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Di, 18:42 Uhr
02.08.2016
Neues aus Bad Frankenhausen

Der alte Grabstein an der Oberkirche erzählt….

Rund um die Oberkirche war Peter Zimmer unterwegs und er hat vieles Interessante beobachtet...

Wer sich in Bad Frankenhausen vom Sole-Vital-Park in Richtung Oberkirche begibt, wird als markantes Bauwerk zuerst den schiefen Turm und dann den auch „schiefen“ Informationspavillon wahrnehmen. Zu Beginn des Geländes fällt sofort der von alten Linden gesäumte Weg zum „Braut“-Eingang der Oberkirche auf. Und auf halber Höhe rechts zwischen zwei dieser alten Bäume stehe ich – ein alter Grabstein aus der Barockzeit. Ich stehe da schon mindestens über 300 Jahre – man sieht es mir an, ich kann mich nicht erinnern, für welche Personen ich aufgestellt wurde. Der Zahn der Zeit hat arg an mit genagt. Mir ist nur bekannt, dass auf dem Friedhof um die Oberkirche herum Mitglieder der Pfännerschaft (das sind die, die mit der Salzgewinnung zu tun hatten) begraben wurden. Ganz besondere Mitglieder wurden in der Oberkirche bestattet – der schönste Grabstein steht heute in der Unterkirche.


Früher ging der Friedhof auf der Südseite bis an die Häuser des Neumarkts heran. An einem der Gebäude kann man noch die begrenzende Friedhofsmauer mit der Vertiefung für ein Epitaph (= Grabstein) erkennen.

Erst nach 1945 – als der Hunger überall groß war, bekamen die Grundstücke am Neumarkt ein schmales Stück von diesem Friedhofsteil als Garten und damit die Möglichkeit, von der ersten Etage ihres Hauses einen Ausgang zu diesem Stück Land zu schaffen. Nun denkt mancher, das diese Geste der Hilfe taktlos sei gegenüber den Toten, die dort einst beerdigt wurden, aber man sollte wissen, dass Ende des 19. Jahrhunderts wohl die letzte Bestattung auf diesem Friedhof erfolgte, zumal ja 1886 der neue Friedhof an der Lindenstraße eröffnet wurde.
Mit den Toten und ihren „Überbleibseln“ ging man einstmals sehr achtungsvoll um.

Bilderrgalerie:
- Der alte Grabstein zwischen den Linden
- Grabstein in der Unterkirche
- Überrest der südlichen Friedhofsmauer mit Epitaph-Vertiefung
- Aufgang zum Brauteingang der Oberkirche
Der alte Grabstein an der Oberkirche erzählt…. (Foto: Peter Zimmer)
Der alte Grabstein an der Oberkirche erzählt…. (Foto: Peter Zimmer)
Der alte Grabstein an der Oberkirche erzählt…. (Foto: Peter Zimmer)
Der alte Grabstein an der Oberkirche erzählt…. (Foto: Peter Zimmer)

An der Stadtmauer am Ende der Oberkirchgasse gab es ein Beinhaus, in dem die beim Aushub eines neuen Grabes gefundenen Knochen gesammelt wurden. Ich als alter Grabstein habe es erlebt, daß die Kirchgemeine Anfang der 90-er Jahre die „Spittelecke“ dort säuberte und auf dieses Beinhaus mit vielen Knochen stieß. So wurde dann auf der Wiese ein großes Grab ausgehoben und die Knochen wieder in die Erde gebettet. Es ist erfreulich, dass trotz der Sicherungsmaßnahmen am Turm, die ich nun erlebe, die Grundmauern dieses Beinhauses für die Nachwelt sichtbar gemacht werden.

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Ich habe seit meiner Aufstellung viel erlebt: gotische Kirche mit spitzem Turm, Brand und Erneuerung mit barocker Haube, Kriegsereignisse mit Beschlagnahme des Kirchengebäudes als Lazarett und… Selbst vor wertvollen Taufschalen aus der Zeit um 1500 wurde nicht Halt gemacht; sie wurden als „Entenfreßnäpfe“ verwendet, sind aber heute wieder im Besitz der Kirchgemeinde. Leider musste ich im Laufe der Jahre nach 1945 den weiteren Verfall des Gebäudes erleben. Um 1960 verlor das Kirchengebäude sein Dach, es blieben nur die Außenmauern stehen. Ich konnte aber erleben, daß später in der Sommerzeit Gottesdienste und Kirchenmusiken im Kirchenschiff stattfanden, bis 1983 die Sperrung erfolgte. Die staatliche Bauaufsicht verlangte den Abriss des 30 m hohen hölzernen barocken Turmaufbaus. Dies unterblieb aber danke der Mangelwirtschaft der DDR, die kein Gerüstmaterial zur Verfügung stellen konnte.

Der Turm neigte sich unterdessen immer weiter und weiter. Erst nach 1989 fanden sich engagierte Bürger der Stadt, die sich um die Rettung des Turmes kümmerten und verschiedene Maßnahmen einleiteten. Für die Kirchgemeinde als Eigentümer wurde die Oberkirche zum Problemfall, denn es bestand die Gefahr, dass die Unterkirche zur Ruine verkam. So fand sich ein ‚ „wagemutiger“ Stadtrat und beschloss die Übernahme der Oberkirche für den symbolischen Preis von 1 €. Damit war der Startschuss für die endgültige Rettung des Turmes gegeben, was ja wohl die Interessierten aus den Medien wissen.
Ich als alter Grabstein, der die Zeit in anderen Dimensionen sieht, sehe es mit Freuden und wünsche allen ein weiteres gutes Gelingen für die noch vielen weiteren Arbeiten an diesem Objekt. Fest steht aber schon jetzt, dass mein Turm schiefer ist als der im italienischen Pisa.

Wenn sie, lieber Leser, wieder einmal zur Oberkirche pilgern, dann bleiben Sie mal auf dem Weg zum Brauteingang ein paar Sekunden stehen und werfen mir einen freundlichen Blick zu.

Text + Fotos: Peter Zimmer
Autor: khh

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