verpflichtet. In seiner Ansprache führte Superintendent Bálint (Vorsitzender der Stiftung Wilhelmstift) aus:
Liebe Festaktgemeinde, so möchte ich Sie begrüßen, da wir uns zur Einweihung der neuen Räumlichkeiten der Diakoniesozialstation hier in der Erfurter Straße eingefunden haben.
Die Mitarbeiterinnen der Diakoniesozialstationen werden gar nicht so viel Zeit am Tage hier vor Ort sein, denn Sie sind bei den ihnen anvertrauten Menschen vor Ort. Dabei ist dies ist eine Tätigkeit, die in unserer Gesellschaft völlig unterbewertet ist. Doch das geht leider vielen sozialen Berufen so. Doch nirgends sind wir Menschen uns untereinander gleicher als bei der Geburt und in den letzten Momenten unseres Lebens, vor allem aber im Sterben und im Tod.
Diese neuen Räumlichkeiten, so viel angenehmer als die alten, sind der Ausgangspunkt für die Tagestouren und führen die Schwestern auch wieder hierher zurück. Hier begegnen sich alle und können auch von den zuweilen erlebten Grenzerfahrungen berichten: dem Sterben eines vertraut gewordenen Klienten, dem extrem langen Krankenlager einer anderen Klientin, der fassungslosen oder erschreckend abgestumpften Reaktion eines Familienangehörigen. Oder aber von Gesten und Worten, mit denen Angehörige Danke sagen, an einem Tag, der sonst kaum Freudiges bot.
Hier sind auch die leider notwendigen Verordnungsscheine und Dokumentationen auszufüllen und abzugeben, die immer wieder Anlass zu Unmut geben, weil eigentlich nicht einzusehen ist, dass soziale Arbeit so ausdifferenziert und buchhalterisch genau dargestellt werden muss. Andererseits kann aber nur so abgerechnet und damit das notwendige Geld für die Bezahlung der Schwestern erwirtschaftet werden. Es ginge der Bezahlung der Schwestern verloren, wenn es nicht genau nach Richtlinie erfolgte. Keine leichte Situation. Kurz gesagt: Freud und Leid, Leichtigkeit und Mühsal liegen in diesen Räumen nahe beisammen und es ist deshalb gut, wenn diese Räume dann ansprechend sind und zentral liegen. Besonders sei an dieser Stelle auf das tolle Angebot der Begegnungsstätte Lebensbaum hingewiesen, die es so noch nicht gibt. Mögen Sie mit diesem Angebot viele gute Erfahrungen machen.
Es ist deshalb gut, wenn wir die Eröffnung nicht als einen unbedeutenden Akt absolvieren, sondern inne halten und ihn bewusst gestalten. In der Diakoniesozialstation hängt ein Kreuz, das ohne Worte deutlich macht, wir berufen uns nicht auf uns selbst, sondern auf den, der alles Leid auf sich nahm und dem nichts an menschlichem Leid fremd ist.
Wir machen das nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Überzeugung. Wir machen das nicht als nun einmal lästige Pflicht, sondern weil wir der Überzeugung sind, dass jeder Mensch, bis zum letzten Atemzug eine unbedingte Würde hat, selbst als dementer Mensch ist er, und das unterscheidet uns von den meisten Anbietern auf dem sogenannten Markt, Ebenbild Gottes.
Deshalb sollte die Bibel ein wichtige Rolle in der Arbeit einer Diakoniesozialstation spielen - nicht immer verbal, dafür aber immer nonverbal, im Reden und Handeln, dass sich ganz dem anvertrauten Menschen zuwendet. Und nicht nur in den sichtbaren Bereichen sollte dies selbstverständlich sein, sondern auch in dem unsichtbaren: unserem Denken.
Ob wir wollen oder nicht, unser Handeln findet durch unseren Körper einen Ausdruck - bewusst und unbewusst. Und es macht einen Unterschied, ob ich meinen Beruf mit ganzem Engagement und mit ganzer Hingabe ausübe oder die Stunden nur herunter reiße. Daran sollte das Kreuz täglich erinnern. ER ist uns ganz nah gekommen und kennt uns und was uns bewegt in- und auswendig. Wir können uns vertrauensvoll an ihn wenden, wie der Prophet Jeremia: Du, HERR, du kennst mich, du siehst mich und prüfst, ob mein Herz bei dir ist. (Jeremia, Kapitel 12, Vers 3). Wenn wir unser Herz bei Gott haben, dann wird sich unser Denken, Reden und Tun ganz dem Nächsten zuwenden können. Dann ist es unverstellt, zugewandt und ungeteilt.
Nur so ist gute Arbeit am und mit dem Menschen möglich, denn dann zieht es seine Kraftquelle nicht aus sich selbst, die früher oder später versiegen müsste, sondern aus dem Glauben an Gott, dessen unverwechselbares Ebenbild wir sind. Dann werden wir glaubwürdig.
Mögen die Schwestern und alles Personal gesegnet werden und sich im Glauben Gott zuwenden und die Kraft bekommen, die täglich nötig ist. Mögen die Klienten dies täglich spüren, sich gut betreut und geborgen fühlen. Mögen Sie und ihre Angehörigen es weitersagen, damit es dieser Station nicht an Klientel fehlt und sie allezeit genügend Arbeit zum Wohle der Menschen haben. Wir sind die Bibel der Menschen, die sie nicht kennen. An uns liegt es, ob sie das Buch der Bücher einmal aufschlagen, neugierig geworden, weil wir uns anders verhalten als alle anderen, weil wir freundlicher und liebevoller miteinander umgehen als andere, weil sie uns abspüren, dass wir es ernst meinen mit unserem Glauben / unserer Überzeugung.
Möge es aber vor allem Gott selbst uns abspüren, dass wir es ernst meinen. Dass wir uns immer dann, wenn wir es nötig haben oder wenn wir dankbar sind für alles an Dankbarkeit und Liebe, die wir zurück bekommen, uns vertrauensvoll Gott zuwenden und sagen können: Du, HERR, du kennst mich, du siehst mich und prüfst, ob mein Herz bei dir ist.
Danach erinnerte Superintendent i. R. Roland Voigt (Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Diakonieverbundes Kyffhäuser gGmbH) in seiner Ansprache an die über hundertjährige Historie der diakonischen Arbeit in Bad Frankenhausen:
Liebe Festgemeinde, vor allem liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakoniesozialstation!
Es ist mir eine besondere Freude, heute bei der Einweihung des neuen Domizils der Diakoniesozialstation mit dabei sein zu dürfen. Ein neuer Abschnitt der Arbeit der Diakoniesozialstation in neuen Räumlichkeiten mit besseren Arbeitsbedingungen und größerer Nähe zu den Menschen kann beginnen. Darauf freut ihr euch besonders, und ich kann das gut nachvollziehen. Denn in den vielen Jahren, die ich auch mit der Diakoniesozialstation zu tun hatte – seit 2001 -, gab es neben den Höhen auch so manche Tiefen, die durchschritten werden mussten.
Die Diakoniesozialstation mit ihrer etwa 25-jährigen Geschichte hat, wo auch immer ihr Standort sich in diesen Jahren befand und wie schwer es auch manchmal war, nicht nachgelassen, an der Seite der Menschen zu stehen und denen zu helfen, die Pflege und Hilfe brauchen. Doch solcher Dienst geht weit hinter das Gründungsjahr der Diakoniesozialstation vor etwa 25 Jahre zurück. Ihre Wurzeln hat sie vor über 130 Jahren.
Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen die Not und das Elend unter der Bevölkerung als Auswirkung der großen, umgreifenden industriellen Revolution rasant zu. In dieser Zeit bildeten sich unter dem Dach der Kirche Gemeinschaften, die im Sinne der Nächstenliebe solchen Menschen zur Seite standen und halfen, so gut sie konnten. So wurde auch in Eisenach ein Diakonissen-Mutterhaus gegründet. Diakonissen, als Schwestern ausgebildet, wurden von dort ausgesandt, um in Orten und Regionen, wo die Not besonders groß war, Schwesternstationen einzurichten und zu betreiben. Bad Frankenhausen war auch so eine Stadt. In ihr herrschte unter der Bevölkerung viel Armut und Elend. Wir wissen davon auch aus der Stadtgeschichte. Etliche Jahre vor 1889, das genaue Jahr ist mir nicht bekannt, errichtete das Diakonissen-Mutterhaus Eisenach in der Erfurter Straße 42 eine solche Station. Diese Station war bis November 1989 in Betrieb. Zeitweise waren bis zu 3 Schwestern tätig. Über die mehr als 100 Jahre wird immer wieder von ihrem segensreichen Dienst an den Menschen berichtet.
Am 12.November 1989 wurde Schwester Anna Tomesch als letzte Schwester aus Altersgründen verabschiedet. Eine neue Besetzung der Station war nicht mehr möglich. Sie wurde schweren Herzens aufgegeben. Die Kirchgemeinde Bad Frankenhausen wollte sich damit jedoch nicht abfinden. Unter den neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten, die durch die Wende 1989 kamen, erklärte sie sich zur Trägerin einer neu zu gründenden Diakoniesozialstation.
Ende 1990 bekam sie vom damaligen Landratsamt Artern in der alten Poliklinik am Markt zunächst einen Raum dazu zur Verfügung, danach fünf Räume und acht Schwestern.
Im Februar 1991 waren bereits zehn Schwestern und zwei technische Hilfskräfte tätig. Die feierliche Eröffnung der Diakonie-Sozialstation fand dann am 1. April 1991 statt. Die Kirchgemeinde erwarb in dieser Zeit das Haus der ehemaligen Schwesternstation in der Erfurter Straße 42 und baute es zu einer Diakoniesozialstation um und aus. Am 30. Oktober 1992 wurde dieses Haus als neuer Standort der Diakoniesozialstation eingeweiht. Im Jahr 2000 übergab jedoch die Kirchgemeinde diese Station an die Stiftung Wilhelmstift – im Übrigen zeitgleich mit der Übergabe der Sondershäuser Diakoniesozialstation auch an die Stiftung Wilhelmstift durch die dortige Kirchgemeinde. Der Grund: Beide Kirchgemeinden waren mit der Leitung und Organisation überfordert. Die Mitarbeiterschaft stieg dadurch auf etwa 25
Beschäftigte.
Nun konnte die Arbeit kompetent fortgeführt werden. Das blieb auch so, als mit Gründung des Diakonieverbundes Kyffhäuser gGmbH im Jahre 2002 das operative Geschäft nahtlos von der Stiftung – sie ist einer der beiden Gesellschafter – auf die Gesellschaft überging. Im Jahr 2007 zog dann die Diakoniesozialstation schweren Herzens aus der Erfurter Straße 42 auf das Gelände der Stiftung Wilhelmstift in der Stiftstraße um. Das war damals jedoch vor allem aus logistischen Gründen sinnvoll.
Freundliche Begegnungsraum für vielfältige Aktivitäten
In den Jahren danach zeigte sich – auch durch den Wandel in der Gesellschaft -, dass die Bedingungen dort nicht mehr optimal waren. So wurde im letzten Jahr über eine Veränderung des Standortes nachgedacht und dann ein neuer gefunden: das hiesige Domizil, die Erfurter Straße 45, also unweit des alten Standortes. Ich denke, dass ich als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Diakonieverbundes Kyffhäuser gGmbH auch im Namen der Kirchgemeinde, des Wilhelmstiftes und vieler anderer spreche, wenn ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Diakoniesozialstation für Ihren Dienst an den Kranken und Schwachen auch weiterhin Gottes Kraft und Beistand wünsche. Denn so kann Segen erwachsen aus allem, was für die Menschen getan wird, an die ihr gewiesen seid. In der Bibel, bei Sirach, lesen wir es so: Die Wohltaten/ Fürsorge wirken wie ein gesegneter Garten, und die Wohltätigkeit hat Bestand für immer. (Sirach 40,17)
Das ist doch ein schönes Bild für den Segen, der auf solchem Dienst liegt.
Vertreter der Öffentlichkeit
Musikalisch wurde die Einweihung durch Kantorin Laura Schildmann begleitet. Auch Bürgermeister Strejc war gekommen und gab seiner Freude Ausdruck, dass die Einrichtung näher ins Stadtzentrum gerückt ist und ihr Betreuungsangebot erweitert. Vertreter von Gewerbetreibenden, die immer wieder auch als Sponsoren spontan helfen, waren ebenfalls gekommen.
In den kommenden Wochen und Monaten wird sich zeigen, ob sich die verschiedenen Ideen, die von den Mitarbeiterinnen der Diakonie Sozialstation entwickelt wurden, in der Praxis bewähren und ob sie von den Menschen angenommen werden. Neben den bisherigen Betreuungsangeboten wird es in der Woche an mehreren Tagen von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr für die Besucher eine Ganztagsbetreuung geben, wo man in der Gemeinschaft zusammen etwas tut, beispielsweise basteln, musizieren, div. Spiele in fröhlicher Runde spielen und dergleichen mehr. Die so zusammengekommenen Runden – so sie über längere Zeit stabil bleiben - sollen auch ihr Programm selbst gestalten können.
Pflegedienstleiterin Beatrice Wachlin an ihrem Arbeitsplatz
Pflegedienstleiterin Frau Beatrice Wachlin und die Mitarbeiterinnen freuen sich auf viele Besucher und Gäste der Einrichtung Eins steht aber schon jetzt fest – die Zugänge zu den Räumen sind alle behindertengerecht.
Text + Zusammenstellung + Fotos: P. Zimmer
Autor: khhMehrere Jahre befand die Sozialstation am Stadtrand in der Stiftstraße hinter dem Wilhelmstift. Sie war weit vom Stadtzentrum entfernt. Auch war eine Begegnung von Senioren nur schwer zu realisieren, da man nur den Wilhelm-Schall-Saal im Hauptgebäude für solche Zwecke nutzen konnte und der Zugang nicht behindertengerecht ist. So gab es schon seit längerem Überlegungen bzgl. stadtnäherer, bezahlbarer Räumlichkeiten, in dem Vermieter der Räume im ehemaligen Lindensaalgebäude fand man einen fairen Partner.
So wurden über die Jahreswende zwei Räume renoviert und für die Belange der Diakonie Sozialstation eingerichtet.
Das Team der Diakonie Sozialstation
Am 15. Januar fand dann die Einweihung der Station statt. Nach Begrüßung der Anwesenden gab es eine Andacht – schließlich ist diakonische Arbeit dem christlichen Ethos verpflichtet. In seiner Ansprache führte Superintendent Bálint (Vorsitzender der Stiftung Wilhelmstift) aus:
Liebe Festaktgemeinde, so möchte ich Sie begrüßen, da wir uns zur Einweihung der neuen Räumlichkeiten der Diakoniesozialstation hier in der Erfurter Straße eingefunden haben.
Die Mitarbeiterinnen der Diakoniesozialstationen werden gar nicht so viel Zeit am Tage hier vor Ort sein, denn Sie sind bei den ihnen anvertrauten Menschen vor Ort. Dabei ist dies ist eine Tätigkeit, die in unserer Gesellschaft völlig unterbewertet ist. Doch das geht leider vielen sozialen Berufen so. Doch nirgends sind wir Menschen uns untereinander gleicher als bei der Geburt und in den letzten Momenten unseres Lebens, vor allem aber im Sterben und im Tod.
Diese neuen Räumlichkeiten, so viel angenehmer als die alten, sind der Ausgangspunkt für die Tagestouren und führen die Schwestern auch wieder hierher zurück. Hier begegnen sich alle und können auch von den zuweilen erlebten Grenzerfahrungen berichten: dem Sterben eines vertraut gewordenen Klienten, dem extrem langen Krankenlager einer anderen Klientin, der fassungslosen oder erschreckend abgestumpften Reaktion eines Familienangehörigen. Oder aber von Gesten und Worten, mit denen Angehörige Danke sagen, an einem Tag, der sonst kaum Freudiges bot.
Hier sind auch die leider notwendigen Verordnungsscheine und Dokumentationen auszufüllen und abzugeben, die immer wieder Anlass zu Unmut geben, weil eigentlich nicht einzusehen ist, dass soziale Arbeit so ausdifferenziert und buchhalterisch genau dargestellt werden muss. Andererseits kann aber nur so abgerechnet und damit das notwendige Geld für die Bezahlung der Schwestern erwirtschaftet werden. Es ginge der Bezahlung der Schwestern verloren, wenn es nicht genau nach Richtlinie erfolgte. Keine leichte Situation. Kurz gesagt: Freud und Leid, Leichtigkeit und Mühsal liegen in diesen Räumen nahe beisammen und es ist deshalb gut, wenn diese Räume dann ansprechend sind und zentral liegen. Besonders sei an dieser Stelle auf das tolle Angebot der Begegnungsstätte Lebensbaum hingewiesen, die es so noch nicht gibt. Mögen Sie mit diesem Angebot viele gute Erfahrungen machen.
Es ist deshalb gut, wenn wir die Eröffnung nicht als einen unbedeutenden Akt absolvieren, sondern inne halten und ihn bewusst gestalten. In der Diakoniesozialstation hängt ein Kreuz, das ohne Worte deutlich macht, wir berufen uns nicht auf uns selbst, sondern auf den, der alles Leid auf sich nahm und dem nichts an menschlichem Leid fremd ist.
Wir machen das nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Überzeugung. Wir machen das nicht als nun einmal lästige Pflicht, sondern weil wir der Überzeugung sind, dass jeder Mensch, bis zum letzten Atemzug eine unbedingte Würde hat, selbst als dementer Mensch ist er, und das unterscheidet uns von den meisten Anbietern auf dem sogenannten Markt, Ebenbild Gottes.
Deshalb sollte die Bibel ein wichtige Rolle in der Arbeit einer Diakoniesozialstation spielen - nicht immer verbal, dafür aber immer nonverbal, im Reden und Handeln, dass sich ganz dem anvertrauten Menschen zuwendet. Und nicht nur in den sichtbaren Bereichen sollte dies selbstverständlich sein, sondern auch in dem unsichtbaren: unserem Denken.
Ob wir wollen oder nicht, unser Handeln findet durch unseren Körper einen Ausdruck - bewusst und unbewusst. Und es macht einen Unterschied, ob ich meinen Beruf mit ganzem Engagement und mit ganzer Hingabe ausübe oder die Stunden nur herunter reiße. Daran sollte das Kreuz täglich erinnern. ER ist uns ganz nah gekommen und kennt uns und was uns bewegt in- und auswendig. Wir können uns vertrauensvoll an ihn wenden, wie der Prophet Jeremia: Du, HERR, du kennst mich, du siehst mich und prüfst, ob mein Herz bei dir ist. (Jeremia, Kapitel 12, Vers 3). Wenn wir unser Herz bei Gott haben, dann wird sich unser Denken, Reden und Tun ganz dem Nächsten zuwenden können. Dann ist es unverstellt, zugewandt und ungeteilt.
Nur so ist gute Arbeit am und mit dem Menschen möglich, denn dann zieht es seine Kraftquelle nicht aus sich selbst, die früher oder später versiegen müsste, sondern aus dem Glauben an Gott, dessen unverwechselbares Ebenbild wir sind. Dann werden wir glaubwürdig.
Mögen die Schwestern und alles Personal gesegnet werden und sich im Glauben Gott zuwenden und die Kraft bekommen, die täglich nötig ist. Mögen die Klienten dies täglich spüren, sich gut betreut und geborgen fühlen. Mögen Sie und ihre Angehörigen es weitersagen, damit es dieser Station nicht an Klientel fehlt und sie allezeit genügend Arbeit zum Wohle der Menschen haben. Wir sind die Bibel der Menschen, die sie nicht kennen. An uns liegt es, ob sie das Buch der Bücher einmal aufschlagen, neugierig geworden, weil wir uns anders verhalten als alle anderen, weil wir freundlicher und liebevoller miteinander umgehen als andere, weil sie uns abspüren, dass wir es ernst meinen mit unserem Glauben / unserer Überzeugung.
Möge es aber vor allem Gott selbst uns abspüren, dass wir es ernst meinen. Dass wir uns immer dann, wenn wir es nötig haben oder wenn wir dankbar sind für alles an Dankbarkeit und Liebe, die wir zurück bekommen, uns vertrauensvoll Gott zuwenden und sagen können: Du, HERR, du kennst mich, du siehst mich und prüfst, ob mein Herz bei dir ist.
Danach erinnerte Superintendent i. R. Roland Voigt (Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Diakonieverbundes Kyffhäuser gGmbH) in seiner Ansprache an die über hundertjährige Historie der diakonischen Arbeit in Bad Frankenhausen:
Liebe Festgemeinde, vor allem liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakoniesozialstation!
Es ist mir eine besondere Freude, heute bei der Einweihung des neuen Domizils der Diakoniesozialstation mit dabei sein zu dürfen. Ein neuer Abschnitt der Arbeit der Diakoniesozialstation in neuen Räumlichkeiten mit besseren Arbeitsbedingungen und größerer Nähe zu den Menschen kann beginnen. Darauf freut ihr euch besonders, und ich kann das gut nachvollziehen. Denn in den vielen Jahren, die ich auch mit der Diakoniesozialstation zu tun hatte – seit 2001 -, gab es neben den Höhen auch so manche Tiefen, die durchschritten werden mussten.
Die Diakoniesozialstation mit ihrer etwa 25-jährigen Geschichte hat, wo auch immer ihr Standort sich in diesen Jahren befand und wie schwer es auch manchmal war, nicht nachgelassen, an der Seite der Menschen zu stehen und denen zu helfen, die Pflege und Hilfe brauchen. Doch solcher Dienst geht weit hinter das Gründungsjahr der Diakoniesozialstation vor etwa 25 Jahre zurück. Ihre Wurzeln hat sie vor über 130 Jahren.
Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen die Not und das Elend unter der Bevölkerung als Auswirkung der großen, umgreifenden industriellen Revolution rasant zu. In dieser Zeit bildeten sich unter dem Dach der Kirche Gemeinschaften, die im Sinne der Nächstenliebe solchen Menschen zur Seite standen und halfen, so gut sie konnten. So wurde auch in Eisenach ein Diakonissen-Mutterhaus gegründet. Diakonissen, als Schwestern ausgebildet, wurden von dort ausgesandt, um in Orten und Regionen, wo die Not besonders groß war, Schwesternstationen einzurichten und zu betreiben. Bad Frankenhausen war auch so eine Stadt. In ihr herrschte unter der Bevölkerung viel Armut und Elend. Wir wissen davon auch aus der Stadtgeschichte. Etliche Jahre vor 1889, das genaue Jahr ist mir nicht bekannt, errichtete das Diakonissen-Mutterhaus Eisenach in der Erfurter Straße 42 eine solche Station. Diese Station war bis November 1989 in Betrieb. Zeitweise waren bis zu 3 Schwestern tätig. Über die mehr als 100 Jahre wird immer wieder von ihrem segensreichen Dienst an den Menschen berichtet.
Am 12.November 1989 wurde Schwester Anna Tomesch als letzte Schwester aus Altersgründen verabschiedet. Eine neue Besetzung der Station war nicht mehr möglich. Sie wurde schweren Herzens aufgegeben. Die Kirchgemeinde Bad Frankenhausen wollte sich damit jedoch nicht abfinden. Unter den neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten, die durch die Wende 1989 kamen, erklärte sie sich zur Trägerin einer neu zu gründenden Diakoniesozialstation.
Ende 1990 bekam sie vom damaligen Landratsamt Artern in der alten Poliklinik am Markt zunächst einen Raum dazu zur Verfügung, danach fünf Räume und acht Schwestern.
Im Februar 1991 waren bereits zehn Schwestern und zwei technische Hilfskräfte tätig. Die feierliche Eröffnung der Diakonie-Sozialstation fand dann am 1. April 1991 statt. Die Kirchgemeinde erwarb in dieser Zeit das Haus der ehemaligen Schwesternstation in der Erfurter Straße 42 und baute es zu einer Diakoniesozialstation um und aus. Am 30. Oktober 1992 wurde dieses Haus als neuer Standort der Diakoniesozialstation eingeweiht. Im Jahr 2000 übergab jedoch die Kirchgemeinde diese Station an die Stiftung Wilhelmstift – im Übrigen zeitgleich mit der Übergabe der Sondershäuser Diakoniesozialstation auch an die Stiftung Wilhelmstift durch die dortige Kirchgemeinde. Der Grund: Beide Kirchgemeinden waren mit der Leitung und Organisation überfordert. Die Mitarbeiterschaft stieg dadurch auf etwa 25
Beschäftigte.
Nun konnte die Arbeit kompetent fortgeführt werden. Das blieb auch so, als mit Gründung des Diakonieverbundes Kyffhäuser gGmbH im Jahre 2002 das operative Geschäft nahtlos von der Stiftung – sie ist einer der beiden Gesellschafter – auf die Gesellschaft überging. Im Jahr 2007 zog dann die Diakoniesozialstation schweren Herzens aus der Erfurter Straße 42 auf das Gelände der Stiftung Wilhelmstift in der Stiftstraße um. Das war damals jedoch vor allem aus logistischen Gründen sinnvoll.
Freundliche Begegnungsraum für vielfältige Aktivitäten
In den Jahren danach zeigte sich – auch durch den Wandel in der Gesellschaft -, dass die Bedingungen dort nicht mehr optimal waren. So wurde im letzten Jahr über eine Veränderung des Standortes nachgedacht und dann ein neuer gefunden: das hiesige Domizil, die Erfurter Straße 45, also unweit des alten Standortes. Ich denke, dass ich als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Diakonieverbundes Kyffhäuser gGmbH auch im Namen der Kirchgemeinde, des Wilhelmstiftes und vieler anderer spreche, wenn ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Diakoniesozialstation für Ihren Dienst an den Kranken und Schwachen auch weiterhin Gottes Kraft und Beistand wünsche. Denn so kann Segen erwachsen aus allem, was für die Menschen getan wird, an die ihr gewiesen seid. In der Bibel, bei Sirach, lesen wir es so: Die Wohltaten/ Fürsorge wirken wie ein gesegneter Garten, und die Wohltätigkeit hat Bestand für immer. (Sirach 40,17)
Das ist doch ein schönes Bild für den Segen, der auf solchem Dienst liegt.
Vertreter der Öffentlichkeit
Musikalisch wurde die Einweihung durch Kantorin Laura Schildmann begleitet. Auch Bürgermeister Strejc war gekommen und gab seiner Freude Ausdruck, dass die Einrichtung näher ins Stadtzentrum gerückt ist und ihr Betreuungsangebot erweitert. Vertreter von Gewerbetreibenden, die immer wieder auch als Sponsoren spontan helfen, waren ebenfalls gekommen.
In den kommenden Wochen und Monaten wird sich zeigen, ob sich die verschiedenen Ideen, die von den Mitarbeiterinnen der Diakonie Sozialstation entwickelt wurden, in der Praxis bewähren und ob sie von den Menschen angenommen werden. Neben den bisherigen Betreuungsangeboten wird es in der Woche an mehreren Tagen von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr für die Besucher eine Ganztagsbetreuung geben, wo man in der Gemeinschaft zusammen etwas tut, beispielsweise basteln, musizieren, div. Spiele in fröhlicher Runde spielen und dergleichen mehr. Die so zusammengekommenen Runden – so sie über längere Zeit stabil bleiben - sollen auch ihr Programm selbst gestalten können.
Pflegedienstleiterin Beatrice Wachlin an ihrem Arbeitsplatz
Pflegedienstleiterin Frau Beatrice Wachlin und die Mitarbeiterinnen freuen sich auf viele Besucher und Gäste der Einrichtung Eins steht aber schon jetzt fest – die Zugänge zu den Räumen sind alle behindertengerecht.
Text + Zusammenstellung + Fotos: P. Zimmer






