Do, 09:55 Uhr
17.11.2016
Kommunalpolitik
Es geht um gute Bildung
Nicht nur der Weihnachtsmann, sondern auch gute Bildung kommt aus Finnland. Finnische Diplompädagogin Kati Jauhiainen referiert auf Einladung des SPD-Ortsvereins und der SPD/Grüne-Stadtratsfraktion Sondershausen im Haus der Jugend in Sondershausen
Nicht nur der Weihnachtsmann, sondern auch gute Bildung kommt aus Finnland.
Auf Einladung des SPD-Ortsvereins und der SPD/Grüne-Stadtratsfraktion Sondershausen wird die in Berlin lebende finnische Diplompädagogin Kati Jauhiainen in einer Informations- und Diskussionsveranstaltung am Dienstag, dem 22. November 2016 ab 18.00 Uhr über das finnische Bildungssystem referieren und Vergleiche ziehen zu dem Schulsystem in Thüringen. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind in das Haus der Jugend, Martin-Andersen-Nexö-Straße 61 in Sondershausen-Jecha ganz herzlich eingeladen.
Die in Berlin lebende Diplompädagogin Kati Jauhiainen hat vor 12 Jahren die Einschulung ihrer Tochter in Deutschland als regelrechten Kulturschock empfunden, weil sie genau das selbe Schulsystem angetroffen habe, das sie vor über 30 Jahren selbst noch in Finnland erlebt hatte und als Schülersprecherin mit reformierte.
Das gute Abschneiden finnischer Schüler in der PISA- Studie, die neben Japan und Südkorea die vordersten Plätze belegten, beruhe sicher auf der umfassenden Schulreform, die etwa zwischen 1970 und 1975 in Finnland stattgefunden hatte. Damals hatten die Finnen sich Anregungen und Ideen aus Deutschland geholt, vor allem aus der ehemaligen DDR, haben diese mit nach Finnland genommen, umgesetzt und weiterentwickelt und jetzt ist es höchste Zeit die Früchte nach Deutschland zurück zu tragen.
Mit drei Schlagworten könne man das heutige finnische Schulsystem charakterisieren: Kreativität, Kontinuität und Konsequenz. In Deutschland gebe es zwar eine Menge kreativer Projekte, aber sie seien meist befristet und nicht nachhaltig. Das körperliche und psychische Wohlbefinden der Kinder- sehr wichtig für erfolgreiches Lernen- stehe in Finnland im Vordergrund. Neben den Lehrern tragen dazu der Schulpsychologe, der Schulsozialarbeiter, die Krankenschwester, die Unterstützungslehrer, aber auch das kostenlose Schulessen bei.
Nach einigen Jahren im Kindergarten und einem obligatorischen Vorschulunterricht für Sechsjährige werden die Kinder mit sieben Jahren eingeschult. Neun Jahre besuchen sie dann dieselbe Schule, die die Referentin zur Abgrenzung von der deutschen Gesamtschule als Gemeinschaftsschule bezeichnete. Sonderschulen gebe es nicht mehr, da Kinder mit Lernstörungen, aber auch geistiger und körperlicher Behinderung, in die gleichen Gemeinschaftsschulen gingen, gemäß dem Prinzip Integration statt Selektion.
Nach der neunjährigen gemeinsamen Grundschule können die Schüler entweder eine gymnasiale Oberstufe in Kursform absolvieren, die sie in zwei bis spätestens vier Jahren zum Abitur führt oder auf eine Berufsschule gehen. Lernschwächere Schüler können vorher noch ein zehntes Grundschuljahr zur Notenverbesserung absolvieren. Das sei aber freiwillig, das in Deutschland gefürchtete Sitzenbleiben gebe es in Finnland kaum, bei den ersten auftretenden Problemen setzt sofort eine spezielle individuelle Förderung ein. Die Kompetenzen und Stärken des Einzelnen stehen im Vordergrund und werden unterstützt. Respekt und Achtung vor einander prägen das Schulklima.
Alle Abiturprüfungen können unabhängig voneinander mehrfach wiederholt werden. In Finnland erreichen über 80% der Schülerinnen und Schüler die Hochschulreife.
Der Unterricht dauert zwischen 8 und 14 bis 15 Uhr, ein gemeinsames Mittagessen ist für Schüler und Lehrer selbstverständlich. Nach jeder Unterrichtseinheit (45 Minuten) lasse eine viertel Stunde Pause genug Zeit zum Austoben oder auch dem Lesen der Lieblingslektüre, die Schüler in die Schule mitbringen sollen.
Die Gesundheitsfürsorge wird groß geschrieben. So halten an jeder Schule zweimal wöchentlich Krankenschwestern Sprechstunde für die Jugendlichen ab.
Über dem Wohlbefinden der Kinder wird aber auch das des Lehrpersonals nicht vergessen. Ständige Praxisanleitungen, Supervision und kollegiale Beratungen sorgen dafür, dass der Beruf des Lehrers in Finnland sehr beliebt ist, so kommen auf einen Studienplatz drei Bewerber. Lehrer werden in Finnland eher als Partner der Schüler angesehen, daher ist das respektvolle Du zwischen beiden Gruppen die Regel.
Autonomie der Schule und Lehrkräften ist kein Fremdwort in Finnland. Dort sind trotz wesentlich gleicher Inhalte wie in Deutschland die Lehrpläne viel dünner. Auch die Schüler genießen größere Freiheit, gepaart mit mehr Selbstverantwortung. Das Erlangen sozialer Kompetenzen spielt eine weitaus größere Rolle als hier.
Autor: khhNicht nur der Weihnachtsmann, sondern auch gute Bildung kommt aus Finnland.
Auf Einladung des SPD-Ortsvereins und der SPD/Grüne-Stadtratsfraktion Sondershausen wird die in Berlin lebende finnische Diplompädagogin Kati Jauhiainen in einer Informations- und Diskussionsveranstaltung am Dienstag, dem 22. November 2016 ab 18.00 Uhr über das finnische Bildungssystem referieren und Vergleiche ziehen zu dem Schulsystem in Thüringen. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind in das Haus der Jugend, Martin-Andersen-Nexö-Straße 61 in Sondershausen-Jecha ganz herzlich eingeladen.
Die in Berlin lebende Diplompädagogin Kati Jauhiainen hat vor 12 Jahren die Einschulung ihrer Tochter in Deutschland als regelrechten Kulturschock empfunden, weil sie genau das selbe Schulsystem angetroffen habe, das sie vor über 30 Jahren selbst noch in Finnland erlebt hatte und als Schülersprecherin mit reformierte.
Das gute Abschneiden finnischer Schüler in der PISA- Studie, die neben Japan und Südkorea die vordersten Plätze belegten, beruhe sicher auf der umfassenden Schulreform, die etwa zwischen 1970 und 1975 in Finnland stattgefunden hatte. Damals hatten die Finnen sich Anregungen und Ideen aus Deutschland geholt, vor allem aus der ehemaligen DDR, haben diese mit nach Finnland genommen, umgesetzt und weiterentwickelt und jetzt ist es höchste Zeit die Früchte nach Deutschland zurück zu tragen.
Mit drei Schlagworten könne man das heutige finnische Schulsystem charakterisieren: Kreativität, Kontinuität und Konsequenz. In Deutschland gebe es zwar eine Menge kreativer Projekte, aber sie seien meist befristet und nicht nachhaltig. Das körperliche und psychische Wohlbefinden der Kinder- sehr wichtig für erfolgreiches Lernen- stehe in Finnland im Vordergrund. Neben den Lehrern tragen dazu der Schulpsychologe, der Schulsozialarbeiter, die Krankenschwester, die Unterstützungslehrer, aber auch das kostenlose Schulessen bei.
Nach einigen Jahren im Kindergarten und einem obligatorischen Vorschulunterricht für Sechsjährige werden die Kinder mit sieben Jahren eingeschult. Neun Jahre besuchen sie dann dieselbe Schule, die die Referentin zur Abgrenzung von der deutschen Gesamtschule als Gemeinschaftsschule bezeichnete. Sonderschulen gebe es nicht mehr, da Kinder mit Lernstörungen, aber auch geistiger und körperlicher Behinderung, in die gleichen Gemeinschaftsschulen gingen, gemäß dem Prinzip Integration statt Selektion.
Nach der neunjährigen gemeinsamen Grundschule können die Schüler entweder eine gymnasiale Oberstufe in Kursform absolvieren, die sie in zwei bis spätestens vier Jahren zum Abitur führt oder auf eine Berufsschule gehen. Lernschwächere Schüler können vorher noch ein zehntes Grundschuljahr zur Notenverbesserung absolvieren. Das sei aber freiwillig, das in Deutschland gefürchtete Sitzenbleiben gebe es in Finnland kaum, bei den ersten auftretenden Problemen setzt sofort eine spezielle individuelle Förderung ein. Die Kompetenzen und Stärken des Einzelnen stehen im Vordergrund und werden unterstützt. Respekt und Achtung vor einander prägen das Schulklima.
Alle Abiturprüfungen können unabhängig voneinander mehrfach wiederholt werden. In Finnland erreichen über 80% der Schülerinnen und Schüler die Hochschulreife.
Der Unterricht dauert zwischen 8 und 14 bis 15 Uhr, ein gemeinsames Mittagessen ist für Schüler und Lehrer selbstverständlich. Nach jeder Unterrichtseinheit (45 Minuten) lasse eine viertel Stunde Pause genug Zeit zum Austoben oder auch dem Lesen der Lieblingslektüre, die Schüler in die Schule mitbringen sollen.
Die Gesundheitsfürsorge wird groß geschrieben. So halten an jeder Schule zweimal wöchentlich Krankenschwestern Sprechstunde für die Jugendlichen ab.
Über dem Wohlbefinden der Kinder wird aber auch das des Lehrpersonals nicht vergessen. Ständige Praxisanleitungen, Supervision und kollegiale Beratungen sorgen dafür, dass der Beruf des Lehrers in Finnland sehr beliebt ist, so kommen auf einen Studienplatz drei Bewerber. Lehrer werden in Finnland eher als Partner der Schüler angesehen, daher ist das respektvolle Du zwischen beiden Gruppen die Regel.
Autonomie der Schule und Lehrkräften ist kein Fremdwort in Finnland. Dort sind trotz wesentlich gleicher Inhalte wie in Deutschland die Lehrpläne viel dünner. Auch die Schüler genießen größere Freiheit, gepaart mit mehr Selbstverantwortung. Das Erlangen sozialer Kompetenzen spielt eine weitaus größere Rolle als hier.
