Sa, 00:36 Uhr
30.06.2018
kn-Forum
Jubelkonfirmation in der Unterkirche Bad Frankenhausen
– gibt es Anlass zum Jubeln? Diese Frage geht Peter Zimmer (Kirchenältester) nach...
Wie oft ist in der Öffentlichkeit zu hören: Religion ist Privatsache. Bei all dem Schlimmen, das im Namen der Religion missbräuchlich geschehen ist, gibt es auch viele segensreiche Dinge, die den Religionen zu verdanken sind. Nur sind diese nicht sonderlich spektakulär. Da Religion immer in einer Gemeinschaft praktiziert wird. ist sie niemals reine Privatsache, sondern hat einen öffentlichen gesellschaftlichen Aspekt, ebenso wie jeder Sportverein, Schützenverein oder Faschingsverein nie reine Privatsache sind. (Leserbrief - Thüringer Allgemeine - 6. Mai 2018, Seite 20)
Am 9. Juni 2018 wird Ministerpräsident Bodo Ramelow u. a. gefragt: Es geht also um die Suche nach Heil? – Antwort Bodo Ramelow: Suchen wir denn nicht alle Heil? Ich bin bekennender Christ. Damit bin ich auf Heilsuche. Das ist doch strukturell das gleiche Heilsuchen, das die SED auch bedient hat, als sie paradiesische Zustände versprach, wenn der Sozialismus nur erst mal entwickelt sei und der Kommunismus dann irgendwann kommen würde. Ja, wo unterscheidet sich das von meinem Paradies? Sicher, mein Paradies tritt erst mit dem Tod ein, so meine christliche Lehre. Aber generell gilt: Gläubige Kommunisten und gläubige Christen sind so weit nicht auseinander. (Regionale Tageszeitung)..
Auch die Jubelkonfirmanden, die sich am 27. Juni 2018 in der Unterkirche Bad Frankenhausen einfanden, hatten Grund zum Jubeln, haben sie doch zu verschiedenen Zeiten anlässlich ihrer Konfirmation ja zum Glauben gesagt. Man kann als Außenstehender bzgl. der Konfirmations-Jahresdaten zu unterschiedlichen Meinungen kommen, doch wie man es sieht: zum Jubeln gehören sowohl die positiven als auch die negativen Seiten des Lebens und die Erfahrungen, wie man damit umgeht. Es ist auch ein guter Brauch, wenn die anwesenden Familienangehörigen oder auch Klassenkameraden (denn die Jubelkonfirmation wird gern auch zu Klassentreffen) genutzt), die nach der Konfirmation sich von der Kirche verabschiedet haben oder Jugendweiheteilnehmer waren, beim Einzug der Jubilare sich von den Plätzen erheben und somit mit diesem Rituals den verschiedenen Jahrgängen Ehre und Achtung erweisen.
Diese Form der Ehrerbietung finden wir ja auch im außerkirchlichen Bereich, nur wird es da als Selbstverständnis akzeptiert.
Unter Glockengeläut und Orgelmusik zogen von den vor 75 Jahren konfirmierten 2, von den vor 70 Jahren konfirmierten 2, von den vor 65 Jahren konfirmierten 9, von den vor 60 Jahren konfirmierten 8 und von den vor 50 Jahren konfirmierten 7 Jubilare in die Kirche ein.
Pfarrerin Magdalena Seifert gestaltete ihre Predigt ganz auf die Jubilare bezogen und spannte den Bogen ihrer Gedanken von 1943 bis 1968:
Liebe Festgemeinde heute am Tag des Gedenkens an die Konfirmation, vor drei Wochen hatten wir hier in unserer Unterkirche einen sehr schönen Gottesdienst – den Gottesdienst zur Tauferinnerung. Das war nicht zum ersten Mal – Tauferinnerung gab es schon öfter, und wir wollen das gern auch zur Tradition werden lassen immer am 1.Sonntag im Mai. So wie wir die Jubelkonfirmation immer zu Trinitatis feiern. Wir hatten zu diesem Gottesdienst am 6.Mai die Familien aus allen Kirchgemeinden unseres Pfarramtes eingeladen – also neben Bad Frankenhausen auch aus Esperstedt und Udersleben und Ichstedt und Borxleben, und es gab dazu eine besonders schöne Idee: wir hatten zum Gottesdienst die Taufschalen und die Taufkannen aus allen Kirchgemeinden dabei.
Die waren hier vorn im Altarraum auf Tischen aufgestellt, und sie wurden zusammen mit unserem Taufstein von den Kindern mit vielen Blumen geschmückt. Das sah sehr festlich aus, und im Lauf des Gottesdienstes konnte dann jeder zum Segen an seinen Taufstein kommen. Wir waren also versammelt aus ganz verschiedenen Orten, und waren doch ganz eng miteinander verbunden durch die Erinnerung an unsere Taufe und durch den Segen. Warum ich das erzähle? Weil es heute ganz ähnlich ist. Auch heute sind wir hier in unserer Unterkirche versammelt aus ganz verschiedenen Orten und doch ganz eng miteinander verbunden durch die Erinnerung an den Segen der Konfirmation, der Ihnen, liebe Jubelkonfirmanden, vor 50 und 60 und 65, ja sogar vor 70 und 75 Jahren zugesprochen worden ist.
Das ist eine große Spanne an Jahren Angefangen von den Jüngsten, den Goldenen Konfirmanden, die 1968 konfirmiert worden sind, reicht sie noch 25 Jahre weiter zurück bis ins Jahr 1943.
Vor 75 Jahren konfirmiert: Frau Otto und Frau Thiele
Bereits diese beiden Jahreszahlen lassen uns an sehr verschiedene Zeitenläufe denken. 1943 – da hatten die Not und das Elend des 2.Weltkrieges auch die Familien erreicht. Viele trauerten um Väter und Brüder, die im Krieg gefallen waren. 25 Jahre später ging es der Protestbewegung von 1968 darum, gerade diesen Teil der Geschichte unseres Volkes noch einmal zu betrachten – das Unrecht der Nazizeit beim Namen zu nennen und so frei zu werden für neue Wege. Die Jungen trugen lang Haare, was nicht immer gern gesehen war. Aber es gab diesen Geist des Aufbruchs aus alten Verstrickungen und falschen Wegen. 1968 – das war aber auch die Niederschlagung des Prager Frühlings und das war auch die Ermordung von Martin Luther King. So waren diese Jahre deutlich geprägt von den gesellschaftlichen Ereignissen damals. Die Jahre dazwischen – 1948 und 1953 und 1958 – waren es ebenso.
Und jeder und jede von Ihnen hat zu diesen Erinnerungen an die Stimmung in der Gesellschaft die ganz eigenen persönlichen Erinnerungen ans Jahr der Konfirmation.
Erinnerungen an die Freundinnen und Freunde, die damals mit dabei waren im Konfirmandenunterricht und die mit eingesegnet worden sind. Erinnerungen an das Konfirmationskleid und an den Anzug. An die Eltern und Großeltern und Geschwister und Paten. An die Familienfeier zuhause.
Nach dem Taufgottesdienst vom 6.Mai haben wir uns zuhause gleich daran gemacht, Fotoalben heraus zu suchen – unsere Tochter war grad zu Besuch – und wir hatten viel Freude daran, uns die Bilder von ihrer Taufe damals anzuschauen.
Vielleicht haben auch Sie in den vergangenen Wochen Fotos herausgesucht von Ihrer Konfirmation. Fotos helfen ja beim Erinnern. Und Sie haben beim Betrachten noch einmal deutlich gespürt, wie das war – an den Altar zu kommen und den Segen Gottes zu empfangen. Dieser Moment war die Mitte in Ihren Konfirmationsgottesdiensten – Einsegnung wird die Konfirmation deshalb auch genannt. Wobei das nicht ganz korrekt ist – denn den Segen Gottes, den empfangen wir nicht erst zur Konfirmation, schon bei der Heiligen Taufe sind wir mit dem Wasser des Lebens gesegnet worden.
Und jedem von uns ist von Gott gesagt worden: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir.
Das ist ja ein ganz erstaunlicher Gedanke, dass Gott mich gerufen hat. Denn das bedeutet, ER hat den Anfang gemacht. Also nicht ICH habe entschieden, konfirmiert zu werden, und auch meine Eltern haben nicht entschieden, dass ich getauft wurde, sondern es ging gar nicht anders – Gott hat entschieden, mich in die Gemeinschaft der Gottesfamilie zu rufen. Halt! wird da mancher einwenden – das sehe ich aber ganz anders. So einfach will ich mir das Heft des Handelns nicht aus der Hand nehmen lassen.
Und es ist tatsächlich für uns wissende und aufgeklärte Menschen eine Herausforderung, Gott so einfach den Vortritt zu lassen. Denn heißt es nicht eigentlich, dass WIR unser Leben gestalten? Und heißt es nicht auch – jeder ist seines Glückes Schmied? Doch spätestens bei diesen Worten vom Schmieden des Glücks, liebe Gemeinde, werden wir da nicht nachdenklich? Und spüren einen Vorbehalt gegen die Wahrheit dieser Rede? Denn das haben wir ja alle schon erlebt, wie wir mit unseren Kräften an Grenzen gestoßen sind. Wie uns eben nicht alles möglich war. Wie wir auf der Suche nach dem Glück auch falsche Richtungen eingeschlagen haben oder nicht weitergekommen sind. Wie wir uns verrannt haben. Nicht immer gefällt uns diese Einsicht und nicht immer gefällt uns das Eingeständnis unserer Grenzen.
Und doch gibt es in solchen Momenten nichts Größeres als die Besinnung darauf,
dass es ja gar nicht meine Kraft allein ist, die ich zur Verfügung habe für mein Leben,
und dass ich auch gar nicht immer alles allein schaffen muß, sondern dass es Gottes Kraft und Gottes Segen sind, die mein Leben tragen. Sie tragen es von Anfang an und sie tragen es durch die Zeiten hindurch.
Das Fest der Jubelkonfirmation ist ein guter Anlaß, mich an diesen Grund meines Lebens zu erinnern. Und ich selbst habe die Erfahrung gemacht: ich brauche im Lauf meines Lebens immer wieder diese Erinnerung an den Segen und an Gottes Wort: ich habe dich bei deinem Namen gerufen – du gehörst zu mir.
In der biblischen Lesung für den heutigen Sonntag stimmt der Apostel Paulus ein Loblied auf den Segen Gottes an. In immer neuen Worten erzählt er von dem großen Geschenk der Weisheit und Einsicht, mit dem uns Gott erfüllt. Und er findet ein schönes Bild für unsere Verbundenheit mit Gott. Er sagt: Ihr habt das Siegel des Heiligen Geistes empfangen. Das Siegel des Heiligen Geistes. Ein Siegel ist etwas Wertvolles. Ein Siegel ist ein deutliches Zeichen. Ein Siegel gilt, und es kann nicht verloren gehen. So, sagt Paulus – kann auch der Segen, den ihr empfangen habt, nicht verloren gehen. Ihr tragt den Segen der Heiligen Taufe und der Konfirmation wie ein Siegel an euch. Und ganz gleich, wie viele Jahre seitdem vergangen sind – der Segen Gottes für euch gilt.
Ganz sicher gilt auch, liebe Jubelkonfirmanden, dass es sehr unterschiedliche Wege sind, die Sie seit Ihrer Konfirmation geführt worden sind und auch selbst gegangen sind.
Für jede und für jeden von Ihnen sind da Zeiten dabei, da Ihnen die Wege leicht waren –
voller Hoffnung und Freude auf das Leben, voller Glück und Dankbarkeit für die Menschen, die Gott Ihnen an die Seite gegeben hat – die Ehepartner, die Kinder und Enkel und Urenkel. Dankbar auch für die Erfüllung in Ihren Berufen und für die Gemeinschaft mit Arbeitskollegen und Freunden.
Andere Wege gingen durch dunkle Täler – voller Sorge und Trauer, mit Krankheiten, mit Enttäuschungen und manchen Plänen, die sich nicht so erfüllt haben, wie es gedacht war. Wenn wir dann aber gerade auf diesen Wegen die Hilfe Gottes spüren, die uns hindurch trägt, dann wird der Segen Gottes lebendig. Und Sie dürfen Gott danken, dass er Sie bisher behütet hat und dass Sie dieses Fest nun miteinander feiern können.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie diesen Dank im Herzen tragen.
Denn Konfirmation und nun auch Konfirmationsjubiläum findet zwar in der Kirche statt. Aber eigentlich findet es im Herzen statt. Confirmare – das heißt sicher werden.
Sicher werden im Glauben und in der Hoffnung und in der Liebe. Sicher werden, dass ich das Siegel des Segens an mir trage. Sicher WERDEN – das heißt auch: es ist immer wieder ein Weg, den Gott da mit mir geht. Auf diesem Weg gibt es auch Zweifel und Fragen. Doch vor allem gibt es diese große Zusage, die von Anfang an gilt und mit der Gott auch heute jedem von uns sagt:
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir. - Amen.
Nach der Predigt wurde den einzelnen Altersgruppen am Altar noch einmal der Segen zugesprochen und eine Urkunde überreicht. Natürlich gehört zu einem christlichen Gottesdienst das Abendmahl dazu, welches in Bad Frankenhausen immer in großer Runde im Altarraum mit allen, die daran teilnehmen möchten, gefeiert wird. Auch zum Auszug am Ende des Gottesdienstes erhoben sich alle Gäste wieder von ihren Plätzen. Musikalisch begleitete Kantorin Laura Schildmann mit alten und neuen Kompositionen den Gottesdienst und gab damit auch Ruhepunkte zum Nachdenken. Nach den obligatorischen Gruppenfotos lud die Kirchengemeinde zu einem erweiterten Kirchenkaffee ein, wo sich die einzelnen Konfirmandenjahrgänge noch einmal über Lebenserfahrungen und aktuelle Probleme der Kirchgemeinde austauschen konnten.
Text & Foto:
Peter Zimmer
Bad Frankenhausen
(Kirchenältester)
Autor: khhWie oft ist in der Öffentlichkeit zu hören: Religion ist Privatsache. Bei all dem Schlimmen, das im Namen der Religion missbräuchlich geschehen ist, gibt es auch viele segensreiche Dinge, die den Religionen zu verdanken sind. Nur sind diese nicht sonderlich spektakulär. Da Religion immer in einer Gemeinschaft praktiziert wird. ist sie niemals reine Privatsache, sondern hat einen öffentlichen gesellschaftlichen Aspekt, ebenso wie jeder Sportverein, Schützenverein oder Faschingsverein nie reine Privatsache sind. (Leserbrief - Thüringer Allgemeine - 6. Mai 2018, Seite 20)
Am 9. Juni 2018 wird Ministerpräsident Bodo Ramelow u. a. gefragt: Es geht also um die Suche nach Heil? – Antwort Bodo Ramelow: Suchen wir denn nicht alle Heil? Ich bin bekennender Christ. Damit bin ich auf Heilsuche. Das ist doch strukturell das gleiche Heilsuchen, das die SED auch bedient hat, als sie paradiesische Zustände versprach, wenn der Sozialismus nur erst mal entwickelt sei und der Kommunismus dann irgendwann kommen würde. Ja, wo unterscheidet sich das von meinem Paradies? Sicher, mein Paradies tritt erst mit dem Tod ein, so meine christliche Lehre. Aber generell gilt: Gläubige Kommunisten und gläubige Christen sind so weit nicht auseinander. (Regionale Tageszeitung)..
Auch die Jubelkonfirmanden, die sich am 27. Juni 2018 in der Unterkirche Bad Frankenhausen einfanden, hatten Grund zum Jubeln, haben sie doch zu verschiedenen Zeiten anlässlich ihrer Konfirmation ja zum Glauben gesagt. Man kann als Außenstehender bzgl. der Konfirmations-Jahresdaten zu unterschiedlichen Meinungen kommen, doch wie man es sieht: zum Jubeln gehören sowohl die positiven als auch die negativen Seiten des Lebens und die Erfahrungen, wie man damit umgeht. Es ist auch ein guter Brauch, wenn die anwesenden Familienangehörigen oder auch Klassenkameraden (denn die Jubelkonfirmation wird gern auch zu Klassentreffen) genutzt), die nach der Konfirmation sich von der Kirche verabschiedet haben oder Jugendweiheteilnehmer waren, beim Einzug der Jubilare sich von den Plätzen erheben und somit mit diesem Rituals den verschiedenen Jahrgängen Ehre und Achtung erweisen.
Diese Form der Ehrerbietung finden wir ja auch im außerkirchlichen Bereich, nur wird es da als Selbstverständnis akzeptiert.
Unter Glockengeläut und Orgelmusik zogen von den vor 75 Jahren konfirmierten 2, von den vor 70 Jahren konfirmierten 2, von den vor 65 Jahren konfirmierten 9, von den vor 60 Jahren konfirmierten 8 und von den vor 50 Jahren konfirmierten 7 Jubilare in die Kirche ein.
Pfarrerin Magdalena Seifert gestaltete ihre Predigt ganz auf die Jubilare bezogen und spannte den Bogen ihrer Gedanken von 1943 bis 1968:
Liebe Festgemeinde heute am Tag des Gedenkens an die Konfirmation, vor drei Wochen hatten wir hier in unserer Unterkirche einen sehr schönen Gottesdienst – den Gottesdienst zur Tauferinnerung. Das war nicht zum ersten Mal – Tauferinnerung gab es schon öfter, und wir wollen das gern auch zur Tradition werden lassen immer am 1.Sonntag im Mai. So wie wir die Jubelkonfirmation immer zu Trinitatis feiern. Wir hatten zu diesem Gottesdienst am 6.Mai die Familien aus allen Kirchgemeinden unseres Pfarramtes eingeladen – also neben Bad Frankenhausen auch aus Esperstedt und Udersleben und Ichstedt und Borxleben, und es gab dazu eine besonders schöne Idee: wir hatten zum Gottesdienst die Taufschalen und die Taufkannen aus allen Kirchgemeinden dabei.
Die waren hier vorn im Altarraum auf Tischen aufgestellt, und sie wurden zusammen mit unserem Taufstein von den Kindern mit vielen Blumen geschmückt. Das sah sehr festlich aus, und im Lauf des Gottesdienstes konnte dann jeder zum Segen an seinen Taufstein kommen. Wir waren also versammelt aus ganz verschiedenen Orten, und waren doch ganz eng miteinander verbunden durch die Erinnerung an unsere Taufe und durch den Segen. Warum ich das erzähle? Weil es heute ganz ähnlich ist. Auch heute sind wir hier in unserer Unterkirche versammelt aus ganz verschiedenen Orten und doch ganz eng miteinander verbunden durch die Erinnerung an den Segen der Konfirmation, der Ihnen, liebe Jubelkonfirmanden, vor 50 und 60 und 65, ja sogar vor 70 und 75 Jahren zugesprochen worden ist.
Das ist eine große Spanne an Jahren Angefangen von den Jüngsten, den Goldenen Konfirmanden, die 1968 konfirmiert worden sind, reicht sie noch 25 Jahre weiter zurück bis ins Jahr 1943.
Vor 75 Jahren konfirmiert: Frau Otto und Frau Thiele
Bereits diese beiden Jahreszahlen lassen uns an sehr verschiedene Zeitenläufe denken. 1943 – da hatten die Not und das Elend des 2.Weltkrieges auch die Familien erreicht. Viele trauerten um Väter und Brüder, die im Krieg gefallen waren. 25 Jahre später ging es der Protestbewegung von 1968 darum, gerade diesen Teil der Geschichte unseres Volkes noch einmal zu betrachten – das Unrecht der Nazizeit beim Namen zu nennen und so frei zu werden für neue Wege. Die Jungen trugen lang Haare, was nicht immer gern gesehen war. Aber es gab diesen Geist des Aufbruchs aus alten Verstrickungen und falschen Wegen. 1968 – das war aber auch die Niederschlagung des Prager Frühlings und das war auch die Ermordung von Martin Luther King. So waren diese Jahre deutlich geprägt von den gesellschaftlichen Ereignissen damals. Die Jahre dazwischen – 1948 und 1953 und 1958 – waren es ebenso.
Und jeder und jede von Ihnen hat zu diesen Erinnerungen an die Stimmung in der Gesellschaft die ganz eigenen persönlichen Erinnerungen ans Jahr der Konfirmation.
Erinnerungen an die Freundinnen und Freunde, die damals mit dabei waren im Konfirmandenunterricht und die mit eingesegnet worden sind. Erinnerungen an das Konfirmationskleid und an den Anzug. An die Eltern und Großeltern und Geschwister und Paten. An die Familienfeier zuhause.
Nach dem Taufgottesdienst vom 6.Mai haben wir uns zuhause gleich daran gemacht, Fotoalben heraus zu suchen – unsere Tochter war grad zu Besuch – und wir hatten viel Freude daran, uns die Bilder von ihrer Taufe damals anzuschauen.
Vielleicht haben auch Sie in den vergangenen Wochen Fotos herausgesucht von Ihrer Konfirmation. Fotos helfen ja beim Erinnern. Und Sie haben beim Betrachten noch einmal deutlich gespürt, wie das war – an den Altar zu kommen und den Segen Gottes zu empfangen. Dieser Moment war die Mitte in Ihren Konfirmationsgottesdiensten – Einsegnung wird die Konfirmation deshalb auch genannt. Wobei das nicht ganz korrekt ist – denn den Segen Gottes, den empfangen wir nicht erst zur Konfirmation, schon bei der Heiligen Taufe sind wir mit dem Wasser des Lebens gesegnet worden.
Und jedem von uns ist von Gott gesagt worden: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir.
Das ist ja ein ganz erstaunlicher Gedanke, dass Gott mich gerufen hat. Denn das bedeutet, ER hat den Anfang gemacht. Also nicht ICH habe entschieden, konfirmiert zu werden, und auch meine Eltern haben nicht entschieden, dass ich getauft wurde, sondern es ging gar nicht anders – Gott hat entschieden, mich in die Gemeinschaft der Gottesfamilie zu rufen. Halt! wird da mancher einwenden – das sehe ich aber ganz anders. So einfach will ich mir das Heft des Handelns nicht aus der Hand nehmen lassen.
Und es ist tatsächlich für uns wissende und aufgeklärte Menschen eine Herausforderung, Gott so einfach den Vortritt zu lassen. Denn heißt es nicht eigentlich, dass WIR unser Leben gestalten? Und heißt es nicht auch – jeder ist seines Glückes Schmied? Doch spätestens bei diesen Worten vom Schmieden des Glücks, liebe Gemeinde, werden wir da nicht nachdenklich? Und spüren einen Vorbehalt gegen die Wahrheit dieser Rede? Denn das haben wir ja alle schon erlebt, wie wir mit unseren Kräften an Grenzen gestoßen sind. Wie uns eben nicht alles möglich war. Wie wir auf der Suche nach dem Glück auch falsche Richtungen eingeschlagen haben oder nicht weitergekommen sind. Wie wir uns verrannt haben. Nicht immer gefällt uns diese Einsicht und nicht immer gefällt uns das Eingeständnis unserer Grenzen.
Und doch gibt es in solchen Momenten nichts Größeres als die Besinnung darauf,
dass es ja gar nicht meine Kraft allein ist, die ich zur Verfügung habe für mein Leben,
und dass ich auch gar nicht immer alles allein schaffen muß, sondern dass es Gottes Kraft und Gottes Segen sind, die mein Leben tragen. Sie tragen es von Anfang an und sie tragen es durch die Zeiten hindurch.
Das Fest der Jubelkonfirmation ist ein guter Anlaß, mich an diesen Grund meines Lebens zu erinnern. Und ich selbst habe die Erfahrung gemacht: ich brauche im Lauf meines Lebens immer wieder diese Erinnerung an den Segen und an Gottes Wort: ich habe dich bei deinem Namen gerufen – du gehörst zu mir.
In der biblischen Lesung für den heutigen Sonntag stimmt der Apostel Paulus ein Loblied auf den Segen Gottes an. In immer neuen Worten erzählt er von dem großen Geschenk der Weisheit und Einsicht, mit dem uns Gott erfüllt. Und er findet ein schönes Bild für unsere Verbundenheit mit Gott. Er sagt: Ihr habt das Siegel des Heiligen Geistes empfangen. Das Siegel des Heiligen Geistes. Ein Siegel ist etwas Wertvolles. Ein Siegel ist ein deutliches Zeichen. Ein Siegel gilt, und es kann nicht verloren gehen. So, sagt Paulus – kann auch der Segen, den ihr empfangen habt, nicht verloren gehen. Ihr tragt den Segen der Heiligen Taufe und der Konfirmation wie ein Siegel an euch. Und ganz gleich, wie viele Jahre seitdem vergangen sind – der Segen Gottes für euch gilt.
Ganz sicher gilt auch, liebe Jubelkonfirmanden, dass es sehr unterschiedliche Wege sind, die Sie seit Ihrer Konfirmation geführt worden sind und auch selbst gegangen sind.
Für jede und für jeden von Ihnen sind da Zeiten dabei, da Ihnen die Wege leicht waren –
voller Hoffnung und Freude auf das Leben, voller Glück und Dankbarkeit für die Menschen, die Gott Ihnen an die Seite gegeben hat – die Ehepartner, die Kinder und Enkel und Urenkel. Dankbar auch für die Erfüllung in Ihren Berufen und für die Gemeinschaft mit Arbeitskollegen und Freunden.
Andere Wege gingen durch dunkle Täler – voller Sorge und Trauer, mit Krankheiten, mit Enttäuschungen und manchen Plänen, die sich nicht so erfüllt haben, wie es gedacht war. Wenn wir dann aber gerade auf diesen Wegen die Hilfe Gottes spüren, die uns hindurch trägt, dann wird der Segen Gottes lebendig. Und Sie dürfen Gott danken, dass er Sie bisher behütet hat und dass Sie dieses Fest nun miteinander feiern können.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie diesen Dank im Herzen tragen.
Denn Konfirmation und nun auch Konfirmationsjubiläum findet zwar in der Kirche statt. Aber eigentlich findet es im Herzen statt. Confirmare – das heißt sicher werden.
Sicher werden im Glauben und in der Hoffnung und in der Liebe. Sicher werden, dass ich das Siegel des Segens an mir trage. Sicher WERDEN – das heißt auch: es ist immer wieder ein Weg, den Gott da mit mir geht. Auf diesem Weg gibt es auch Zweifel und Fragen. Doch vor allem gibt es diese große Zusage, die von Anfang an gilt und mit der Gott auch heute jedem von uns sagt:
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir. - Amen.
Nach der Predigt wurde den einzelnen Altersgruppen am Altar noch einmal der Segen zugesprochen und eine Urkunde überreicht. Natürlich gehört zu einem christlichen Gottesdienst das Abendmahl dazu, welches in Bad Frankenhausen immer in großer Runde im Altarraum mit allen, die daran teilnehmen möchten, gefeiert wird. Auch zum Auszug am Ende des Gottesdienstes erhoben sich alle Gäste wieder von ihren Plätzen. Musikalisch begleitete Kantorin Laura Schildmann mit alten und neuen Kompositionen den Gottesdienst und gab damit auch Ruhepunkte zum Nachdenken. Nach den obligatorischen Gruppenfotos lud die Kirchengemeinde zu einem erweiterten Kirchenkaffee ein, wo sich die einzelnen Konfirmandenjahrgänge noch einmal über Lebenserfahrungen und aktuelle Probleme der Kirchgemeinde austauschen konnten.
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Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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