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Mo, 08:26 Uhr
28.08.2017
Studie der Bertelsmann Stiftung

Kita-Ausbau in Thüringen stagniert

Die Qualität der Kitas in Thüringen hat sich leicht verschlechtert. Dies zeigt sich an der Entwicklung des Personalschlüssels. Kamen zum 1. März 2012 noch 5,3 ganztags betreute Kinder auf eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft in Krippengruppen, waren es im März 2016 geringfügig mehr, und zwar rein rechnerisch 5,4 Kinder...



In Kindergartengruppen verschlechterte sich der Personalschlüssel in Thüringen von 11,4 auf 11,6 Kinder pro Fachkraft. Trotz dieser Entwicklung ist der Personalschlüssel in Thüringen für die jüngeren Kinder unter allen ostdeutschen Bundesländern die günstigste Betreuungsrelation. Im Kindergartenbereich ist es nach Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern der ungünstigste Wert. Das zeigt das Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung.

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Die Kita-Qualität in Thüringen hängt zudem vom Wohnort ab. Dies zeigt eine Auswertung der Personalschlüssel der 402 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland, die die Bertelsmann Stiftung erstmals durchgeführt hat. Zwischen den Kreisen in Thüringen befindet sich die Spannweite beim Personalschlüssel in Krippengruppen im Vergleich zu den anderen Flächenländern eher im Mittelfeld:

So liegt der Personalschlüssel in Eisenach bei 1 zu 4,5, in Suhl bei 1 zu 5,9. Vergleichbar ist die Situation in Baden-Württemberg, wo kreisabhängig eine Fachkraft 2,5 bzw. bis zu 3,9 Kinder betreut. Während es in Sachsen und dem Saarland unter allen Flächenländern im Krippenbereich die geringste Spannweite zwischen den Kreisen gibt, bestehen hingegen in Bayern die bundesweit stärksten Abweichungen vom landesweiten Mittel pro Fachkraft.

In Kindergartengruppen unterscheiden sich die Personalschlüssel in Thüringen zwischen den Kreisen stärker als im Krippenbereich. Während im Landkreis Hildburghausen 10,3 Kinder von einer Fachkraft betreut werden, sind es im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt teilweise bis zu 13,3 Kinder. Mit diesem Gefälle auf Kreisebene sind die Spannweiten in Thüringen im Kindergartenbereich im Vergleich zu den anderen Flächenländern relativ groß.

In Sachsen hingegen ist die Betreuungsrelation bei einem mittleren Personalschlüssel von 1 zu 13,4 landesweit einheitlicher: dort sind es mindestens 12,9 und maximal 14,0 Kinder, die von einer Fachkraft betreut werden - wenngleich wie in Thüringen ebenfalls nicht auf einem kindgerechten Niveau. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, sieht die große Spannweite innerhalb der Bundesländer kritisch: „Die Bildungschancen von Kindern hängen heute erheblich von ihrem Wohnort ab. Wir brauchen verlässliche Kita-Qualität in ganz Deutschland.“

Wenngleich sich die Kita-Qualität bundesweit tendenziell verbessert, sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern nach wie vor gravierend. Bundesweiter Spitzenreiter beim Personalschlüssel sowohl im Krippen- (1 zu 3,0) als auch im Kindergartenbereich (1 zu 7,2) ist Baden-Württemberg. Schlusslicht bei den jüngeren Kindern ist Sachsen (1 zu 6,5) und bei den Älteren Mecklenburg-Vorpommern (1 zu 13,7). In westdeutschen Krippengruppen kümmert sich eine Fachkraft um deutlich weniger Kinder (1 zu 3,6) als in Ostdeutschland (1 zu 6,0). Allerdings befinden sich in Ostdeutschland 52 Prozent der unter Dreijährigen in Betreuung, während es in Westdeutschland lediglich 28 Prozent sind. In Thüringen sind es 52 Prozent. Bundesweit sind fast alle Kinder ab dem dritten Lebensjahr in Kindertagesbetreuung.

8.600 zusätzliche Fachkräfte

Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt einen qualitätssichernden Personalschlüssel von 1 zu 3,0 in Krippengruppen und 1 zu 7,5 in Kindergartengruppen. Thüringen hat ähnlich wie die meisten anderen Bundesländer noch keinen pädagogisch angemessenen Wert erreicht. Für beide Altersgruppen entspricht keiner der 23 Kreise in Thüringen der Empfehlung. Es ist zu klären, ob diese Unterschiede Ergebnis einer gezielten Steuerung durch Landesregelungen zur Personalausstattung sind oder sich hier unbeabsichtigte Steuerungseffekte zeigen. „Bund und Länder müssen einheitliche Qualitätsstandards umsetzen“, fordert Dräger.

Für einen kindgerechten Personalschlüssel müssen in Thüringen nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung zusätzlich 8.600 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte rekrutiert und weitere 407 Millionen Euro jährlich bereitgestellt werden. Zusätzliche Nachfrage nach Fachkräften entsteht zudem aufgrund des steigenden Bedarfes an Betreuungsplätzen für unter dreijährige Kinder. Ohne attraktivere Rahmenbedingungen für das Kita-Personal wird es schwer, dem steigenden Fachkräftebedarf nachzukommen.

In den vergangenen Jahren ist in Thüringen zwar bereits personell aufgestockt worden, allerdings deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt: Von 2006 bis 2016 ist die Anzahl der Kita-Fachkräfte um 4.200 Beschäftigte bzw. um 41 Prozent gestiegen. Dies ist nach Sachsen-Anhalt unter allen Bundesländern der geringste prozentuale Zuwachs (bundesweit: 62 Prozent). Der weitere Ausbau in Qualität und Quantität erfordert einen Kraftakt von Bund, Ländern, Kommunen und auch Eltern. Deshalb rät Dräger davon ab, kurzfristig auf die Elternbeiträge zu verzichten: „Erst wenn die Qualität stimmt und genügend Betreuungsplätze zur Verfügung stehen, können wir die Beitragsfreiheit angehen!“ Die Beteiligung der Eltern darf dennoch keine Zugangsbarriere für Kinder werden. Deshalb sollten Kita-Beiträge einkommensabhängig gestaffelt und Familien mit besonders niedrigen Einkommen komplett entlastet werden. Bisher gibt es in Thüringen keine generelle Befreiung von Elternbeiträgen für die Kindertagesbetreuung.

Notwendig ist nicht nur eine ausreichende Anzahl an Fachkräften, sondern auch „gut“ qualifiziertes Personal. Thüringen erreicht hier ein hohes Niveau: 88 Prozent der gut 14.500 pädagogisch Tätigen in Kitas (ohne Horte) verfügen über einen fachlich einschlägigen Fachschulabschluss, etwa zur Erzieherin. Dies ist nach Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg unter allen Bundesländern der höchste Anteil. In Westdeutschland liegt der entsprechende Wert bei nur 67 Prozent. Weitere 7 Prozent der Fachkräfte in Mecklenburg-Vorpommern besitzen einen fachlich einschlägigen Hochschulabschluss. Nur Hessen und Sachsen (jeweils 9 Prozent) sowie Bremen und Hamburg (jeweils 8 Prozent) kommen auf noch höhere Anteile.
Autor: red

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