Fr, 14:55 Uhr
27.01.2017
Podiumsdiskussion eröffnete gestern die 10. Erfurter Automobilmesse
Peckruhn: Den Diesel nicht verteufeln!
E-Mobilität, autonomes Fahren, Dieselskandal und Gefahren für die Branche waren Themen einer Podiumsdiskussion, mit der die Automesse Erfurt am gestrigen Abend ihr zehnjähriges Jubiläum einläutete. Bis Sonntag nutzen Automobil- und Zubehörindustrie sowie deren Händler die Schau als Branchentreff. Sie präsentieren Innovationen und zeichnen den Weg in die automobile Zukunft vor...
Mit einem Dank an die Macher der ersten Stunde – unter ihnen Autohaus-Chef Helmut Peter aus Nordhausen - eröffnete Matthias Andrzejak, Geschäfts- und Projektleiter der Automobilmesse, die Jubiläumsschau.
Unter dem Motto Die ganze Welt des Automobils können die Besucher ab heute in drei Hallen und auf den Außenflächen die Innovationen der Automobilindustrie ins Visier nehmen. Dass sie dabei den alten Rekord von 30.000 knacken, wäre das schönste Geburtstagsgeschenk.
Wie weiter mit dem Automobil? Welche Chancen hat die Elektromobilität? Ist Diesel wirklich so schlimm wie sein Ruf? Wo steht die Automobilwirtschaft in 10 Jahren? Wie bekommt Deutschland den Anschluss an andere Länder, was alternative Antriebe betrifft? Was fordert die Wirtschaft von der Politik? Welche Rolle spielen Banken künftig beim Autokauf? Ist ein Auto heute noch Statussymbol wie vor 10 Jahren?
Ich sehe politisch-kritisch, was mit der E-Mobilität auf uns zukommt, stieg Dr. Michael Millitzer, Vorstandsvorsitzender vom Zulieferernetzwerk automotive thüringen, in die Podiumsdiskussion zum Thema elektromobile Zukunft ein. 25 von insgesamt 85 Millionen weltweit gebauten Fahrzeugen sollen bis zum Jahr 2025 elektrisch betrieben sein. Für den deutschen Markt eine Herausforderung, die Arbeitsplätze in Gefahr bringt und daher die Politik in der Verantwortung sieht.
Opel-Deutschland-Vertriebschef Jürgen Keller forderte von der Politik die Schaffung von Rahmenbedingungen für die geplante Elektromobilität. Nicht jeder habe ein Fahrzeug wie demnächst OPEL mit dem neuen Ampéra-e, der als Elektrofahrzeug mit seiner 500-Kilometer-Reichweite eine Vorreiterrolle einnehme. Ein Auto mit 35 Kilometern Reichweite – und das sei der bisherige Durchschnitt - lasse Deutschland im unteren Drittel der E-Auto-Hersteller rangieren.
370 Ladestationen seien in den nächsten 3 Jahren in Thüringen geplant, warf Thüringens Infrastrukturministerin Birgit Keller in die Debatte ein und führte die seit 2016 gesetzlich verbrieften Förderungen an. Dennoch müsse E-Mobilität umweltfreundlich produziert werden.
Die Frage von Moderator Michael Tallai, ob 370 Ladestationen allein reichten und welchen Einfluss ein Kfz-Betrieb nehmen könnte, beantwortete Holger Schade, Präsident des Kfz-Gewerbes Thüringen, mit Vorbehalten. Der Erfolg der Elektromobilität hänge von der Technologie und der Infrastruktur ab. Diese müsse man an die Erfordernisse anpassen. Qualifizierte Mitarbeiter in punkto Hochvolttechnologie und gezielte Kundenansprache seien die primären Möglichkeiten, die man als Autohaus habe.
Für Thomas Peckruhn, Präsident des Kfz-Gewerbes in Sachsen-Anhalt, steht der Kunde im Mittelpunkt. Wir müssen uns immer wieder fragen: Was will er haben? Zurzeit liegen SUV und Verbrennungsmotoren in seiner Gunst! 2016 war das erfolgreichste Autojahr seit der Abwrackprämie. 99 % der Kunden wählten Verbrenner. Ein Kunde muss beim Elektroauto Begehrlichkeiten erkennen und nicht Verzicht üben! Insofern sei die Klärung der Frage nach dem Stand der Infrastruktur vordergründig. Schnell-Ladestationen müssten unkompliziert geschaffen werden. Derzeit versperrten noch zu viele bürokratische Hürden den Weg. Die Tatsache, dass nur einer der rund 100 Zuhörer mit einem Elektrofahrzeug nach Erfurt gekommen war, unterstrich seine These.
Die Belebung des digitalen Händlerauftritts sieht Dr. Hermann Frohnhaus (Bank Deutsches Kfz-Gewerbe) als wichtigsten Schritt. Ein Kunde kommt nur noch 1,3-mal ins Autohaus: zum Vertragsabschluss und zum Abholen. Den Rest macht er am Bildschirm, abends, 20.15 Uhr, wenn der Krimi ihn nicht interessiert. Dann will er kalkulieren, konfigurieren, Finanzierungsmodelle vergleichen und Ankaufmöglichkeiten ausloten. Dem müsse der Händler gerecht werden.
Auf großes Interesse stieß die Debatte um die Zukunft der Dieselfahrzeuge. Mit eindeutigen Statements für den Diesel bekundeten die Podiumsteilnehmer ihr Pro.
Thomas Peckruhn: Die Diskussion um die blaue Plakette ist Verdummung des Verbrauchers. Wir brauchen den Diesel, um die CO2-Ziele bis 2020 zu erreichen. Beim SUV ist Diesel die erste Wahl. Ich warne davor, den Diesel zu verteufeln!
Dem schloss sich auch Holger Schade an: Bei Nutzfahrzeugen gibt es keine Benziner. Die Diskussion um den Diesel führt zum Kollateralschaden. Wir brauchen ihn, er ist wichtig für die Zukunft – allerdings muss er entsprechend nachbehandelt werden. Ich erkenne keinen Trend weg vom Diesel und sehe die Verursacher der Debatte in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie ein Ende hat.
Eine Statusveränderung in punkto Auto erkennt Anthony Bandmann von der Volkswagen-Bank: Ein Auto weckt nach wie vor Emotionen, aber als solches ist es kein Statussymbol mehr wie einst. Heute zählen seine ´inneren´Werte, die Konnektivität zum Beispiel. Jetzt hat der Nutzen Priorität vor dem Besitzen.
Als leidenschaftlicher Diesel-Fahrer outete sich abschließend auch Ministerpräsident Bodo Ramelow. Das Elektroauto könne nur dann erfolgreich sein, wenn sich die Speichertechnologie verbessere und man für 450 Kilometer von Ost nach West nicht drei Übernachtungen einplanen müsse. Wenn wir in der Speicherkapazität so weitermachen wie bisher, werden wir Elektromobilität nie erreichen. Deshalb richte er seinen Blick voller Spannung auf eine völlig neue, vielversprechende Technologie, die man derzeit in Jena entwickle.
Dem stationären Autohändler gibt Ramelow weiter eine Zukunft, denn der Kunde wolle nicht online kaufen, sondern meckern können, wenn er nicht zufrieden sei. Kundenbindung sei nach wie vor das A und O für den Autohändler, denn er liefere dem Kunden den Genuss.
Thüringens industriellem Wachstum sagte der Ministerpräsident eine gute Zukunft voraus – vor allem dank des starken Mittelstandes. Auf derzeit Platz 4 in Deutschland, den 1. Platz bezüglich niedriger Arbeitslosenquote in den neuen und Platz 7 in den alten Bundesländern könne man stolz sein. 2017 wollen wir es schaffen, unter dem Bundesdurchschnitt zu liegen, so Ramelow. Langfristiges Ziel sei es, freiwerdende Kapazitäten für den demografischen Wandel zu nutzen.
Zum Thema Fachkräftemangel bezeichnete er die Erwartungen von einst an qualifizierte Fachkräfte aus den Flüchtlingsreihen als nicht erfüllt. Dennoch lobte er die beispielgebende Vorreiterrolle von Helmut Peter, der mit seiner 15-köpfigen Ausbildungsklasse die höchste Quote noch vor den DAX-Konzernen aufweise.
Bei allem Optimismus gelte seine Sorge aber einem ganz anderen Feld, so Ramelow: Ich befürchte Angriffe von Google. Die UBER-App, die Taxis kannibalisiert, ist der Anfang, das von Dach zu Dach springende Elektroflugzeug, Web 4.0 und der Kunden als Datensammelkuh sind für mich die größten Gefahren der Zukunft! – Dennoch gebe ich dem Elektroauto eine gute Chance. Neben der Emotion müssen wir uns auf die digitale Welt einstellen und uns als Land dafür aufstellen. Die guten Zahlen sprechen dafür!
Abschließend prognostizierten die Podiumsredner dem Elektrofahrzeug für das Jahr 2027 eine Marktpräsenz von rund 20 Prozent, die Mehrheit von ihnen jedoch eher in der Hybridversion, eine stimmige Infrastruktur vorausgesetzt.
Autor: redMit einem Dank an die Macher der ersten Stunde – unter ihnen Autohaus-Chef Helmut Peter aus Nordhausen - eröffnete Matthias Andrzejak, Geschäfts- und Projektleiter der Automobilmesse, die Jubiläumsschau.
Unter dem Motto Die ganze Welt des Automobils können die Besucher ab heute in drei Hallen und auf den Außenflächen die Innovationen der Automobilindustrie ins Visier nehmen. Dass sie dabei den alten Rekord von 30.000 knacken, wäre das schönste Geburtstagsgeschenk.
Wie weiter mit dem Automobil? Welche Chancen hat die Elektromobilität? Ist Diesel wirklich so schlimm wie sein Ruf? Wo steht die Automobilwirtschaft in 10 Jahren? Wie bekommt Deutschland den Anschluss an andere Länder, was alternative Antriebe betrifft? Was fordert die Wirtschaft von der Politik? Welche Rolle spielen Banken künftig beim Autokauf? Ist ein Auto heute noch Statussymbol wie vor 10 Jahren?
Ich sehe politisch-kritisch, was mit der E-Mobilität auf uns zukommt, stieg Dr. Michael Millitzer, Vorstandsvorsitzender vom Zulieferernetzwerk automotive thüringen, in die Podiumsdiskussion zum Thema elektromobile Zukunft ein. 25 von insgesamt 85 Millionen weltweit gebauten Fahrzeugen sollen bis zum Jahr 2025 elektrisch betrieben sein. Für den deutschen Markt eine Herausforderung, die Arbeitsplätze in Gefahr bringt und daher die Politik in der Verantwortung sieht.
Opel-Deutschland-Vertriebschef Jürgen Keller forderte von der Politik die Schaffung von Rahmenbedingungen für die geplante Elektromobilität. Nicht jeder habe ein Fahrzeug wie demnächst OPEL mit dem neuen Ampéra-e, der als Elektrofahrzeug mit seiner 500-Kilometer-Reichweite eine Vorreiterrolle einnehme. Ein Auto mit 35 Kilometern Reichweite – und das sei der bisherige Durchschnitt - lasse Deutschland im unteren Drittel der E-Auto-Hersteller rangieren.
370 Ladestationen seien in den nächsten 3 Jahren in Thüringen geplant, warf Thüringens Infrastrukturministerin Birgit Keller in die Debatte ein und führte die seit 2016 gesetzlich verbrieften Förderungen an. Dennoch müsse E-Mobilität umweltfreundlich produziert werden.
Die Frage von Moderator Michael Tallai, ob 370 Ladestationen allein reichten und welchen Einfluss ein Kfz-Betrieb nehmen könnte, beantwortete Holger Schade, Präsident des Kfz-Gewerbes Thüringen, mit Vorbehalten. Der Erfolg der Elektromobilität hänge von der Technologie und der Infrastruktur ab. Diese müsse man an die Erfordernisse anpassen. Qualifizierte Mitarbeiter in punkto Hochvolttechnologie und gezielte Kundenansprache seien die primären Möglichkeiten, die man als Autohaus habe.
Für Thomas Peckruhn, Präsident des Kfz-Gewerbes in Sachsen-Anhalt, steht der Kunde im Mittelpunkt. Wir müssen uns immer wieder fragen: Was will er haben? Zurzeit liegen SUV und Verbrennungsmotoren in seiner Gunst! 2016 war das erfolgreichste Autojahr seit der Abwrackprämie. 99 % der Kunden wählten Verbrenner. Ein Kunde muss beim Elektroauto Begehrlichkeiten erkennen und nicht Verzicht üben! Insofern sei die Klärung der Frage nach dem Stand der Infrastruktur vordergründig. Schnell-Ladestationen müssten unkompliziert geschaffen werden. Derzeit versperrten noch zu viele bürokratische Hürden den Weg. Die Tatsache, dass nur einer der rund 100 Zuhörer mit einem Elektrofahrzeug nach Erfurt gekommen war, unterstrich seine These.
Die Belebung des digitalen Händlerauftritts sieht Dr. Hermann Frohnhaus (Bank Deutsches Kfz-Gewerbe) als wichtigsten Schritt. Ein Kunde kommt nur noch 1,3-mal ins Autohaus: zum Vertragsabschluss und zum Abholen. Den Rest macht er am Bildschirm, abends, 20.15 Uhr, wenn der Krimi ihn nicht interessiert. Dann will er kalkulieren, konfigurieren, Finanzierungsmodelle vergleichen und Ankaufmöglichkeiten ausloten. Dem müsse der Händler gerecht werden.
Auf großes Interesse stieß die Debatte um die Zukunft der Dieselfahrzeuge. Mit eindeutigen Statements für den Diesel bekundeten die Podiumsteilnehmer ihr Pro.
Thomas Peckruhn: Die Diskussion um die blaue Plakette ist Verdummung des Verbrauchers. Wir brauchen den Diesel, um die CO2-Ziele bis 2020 zu erreichen. Beim SUV ist Diesel die erste Wahl. Ich warne davor, den Diesel zu verteufeln!
Dem schloss sich auch Holger Schade an: Bei Nutzfahrzeugen gibt es keine Benziner. Die Diskussion um den Diesel führt zum Kollateralschaden. Wir brauchen ihn, er ist wichtig für die Zukunft – allerdings muss er entsprechend nachbehandelt werden. Ich erkenne keinen Trend weg vom Diesel und sehe die Verursacher der Debatte in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie ein Ende hat.
Eine Statusveränderung in punkto Auto erkennt Anthony Bandmann von der Volkswagen-Bank: Ein Auto weckt nach wie vor Emotionen, aber als solches ist es kein Statussymbol mehr wie einst. Heute zählen seine ´inneren´Werte, die Konnektivität zum Beispiel. Jetzt hat der Nutzen Priorität vor dem Besitzen.
Als leidenschaftlicher Diesel-Fahrer outete sich abschließend auch Ministerpräsident Bodo Ramelow. Das Elektroauto könne nur dann erfolgreich sein, wenn sich die Speichertechnologie verbessere und man für 450 Kilometer von Ost nach West nicht drei Übernachtungen einplanen müsse. Wenn wir in der Speicherkapazität so weitermachen wie bisher, werden wir Elektromobilität nie erreichen. Deshalb richte er seinen Blick voller Spannung auf eine völlig neue, vielversprechende Technologie, die man derzeit in Jena entwickle.
Dem stationären Autohändler gibt Ramelow weiter eine Zukunft, denn der Kunde wolle nicht online kaufen, sondern meckern können, wenn er nicht zufrieden sei. Kundenbindung sei nach wie vor das A und O für den Autohändler, denn er liefere dem Kunden den Genuss.
Thüringens industriellem Wachstum sagte der Ministerpräsident eine gute Zukunft voraus – vor allem dank des starken Mittelstandes. Auf derzeit Platz 4 in Deutschland, den 1. Platz bezüglich niedriger Arbeitslosenquote in den neuen und Platz 7 in den alten Bundesländern könne man stolz sein. 2017 wollen wir es schaffen, unter dem Bundesdurchschnitt zu liegen, so Ramelow. Langfristiges Ziel sei es, freiwerdende Kapazitäten für den demografischen Wandel zu nutzen.
Zum Thema Fachkräftemangel bezeichnete er die Erwartungen von einst an qualifizierte Fachkräfte aus den Flüchtlingsreihen als nicht erfüllt. Dennoch lobte er die beispielgebende Vorreiterrolle von Helmut Peter, der mit seiner 15-köpfigen Ausbildungsklasse die höchste Quote noch vor den DAX-Konzernen aufweise.
Bei allem Optimismus gelte seine Sorge aber einem ganz anderen Feld, so Ramelow: Ich befürchte Angriffe von Google. Die UBER-App, die Taxis kannibalisiert, ist der Anfang, das von Dach zu Dach springende Elektroflugzeug, Web 4.0 und der Kunden als Datensammelkuh sind für mich die größten Gefahren der Zukunft! – Dennoch gebe ich dem Elektroauto eine gute Chance. Neben der Emotion müssen wir uns auf die digitale Welt einstellen und uns als Land dafür aufstellen. Die guten Zahlen sprechen dafür!
Abschließend prognostizierten die Podiumsredner dem Elektrofahrzeug für das Jahr 2027 eine Marktpräsenz von rund 20 Prozent, die Mehrheit von ihnen jedoch eher in der Hybridversion, eine stimmige Infrastruktur vorausgesetzt.






















