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Mi, 16:39 Uhr
13.04.2016
Neues aus Bad Frankenhausen

Die alte Dame „Große-Strobel-Orgel“ erzählt….

Schon lange ist die Unterkirche in Bad Frankenhausen mein Zuhause, so Peter Zimmer aus Bad Frankenhausen. Und über die Unterkirche weiß er sehr genau bescheid...

Vor über 300 Jahren hat mich Johann Nordt aus Rudolstadt auf der Orgelempore installiert. Am 10. Oktober 1703 durfte ich anläßlich der Einweihung der barocken Unterkirche den Festgottesdienst mit meinem Klang erfreuen, hatte ich doch in meinem Inneren 26 Register mit den dazu notwendigen zahlreichen Pfeifen. Mein Kleid – ein hochbarockes Gehäuse – erfreute schon damals die Betrachter. Leider habe ich aber vergessen, wie es damals ausgesehen hat.

Die alte Dame „Große-Strobel-Orgel“ erzählt…. (Foto: Peter Zimmer) Die alte Dame „Große-Strobel-Orgel“ erzählt…. (Foto: Peter Zimmer)

Wie das Leben so spielt – nicht immer sind meine Begleiter durch all die Jahre nicht mehr so zufrieden mit mir. So wurde ich 1886 durch die Brüder Strobel in meinem Umfang um fast das Doppelte erweitert: auf 49 Register auf drei Manualen und Pedal. Natürlich ist man als weibliches Wesen mit einer Umfangserweiterung nicht immer glücklich, aber in meinem Falle bin ich über diese Veränderung sehr erfreut gewesen. Dazu kam noch die äußere Erweiterung meines Gehäuses, schließlich sollte ja alles untergebracht werden.

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Und so vergingen die Jahre mit fröhlichen und traurigen Anlässen. Das geht nicht spurlos an einem vorüber. Als dann mein Zuhause 1934 wieder mal renoviert werden musste, wurde auch mein Äußeres „aufgepeppt“. Alle Blüten und Früchte erhielten ein farbenfrohes Aussehen. Seitdem kennen mich viele unter dem Namen „Gemüseorgel“ – das ist für mich kein Schimpfwort, sondern ich betrachte es als „Alleinstellungsmerkmal“.

Inzwischen sind weitere 70 Jahre ins Land gegangen. Meine Knochen sind morsch, mein Skelett ist klapprig geworden. Es machte für meine Betreuer keine Freude mehr, aus mir Töne hervorzulocken, obwohl ich immer wieder staunte, was meine jetzige Begleiterin manchmal noch für schöne Musik erzeugte. Doch letztendlich ging es so nicht mehr mit mir.
Vor zehn Jahren taten sich mir wohlgesonnene Freunde der Großen Strobel Orgel zusammen, um mich gesunden zu lassen. Sie unternahmen viele Aktionen zur Vorbereitung der notwendigen Schritte und Arbeiten.
Die alte Dame „Große-Strobel-Orgel“ erzählt…. (Foto: Peter Zimmer)
Die alte Dame „Große-Strobel-Orgel“ erzählt…. (Foto: Peter Zimmer)
Die alte Dame „Große-Strobel-Orgel“ erzählt…. (Foto: Peter Zimmer)
Die alte Dame „Große-Strobel-Orgel“ erzählt…. (Foto: Peter Zimmer)
Die alte Dame „Große-Strobel-Orgel“ erzählt…. (Foto: Peter Zimmer)
Die alte Dame „Große-Strobel-Orgel“ erzählt…. (Foto: Peter Zimmer)

Im Dezember des vergangenen Jahres war es endlich so weit. Meine ganzen „Innereien“ wurden behutsam meinem Gehäuse entnommen und in die Klinik „Orgelbau Eule Bautzen“ gebracht. Dort wird nun alles wieder so „operiert, gerichtet, verbunden usw.“, um dann wieder geheilt in mein Inneres hinein zu kommen. Nur meine „Lunge“ (also der Blasebalg) ist in mir verblieben. Ob der „Krankenhaus“-Aufenthalt lange dauert, hängt von den Finanzen ab. Das soll ja bei anderen Patienten auch öfters vorkommen. Doch meine lieben Freunde von meinem Verein wollen sich weiterhin um mich bemühen.

So kann ich hoffen, daß – wenn’s gut geht – im Spätsommer 2018 zur Freude aller Gäste bei der großen Weihe ich mit volltönendem Werk erklingen kann. Natürlich auch frisch herausgeputzt mit dem neuen Äußeren – da gibt es noch keine Klarheit, ich möchte aber farbige „Gemüseorgel“ bleiben.

Die alte Dame „Große-Strobel-Orgel“ erzählt…. (Foto: Peter Zimmer) Die alte Dame „Große-Strobel-Orgel“ erzählt…. (Foto: Peter Zimmer)

Zur Zeit sehen die Besucher der Unterkirche mich nur mit meinem „schäbigen, mit Flickwerk versehenen, etwas herunter gekommenen Äußeren und meiner Blasebalg-Lunge. Ich sehe aus wie eine gerupfte und ausgenommene Gans. Ich bin froh, daß mich die Orgelfreunde endlich in die „Altweibermühle“ bei den Eulen in Bautzen schicken konnten, so daß ich dann einst „jungfräulich“ wiederkomme und kräftig meine Stimme erschallen lassen kann.

Peter Zimmer
Bad Frankenhausen
Autor: khh

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