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Fr, 10:13 Uhr
03.06.2016
Neues aus Bad Frankenhausen

Konfirmation in der Unterkirche Bad Frankenhausen

Der Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter wird schon seit Jahrhunderten in den Familien als besonderes Ereignis gefeiert. So auch jüngst in Bad Frankenhausen...

Konfirmation in der Unterkirche Bad Frankenhausen (Foto: Familie Stefan ) Konfirmation in der Unterkirche Bad Frankenhausen (Foto: Familie Stefan ) Im europäischen Raum entwickelte sich mit der Ausbreitung des Christentums die Firmung bzw. die Konfirmation. Durch die Taufe wird der Mensch in die Gemeinschaft der christlichen Kirche aufgenommen. Später bedarf es einer „Bestätigung“ zu dieser Zugehörigkeit. Konfirmieren bedeutet also „festmachen“, „bestärken“.

Bis in die 50-ger Jahre des vorigen Jahrhunderts waren viele Familien in unserer Region mit dem Christentum verbunden. Wenn aber drei Generationen nichts mehr vom Christentum erfahren haben und die die politischen Verhältnisse eine ungehinderte Religionsausübung behindern, dann ist es nur umso verständlicher, wenn sich trotz der Veränderungen seit der Wende 1989 nur noch wenige zum Christentum bekennen.

Umso erfreulicher ist es für eine Gemeinde, wenn sich junge Menschen für die Konfirmation oder Firmung entscheiden. Seit die Jugendweihe von einem Gelöbnis zu einer Staatsdoktrin befreit ist, wird von christlichen Jugendlichen beides gefeiert. Es kommt nur selten vor, daß sich jemand nur für die Firmung oder Konfirmation entscheidet.
Die ev.-luth. Kirchgemeinde Bad Frankenhausen durfte das in diesem Jahr erleben. Es gab nur einen Konfirmanden!

Konfirmation in der Unterkirche Bad Frankenhausen (Foto: Familie Stefan ) Konfirmation in der Unterkirche Bad Frankenhausen (Foto: Familie Stefan ) Natürlich hat er sich zusammen mit anderen aus dem Kirchengemeindeverband Bad Frankenhausen zwei Jahre auf dieses Ereignis vorbereitet. Die Jugendlichen trafen sich einmal im Monat, um sich mit Glaubensfragen auseinander zu setzen. Oft wird dann am Ende gemeinsam Konfirmation gefeiert. In unserem Falle wollten aber die Jugendlichen in ihren Heimatgemeinden konfirmiert werden. Und so geschah es.
Am Pfingstsonntag zog zum Gottesdienstbeginn Konfirmand Paul Stefan mit seinen Paten, Freuden und Kirchenältesten feierlich in die Kirche ein.

Schwerpunkt eines evangelischen Gottesdienstes ist immer die Predigt und in diesem speziellen Falle war sie besonders auf Paul Stefan ausgerichtet: Frau Pfarrerin Magdalena Seifert hielt eine sehr persönliche Predigt für Paul, aber sie war auch gleichzeitig nachdenkenswert für alle Besucher:
„Liebe Festgemeinde heute am Tag der Konfirmation, liebe Familie unseres Konfirmanden, vor allem aber lieber Paul, zwei ganz persönliche Erinnerungen will ich an den Anfang stellen.

Konfirmation in der Unterkirche Bad Frankenhausen (Foto: Familie Stefan ) Konfirmation in der Unterkirche Bad Frankenhausen (Foto: Familie Stefan ) Die eine liegt schon eine Weile zurück. Wir waren auf der Rückfahrt vom Konfirmanden-Unterricht in Hachelbich und hatten während der Fahrt Zeit zum Reden. Und da fragte ich dich im Blick auf die Konfirmation, wie du es machen würdest. Würdest du neben der Konfirmation auch an der Jugendweihe teilnehmen? Hintergrund meiner Frage war der Gedanke, dass du als einziger Konfirmand in diesem Jahr hier in unserer Kirchgemeinde neben der Konfirmation vielleicht auch gern noch ein gemeinsames Erlebnis zusammen mit deinen Klassenkameraden hättest. Deine Antwort habe ich noch im Ohr und sie hat mich beeindruckt. Du sagtest: Nein, ich habe mich für die Konfirmation entschieden. Das war eine klare Ansage. Und sie hat mich fast ein bißchen beschämt. Denn wenn ich bis dahin gedacht hatte – wie schade, daß Paul allein ist als Konfirmand. Das ist doch auch für ihn nicht so toll, hattest du schon längs eine feste Meinung dazu: ich habe mich entschieden.
Die zweite Erinnerung ist erst zwei Wochen alt. Da hatten wir uns am Dienstagabend im Pfarrhaus getroffen – Patricia und Elias waren dabei – um den Gottesdienst heute vorzubereiten.
Der Ablauf war besprochen, die Texte verteilt – und dann waren wir ganz schnell mitten im Gespräch. Es ging um nichts Geringeres als um ein Grundthema unseres Glaubens.
Nämlich - Wie ist das eigentlich mit der Erschaffung der Welt? Mit der Schöpfungsgeschichte der Bibel – oder besser gesagt, DEN Schöpfungsgeschichten, denn es gibt zwei, auf der einen Seite.
Und der Entwicklungslehre, wie sie uns die Wissenschaft vorlegt, auf der anderen. Widerspricht sich das oder geht es beides zusammen? Nur ganz kurz – es geht zusammen. Es geht sogar sehr gut zusammen. Denn die Bibel ist kein Buch der Wissenschaft. Sie ist ein Buch des Glaubens.

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Und wenn wir bekennen: ich glaube an Gott den Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde – dann stellen wir uns nicht gegen die Erkenntnisse der Wissenschaft. Aber wir sagen: auch die Wissenschaft hat ihr Wissen nicht aus sich selber sondern sie hat es aus Gottes Hand und Gott hätte uns Menschen ja niemals unseren Verstand gegeben, wenn wir ihn nicht auch gebrauchen sollen. Von da an war es in unserem Gespräch nicht weit bis zum Staunen über die Fülle an Wissen und über die Weite von Raum und Zeit. Unvorstellbar groß ist das, was uns umgibt. Unvorstellbar vielfältig ist aber auch das, was wir noch nicht wissen. Und unvorstellbar winzig sind wir Menschen in diesem Universum. Schon unsere Erde ist nur ein kleiner Zwerg am Sternenhimmel. Wie dann erst wir Menschen? Dann sind wir doch nicht mehr als ein winziges kleines Staubkorn? Und unser Leben ist nicht mehr als ein winziger Funke auf dem Lichtstrahl der Zeit? Wir sind in unserem Gespräch bei diesen Fragen hängen geblieben – aber ich habe noch im Lauf des Abends gedacht:

Konfirmation in der Unterkirche Bad Frankenhausen (Foto: Familie Stefan ) Konfirmation in der Unterkirche Bad Frankenhausen (Foto: Familie Stefan ) Was sind diese Fragen doch für ein genialer Ausgangspunkt für das Fest der Konfirmation.
Denn darum geht es ja bei der Konfirmation, die auch Einsegnung genannt wird.
Daß wir kleinen Menschen, die so winzig sind im weiten Weltall – in den Augen Gottes so groß sind und so wichtig und so bedeutend – daß er jeden von uns mit Namen kennt und jeden von uns mit seiner Güte segnet.

Wir werden dann miteinander ein Lied singen, in dem das sehr schön zum Ausdruck kommt.
Da heißt es: vergiß es nie, daß du lebst, war keine eigene Idee und daß du atmest, kein Entschluß von dir, sondern – du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Du bist Du!
Das sind Worte, die passen wunderbar zur Konfirmation. Sie erinnern uns daran, daß wir uns unser Leben nicht selbst geben können – daß jedes Leben ein Geschenk Gottes ist.
Gott sagt zu jedem von uns: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen – mit anderen Worten heißt das ja: ich habe dich auserwählt. Ich will dein Leben und dein Glück. Und ich verspreche dir: ich, der allmächtige Gott, bin an deiner Seite.

Das ist etwas ganz besonderes, wenn jemand zu mir sagt: ich habe dich auserwählt. Du bist mir wichtig. Dann werde ich gleich ein Stückchen größer. Da habe ich das Gefühl, ich kann über mich hinaus wachsen. Und ich bin eben nicht das winzig kleine Teil im großen Weltall. Sondern ich bin groß, weil ich jemandem etwas bedeute. Solche Worte können einem viel Mut machen. Und solchen Mut kann man manchmal sehr gut gebrauchen. Denn nicht immer kann man glauben, daß man etwas Besonderes ist. Und wir alle ernten ja nicht nur Beifall und liebe Worte von unseren Mitmenschen, sondern auch spöttische Blicke und unsachliche Kritik und verletzende Worte. Da schwindet das Selbstvertrauen.

Und das geht nicht nur uns Erwachsenen so, es geht euch Jugendlichen noch viel mehr so.
Daß es manchmal scheint – alle anderen sind viel klüger und schöner und erfolgreicher als ich. Da kann man schon einmal unsicher werden. Und dann gibt es nichts wichtigeres, als daß jemand zu mir sagt: Du bist so wie du bist, ein Gedanke Gottes. Es ist also gar nicht so, daß ich alles noch werden müßte – ich bin ja schon etwas. Ein Kind Gottes. Und eine Stimme ist da, stärker als alle Stimmen, die wir sonst hören, die sagt dir, lieber Paul: Ich will dich segnen. Ich habe dir dein Leben gegeben und ich will an deiner Seite sein. Vor falschen Wegen will ich dich bewahren. Und du sollst meinen Worten vertrauen können.
Dieser Segen unseres Gottes wird dir heute an unserem Altar zugesprochen. Er ist eine Bestätigung des Segens, den du bei deiner Taufe empfangen hast. Damals – am 3.November 2002 haben deine Eltern und Paten hier in unserer Unterkirche für dich „Ja“ gesagt. Ja, unser Kind soll zu Gott und zu Jesus Christus gehören.

Heute wirst du „Ja“ sagen. Ja, ich will bei Gott und bei Jesus Christus bleiben.
Und bei seiner Gemeinde.
Und auch darum geht es bei der Konfirmation – daß du uns erlebst als Gemeinde. Heute stehst du im Mittelpunkt, in deiner Familie, in unserem Gottesdienst, in unserer Kirchgemeinde. Und das ist richtig so. Dieser Tag heute ist ein ganz besonderer Tag für dich. Genauso sollst du aber auch wissen – du stehst nicht allein.

Wir freuen uns als Kirchgemeinde über deine Konfirmation und auch wir wollen dir gern zur Seite sein. Wir wollen eine einladende und offene Gemeinschaft sein und uns gegenseitig stärken im Glauben.

Das Pfingstfest ist dafür ein deutliches Zeichen. Denn es ist das Fest der Offenen Türen. Der Geist Gottes, den wir zu Pfingsten feiern, der öffnet Türen. Vor allem öffnet er Herzenstüren. Er bringt Menschen in Bewegung und begeistert sie für den Glauben. Dieser Geist bringt auch einmal frischen Wind in alte Kirchenmauern. Und er öffnet Grenzen. Er läßt uns die Gemeinde Gottes an allen Orten unserer Erde sehen. Wie ein Band umschließen die Gebete der Vielen unsere Erde. Und wir sind mit eingebunden in dieses Band. Auch das kann uns Mut machen, wenn wir manchmal meinen – „wir mit unserer kleinen Kraft – was können wir schon ausrichten?“ Der Geist Gottes ist ein Geist der Kraft und Stärke. Er ist voller Leben und er ist mit uns unterwegs auf unserem Weg.

Der Konfirmationsspruch, den du dir ausgewählt hast, der bestätigt dir das. Er ist ein Wort aus dem Johannesevangelium. Dort sagt Jesus Christus: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern der wird das Licht des Lebens haben.


Das Licht des Lebens - Es mache deinen Weg hell, bei den Entscheidungen, die du auf deinem Weg ins Leben treffen wirst. Wenn es um deine Ausbildung geht. Um die Frage: was interessiert mich und welchen Beruf stelle ich mir vor. Wie soll mein Leben sein? Was ist mir wichtig und WER ist mir wichtig? Wer sind meine Vorbilder? Aber auch – was will ich anders machen als es üblich ist.

Wir wünschen dir, daß du bei all diesen Fragen eine Orientierung findest in dem, wie Jesus gelebt hat und was er gesagt hat. Er hat übrigens eine besondere Nähe zum Bild vom Licht gehabt. Und hat es öfter verwendet. So hat er nicht nur gesagt: ich bin das Licht der Welt, sondern ebenso: Ihr seid das Licht für die Welt.
Da hören wir es wieder – uns wird viel zugetraut. Wir sind wichtig als Gemeinde Gottes für unsere Welt. Wir sind nicht die winzigen Funken auf dem Lichtstrahl der Zeit. Wir sind Licht für die Welt.

Gott schenke dir, lieber Paul, und uns allen dazu seinen Segen. Amen.“
Im Anschluss an die Predigt haben Pauls Freunde, die Eltern von Paul und sein Bruder Theo und seine Patinnen eine Plakat gestaltet mit einer Kerze, auf der der Konfirmationsspruch zu lesen war und von der Lichtstrahlen ausgingen mit Segenswünschen für Paul.
Laut und deutlich legte Paul vor der Gemeinde sein Bekenntnis ab. Es gehört schon Mut dazu, als einziger vor den etwa 120 Besuchern dieses besonderen Gottesdienstes ein klares Ja zu sagen. Doch Paul war nicht allein. Zusammen mit seinen Freuden, Paten und Eltern haben sie Teile des Gottesdienstes gestaltet. Musikalisch unterstützte die Kantorei mit klassischen und modernen Chorsätzen das Geschehen.
Mancher mag nun denken: So viel Aufwand für eine Person! In dem Film „Schindlers Liste“ wird formuliert: „wer nur einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt.“ In Abwandlung dieser Sequenz kann man sagen: „Wer sich einem Menschen zuwendet, trägt zum sorgsamen Umgang mit der Welt und ihrer Schöpfung bei“.

Zusammenstellung: Peter Zimmer
Fotos: Familie Stefan
Autor: khh

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