Di, 14:20 Uhr
20.12.2016
Kommentiert
Momente, die unser Leben ändern
Es sind mitunter nur Momente im bis dahin gelebten Leben, die das kommende verändern werden. Für viele Menschen war vermutlich der gestrige Abend ein solcher Moment...
Leerer Weihnachtsmarkt auf dem Alex (Foto: Ch. Greiner)
Blick auf den geschlossenen Weihnachtsmarkt am Berliner Alex
Es war kurz vor 21 Uhr, da kam die erste Meldung auf einem Laufband, das über den Bildschirm kroch: Ein Toter auf einem Berliner Weihnachtsmarkt. Ein Lkw sei in eine Menschenmenge gerast.
Blieb da kurz das Herz stehen? Unser Sohn und seine Partnerin wohnen in Berlin, gehen ab und zu mit Bekannten und Freunden über den einen oder anderen der vielen Weihnachtsmärkte der Hauptstadt. Sofort der Anruf - Glück gehabt. Kein vorweihnachtlicher Ausflug. Das sind Momente, in denen man keine Zeit hat zum Überlegen. Keine Zeit der Suche nach einem Grund. Einfach nur Schock und Sekunden danach Erleichterung.
Doch, Minuten später: das sind Momente, die ich Zeit meines Lebens in diesem Land nicht kannte. Keine Angst, durch Krieg und Terror Angehörige, Freunde oder Bekannte zu verlieren. Doch nun ist sie da, diese Angst. Und ja, ich schrieb das schon einmal an dieser Stelle - es ist Krieg. Sie, die Terroristen, die einem (Irr)Glauben verfallen sind, sie wollen uns töten. Uns, die Nichtmuslime, die Gottlosen. Und sie nehmen dafür ihren eigenen Tod in Kauf.
Bleibt die Frage nach dem Grund für ihr Verhalten. Ein Bekannter sagte heute zu mir, dass sich Terror niemals aufhalten lasse, dass er vor keiner Grenze halt mache. Dass dieser Terror sich in Hass gründe. In Hass auf all das, was nicht so glaubt und lebt wie sie selbst.
Zwölf unschuldige Menschen mussten gestern sterben, weil sie auf einem Weihnachtsmarkt, einem christlichen Symbol, eine Brezel essen oder einen Glühwein trinken wollten. Sie sind Opfer des Hasses, des Terrors geworden.
Für mich stellt sich die Frage, warum es diesen Hass, diesen Terror hier und woanders in Europa so massiv seit rund zwei Jahren gibt? Die Antwort könnte sein: es ist eben kein Problem, den Terror nach Europa zu exportieren. Dorthin, wo es keine Grenzen gab und gibt, vor allem in ein Land, das jedem Hilfe gewährt, der das Wort "Asyl" aussprechen kann. Ohne Überprüfung, ohne Abgleich, ohne Kontrolle.
Normalerweise ist der Alex vorweihnachtlich "überfüllt". Am "Tag danach" menschenleer. (Foto: Ch. Greiner)
Es dauerte eine halbe Nacht, da kamen die ersten Sprüche derjenigen, die politische Verantwortung für die beschriebene Situation tragen: Man dürfe Hass nicht mit Hass begegnen, schreiben, sprechen oder twittern sie um die Wette. Aber: war das, was sich in Deutschland seit dem Sommer vergangenen Jahres in Deutschland vor der Welt zutrug denn Hass? Nein, es war das Gegenteil davon - es war Wärme, Schutz, Hilfe, Unterstützung - es war Menschlichkeit. Gedankt mit zwölf Toten und fast 50 Verletzten.
Sicher, nicht alle, die in dieser Zeit nach Deutschland kamen sind Terroristen, sind Hasser. Das predigen die Offiziellen jetzt wieder. Es sind aber auch jene, die jeden, der sich kritisch zu den Vorgängen der vergangenen Monate äußerte, in die rechte Ecke packten. Die jeden, der mit der Politik der AfD zum Beispiel liebäugelte, als Nazi abstempelten.
Hass kann und darf in diesem Land nicht mit Hass begegnet werden. Aber mit der Macht des Staates. Mit all seinen Gesetzen, Verordnungen und Durchführungsbestimmungen und was es sonst noch gibt. Es wird Zeit, dass sich die politische Elite auch wieder an jene Verträge hält, die seit dem Sommer gebrochen wurden. Schlimm nur, dass es immer wieder solch tragischer Momente bedarf mit derart schrecklichen Folgen und vielen Opfern.
Momente wie jenen gestern, die brauche ich nicht. Die braucht wohl niemand. Doch könnte es Menschen geben, die das billigend in Kauf nehmen würden, nur weil sie ihre politischen und ökonomische Ziele nicht korrigieren wollen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red
Leerer Weihnachtsmarkt auf dem Alex (Foto: Ch. Greiner)
Blick auf den geschlossenen Weihnachtsmarkt am Berliner Alex
Es war kurz vor 21 Uhr, da kam die erste Meldung auf einem Laufband, das über den Bildschirm kroch: Ein Toter auf einem Berliner Weihnachtsmarkt. Ein Lkw sei in eine Menschenmenge gerast.
Blieb da kurz das Herz stehen? Unser Sohn und seine Partnerin wohnen in Berlin, gehen ab und zu mit Bekannten und Freunden über den einen oder anderen der vielen Weihnachtsmärkte der Hauptstadt. Sofort der Anruf - Glück gehabt. Kein vorweihnachtlicher Ausflug. Das sind Momente, in denen man keine Zeit hat zum Überlegen. Keine Zeit der Suche nach einem Grund. Einfach nur Schock und Sekunden danach Erleichterung.
Doch, Minuten später: das sind Momente, die ich Zeit meines Lebens in diesem Land nicht kannte. Keine Angst, durch Krieg und Terror Angehörige, Freunde oder Bekannte zu verlieren. Doch nun ist sie da, diese Angst. Und ja, ich schrieb das schon einmal an dieser Stelle - es ist Krieg. Sie, die Terroristen, die einem (Irr)Glauben verfallen sind, sie wollen uns töten. Uns, die Nichtmuslime, die Gottlosen. Und sie nehmen dafür ihren eigenen Tod in Kauf.
Bleibt die Frage nach dem Grund für ihr Verhalten. Ein Bekannter sagte heute zu mir, dass sich Terror niemals aufhalten lasse, dass er vor keiner Grenze halt mache. Dass dieser Terror sich in Hass gründe. In Hass auf all das, was nicht so glaubt und lebt wie sie selbst.
Zwölf unschuldige Menschen mussten gestern sterben, weil sie auf einem Weihnachtsmarkt, einem christlichen Symbol, eine Brezel essen oder einen Glühwein trinken wollten. Sie sind Opfer des Hasses, des Terrors geworden.
Für mich stellt sich die Frage, warum es diesen Hass, diesen Terror hier und woanders in Europa so massiv seit rund zwei Jahren gibt? Die Antwort könnte sein: es ist eben kein Problem, den Terror nach Europa zu exportieren. Dorthin, wo es keine Grenzen gab und gibt, vor allem in ein Land, das jedem Hilfe gewährt, der das Wort "Asyl" aussprechen kann. Ohne Überprüfung, ohne Abgleich, ohne Kontrolle.
Normalerweise ist der Alex vorweihnachtlich "überfüllt". Am "Tag danach" menschenleer. (Foto: Ch. Greiner)
Es dauerte eine halbe Nacht, da kamen die ersten Sprüche derjenigen, die politische Verantwortung für die beschriebene Situation tragen: Man dürfe Hass nicht mit Hass begegnen, schreiben, sprechen oder twittern sie um die Wette. Aber: war das, was sich in Deutschland seit dem Sommer vergangenen Jahres in Deutschland vor der Welt zutrug denn Hass? Nein, es war das Gegenteil davon - es war Wärme, Schutz, Hilfe, Unterstützung - es war Menschlichkeit. Gedankt mit zwölf Toten und fast 50 Verletzten.
Sicher, nicht alle, die in dieser Zeit nach Deutschland kamen sind Terroristen, sind Hasser. Das predigen die Offiziellen jetzt wieder. Es sind aber auch jene, die jeden, der sich kritisch zu den Vorgängen der vergangenen Monate äußerte, in die rechte Ecke packten. Die jeden, der mit der Politik der AfD zum Beispiel liebäugelte, als Nazi abstempelten.
Hass kann und darf in diesem Land nicht mit Hass begegnet werden. Aber mit der Macht des Staates. Mit all seinen Gesetzen, Verordnungen und Durchführungsbestimmungen und was es sonst noch gibt. Es wird Zeit, dass sich die politische Elite auch wieder an jene Verträge hält, die seit dem Sommer gebrochen wurden. Schlimm nur, dass es immer wieder solch tragischer Momente bedarf mit derart schrecklichen Folgen und vielen Opfern.
Momente wie jenen gestern, die brauche ich nicht. Die braucht wohl niemand. Doch könnte es Menschen geben, die das billigend in Kauf nehmen würden, nur weil sie ihre politischen und ökonomische Ziele nicht korrigieren wollen.
Peter-Stefan Greiner
