So, 17:51 Uhr
06.05.2018
Neues aus Bad Frankenhausen
Vortrag von Dr. Trabert
Zum Tag der Städtebauförderung am 05.05.2018 in Bad Frankenhausengab es einen Votrag von Vortrag von Dr. Trabert, wie kn erfuhr...
Über das Bundesprogrogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" erhielt der Schiefe Turm Ende November 2014 eine Fördersumme von 703.000 Euro.
Das Gebäude der Kita "Sonnenschein" wurde im Rahmen des Städtebauförderprogramms modernisiert, instandgesetzt und ein Neubau nebenan ist noch nicht ganz fertig. Fördersumme ca. 1,6 Millionen Euro.
Treffpunkt für den Vortrag von Herrn Dr. Trabert um 10 Uhr war der Schiefe Turm. 27 Zuhörer kamen und Herr Dr. Trabert erklärte auf allgemein verständliche Art den Touristen, Kurgästen und den Einheimischen, wie unser Schiefer Turm gesichert wurde.
Grund für die Schiefstellung von 4,60 m aus dem Lot ist der Untergrund aus Gipskarst. Bis 2006 wurde etwa 7 Jahre lang durch Herrn Gödecke, Mitglied des 1992 gegründeten "Fördervereins Oberkirche", jeden Sonntag am Pendellot die aktuelle Schiefstellung abgelesen und an Herrn Dr. Trabert gemeldet. Seit 2006 wird elektronisch gemessen. Herr Trabert kann seit 2006 auf seinem Handy ablesen, was unser Turm so tut.
Herr Dr. Trabert ist nicht nur Mitglied im Förderverein, er war auch als Prüf-Ingenieur ehrenamtlich tätig. Als zum Beispiel im August 2012 ein Sturm über Bad Frankenhausen sauste, konnte er zu Hause in der Rhön sehen, wie weit sich der Turm bewegte. Er übernahm auch bis zum 31.12.2014 die Verantwortung, dass der Turm bis zu diesem Zeitpunkt stehen bleibt und nicht umkippt.
Während die vielen Fördermittelanträge vom damaligen Bauminister im Kabinett Lieberknecht, Herrn Carius, regelmäßig abgelehnt wurden, kam vom Bund die Zusage einer 90prozentigen Förderung zur baulichen Sicherung. In Berlin erkannte die Verantwortlichen die Bedeutung des Schiefen Kirchturms als Baudenkmal mit besonderer nationaler Wahrnehmbarkeit.
Auf Grund der guten finanziellen Situation der Stadt Bad Frankenhausen, blieben dann 60 %, also 703.000 Euro übrig. Die Differenz zu den etwa 1,1 Millionen Euro steuerte die Stadt bei.
Herr Dr. Trabert teilte die Baumaßnahmen in 13 Einzellose für mittelständische Unternehmen auf. Es wurden top Angebote abgegeben, so dass sogar noch Geld für die Sanierung der Fugen und zum Mauern übrig blieb. Wir erfuhren von Herrn Trabert was tränenfähiger Mörtel ist und dass in den letzten 2 Jahren der Überwachung sich der Turm nur noch 8 mm pro Jahr geneigt hat. Seine "Spitzengeschwindigkeit" lag immerhin bei 6 cm pro Jahr. Es wird auch die Bewegung der Außenfundamente gemessen und es gibt Gewindestangen zum Regulieren.
Geplant ist in den nächsten Jahren die Erneuerung des Schiefers, die Sanierung der Wände vom Kirchenschiff und die touristische Erschließung. Das heißt, der Turm kann zukünftig von den Besuchern bestiegen werden. Ob das Kirchenschiff einmal ein neues Dach erhält, ist noch unklar. Inzwischen ist der Oberkirchturm nicht nur Publikumsmagnet, er zieht auch technisch Interessierte an. Die Art der Stabilisierung ist einzigartig.
Nach dem Vortrag von Herrn Dr. Josef Trabert, ergriff die Vorsitzende vom Förderverein Oberkirche Bad Frankenhausen, Bärbel Köllen, die Gelegenheit und bedankte sich im Namen des Vereins mit zwei Gutscheinen, einzulösen im Hotel Residenz. Er engagierte sich nicht nur jahrelang ehrenamtlich für unseren Schiefen Turm. Ihm haben wir auch zu verdanken, dass bei den Stabilisierungsarbeiten die Mittel nicht nur ausreichten, es war noch Geld für Baumaßnahmen am Mauerwerk übrig.
Der Vortrag endete also mit wohl verdientem Beifall für Herrn Dr. Josef Trabert.
Nun folgten die Zuhörer Frau Köllen auf eine besondere Art von Stadtführung. Wir bewegten uns auf den Spuren der Fördermittel.
Es ging vom Oberkirchturm direkt zum Solewasservitalpark. In diesem Jahr feiert Bad Frankenhausen 200 Jahre Kurstadtstatus. Alles begann 1818, als Dr. Manniske 6 Badewannen in ein Siedehaus stellen lies. Das erste Solefreibad in Thüringen sollte 1936 eingeweiht werden. Jedoch brach drei Tage vor der Eröffnung des Becken von 25 x 50 m ein. Der Untergrund besteht nicht nur aus Gipskarst, an der Stelle des Freibades habe die Salzsieder auch die Asche von der Solegewinnung gelagert. Nach zwei Jahren war es dann so weit. Das Becken stand nun auf Pfählen und hielt mit ein paar Reparaturen bis 1998.
Auch hier kamen Fördermittel zum Einsatz und im Juni vergangenem Jahres konnte unser Solwasservitalpark mit Therapiebecken, Gradierhaus zum Inhalieren u.a. therapeutischen Einrichtungen eingeweiht werden. Einzigartig ist, dass hier kein Chlor zum Einsatz kommt. Die biologische Reinigung des Wassers erfolgt durch Mikroorganismen, Mangroven und auf mechanische Weise. Außerdem wird das Wasser mittels Photovoltaikanlage beheizt.
Von Frau Köllen erfuhren wir vom Weinanbau am Südhang, wo jetzt der Flieder blüht. Sie erklärte an den Fachwachwerkhäusern den Unterschied zwischen norddeutschem und süddeutschem Vorbild. Das Thema Wasser ist in unserer Stadt allgegenwärtig durch die von Göllingen nach Frankenhausen geleitete kleine Wipper und deren Aufteilung auf die ganze Stadt sowie die drei Quellen und ihren unterschiedlichen Salzgehalt.
Der Stadtrundgang führte uns weiter in die Klosterstraße mit ihren Bürgerhäusern, durch die Rittergasse zum Rathaus. Hier fliest inzwischen wieder oberirdisch ein Arm der kleinen Wipper, der früher die Marktmühle antrieb.
Weiter ging es zum Schloss. Auch das fiel einst einem Brand zum Opfer, so wie weitere 70 Häuser. Es folgte dann dieser Neubau, welcher von den Schwarzburger Landesherren als Verwaltungssitz genutzt worden war. Der vorgezogene Mittelrisalit war nicht unumstritten, beinhaltet aber den wichtigen Fahrstuhl für den barrierefreien Zugang.
Das neueste geförderte Projekt ist der Kindergarten Sonnenschein. Friedrich Fröbel gründete im Thüringer Wald den ersten Kindergarten. Dieser Begriff wird nun weltweit verwendet. Auf Betreiben von Friedrich Adolf Martini wurde die erste "Kinderbewahranstalt" für zunächst 30 Kinder in Betrieb genommen. Der Platz reichte bald nicht mehr als. Bis zu 100 Kindern wurden hier betreut. Frau Köllen erzählte uns von der Unterstützung dieser Verwahranstalt durch den Ehrenbürger Wilhelm Schall, die Gründung der Güntherstiftung und die Inbetriebnahme des damals sanierten Gebäudes 1910. Nun wurde wieder saniert und umgebaut. Im ursprünglichen Haus ist Platz für 70 Kinder und im Neubau nebenan für 30 kleine Kinder.
Weiter ging es über den Jungfernstieg zur Unterkirche. Der schlichte Barockbau, der 1703 eingeweiht wurde, entstand an der Stelle einer Klosterkirche. Besondere Bedeutung erlange die 1804, als hier das erste Deutsche Musikfest stattfand. Die Frankenhäuser Sommermusiken finden jeden Jahr von Mai bis Oktober statt.
Hier endete die Stadtführung der besonderen Art.
An dieser Stelle noch einmal ein Dankeschön an Herrn Dr. Josef Trabert und Frau Bärbel Köllen für die vielen Informationen, die gar nicht alle Erwähnung finden konnten.
Text und Fotos: Margit Uthleb
Autor: khhÜber das Bundesprogrogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" erhielt der Schiefe Turm Ende November 2014 eine Fördersumme von 703.000 Euro.
Das Gebäude der Kita "Sonnenschein" wurde im Rahmen des Städtebauförderprogramms modernisiert, instandgesetzt und ein Neubau nebenan ist noch nicht ganz fertig. Fördersumme ca. 1,6 Millionen Euro.
Treffpunkt für den Vortrag von Herrn Dr. Trabert um 10 Uhr war der Schiefe Turm. 27 Zuhörer kamen und Herr Dr. Trabert erklärte auf allgemein verständliche Art den Touristen, Kurgästen und den Einheimischen, wie unser Schiefer Turm gesichert wurde.
Grund für die Schiefstellung von 4,60 m aus dem Lot ist der Untergrund aus Gipskarst. Bis 2006 wurde etwa 7 Jahre lang durch Herrn Gödecke, Mitglied des 1992 gegründeten "Fördervereins Oberkirche", jeden Sonntag am Pendellot die aktuelle Schiefstellung abgelesen und an Herrn Dr. Trabert gemeldet. Seit 2006 wird elektronisch gemessen. Herr Trabert kann seit 2006 auf seinem Handy ablesen, was unser Turm so tut.
Herr Dr. Trabert ist nicht nur Mitglied im Förderverein, er war auch als Prüf-Ingenieur ehrenamtlich tätig. Als zum Beispiel im August 2012 ein Sturm über Bad Frankenhausen sauste, konnte er zu Hause in der Rhön sehen, wie weit sich der Turm bewegte. Er übernahm auch bis zum 31.12.2014 die Verantwortung, dass der Turm bis zu diesem Zeitpunkt stehen bleibt und nicht umkippt.
Während die vielen Fördermittelanträge vom damaligen Bauminister im Kabinett Lieberknecht, Herrn Carius, regelmäßig abgelehnt wurden, kam vom Bund die Zusage einer 90prozentigen Förderung zur baulichen Sicherung. In Berlin erkannte die Verantwortlichen die Bedeutung des Schiefen Kirchturms als Baudenkmal mit besonderer nationaler Wahrnehmbarkeit.
Auf Grund der guten finanziellen Situation der Stadt Bad Frankenhausen, blieben dann 60 %, also 703.000 Euro übrig. Die Differenz zu den etwa 1,1 Millionen Euro steuerte die Stadt bei.
Herr Dr. Trabert teilte die Baumaßnahmen in 13 Einzellose für mittelständische Unternehmen auf. Es wurden top Angebote abgegeben, so dass sogar noch Geld für die Sanierung der Fugen und zum Mauern übrig blieb. Wir erfuhren von Herrn Trabert was tränenfähiger Mörtel ist und dass in den letzten 2 Jahren der Überwachung sich der Turm nur noch 8 mm pro Jahr geneigt hat. Seine "Spitzengeschwindigkeit" lag immerhin bei 6 cm pro Jahr. Es wird auch die Bewegung der Außenfundamente gemessen und es gibt Gewindestangen zum Regulieren.
Geplant ist in den nächsten Jahren die Erneuerung des Schiefers, die Sanierung der Wände vom Kirchenschiff und die touristische Erschließung. Das heißt, der Turm kann zukünftig von den Besuchern bestiegen werden. Ob das Kirchenschiff einmal ein neues Dach erhält, ist noch unklar. Inzwischen ist der Oberkirchturm nicht nur Publikumsmagnet, er zieht auch technisch Interessierte an. Die Art der Stabilisierung ist einzigartig.
Nach dem Vortrag von Herrn Dr. Josef Trabert, ergriff die Vorsitzende vom Förderverein Oberkirche Bad Frankenhausen, Bärbel Köllen, die Gelegenheit und bedankte sich im Namen des Vereins mit zwei Gutscheinen, einzulösen im Hotel Residenz. Er engagierte sich nicht nur jahrelang ehrenamtlich für unseren Schiefen Turm. Ihm haben wir auch zu verdanken, dass bei den Stabilisierungsarbeiten die Mittel nicht nur ausreichten, es war noch Geld für Baumaßnahmen am Mauerwerk übrig.
Der Vortrag endete also mit wohl verdientem Beifall für Herrn Dr. Josef Trabert.
Nun folgten die Zuhörer Frau Köllen auf eine besondere Art von Stadtführung. Wir bewegten uns auf den Spuren der Fördermittel.
Es ging vom Oberkirchturm direkt zum Solewasservitalpark. In diesem Jahr feiert Bad Frankenhausen 200 Jahre Kurstadtstatus. Alles begann 1818, als Dr. Manniske 6 Badewannen in ein Siedehaus stellen lies. Das erste Solefreibad in Thüringen sollte 1936 eingeweiht werden. Jedoch brach drei Tage vor der Eröffnung des Becken von 25 x 50 m ein. Der Untergrund besteht nicht nur aus Gipskarst, an der Stelle des Freibades habe die Salzsieder auch die Asche von der Solegewinnung gelagert. Nach zwei Jahren war es dann so weit. Das Becken stand nun auf Pfählen und hielt mit ein paar Reparaturen bis 1998.
Auch hier kamen Fördermittel zum Einsatz und im Juni vergangenem Jahres konnte unser Solwasservitalpark mit Therapiebecken, Gradierhaus zum Inhalieren u.a. therapeutischen Einrichtungen eingeweiht werden. Einzigartig ist, dass hier kein Chlor zum Einsatz kommt. Die biologische Reinigung des Wassers erfolgt durch Mikroorganismen, Mangroven und auf mechanische Weise. Außerdem wird das Wasser mittels Photovoltaikanlage beheizt.
Von Frau Köllen erfuhren wir vom Weinanbau am Südhang, wo jetzt der Flieder blüht. Sie erklärte an den Fachwachwerkhäusern den Unterschied zwischen norddeutschem und süddeutschem Vorbild. Das Thema Wasser ist in unserer Stadt allgegenwärtig durch die von Göllingen nach Frankenhausen geleitete kleine Wipper und deren Aufteilung auf die ganze Stadt sowie die drei Quellen und ihren unterschiedlichen Salzgehalt.
Der Stadtrundgang führte uns weiter in die Klosterstraße mit ihren Bürgerhäusern, durch die Rittergasse zum Rathaus. Hier fliest inzwischen wieder oberirdisch ein Arm der kleinen Wipper, der früher die Marktmühle antrieb.
Weiter ging es zum Schloss. Auch das fiel einst einem Brand zum Opfer, so wie weitere 70 Häuser. Es folgte dann dieser Neubau, welcher von den Schwarzburger Landesherren als Verwaltungssitz genutzt worden war. Der vorgezogene Mittelrisalit war nicht unumstritten, beinhaltet aber den wichtigen Fahrstuhl für den barrierefreien Zugang.
Das neueste geförderte Projekt ist der Kindergarten Sonnenschein. Friedrich Fröbel gründete im Thüringer Wald den ersten Kindergarten. Dieser Begriff wird nun weltweit verwendet. Auf Betreiben von Friedrich Adolf Martini wurde die erste "Kinderbewahranstalt" für zunächst 30 Kinder in Betrieb genommen. Der Platz reichte bald nicht mehr als. Bis zu 100 Kindern wurden hier betreut. Frau Köllen erzählte uns von der Unterstützung dieser Verwahranstalt durch den Ehrenbürger Wilhelm Schall, die Gründung der Güntherstiftung und die Inbetriebnahme des damals sanierten Gebäudes 1910. Nun wurde wieder saniert und umgebaut. Im ursprünglichen Haus ist Platz für 70 Kinder und im Neubau nebenan für 30 kleine Kinder.
Weiter ging es über den Jungfernstieg zur Unterkirche. Der schlichte Barockbau, der 1703 eingeweiht wurde, entstand an der Stelle einer Klosterkirche. Besondere Bedeutung erlange die 1804, als hier das erste Deutsche Musikfest stattfand. Die Frankenhäuser Sommermusiken finden jeden Jahr von Mai bis Oktober statt.
Hier endete die Stadtführung der besonderen Art.
An dieser Stelle noch einmal ein Dankeschön an Herrn Dr. Josef Trabert und Frau Bärbel Köllen für die vielen Informationen, die gar nicht alle Erwähnung finden konnten.
Text und Fotos: Margit Uthleb


