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Di, 06:18 Uhr
01.08.2017
Waldwildnis Possen

Grüne und NABU wollen wichtiges Laichgewässer zerstören?

Dieser Vorwurf eines Leser steht im Raum und kn ist der Sache mal nachgegangen und kam ins Grübeln. Es geht um ein Laichgewässer für die Geburtshelferkröte und das liegt auf dem Possen und das ist nicht das einzige Problem...

Grüne und NABU wollen wichtiges Laichgewässer zerstören? (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Grüne und NABU wollen wichtiges Laichgewässer zerstören? (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Die Geburtshelferkröte, so ein Leser gegenüber ist ein sehr schützenswertes Tier. Und ein wichtiger Laichplatz soll im Prinzip von NABU Thüringen und Bündnis90 / Die Grünen in naher Zukunft zerstört werden.

Schutzstatus für die Geburtshelferkröte
Europaweit geschützt nach der FFH-Richtlinie (Anhang IV) und „streng geschützt“ nach Bundesnaturschutzgesetz. Streng geschützte Arten dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Außerdem ist es verboten, sie durch Aufsuchen ihrer Lebensstätten zu beunruhigen.

Auf der Seite von thüringen.de findet man diesen Link in der das unter anderem stand:
file:///C:/Users/User/Documents/Meine%20empfangenen%20Dateien/artensteckbrief_alytes_obstetricans_aktualis_270410.pdf

Am 04.02.2017 im Artikel kn Neue Tümpel für den Froschkönig http://www.kyffhaeuser-nachrichten.de/news/news_lang.php?ArtNr=206297schrieb Dr. Burkhard Vogel:
„Die Vorkommen von Laubfrosch und Geburtshelferkröte gehen in Thüringen schon seit Jahren dramatisch zurück. Deshalb ist schnelles Handeln erforderlich“, so Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Zu den größten Gefahren für den Laubfrosch gehören die Gewässerzerstörung, Intensivierung der Gewässernutzung und der Verlust von Landlebensräumen. Durch die Sanierung und Neuanlage von Gewässern wollen wir dem Laubfrosch deshalb neue Trittsteine und Rückzugsmöglichkeiten schaffen, wo er im Moment keine mehr findet.“

Upps, das ist interessant. Ein sehr wichtiges Laichgewässer liegt auf dem Possen, ausgerechnet im Kernbereich der geplanten Waldwildnis. Es ist der Rohrteich auf dem Possen!

Ins Grübeln kommt man aber wenn der Revierförster des Possen im Gespräch mit Landrätin Antje Hochwind (SPD) erklärt hatte.

Grüne und NABU wollen wichtiges Laichgewässer zerstören? (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Grüne und NABU wollen wichtiges Laichgewässer zerstören? (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Hier erläutert Ralf Hubert der Landrätin, zusammen mit Verwaltungsleiter Dr. Heinz-Ulrich Thiele, dass der Forst diesen Bereich seit Jahren hegt. Ohne die Herausnahme von Bäumen würde der Teich zu stark beschattet und die Temperaturen für das Laichen, besonders der Geburtshelferkröte, zu gering sein. Ohne zu Tun des Menschen würde dieser Teich bald verlanden und als Laichgewässer wegfallen.

Es gibt aber noch mehr Ungereimtheiten.

In dem Bereich am Schwuckensee, wenige Hundert Meter weiter vom Rohrteich entfernt, hat der "Kleine Igelkolben" (Sparganium minimum) sein Revier. Dieses 15 cm hohe Sumpfgras wurde Ende des 18. Jahrhunderts in der Hainleite das erste Mal beschrieben. Heute steht es auf der Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Es braucht zum Keimen nackten Sumpfboden.

Hier hatte Ralf Hubert im Gespräch mit kn erläutert, wenn es keine forstwirtschaftlichen Maßnahmen gibt, die diesen Zustand erhalten, wird auch diese Population verschwinden.

Hier der gesamte Artikel:
http://www.kyffhaeuser-nachrichten.de/news/news_lang.php?ArtNr=216142


In einer Waldschneise an der Kastanienallee (angelegt vom Forst) wächst unter anderem Orchis pallens Blasses Knabenkraut das mit der Gefährdungsstufe 2 in der Roten Liste gefährdeter Pflanzen in Thüringen:
https://www.thueringen.de/mam/th8/tlug/content/45_farn-_und_blutenpflanzen_westhus_nsr26_365_390.pdf
Problem: Wenn so eine Waldschneise zuwächst und das Licht fehlt, verschwindet auch diese Pflanze!

Nun ist der Leser der kn auf die Problematik aufmerksam machte und kn selbst kein Biologe. Aber trotzdem muss man langsam fragen, was verbergen NABU Thüringen und Bündnis90/Die Grünen noch, welche Pflanzen alle auf dem Possen verschwinden sollen, wenn das Projekt Waldwildnis durchgesetzt werden soll.

Wenn wegen der Waldwildnis streng geschützte Arten gefährdet werden, ist es aber überhaupt zu verantworten, dass dieses Projekt realisiert wird? Diese Frage muss man einfach stellen.

Sträuben sich NABU Thüringen und Bündnis90/Die Grünen gerade wegen dieser ungeklärter Probleme, deshalb ein unabhängiges Gutachten zu erstellen, was sind die Vorteile der einen oder anderen Variante aus Sicht der Natur und ist eine Waldwildnis im Zeichen der Klimaerwärmung überhaupt eine richtige Option, die auch in einem solchen Gutachten geklärt werden muss? Die Sprecherin von Landtagsmitglied Babett Pfefferlein (Sylvia Spehr) hatte das in einem Gespräch mit kn verneint, es reicht nur die Festlegung der EU mit den 5 Prozent!

So wie das jetzt sich darstellt, wollen NABU Thüringen und Bündnis90/Die Grünen die 5 Prozent Waldwildnis auf "biegen und brechen" durchsetzten, unabhängig ob es der Natur auf dem Possen hilft?

Gibt es noch mehr schützenswerte Pflanzen auf dem Possen, die sich auf Grund der Forstnutzung angesiedelt haben und mal schnell unter den Tisch gekehrt werden?

Hier gibt es nicht doch wohl noch Klärungsbedarf? Wie soll das Problem gelöst werden?
Autor: khh

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Kommentare
Burkhard Vogel
01.08.2017, 17:25 Uhr
Waldwildnis im Possen
Sehr geehrte kn-Redaktion, liebe Leserinnen und Leser,

da der BUND Thüringen in Ihrem Artikel direkt angesprochen ist, möchte ich gerne darauf antworten.
Der BUND Thüringen setzt sich satzungsgemäß für die Ziele des Natur- und Artenschutzes ein. Zu keinem Zeitpunkt besteht daher die Absicht des Verbandes, im Possen Laichgewässer oder andere Lebensräume von Tier- und Pflanzenarten zu zerstören. Im Gegenteil.
Der BUND Thüringen unterstützt das Ziel der Bundesregierung und der Thüringer Landesregierung, fünf Prozent der Wälder in Deutschland dauerhaft aus der forstlichen Nutzung zu entnehmen. Rotbuchenwälder gehören zu den ursprünglichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Deutschland trägt für ihren Schutz eine globale Verantwortung. Es ist national und international Konsens, dass der Schutz von Buchenwaldökosystemen nur gewährleistet werden kann, wenn es auch Wälder gibt, in denen keine forstliche Nutzung mehr durchgeführt wird. Daher soll sich auf fünf Prozent der Waldfläche in Deutschland Natur ohne Eingriff des Menschen entwickeln können.

Der Possen bietet u.a. wegen seiner großflächigen Unzerschnittenheit beste Voraussetzungen für ein Waldwildnisgebiet. Natürliche Waldentwicklung ist gekennzeichnet durch ein vielfältiges Mosaik unterschiedlicher Waldentwicklungsstadien. Nur die Ausbildung eines Mosaiks dynamisch wechselnder Waldstadien bietet vor allem sog. Urwaldarten die Nischen zum Überleben. Da im forstlich genutzten Wald Bäume bereits im vergleichsweise jugendlichen Alter geerntet werden, kann sich dieses Mosaik nicht ausprägen.

Deshalb belegen zahlreiche internationale Studien aus europäischen Laubwäldern, dass die Artenvielfalt in nicht genutzten Wäldern deutlich höher ist als in forstlich bewirtschafteten Wäldern.

Das schließt allerdings nicht aus, dass einige Arten von einer natürlichen Waldentwicklung stärker profitieren als andere Arten. Im Falle der angesprochenen Geburtshelferkröte ist allerdings zu berücksichtigen, dass der Standort Rohrteich eher untypisch für die Lebensraumansprüche dieser Art ist. Die Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) bevorzugt offene, kaum bewachsene waldfreie Lebensräume, welche außerhalb des Possenwaldes einfacher zur Verfügung gestellt werden können als innerhalb eines geschlossenen Waldgebietes. Trotzdem schließt auch ein Waldwildnisgebiet am Possen den Erhalt des Vorkommens der Geburtshelferkröte an diesem Standort nicht zwangsläufig aus.

Bei der Abgrenzung der Wildnisfläche kann der randlich gelegene Rohrteich berücksichtigt werden. Auch der Standort des Kleinen Igelkolbens (Sparganium minimum) ist nicht gefährdet, da er bereits außerhalb der vorgeschlagenen Urwaldkulisse liegt.

Das blasse Knabenkraut (Orchis pallens) ist ein typischer Bewohner von Kalkbuchenwäldern, zu denen der Possen gehört. Die Orchidee hat bereits in Buchenwäldern geblüht, als der Beruf des Förster überhaupt noch nicht erfunden war. Sie kann zwar durch Pflegemaßnahmen gefördert werden, ist aber auf forstliche Bewirtschaftung nicht angewiesen. Da sie selbst Teil des Ökosystems der Buchenwälder ist, profitiert sie auch von deren natürlicher Entwicklung.

Aus Sicht des BUND Thüringen stehen Forstwirtschat, Waldwildnis und Naturschutz nicht im Widerspruch, wenn der Wald auf 95% der Fläche naturnah forstlich genutzt wird und auf den restlichen fünf Prozent die Natur selbst entscheiden darf, wie sie sich entwickelt.

Dr. Burkhard Vogel
Landesgeschäftsführer BUND Thüringen
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