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Do, 12:30 Uhr
14.12.2017
Fachkräftegewinnung mit dem Europaservice

Neue Arbeitskräfte nach Maß

Von der Baustelle über das Handwerk bis zum Transportwesen in vielen Branchen geht die Sorge um den Nachwuchs um. Der heimische Markt ist leergefegt, Kräfte aus dem Ausland zu holen gerade für kleinere Unternehmen kein leichtes Unterfangen. Hilfe findet man in Nordthüringen beim Europaservice. Als Schnittstelle zwischen Arbeitskraft und Unternehmer darf der seine Kontakte inzwischen auch außerhalb der EU für die Region nutzen...

Mit dem Europaservice auf ins Ausland (Foto: Europaservice Nordthüringen)
Sie sind viel unterwegs, die drei Damen des Europaservice. Von Spanien bis zum Baltikum hat man in den letzten zehn Jahren Kontakte mit Universitäten, Berufsschulen und anderen Bildungseinrichtungen geknüpft um passgerechte Arbeitskräfte aus der Europäischen Union für das Land zwischen Südharz und Kyffhäuser zu finden. Rund 150 Partner zählt man insgesamt.

"Wir sind keine Headhunter, das muss man wissen", sagt Claudia Reich, Leiterin des Europaservice, "wir werden nicht nach einer Woche 30 Bewerbungen auf den Tisch legen. Dafür ist unser Service für die Unternehmen der Region komplett kostenlos weil wir über den europäischen Sozialfonds ESF finanziert werden."

Auch gehe es nicht darum billige Saisonarbeiter zu holen, sondern Fachleute. Und die wüssten zunehmend um ihren eigenen Wert, sagt Reich. Seit zwei Jahren suche man im europäischen Ausland nach Arbeitskräften, Auszubildenden und Praktikanten, seit dem vergangenen Sommer darf man den Blick auch auf Drittstaaten werfen. "Unsere Grenzen sind weiter gesteckt als bei anderen Institutionen. Manche können nur dann aktiv werden, wenn die Leute noch im Ausland sind oder dürfen sich nur mit Drittstaatlern oder Flüchtlingen befassen. Da gibt es viel, was das europäische Ausland angeht viel weniger", erklärt Reich.

Der Europaservice lasse nicht nur persönlich geknüpfte Kontake spielen sondern helfe auch bei der Überwindung bürokratischer Hürden. Als Teil des Landratsamtes ist man in der Verwaltung gut vernetzt, kennt die Behördenwege und hilft auch schon mal bei der Wohnungssuche, bei Fragen zum Arbeitsalltag und bei der sozialen Integration.

"Deutsch zu sprechen ist nach wie vor eine wichtige Vorraussetzung", sagt Corina Kieber, es gebe zwar in der Region auch international tätige Firmen in denen Englisch und zum Teil Spanisch gesprochen werde, das sei aber die Ausnahme. Und auch fachlich muss es natürlich passen. So konnte man zuletzt Schüler einer spanischen IT-Fachschule für drei Monate nach Nordhausen holen, erzählte Kieber.

Damit es dann auch sozial passt hat man das Projekt "Freundeskreis" ins Leben gerufen über den man unter anderem den Deutsch-Englischen Stammtisch organisiert. In lockerer Atmospäre falle es nicht nur leichter die Sprache zu lernen, es könnten auch Probleme oder Sorgen ganz anders angesprochen werden.

Claudia Reich, Katharina Romanczuk und Corina Kieber helfen bei der Arbeitskraftakquise im Ausland (Foto: Angelo Glashagel)
Der Weg nach Deutschland ist keine Einbahnstraße, über das Erasmus-Austauschprogramm könne man auch Auszubildende, Berufsschullehrer und Ausbilder in Unternehmen auf von der EU finanzierte Fortbildungen ins Ausland schicken, erklärte Katharina Romanczuk, zuletzt habe man zwei Auszubildende für ein Praktikum nach Malta schicken können. Das Kontingent der Plätze sei allerdings begrenzt.

Das Angebot des Service werde gut angenommen, meinte Reich, es könnte aber immer mehr sein. "Wir geben auch gerne Stellenanzeigen von Unternehmen an unsere Partner weiter", so Claudia Reich, der Bedarf sei in jedem Fall da und der Europaservice immer bereit zu helfen.
Angelo Glashagel
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Kommentare

14.12.2017, 13.07 Uhr
Bärbel174 | Ist das ein System?
Irgendwie stellt sich mir die Frage, ob ein ausgeklügeltes System der Obrigkeit dahinter steckt, dass seit Jahren an der deutschen Bildungspolitik bedingungslos gespart wird, um so die Zuwanderung leichtfertig argumentieren zu können? Lassen sie die deutschen Schüler mit Absicht verdummen um "Fachkräfte" von aussen holen zu können?
14.12.2017, 13.36 Uhr
Psychoanalytiker | Da vertehe ich etwas nicht
Also, der heimische Markt ist leergefegt, wir brauchen Arbeitskräfte für Handwerk und Industrie. Andere suchen auch händeringend Fachkräfte im Gesundheitswesen und der Pflege. Das ist ja noch zu verstehen. Dann will man aber auch austauschen. Fachkräfte von hier ins Ausland. Aber welche Fachkräfte sollen das denn sein? Da steht doch, dass der heimische Arbeitsmarkt leergefegt ist.

Und hat irgend jemand mal nachgedacht was passiert, wenn Fachkräfte aus dem Ausland abgeworben werden? Die fehlen nämlich dann in ihren Heimatländern und hinterlassen dort ein Loch. Folge: Die Länder müssen in noch ärmeren Ländern Menschen abwerben, und das setzt sich immer weiter fort. Und am Ende machen sich die Übriggebliebeben in Richtung Europa auf, denn dort leben ja nun ihre ehemaligen Fachleute.

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14.12.2017, 13.58 Uhr
N. Baxter | lachhaft
Heute früh tauchte in einer großen thür. Zeitung ein Artikel mit gleichen Themenbezug auf: "...Hoffnung auf Rückkehrer" welches ein hiesiges Industrieunternehmen hat.
Dort genau wie hier, kann ich nur sagen, würde man vernüftige Bedienungen schaffen (nicht allein der nur der Brutto-Lohn) wären diese Leute auch nicht weggegangen. Angebot und Nachfrage!!! Warum soll ich für 20% weniger unter Verzicht auf anderen Annehmlichkeiten in NDH schaffen????
Stattdessen ist es doch geil, schön geizig Billiglöhner aus dem Ausland zu knechten!
15.12.2017, 00.01 Uhr
Andreas Dittmar | Versteht man irgendwie nicht wirklich....
Wir suchen händeringend Fachkräfte aus dem Ausland

Zitat: "Seit zwei Jahren suche man im europäischen Ausland nach Arbeitskräften, Auszubildenden und Praktikanten"

Dafür bekommen wir aus Brüssel Geld und machen das deshalb hier zum Nulltarif für die Unternehmen.

Zitat: " Dafür ist unser Service für die Unternehmen der Region komplett kostenlos weil wir über den europäischen Sozialfonds ESF finanziert werden."

andere können/dürfen das nicht

Zitat : " Manche können nur dann aktiv werden, wenn die Leute noch im Ausland sind oder dürfen sich nur mit Drittstaatlern oder Flüchtlingen befassen. "

Wir haben hier aus meiner Sicht eine ganze Menge Leute, um die man sich auch kümmern sollte. Es sind auch welche dabei, die dem Landkreis 50000 Euro pro Jahr und Person kosten. Schaut man über den Tellerrand hinaus, wird es erst richtig abenteuerlich. Die harten Fakten :

Zitat : "Zu den Beschlüssen. UMA (Anm. 58 UMA's) ........ und zum Jahresende rechnet das Landratsamt mit Kosten in Höhe von über drei Millionen Euro. "
Zitat aus "Die aktuelle Flüchtlingssituation im Landkreis" vom 14.08.2017 : "Durch die Ausländerbehörde des Landkreises Nordhausen wurden per 31. Juli auf Anfrage der nnz 458 Flüchtlinge betreut. "
Laut meiner Recherche wird der Siemens Standort in Erfurt dicht gemacht. das betrifft dort 1200 Stellen. In Leipzig und Görlitz sind 920 Arbeitsplätze ebenfalls Siemens betroffen. Coca-Cola will in Weimar das Werk schließen. Minus weitere 178 Stellen. <= betrifft nicht ausschließlich unseren Landkreis, wiederlegt aber die obige Kernaussage.

aber.... naja....man kann echt alles noch toppen.....

Zitat : "Der heimische Markt ist leergefegt, Kräfte aus dem Ausland zu holen gerade für kleinere Unternehmen kein leichtes Unterfangen. Hilfe findet man in Nordthüringen beim Europaservice."

Es gibt auch schon Ergebnisse, die man der Bevölkerung und auch dem ESF präsentieren kann.
150 Partner hat man, Zwei Praktika in Malta und Schüler einer IT-Hochschule aus Spanien waren für 3 Monate hier in Nordhausen zu Gast. Den Damen mache ich wirklich keinen Vorwurf aber irgendwie läuft doch hier was schief.
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