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Mi, 18:37 Uhr
07.09.2016
Stellungnahme der Feuerwehrwehren

So musste der Brand an der Ochsenburg bekämpft werden!

Bezugnehemend auf die Aussagen von Klaus Schlenstedt, Steinthaleben in den Kyffhäuser Nachrichten vom 01.09.2016 (KN-FORUM - Brand an der Ochsenburg in Steinthaleben) gibt es eine Stellungnahme aus Sicht es Einsatzleiters sowie der im Einsatz anwesenden Feuerwehren. Hier der volle Wortlaut der Stellungnahme...

Wir wurden als Freiwillige Feuerwehr Bad Frankenhausen, zu einem Böschungsbrand(Einsatzstelle Nr. 1) in Höhe der Bundeswehrkaserne kurz vor 17.00 Uhr alarmiert. Ausgerückt sind zwei voll besetzte Tanklöschfahrzeuge und der Einsatzleitwagen. Dort angekommen haben bereits Angehörige einer Wachschutzfirma und vorbeifahrende Mitglieder der Feuerwehr Bad Frankenhausen erste Maßnahmen zur Eindämmung des Brandes vorgenommen.

Die durch das Feuer beschädigte Fläche belief sich auf ca. 60qm. Durch aufmerksame Mitbürger wurden wir daraufhin gewiesen das es in der Seehäuserstraße, in Höhe Bushaltestelle ebenfalls zu einem Brand (2. Einsatzstelle) gekommen sei, die verbrannte Fläche belief sich hier nur auf 2qm. Es waren überschaubare Einsätze und deswegen bekam der Gruppenführer des ersten TLF den Auftrag, beide Einsatzstellen abzuarbeiten. Das zweite Tanklöschfahrzeug und der Einsatzleitwagen meldeten sich bei der Rettungsleitstelle frei und einsatzbereit.

Kurz darauf, wurden wir von selbiger Leitstelle über einen Flächenbrand in Richtung Rottleben informiert. Die Einsatzfahrzeuge schalteten das Sondersignal ein und übernahmen den Einsatz. Der Einsatzleiter passierte die Einfahrt zum Gewerbegebiet Am Tischplatt und stellte zwei weitere Einsatzstellen fest. An der Einsatzstelle Nr. 3 brannte der Straßengraben in Fahrtrichtung Rottleben, mit ca. 30qm hier drohte sich das Feuer im Graben und der angrenzenden Buschlandschaft auszubreiten. Bei der Einsatzstelle Nr. 4, in der Nähe einer Hähnchenbraterei, brannte fast die gesamte Böschung mit ca. 450qm Fläche.

Der Brand breitete sich schnell aus, beschädigte bereits den Zaun des Grundstückes und überwand diesen schließlich. Der Einheitsführer des Tanklöschfahrzeuges wies an, dass ein Teil seiner Besatzung den Brand an der Einsatzstelle Nr. 3 mit geeigneten Mitteln eindämmen sollte, um diesen dem nachrückenden Tanklöschfahrzeug zu übergeben. Während die restlichen Einsatzkräfte, die Brandbekämpfung an der Einsatzstelle Nr. 4 mit Wasser begonnen haben.li Hier loderten die Flammen bereits einen Meter hoch.

Der Einsatzleiter erhielt zum selben Zeitpunkt die Mitteilung über die Rettungsleitstelle, das sich ein Anrufer gemeldet hat wonach er hinter alten Traktoren in Richtung Barbarossahöhle hergefahren sei und diese Funken ausstießen, so dass es gleich darauf im Nahbereich der Straße zu brennen beginnen würde. Für den Einsatzleiter lautete jetzt der Auftrag, diese Traktoren ausfindig zu machen und sie an der Weiterfahrt zu hindern, um so weitere Brandstellen bei dieser Trockenheit ab zu wenden.

Er übernahm diesen Auftrag und fuhr los, bereits nach einigen hundert Metern stellte er den nächsten Böschungsbrand(Einsatzstelle Nr. 5 mit einer Brandfläche von ca. 500qm) fest. Nach Rücksprache mit der Leitstelle forderte er das Tanklöschfahrzeug aus Rottleben zur Unterstützung an, da er kurz nach der Ortslage Rottleben in Fahrtrichtung Bad Frankenhausen eine weitere Rauchentwicklung feststellte. Die Einsatzstelle Nr. 6(Brandfläche ca.400qm) war ein beginnender Stoppelfeldbrand und der Wind kam Richtung Westen.

Dieser trieb das Feuer an, worauf es schnell um sich griff. Der Einsatzleiter entschied sich nun für folgende Taktik:
1. Die Feuerwehr Bad Frankenhausen mit ihren Tanklöschfahrzeugen sollte die Einsatzstellen in und um die Stadt abarbeiten!
2. Gemäß der Alarm- und Ausrückeordnung der Gemeinde Kyffhäuserland, sollte die Feuerwehr Rottleben und die nun zusätzlich alarmierte Feuerwehr Bendeleben mit ihren Tanklöschfahrzeugen, den Feldbrand unter Kontrolle bringen und ablöschen.
3. Der Einsatzleiter mit dem Einsatzleitwagen setzt die Fahr fort, um weitere Brände ausfindig zu machen und deren Bekämpfung zu koordinieren, gegebenenfalls weitere Feuerwehren zu alarmieren!

Bis zur Einfahrt in die Barbarossahöhle gab es keinerlei Feststellungen, nach nochmaliger Rücksprache mit der Rettungsleitstelle wurde ihm mitgeteilt dass es in Sundhausen bei Nordhausen ein Schleppertreffen geben sollte. Unterhalb des Ochsenburg in Fahrtrichtung Steinthaleben, sah er die Einsatzstelle Nr. 7. Da er ca. 200m vor sich ein Wohnwagengespann erkannte und die gesuchten Traktoren vermutete, setzte er seine Fahrt fort um den Auftrag zu erfüllen. Während dessen lies er die Freiwilligen Feuerwehr Steinthaleben alarmieren, denn dieses Gebiet gehört zu ihrem Einsatzbereich.

Einige Augenblicke später überholte er das Wohnwagengespann und stellte die vermutlichen Verursacher fest. Wenige Meter nach der alten Hopfendarre in Steinthaleben konnte er die Fahrzeuge durch Handzeichen anhalten und nach einer kurzen Diskussion, brachte er sie dazu die Motoren abzuschalten. Während dieses Gespräches, hielt eine Autofahrerin an und zeigte auf den Ochsenburg. Dort stieg bereits massiver Rauch in Richtung Bergkamm auf. Der Einsatzleiter nahm dem ersten Schlepperfahrer das Versprechen ab, die Fahrt nicht fortzusetzen und weiterhin zur Verfügung zustehen. Danach wendete er den Einsatzleitwagen und fuhr zurück zum Ochsenburg.

Dort angekommen stellte er fest, dass das Feuer durch den Wind in Richtung Berg getrieben wurde und die Spitze des Brandes nun ca. 20 Meter von der Straße entfernt war. Am Rand der Straße in Fahrtrichtung Steinthaleben und in sicherer Entfernung, standen mehrere PKW, aber von dem Herrn beschriebene Helfer war nichts oder nichts mehr zusehen. Auch waren keine Spuren des Löschpulvers sichtbar, was nicht heißen soll das es diese nicht gab. Von den bereits am Fahrbahnrand stehenden und vorbeifahrenden Fahrzeugen, bot auch niemand seine Hilfe oder Unterstützung an!

Umgehend forderte der Einsatzleiter weitere Unterstützung aus Seega und Göllingen an und ließ alle freien Kräfte der Einsatzstellen Nr. 1-6 anrücken. Auf Anfahrt und nachalarmiert zur Einsatzstelle Ochsenburg waren nun 3 Tanklöschfahrzeuge, 1 Tragkraftspritzenfahrzeug sowie das Kleinlöschfahrzeug aus Steinthaleben. Auf Grund der Ausbreitung des Brandes und unter Beachtung des Eigenschutzes, entschied sich der Einsatzleiter, der immer noch allein Vorort war, auf die Verstärkung zu warten! Während er den Einsatz „Größeren Umfanges nach den gültigen Regeln“ vorbereitet hat, machte er Fotos, um für eine spätere Einsatznachbereitung vorbereitet zu sein.

Als erstes war das Tanklöschfahrzeug aus Bendeleben nach wenigen Minuten an der Einsatzstelle und begann mit der Brandbekämpfung. Dabei setzten sie das erste Strahlrohr gegen die Hauptausbreitungsrichtung ein. Kurz darauf traf das Kleinlöschfahrzeug der Feuerwehr Steinthaleben besetzt mit 3 Einsatzkräften, am Einsatzort ein. Diese begannen mit Schaufeln bewaffnet, die Brandbekämpfung in Richtung der Ortslage Steinthaleben. Der Wind trieb das Feuer weiter den Berg hinauf, die Trockenheit und der extrem erhitzte Gipskarst, führten dazu das sich das Feuer innerhalb von wenigen Minuten außerhalb der Reichweite der Vorort befindlichen Kräfte befand.

Der Einsatzleiter erkannte die Situation und forderte weitere Feuerwehren an. Als das erste Tanklöschfahrzeug aus Bad Frankenhausen eintraf, wurde der Einheitsführer in die Situation eingewiesen und begann sich umgehend mit seinen Einsatzkräften, sowie der Ausrüstung auf den Weg zu machen. Oben angekommen führte er als Abschnittsleiter eine erste Lageerkundung durch. Nach der Rückmeldung an den Einsatzleiter wurden weitere Kräfte mit wasserführenden Fahrzeugen alarmiert. Zum Einsatz wurden die Feuerwehren aus Udersleben, Seehausen, Esperstedt, die Feuerwehren Sonderhausen- Mitte, Sondershausen- Berka gerufen, Unterstützung kam auch aus Sachsen Anhalt mit den Feuerwehren aus Berga und Roßla. Desweitern forderte er den Tankanhänger der AGRAR GmbH Seega Wippertal an.

Zusammenfassend kann man folgendes sagen:
1. Einen Böschungsbrand mit den obengenannten Anzeichen, kann man nicht mit Feuerlöschern, ohne näher auf die Wirkungsweise von Löschpulver (im Freien)einzugehen, unter Kontrolle gebracht noch eindämmt werden!
2. Feuerlöscher sind nach unserer Ansicht die falsche Wahl für solche Brandfälle und haben nur einen psychologischen „ ich habe etwas getan“ Effekt!
3. In solchen Fällen, kann es sehr schnell passieren das sich unaufmerksame Helfer durch den sich plötzlich drehenden Wind, in Lebensgefahr begeben! Die hier auftretenden Gefahren sind z.B. die extreme Hitzeentwicklung, die Atemgifte und die fehlende Orientierung im Brandrauch, sowie die fehlenden Rückzugsmöglichkeiten.
4. Daher raten wir als Feuerwehr:
Nur Löschversuche zu unternehmen, wenn man die Benutzung von Feuerlöschern regelmäßig übt und sich nicht nach sogenannter „Rambo- Manier„ profilieren will!
5. Bieten Sie den Einsatzkräften Ihre Hilfe an, aber unternehmen Sie nichts auf eigene Faust!
6. Für Außenstehende ist die Arbeitsweise und der Aufbau einer Einsatzstelle unter Umständen sehr unübersichtlich, aber auf keinen Fall haben sich die Einsatzkräfte in diesem Fall „dilettantisch“ angestellt!
7. Desweiteren ist in dem Leserbrief nichts von den Strapazen der Feuerwehrleute zu lesen, die sich fast nur auf den Knien bergauf bewegen konnten und an diesem Tag waren 28 Grad im Schatten gemessen worden, was die Arbeiten zusätzlich erschwerte!

Der Einsatzleiter sah sich einen Tag später, wüsten Beschimpfungen und Beleidigungen eines Mitbürgers ausgesetzt. Dieser hält es nach eigener Aussage für notwendig den Einsatzleiter anzuzeigen!

Einen ganz besonderen Dank möchten wir an alle eingesetzten Kräfte aussprechen, die trotz extremer Einsatzbedingungen weit über die normalen Leistungsgrenzen gegangen sind, damit der Brand noch vor einer Kiefernschonung aufgehalten werden konnte. Es musste ein Steilhang von ca. 100 m Länge zumeist auf den Knien mit der Ausrüstung bewältigt werden, dazu kam die extreme Hitze und der beißende Rauch der die Luft zum atmen nahm.

Leider haben sich bei diesem Einsatz auch 7 Kamerdinnen und Kameraden verletzt. Zum Glück waren es bis auf einen Feuerwehrmann nur leichte Verletzungen. Gerade bei solchen Ereignissen zeigt sich, wie eng Feuerwehrleute im Ernstfall zusammenstehen, sich unterstützen und sich mit vereinten Kräften gegen die Gefahr stemmen. Diese Engagement und diese Tugenden verdienen den Respekt und die Anerkennung in der Bevölkerung!

Aber trotz dieses Ärgernisses möchten wir als Feuerwehren nicht versäumen, uns bei den Unterstützern, zu bedanken. Dazu gehörten u.a. die AGRAR GmbH Seega Wippertal vertreten durch Herrn Malte Ebeling, dem Bürgermeister der Gemeinde Kyffhäuserland Knut Hoffmann der uns mit Getränken versorgt hat, der Landfleischerei Ortwin Schulz für Verpflegung und Teilen des Katastrophenschutzzuges aus Sondershausen, für die medizinische Sicherstellung und Bereitstellung von Getränken.

Gez.
B. Schuller
Kreisbrandmeister und Ortsbrandmeister der Gemeinde Kyffhäuserland
A. Vogel stellv. Stadtbrandmeister und stellv. Wehrführer
J. Fischer Stadtbrandmeister und Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Bad Frankenhausen
Autor: khh

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