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Di, 09:35 Uhr
26.04.2016
Forum

(Fast) Kostenlos nach Berlin fahren!

Am 13. März 2016 fanden in unserem Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt Landtagswahlen statt. Die AfD zog dabei mit 24,3% der Wählerstimmen in den Landtag ein und wurde auf Anhieb zweitstärkste Partei. In unserem Nachbarkreis Sangerhausen errang sie sogar die Mehrheit. Einem Leser unserer Online-Zeitungen erschien die Reaktion von Manfred Grund zu diesem Ereignis viel zu dürftig und er stellte dazu mal die populäre Frage...


„Was macht eigentlich so'n Bundestagsabgeordneter den ganzen Tag, wenn das Volk in der Nähe seines Wahlkreises fast anfängt, Amok zu laufen?“ Obwohl nicht repräsentativ, würde nach einer nnz-Umfrage die AfD in seinem Wahlkreis sogar 43,7% erzielen.

Also schrieb Jörg Birkefeld einen entsprechenden Artikel. Manfred Grund lud Herrn Birkefeld in seinem Kommentar zu einer „gemeinsamen Arbeitswoche in Berlin“ ein. Daraus wurde so nichts, aber am 13. April staunte er nicht schlecht, als er folgende Mail erhielt:

„Sehr geehrter Herr Birkefeld, in der kommenden Woche habe ich eine Besuchergruppe, die von Heilbad Heiligenstadt nach Berlin fährt. Die Fahrt beginnt am Donnerstag und endet am Samstag. Es werden Reisekosten, Verpflegung und die Unterbringung in einem Doppelzimmer im Hotel übernommen. Das Programm finden Sie anbei. Die Fahrt ist seit November geplant. Heute hat mir ein Ehepaar aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Ich möchte Ihnen diese freien Plätze anbieten. Sollten Sie Interesse haben und sich mit Ihrer Frau / Lebensgefährtin oder einer anderen
Person kurzfristig in der nächsten Woche frei von anderen Verpflichtungen machen können, bitte ich Sie um Rückruf am Freitag in meinem Wahlkreisbüro [...]“

Und hier beginnt der "Reisebericht" unseres Lesers: Ursprünglich fand ich es etwas beschämend für mich, nach einem derart provokativem Artikel auch noch eine großzügige Einladung zu erhalten, sagte dann aber zu. Wie sich nach der Besichtigung des Plenarsaals bei einer Diskussion herausstellte, bestand aber keinerlei Grund für Gewissensbisse, denn es handelte sich dabei um eine steuerfinanzierte „BPA-Informationsfahrt“
(https://de.wikipedia.org/wiki/BPA-Informationsfahrt), von denen jeder Bundestagsabgeordnete bis zu drei Fahrten im Jahr für bis zu jeweils 50 Personen veranstalten kann. Ich denke, dass jede Bundesregierung ein dringendes Interesse daran haben sollte, solche bildungspolitischen Veranstaltungen auch zukünftig anzubieten und zu finanzieren.

Jedem, der sich für die Teilnahme an einer solchen „BPA-Informationsfahrt“ interessiert, muss klar sein, dass es sich dabei nicht um kostenloses Sightseeing – quasi eine Vergnügung auf Staatskosten – handelt, sondern um eine staatlich finanzierte politische Bildungsveranstaltung. Ich finde, dass alles Andere auch eine Verschwendung von Steuergeldern wäre. Im konkreten Fall nahmen Mitglieder von Selbsthilfegruppen (Restless Legs, MS und Parkinson) daran teil und diskutierten hauptsächlich damit in Zusammenhang stehende gesundheitspolitische aber auch allgemeinpolitische Fragen.

Etwas befremdend empfand ich dabei die Bittsteller- und Untertanenmentalität einiger Teilnehmer. Es ist zwar menschlich verständlich, dass man sich bei derart schweren Erkrankungen eine schnelle, auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene unbürokratische Lösung wünscht, doch erwarte ich von Demokraten, dass sie sich als der eigentliche Souverän fühlen und rechtzeitige möglichst durchdachte Wahlentscheidungen treffen sollten, statt wie früher bei selbsternannten Potentaten um Verständnis für ihre persönliche Situation zu betteln.

Eine junge aus Thüringen stammende Mitarbeiterin des Bundespresseamtes äußerte dazu ihre Zustimmung. „Gelernte DDR-Bürger“ aber auch Gottes Schäfchen haben da wohl noch etwas Nachholbedarf! (Diesen letzteren Satz habe ich vor dem BPA allerdings so nicht gesagt.) Uns wurde ein Organigramm zum deutschen Gesundheitswesen gezeigt, das in seiner Komplexität
deutlich zeigt, wie schwierig es für einen Patienten ist, im Ernstfall eine ausreichende personelle und materielle Unterstützung zu erhalten.

Es ist also kein Wunder, wenn sich viele Patienten „unberechtigterweise“ als „Notfall“ einliefern lassen. Die immer noch viel zu hohe Zahl von deutschen Krankenkassen (http://de.statista.com/statistik/daten/studie/74834/umfrage/anzahlgesetzliche-krankenkassen-seit-1970/) ist nur die Spitze eines parasitären Bürokratiemolochs. Welche Bundestagspartei hat den Willen hiermit ernsthaft aufzuräumen?

Die Unterbringung der Teilnehmer erfolgte im Leonardo Hotel Berlin, einem guten 3-Sterne-Hotel, in der Wilmersdorfer Str. 32 (Selbst googeln!). Das Frühstück war sehr reichhaltig und die Zimmer hatten alles, was ein normaler Mensch braucht. Mittag- und Abendessen gab es in verschiedenen Restaurants. Die Qualität der einheitlichen Speisen reichte von „gut bis sehr gut“ bis „fast eklig“ Reichhaltig waren sie alle. Für individuelle Wünsche musste jeder Teilnehmer selbst aufkommen.

Außer der obligatorischen Besichtigung des Reichstagsgebäudes war nach meinem Geschmack die Erlebnisausstellung „The Story of Berlin“ ein besonderes „Highlight“ obwohl es dabei auch tief in den Untergrund, nämlich einen Westberliner Atombunker aus den 70er Jahren, ging. Entscheidenden Anteil am Gelingen der Stadtrundfahrt hatte die Reiseführerin wegen ihrer profunden Kenntnisse der Stadt mit ihren historischen und aktuellen politischen Bezügen sowie der Busfahrer von den Eichsfeldwerken Bus GmbH, der auch durch die zugeparktesten Straßen immer wieder einen Weg fand.

Fazit: Duckmäusertum lohnt sich nicht – schon gar nicht, wenn die Rente schon feststeht!
Jörg Birkefeld
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
hallo2
26.04.2016, 23:10 Uhr
Herr birkefeld
Ich wünsche mir sehr, Ihnen niemals zu begegnen, denn es ist offenbar unmöglich, Ihnen in irgend einer Weise gerecht werden zu können ...
Niemals möchte ich erfahren, womit Sie Ihre
Selbstgerechtigkeit begründen.
Real Human
27.04.2016, 15:22 Uhr
Aber hallo!
Gedanken über „Gott und die Welt“ darf man sich nach Ihrer Auffassung wohl überhaupt nicht machen?
Es geht mir überhaupt nicht darum, dass – mir – jemand gerecht wird.

Meine klitzekleinen Lebensspanne will ich nur nutzen, wenigstens ein klein wenig zu begreifen, was das überhaupt für eine Welt ist, in die ich „geworfen“ wurde. „In die Existenz geworfen“, das ist keine Beleidigung meiner verstorbenen Mutter, sondern Existenzialismus:

-Zitat- aus http://www.helles-koepfchen.de/artikel/3148.html:

Für Sartre hatte der Mensch eine Sonderrolle, weil er sich als einziges Lebewesen über seine Existenz bewusst ist. Sartre betont dabei die Freiheit des Menschen, selbst über sein Leben und sein Handeln bestimmen zu können - er sagt sogar, dass der Mensch "zur Freiheit verdammt" ist. Denn zu leben bedeute zunächst, in eine Welt ohne Sinn "geworfen" zu werden, in der wir uns fremd fühlen. Dieses Gefühl der Entfremdung greift auch der Schriftsteller und Philosoph Camus in seinen Werken immer wieder auf. Er spricht von dem "Absurden" und meint damit, dass jeder Mensch weiß, dass er sterben wird und trotzdem einen Lebenswillen besitzt - hierin sah der Denker die Möglichkeit, in einer eigentlich "gleichgültigen" Welt seiner Existenz einen Sinn zu verleihen: Der Mensch kann einen eigenen Lebensentwurf schaffen und dadurch sein Dasein selbst gestalten. Auch Sartre sagt, dass wir zwar gezwungen sind, die Verantwortung für unser Leben zu ergreifen - doch darin liegt auch die Chance, verantwortungsvoll zu handeln und unserem Dasein einen Sinn zu geben. -Zitatende-

Wahrscheinlich ist Philosophie nicht „Ihr Ding“. Deshalb werden wir uns wahrscheinlich auch niemals begegnen.

„Niemals möchte ich erfahren, womit Sie Ihre Selbstgerechtigkeit begründen.“

• Waren Sie jemals Teilnehmer einer solchen Veranstaltung, oder gar auf dieser? Wenn nicht, sollten Sie ganz einfach vorsichtiger formulieren!

• Sie unterstellen mir Selbstgerechtigkeit. Sie haben wohl bis heute nicht realisiert, dass wir im Gegensatz zu unserem Vorgängerstaat (DDR) jetzt in einem Land leben, in dem das Recht zur freien Meinungsäußerung eines der höchsten Güter ist. (Wenigstens offiziell in den „Sonntagsreden“) Also darf ich die Welt und die Geschehnisse darin so sehen , wie ich will und diese Sichtweise auch öffentlich kundtun, sofern ich dabei nicht gegen Gesetze verstoße. Ein gut bezahlter Fernsehsatiriker nimmt sich da ganz andere Freiheiten heraus.

• Wenn sie die Gründe für meine „Selbstgerechtigkeit“ niemals erfahren möchten, warum schreiben Sie dann überhaupt einen solchen Kommentar?

Nochmals ein Fazit: Ihr Demokratieverständnis scheint ja wirklich ziemlich „suboptimal“ zu sein! (Ich darf doch auch mal Schrödern?!)
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