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Sa, 00:34 Uhr
10.03.2018
Kulturszene aktuell

Von der 21. Werkstattlesung in Ebeleben

Wer hätte das gedacht, als am 3. Oktober 2009 als Teil des Partnerschaftsfestes mit der Marktgemeinde Mitwitz eine Lesung mit dem Berliner Autoren David Ensikat in das Programm genommen wurde, dass diese eine solch stolze Fortsetzung finden würden? Hier der Bericht von der 21. Lesung...

Unmittelbar nach dieser ersten Lesung sagte Claudia Vogt, die Frau des Bürgermeisters, dass diese Lesung eine Fortsetzung finden müsse. Mit dem Werkstattleiter der Mühlhäuser Werkstätten, Dieter Lamczyk hatte man schnell einen verlässlichen Partner gefunden. Stolz zeigt er gern seine Vitrinen im Eingangsbereich, wo die signierten Bücher der Autoren, Schauspieler und Sportler aufbewahrt werden. Natürlich macht sich eine solche Lesung nicht von allein, schließlich gilt es geeignete Vortragende zu finden und auch das Sponsoring muss geregelt sein.

Mit Freude kann Bürgermeister Uwe Vogt sagen, dass die Honorare der Lesenden immer von Partnern übernommen worden sind.

Von der 21. Werkstattlesung in Ebeleben (Foto: privat)
Mit der 21. Lesung verabschiedete sich der Bürgermeister von den literarisch Interessierten, die regelmäßig zu den zwei bis drei Mal stattfindenden Lesungen kamen. Etwa 60 Personen wollten den Berliner Schauspieler Ernst Georg Schwill sehen, der durch seine Hauptrollen in den Antikriegsfilmen „Sie nannten ihn Amigo“, der auf dem Gelände des ehemaligen KZ Buchenwald gedreht worden war oder „Fünf Patronenhülsen“ bekannt wurde. Mit seinen Rollen im „Polizeiruf“ und im „Tatort“ ist er einem breitem Publikum bekannt. Aber auch in sehr vielen Nebenrollen vor und nach der Wende war er im Fernsehen zu sehen. Und mit dem bekannten Gesicht führte Claudia Vogt in den Abend ein: „Das Gesicht kenne ich, wie heißt der?“. So hat der ein oder andere sicher vor den Plakaten zur Lesung gestanden.

Ernst Georg Schwill, Jahrgang 1939, kam mit 14 Jahren zum Film, seine erste Rolle hatte er schon als Kind in „Alarm im Zirkus“. Aufgewachsen im Kinderheim wurde er später vom bekannten Regisseur Gerhard Klein gefördert, wurde zunächst Kameramann und Filmfotograf, bevor er ab 1957 an der Filmhochschule in Babelsberg studierte.

Insgesamt trat er zwölf mal als Oberleutnant Hempel im „Polizeiruf“ und 32 mal als Kommissar Lutz Weber im Berliner Tatort an der Seite von Dominic Raacke als Till Ritter und Boris Aljinovic als Felix Stark auf. Aber im Laufe seiner langen Karriere war er auch in anderen Serien zu sehen bzw. beschäftigte er sich mit Hörspielen. Wenn man das „Who is Who“ des deutschen Films anschaut, dann hat er mit allen Größen vor der Kamera gestanden, ob mit Erwin Geschonneck, Manfred Krug, Armin Müller- Stahl oder Götz George, um nur einige wenige zu nennen.

In 60 Jahren Film ist er oft zunächst auf den ostdeutschen später auf den gesamtdeutschen Bildschirmen zu sehen gewesen, viele der Filme werden auch heute noch oft wiederholt. Mit der Frage „Fluch oder Segen“, immer in der zweiten Reihe zu stehen, war der Ball dann zum Autoren gespielt worden. Ernst Georg Schwill sprach gern über seine „Tatort“- Zeit. Er hat sich dort immer als Diener zweier Herren gesehen, machte den Schauspielern Raacke und Aljinovic von Anfang klar, dass er nicht an ihren Rollen interessiert sei. Mit Raacke hatte er so manches Gespräch in den Pausen über die ehemalige DDR, der Offenbacher konnte dabei viel von Schwill erfahren.

Als während der Lesung ein Handy klingelte, zeigte Ernst Georg Schwill seinen Humor mit den Worten: „Gehen Sie ruhig dran, es könnte jemand um Hilfe rufen.“

Schwill fesselte die Zuschauer in seinen Bann, zunächst mit Episoden aus seiner Kindheit. Einige Geschichten aus der Kriegs- bzw. Nachkriegszeit las er dabei aus seinen Memoiren. In den letzten Kriegstagen hatte er seinen Vater verloren, der in den Kämpfen vor Berlin fiel, auch seine Mutter starb zeitig, so dass er mit 10 Jahren schon Waise war, erst zu Verwandten und später in das Kinderheim kam. Geschichten über einen Rausch als Kind, als er von einem russischen Armeekoch Rotwein zum Trinken bekam oder über den Neid von Mitschülern, weil er ein paar Ölbuntstifte hatte, las der Autor.

Und durch Zufall kam er dann zum Film und es wurde sein Beruf. Nach „Alarm im Zirkus“ folgte der Halbstarkenfilm „Berlin- Ecke Schönhauser“. Selbst in Kinderfilmen wie „Die Reise nach Sundevit“ oder „Die Suche nach dem wunderbunten Vögelchen“ trat er auf. Im Laufe seines Lebens sind es weit mehr als 100 Fernsehrollen, die Ernst Georg Schwill besetzte.

Mit Applaus wurde der Schauspieler nach der Lesung verabschiedet. In seinen Abschiedsworten brachte Bürgermeister Vogt die Hoffnung zum Ausdruck, dass dieses literarische Highlight doch vielleicht auch in Zukunft eine Fortsetzung finden möge. Zumindest saßen mit Steffen Lupprian und Steffen Gröbel zwei Bürgermeisterkandidaten im Publikumů

U. Vogt
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