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Do, 14:00 Uhr
02.03.2017
Phänomen Cybermobbing

Mehr als ein bisschen Streit

Gestritten hat man sich unter Kindern und Jugendlichen schon immer, natürlich auch in der Schule. Der Siegeszug der digitalen Welt macht es heute aber möglich, das Rivalitäten, Gerüchte und Erniedrigungen nicht im Klassenzimmer verbleiben, sondern die Opfer bis in die eigenen vier Wände hinein verfolgen. An der Petersbergschule sprach man gestern über das Phänomen "Cybermobbing"...


Foto: Arieth/pixabay.com

Im Klassenzimmer geht es nicht immer fair und mitmenschlich zu, ein ehrlicher Blick in die eigenen Erfahrungen auf der Schulbank dürften bei den meisten reichen um diese Annahme zu bestätigen. Irgendwer hat nicht die richtigen Klamotten, hört die falsche Musik, hat die falschen Freunde, lispelt vielleicht, ist etwas wohlgenährter, nicht ganz so clever oder schlagfertig, kurzum: vermeintlich anders und damit ein probates Opfer für Sticheleien, Gemeinheiten, Gerüchte bis hin zu Bedrohungen. Rivalität, Eifersucht, Kränkungen - all das ist nichts wirklich neues, gehört sogar irgendwie zum Erwachsen werden dazu.

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Für die Ausprägung der eigenen Identität sind die Jugendjahre entscheidend, es wird nach Orientierung gesucht, der eigene Platz im großen Gefüge. Die grundsätzlichen Mechanismen haben sich auch heute nicht geändert, wohl aber die Vorzeichen, unter denen diese Wegfindung stattfindet. Die Nutzung moderner Medien spielt hier eine immer bedeutendere Rolle, meint Claudia Ehrhardt. Die Medienpädagogin von Radio Enno war gestern auf Einladung der Integrationsbeauftragen Katja Vopel an die Petersbergschule gekommen. Die vom europäischem Sozialfonds finanzierte Schulsozialarbeiterin soll unter anderem dafür Sorge tragen das möglichst wenige Schüler das Haus ohne Schulabschluss verlassen. Dazu gehört auch ein positives Schulumfeld. Zuletzt musste man an der Petersbergschule selber erste Erfahrungen mit digitalem Mobbing machen, Grund genug Frau Ehrhardt einzuladen und einmal mit Eltern über Mediennutzung und Cybermobbing bei Kindern und Jugendlichen zu sprechen.

Die Verbreitung von Smartphones und Messaging Diensten wie WhatsApp haben ganz neue Dynamik in die Jugendjahre gebracht. Ein Phänomen jüngeren Datums ist etwa das sogenannte "Sexting" - das verschicken von anzüglichen Nachrichten und Nacktfotos per Telefon. Zum Teil geschehe das gar nicht mal in bestehenden Beziehungen, erklärte Ehrhardt, sondern würde auch dazu genutzt, Beziehungen überhaupt erst zu initiieren.

Geraten die Bilder in die falschen Hände oder geht etwas zwischen den Beteiligten schief ist dem Missbrauch der verschickten Nachrichten Tür und Tor geöffnet. Das kann soweit gehen, das Fake-Progile angelegt werden und die Identität der Opfer im Internet angenommen wird.

Die sozialen Netzwerke würden unter Kindern und Jugendlichen vielfach als kontrollfreie Räume wahrgenommen werden, meint Ehrhardt. Die Gruppendynamik innerhalb der Netzwerke kann sich Abseits der Aufmerksamtkeit von Erwachsenen ganz anders entfalten. Zum einen endet der Spießrutenlauf für mögliche Opfer nicht mit dem Ende des Schultages. Facebook, Instagramm, Snapchat und Co. sind theoretisch immer präsent. Das digitalte Mobbing kann so bis in die privaten Lebensräume vordringen. Zum anderen finde die Konfrontation statt, ohne das die direkte Reaktion des Gegenübers erlebt werde, so Claudia Ehrhardt. Damit einher gehe ein Verlust an Empathie, dyssoziales Verhalten außerhalb des formellen Werterahmens werde erleichtert. Hinzu komme das sich Täter hinter Gruppen und Netzwerken verstecken könnten.

"Die Resonanz in der Gruppe ist entscheidend", erklärt die Medienpädagogin, "wer dazu beiträgt das andere Opfer sind, verringert die Gefahr selber Opfer zu werden. Man steht lieber auf der vermeintlich "starken" Seite." Je mehr Zuspruch die Schikanen erhalten, desto mehr fühlen sich Täter in ihrem Handeln bestärkt. Ein Spaß ist das alles nicht, Mobbing sei mehr als einfacher Streit, unterstreicht Ehrhardt, "Mobbing findet absichtlich, zielgerichtet und über längere Zeiträume statt. Das Schadenspotenital ist enorm und reicht von Leistungseinbrüchen in der Schule über Depressionen bis hin zu Suizid." Opfer sind dabei nicht nur Schüler, sondern immer wieder auch Lehrer.

Möglichkeiten zur Intervention gibt es verschiedene. Vorfälle sollten gründlich dokumentiert und Screenshots von Nachrichten gemacht werden, sagt Ehrhardt. Auch solle man das Gegenüber zum löschen von Nachrichten oder Bildern auffordern. Hilft das nicht, kann man sich auch an die Schulleitung, die Schulsozialarbeiter oder die Polizei wenden. Denn auch im Internet gilt das Strafgesetzbuch, Verleumdung, Beleidiung und Bedrohungen können geahndet werden. Auf Seiten der Schule könne man Schulpatenprogramme ins Leben rufen, die sich darum kümmern das auch im Klassen- und Schulverband bestimmte Regeln herrschen.

In den eigenen vier Wänden werden Medien- und Smartphonenutzung häufig schon eingeschränkt, wie von den anwesenden Eltern zu erfahren war, nach acht Uhr sind Telefon und Internet bei vielen passé. Zudem sollte man versuchen an den Interessen der Kinder dran zu bleiben, beim Einrichten von Accounts helfen und möglichst selbst mit gutem Beispiel vorangehen und das Bewusstsein für die persönlichen Daten schärfen. Schulen könne Hilfe bei Medienpädagogen wie Claudia Ehrhardt finden, die nicht nur mit Erwachsenen, sondern selbstverständlich auch mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.
Angelo Glashagel
Autor: red

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