eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Fr, 11:08 Uhr
29.09.2017
Arbeitsmarktdaten mal genauer betrachtet

Die tatsächliche Quote: 8,9 Prozent statt 6,1 Prozent

„Wir haben im Kyffhäuserkreis 600 Arbeitslose weniger als letztes Jahr“, so Karsten Froböse, Chef der Nordhäuser Arbeitsagentur anlässlich eines Pressegespräches bei der Firma GSAB GmbH in Greußen. Wir haben aber auch den Blick auf eine andere Quote geworfen...

Komponenten der Unterbeschäftigung (Foto: Arbeitsagentur) Komponenten der Unterbeschäftigung (Foto: Arbeitsagentur)
„Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 7,6 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit 1990.“ Was für den Kyffhäuserkreis gilt, gelte auch insgesamt für den Norden Thüringens. 8.269 Personen waren hier im letzten Monat bei der Arbeitsagentur und den Jobcentern gemeldet, so wenig wie noch nie.

Anzeige symplr (1)
Die Arbeitslosenquote konnte auf 6,1 Prozent gesenkt werden. Vor einem Jahr betrug sie noch 6,7 Prozent. Im September profitiere der Arbeitsmarkt vor allem von den verstärkten Einstellungen nach der Sommerpause. Wegen der Ferien verschieben viele Unternehmen die Aufstockung ihrer Belegschaft auf den Herbst. Junge Leute haben mitunter nach der Lehre erst im September wieder Arbeit aufgenommen.

Neben dem Kyffhäuserkreis konnte auch der Landkreis Eichsfeld die Zahl der Arbeitslosen auf bislang niedrigstes Niveau senken. 2.130 Männer und Frauen sind hier auf Jobsuche, 12 Prozent weniger als im September 2016. Die Arbeitslosenquote hat die Vierprozentmarke durchbrochen und liegt erstmals seit der Wende bei 3,9 Prozent.

Im Landkreis Nordhausen waren Ende des Monats 3.171 Männer und Frauen ohne Beschäftigung. Die Quote liegt aktuell bei 7,4 Prozent und damit etwas unter dem Vorjahreswert.

Deutlich weniger Jugendliche ohne Job

Die gute Beschäftigungslage habe sich im September auch stark bei den Jugendlichen ausgewirkt, erklärt Karsten Froböse. Durch Vermittlungen in den ersten Arbeitsmarkt konnte die Zahl der Arbeitslosen im Alter bis 25 Jahre deutlich gesenkt werden.

Zudem sei die Zahl der Entlassungen Jugendlicher seit Jahresbeginn um über acht Prozent zurückgegangen.
Nach Ansicht des Agenturchefs müsse man jetzt darauf achten, dass Ausbildungsverhältnisse wenige Wochen nach dem Start nicht leichtfertig abgebrochen werden. Mit vorschnellen Entschlüssen sei niemandem geholfen. „Wir haben individuelle Unterstützungsmöglichkeiten“, meint der Agenturchef. Für das Lernthema könne man mit ausbildungsbegleitenden Hilfen Jugendliche weiter bringen. Eine zweite Möglichkeit sei die Unterstützung in Form Assistierter Ausbildung. Hier begleite man sowohl Azubis als auch Arbeitgeber über einen längeren Zeitraum hinweg. Wer nähere Informationen benötigt, sollte sich an seinen Berufsberater bei der Agentur für Arbeit wenden.

638 Jugendliche sind aktuell noch in der Nordhäuser Arbeitsagentur und den drei Jobcentern arbeitslos gemeldet, rund 40 weniger als vor einem Jahr. Vor zehn Jahren habe man noch von rund 2 700 arbeitslosen Jugendlichen berichten müssen. Im Jahresdurchschnitt lag die Arbeitslosenquote der Jugendlichen bei 6,5 Prozent, während sie im Jahr zuvor noch 7,2 Prozent betrug.

Weniger ältere Arbeitslose im September

Nicht nur bei den Jüngeren gab es im vergangenen Monat erfreuliche Nachrichten vom Arbeitsmarkt. Auch die Zahl der Älteren ohne Job sinkt weiter. Viele Firmenchefs stehen einer Beschäftigung Älterer aufgeschlossen gegenüber. Rund 20.000 über 55-Jährige waren Ende 2016 in Nordthüringen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren über sieben Prozent mehr als im Jahr zuvor. „Für viele Firmenchefs zählt bei Mitarbeitern jenseits des 55. Lebensjahres die nicht zu ersetzende Berufserfahrung“, so Karsten Froböse.

Rund 2.300 Männer und Frauen dieser Altersgruppe seien derzeit im Agenturbezirk noch ohne Beschäftigung, über sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Viele von den Lebenserfahreneren hätten gute Fachkenntnisse und bis zum Ruhestand würden noch rund 10 Jahre bevor stehen. Das Thema berufliche Veränderung und Qualifizierung könne dennoch auch hier eine Rolle spielen. „Weiterbildung erfolgt ein Leben lang. Technischer Fortschritt und Veränderung begleiten unser Berufsleben“, so der Arbeitsmarktexperte.

Gute Chancen in der Elektrobranche

Fast sechzehn Prozent aller Beschäftigten sind im Agenturbezirk in Metall- und Elektroberufen tätig. Damit liegt der Norden im Thüringenvergleich nach Suhl an zweiter Stelle. „Wir haben es mit einer Leitbranche zu tun, die große Chancen auf qualifizierte, langfristige Beschäftigung verspricht“, sagt Karsten Froböse. Erneuerbare Energien verändern Berufe und Tätigkeitsanforderungen auf lange Sicht, bieten hingegen aber auch Entwicklungsmöglichkeiten für Jüngere und Ältere.

Der Blick in die Landkreise

Landkreis Nordhausen
Die Arbeitslosigkeit hat sich von August auf September um 83 auf 3.171 Personen verringert. Das waren 102 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug im September 7,4%; vor einem Jahr belief sie sich auf 7,5%. Dabei meldeten sich 705 Personen (neu oder erneut) arbeitslos, 59 weniger als vor einem Jahr und gleichzeitig beendeten 783 Personen ihre Arbeitslosigkeit (–102). Seit Jahresbeginn gab es insgesamt 7.094 Arbeitslosmeldungen, das ist ein Minus von 377 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum; dem gegenüber stehen 7.166 Abmeldungen von Arbeitslosen (–763). Der Bestand an Arbeitsstellen ist im September geringfügig gestiegen, und zwar um 1 auf 298; im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 10 Arbeitsstellen weniger. Arbeitgeber meldeten im September 116 neue Arbeitsstellen, 8 mehr als vor einem Jahr. Seit Januar gingen 1.174 Arbeitsstellen ein, gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das eine Abnahme von 17.

Landkreis Eichsfeld
Die Arbeitslosigkeit hat sich von August auf September um 46 auf 2.130 Personen verringert. Das waren 297 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug im September 3,9%; vor einem Jahr belief sie sich auf 4,4%. Dabei meldeten sich 598 Personen (neu oder erneut) arbeitslos, 18 mehr als vor einem Jahr und gleichzeitig beendeten 643 Personen ihre Arbeitslosigkeit (–55). Seit Jahresbeginn gab es insgesamt 5.858 Arbeitslosmeldungen, das ist ein Minus von 468 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum; dem gegenüber stehen 6.316 Abmeldungen von Arbeitslosen (–407). Der Bestand an Arbeitsstellen ist im September um 45 Stellen auf 867 gestiegen; im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 150 Arbeitsstellen mehr. Arbeitgeber meldeten im September 234 neue Arbeitsstellen, 117 weniger als vor einem Jahr. Seit Januar gingen 2.017 Arbeitsstellen ein, gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das ein Zuwachs von 52.

Kyffhäuserkreis
Die Arbeitslosigkeit hat sich von August auf September um 170 auf 2.968 Personen verringert. Das waren 595 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug im September 7,6%; vor einem Jahr belief sie sich auf 9,0%. Dabei meldeten sich 573 Personen (neu oder erneut) arbeitslos, 263 weniger als vor einem Jahr und gleichzeitig beendeten 739 Personen ihre Arbeitslosigkeit (–98). Seit Jahresbeginn gab es insgesamt 6.351 Arbeitslosmeldungen, das ist ein Minus von 818 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum; dem gegenüber stehen 7.089 Abmeldungen von Arbeitslosen (–719). Der Bestand an Arbeitsstellen ist im September um 24 Stellen auf 409 gestiegen; im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 57 Arbeitsstellen mehr. Arbeitgeber meldeten im September 138 neue Arbeitsstellen, 34 mehr als vor einem Jahr. Seit Januar gingen 1.217 Arbeitsstellen ein, gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das ein Zuwachs von 87.

Die Unterbeschäftigung

Forscht mit im Zahlenmaterial der Arbeitsagentur etwas genauer nach, dann stößt man auf die sogenannte Unterschäftigung, die so definiert ist: "In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik oder in einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus sind.

Diese Personen werden zur Unterbeschäftigung gerechnet, weil sie für Menschen stehen, denen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehlt. Es wird unterstellt, dass ohne den Einsatz dieser Maßnahmen bzw. ohne die Zuweisung zu einem Sonderstatus die Arbeitslosigkeit entsprechend höher ausfallen würde. Mit dem Konzept der Unterbeschäftigung werden Defizite an regulärer Beschäftigung umfassender erfasst und realwirtschaftliche bedingte Einflüsse auf den Arbeitsmarkt besser erkannt. Zudem können die direkten Auswirkungen der Arbeitsmarktpolitik auf die Arbeitslosenzahlen nachvollzogen werden."

Grafik (Foto: Arbeitsagentur) Grafik (Foto: Arbeitsagentur)
Und so kommen zu den 8.269 Arbeitslosen, die in den drei Landkreisen registriert sind, noch einmal 4.095 Frauen und Männer hinzu, die keinen Job haben. Die Quote der Arbeitslose liegt also nicht bei "schicken" 6,1 Prozent, sondern bei 8,9 Prozent.
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare
conzi1985
29.09.2017, 13:18 Uhr
Die Jugend könnte... aber auf Couch ist es ja bequemer mit Geld vom Amt!!!!!!!
Viele Jugendliche haben weder einen Schulabschluss noch eine Berufsausbildung. Lust zum Arbeiten von Montag bis Freitag haben nur die wenigsten und von Schichten oder gar Wochenendarbeit wollen wir gar nicht reden.
Die haben sehr schnell gelernt die Hände aufzuhalten und nix dafür zu tun. Sanktionen werden vom Amt leider viel zu selten durchgezogen, aus Angst um Leib und Leben oder weil es einfach nicht das eigene Geld ist?!

Mit einem Großteil dieser Jugend wird Deutschland an dem Sozialstaatprinzip kaputt gehen...

Das Renteneintrittsalter steigt und die lernen immer mehr Anträge zu stellen und Gelder zu beantragen.

Einfach nur traurig...
BGE- Pirat
29.09.2017, 14:51 Uhr
Was ist mit den Menschen die kein Geld vom Amt bekommen ?
zb.ein freund von mir der 40 jahre hart gearbeitet hat und durch eine herzerkrankung arbeitslos geworden ist
und nur kein geld bekommt weil seine frau zuviel arbeitet
als was zählt er ?
mfg heiko windisch
Franziskus
29.09.2017, 18:56 Uhr
Steht geschrieben im SGB (Harz4)
wenn ein Verdiener vorhanden ist, gibts nix.
ScampiTom
30.09.2017, 09:47 Uhr
Private Vorsorge
Hat ihr Freund nicht privat vorgesorgt? Wird doch schon ewig propagiert. Am Ende ist der, der Was gespart hat oder eben sich privat abgesichert hat der Dumme. Fällt aus dem Raster für staatliche Hilfe und die, die das Geld auf den Kopf gehauen haben halten die Hand auf... wir ham ja nüscht.
Andreas Dittmar
30.09.2017, 10:34 Uhr
Informationen einholen
@BGE-Pirat, Wenn er auf Grund der Herzerkrankung nicht mehr arbeiten kann, liegt eine Schwerbehinderung vor. Dann besteht auch Anspruch auf die Invalidenrente. Diese kann bis zu 90% des früheren Verdienst betragen. Den Grad der Behinderung sollte man auf jeden Fall feststellen lassen. Das geschieht nicht automatisch. Laut meiner Info muß man nur bei der Grundsicherung alles offen legen. Natürlich würde ihr BGE dort eine wichtige Lücke füllen, aber ihr Freund hat ja selber durch Einzahlung in die Sozialsysteme vorgesorgt. Vielleicht sollte er sich da mal von unabhängiger Seite beraten lassen. Auch in manchen privaten Versicherungspolicen verstecken sich Hinweise auf Komponenten, die bei Berufsunfähigkeit wirksam werden. Wer jahrelang arbeitet und einzahlt sollte auch von der Gesellschaft mitgenommen werden wenn er es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kann.
BGE- Pirat
30.09.2017, 14:42 Uhr
danke herr Dittmar
leider reichen die % nicht für die rente
und einstellen tut ihn keiner mit herzschwäche
und hartz 4 bekommt er nicht weil seine frau auch am wochenende arbeitet und 20 euro zuviel verdient
ist er nun arbeitslos oder hausmann ?
mfg heiko windisch
Franziskus
30.09.2017, 18:45 Uhr
beraten lassen durch den
VdK, zb.
Und , oder gegen den Arbeitgeber vorgehen, hier sind Fristen einzuhalten.
Er kann aus dem Bauch heraus nicht ohne weiteres kündigen - den Kündigungsvorgang prüfen lassen.
Möglich ist, daßdiese Frist schon überschritten ist?
Rechtsanwalt geht auch , aber da muß er vorher zum Amtsgericht sich einen Beratungshilfeschein ausstellen lassen
(Bescheide und Ausweiß mitnehmen).
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)