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Do, 09:00 Uhr
07.07.2016
Lichtblick

Gemeinsam den Stimmen lauschen

Im Lichtblick geht es heute um Musik, in all ihren Facetten und die vielen Stimmen und Stimmungen, Interpretationen und Auslegungen die man hören und fühlen kann...

Wort zum Wochenende Ps 98,1 „Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder!“

Ich kenne ein Lied. Seine Melodie ist nicht nur eine, sondern sie ist vielgestaltig. Buntes Treiben statt grauer Monotonie. Paul Gerhardt gibt sich die Hand mit Bob Marley, klassische Kompositionen gleich neben Techno-Hymnen. Metal und Funk, Pop und Gospel. Das Tempo und der Takt sind abhängig vom Interpreten, genauso wie seine Lautstärke und die Länge der Strophen. Laute Ein- Zeiler neben leisen und gefühlvollen, halbstündigen Versionen.

An einem Tag kann ich auch verschiedene Stimmungen und Inhalte des Liedes hören, je nach Interpret und dessen Erlebnissen. Auf ein freudiges Lied der Dankbarkeit von der Bäckersfrau über die Geburt ihres Enkels, folgt das melancholische Klagen des alten Mannes vor der Einkaufspassage. Er hält mir einen alten Kaffeebecher aus Pappe hin, damit ich seine Tageskasse ein wenig aufbessere. Ihm folgt das Lied voller Kritik vom Elektriker, der meinen Herd anschließt. Er will wissen, warum bei mir ein Kreuz an der Wand hängt und warum der, der da dran hängt nichts unternimmt. Zutun gäbe es ja genug. Am Abend das neugierige Lied meiner Tochter vor dem Schlafen gehen:“ Warum kann man den Jesus nicht sehen, wenn er da ist?“

An einem anderen Tag höre ich ganz andere Versionen des Liedes. Zweifel, Freude, Aufbruch und vieles mehr. Die Adresse an die das Lied gerichtet ist: Das was über unserem Leben steht. Gott. Geliebt und abgelehnt. Nah und fern. Vertraut und fremd.

Ich kenne ein Lied. Ein Lied das viele Gestalten hat. Und ich träume von einer Konzerthalle in der Sie und ich und alle anderen es singen können. Jeder in seiner Version, ohne Ketten, ohne Tabus. Lassen Sie uns hören was erfreut und beflügelt, woran wir zweifeln und verzweifeln. Gemeinsam den verschiedenen Stimmen lauschen, denn nur so können wir neues entdecken. Neues am Anderen und an Gott.
Die Konzerthallen gibt es schon. Lasst uns ihre Tore aufzureißen und singen. Andere werden es hören und ihre Stimme mit einfließen lassen.
Ich vertraue darauf, denn er tut Wunder.
Pfarrer Martin Weber
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