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Di, 11:00 Uhr
24.07.2018
Siegesmund in Ellrich auf Sommertour

Biosphärenreservat nur im Kyffhäuserkreis?

Gut acht Monate läuft der Moderationsprozess zum geplanten Unesco-Biosphärenreservat Südharz/Kyffhäuser bereits. Am Montagnachmittag besuchte Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) im Rahmen ihrer Sommertour Ellrich. Auch wenn vordergründig die Tourismuschancen der Südharzregion ausgelotet werden sollten, nutzte die Ministerin die Veranstaltung, um für das Reservat zu werben...

Umweltministerin Anja Siegesmund wirbt für Biosphärenreservat (Foto: S. Schedwill) Umweltministerin Anja Siegesmund wirbt für Biosphärenreservat (Foto: S. Schedwill)
Es dauerte dann doch fast 50 Minuten ehe das Wort Biosphärenreservat zum ersten Mal fiel. Schließlich war es das Thema, weshalb die rund 40 Gäste an diesem heißen Montagnachmittag in das Café am Nicolaiplatz gekommen waren. Ministerin Siegesmund wiederholte mehrmals, sie wolle eine “Chancendiskussion zum Biosphärenreservat in der Region führen”. Noch bis Jahresende läuft der geführte Moderationsprozess. An dessen Ende soll ein Ergebnis stehen: Will die Region das Biosphärenreservat oder will sie es nicht.

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Nach fast acht Monaten Moderationsprozess und acht Besuchen im Kreis Nordhausen allein in diesem Jahr will Siegesmund einen Trend ausgemacht haben: „Im Kyffhäuserkreis sehe ich deutlich mehr Zustimmung als hier im Südharz“, machte die Ministerin deutlich. Sie hatte deshalb ein Schreiben von elf Bürgermeistern aus dem benachbarten Kyffhäuserkreis mit nach Ellrich gebracht. In dem Papier hätten die Bürgermeister die Bitte geäußert, dass ihre Kommunen mit in das Biosphärenreservat aufgenommen werden.

Siegesmund machte mit ihrer Sommertour Station im Café Nicolai in Ellrich. (Foto: Susanne Schedwill) Siegesmund machte mit ihrer Sommertour Station im Café Nicolai in Ellrich. (Foto: Susanne Schedwill)
Aus einer Stellungnahme der Stadt Sondershausen liest sie dem Publikum fünf Punkte vor. So erhofft sich die Musikstadt durch das Reservat nicht nur eine deutlich bessere finanzielle Ausstattung für touristische Vorhaben, sondern auch wirtschaftliche Vorteile, mehr Arbeitsplätze im Gast- und Hotelgewerbe sowie Synergien.

Für die Südharzregion bestehe die einmalige Chance, in einen exklusiven Club von 16 Reservaten in ganz Deutschland aufgenommen zu werden. Man müsse die Chance nur ergreifen, sie komme kein zweites Mal. 4,2 Millionen Euro sollen mit dem Reservat in die Region gespült werden, warb Siegesmund. Das Geld soll für Mitarbeiter der Reservatsleitung genutzt werden, könne aber beispielsweise auch für den Radwegebau genutzt werden.

Grünen-Urgestein Gisela Hartmann sieht, ähnlich wie die Ministerin, die Diskussion im Landkreis stagnieren. “Wir müssen doch dumm sein, zu glauben, der Naturpark Südharz und der Landschaftspflegeverein reichen aus.” Hartmann wünscht sich, dass die Befürworter und Gegner mehr miteinander ins Gespräch kommen.

Andreas Heise, ehrenamtlicher Kreiswegewart und Ellricher, äußerte sich verärgert über die vielen gelben Plakate, mit denen die Ablehnung gegenüber dem Reservat gezeigt wird, unter anderem in Gudersleben. Damit tue man dem Tourismus und der Region keinen Gefallen. “Das Biosphärenreservat ist eine einmalige Chance für unsere Gipskarstregion”, so Heise.

Auch Elke Blanke aus Harztor stört sich an den Plakaten der Reservatsgegnern. Ihrer Meinung nach könne nur ein Biosphärenreservat in der Region die Themen Wirtschaft, Tourismus und Umwelt miteinander verbinden. Sie warb dafür, einen regelmäßigen Stammtisch pro Reservat in Ellrich zu initiieren.

Ellrichs neuer Bürger Henry Pasenow (CDU) machte recht deutlich, dass er von einem Biosphärenreservat nicht viel hält. „Die Menschen in der Region kümmern sich um die Natur. Dafür braucht es keine Reservatsleitung“. Er brachte Bedenken vor, dass diese in die kommunale Selbstverwaltung der Stadt eingreifen könne. Dies wies die Ministerin zurück. „Es wird keine Einschränkungen geben. Weder Unesco noch Land greifen in die kommunale Selbstverwaltung ein“, sagte Siegesmund.

Kurt Buse kritisierte, dass immer noch nicht klar sei, wo das Reservat überhaupt hinkommen soll. „Die Leute wollen das wissen“, so der Ellricher. Vorher könne man sich doch auch nicht positionieren. Siegesmund machte deutlich, dass das von ihr initiierte Biosphärenreservat mindestens 30 000 Hektar umfassen soll. „Allein der Naturpark Südharz und der Naturpark Kyffhäuser haben zusammen 56 000 Hektar Fläche. Die vier Prozent der Kernzone sind bereits vorhanden“, sagte Siegesmund. Es sei durchaus denkbar, dass das Biosphärenreservat am Ende nur im Kyffhäuserkreis initiiert wird, wenn es nur dort gewollt ist.
Susanne Schedwill
Autor: ssc

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Kommentare
geloescht 20210830
24.07.2018, 06:01 Uhr
Na dann viel Spaß
Im Kyffhäuserkreis. Ich bin dafür, dass wir uns das dann aus der gesunden Entfernung anschauen und wenn die "Segnungen" eintreffen (ganz viele Arbeitsplätze, keine Einschränkungen in der Landwirtschaft und Berge an Touristen und dazu gaaaaanz viele Menschen, die in der Gastronomie arbeiten wollen und auch einen vernünftig bezahlten Job finden), dann schließen wir uns gerne an. Übrigens Meinungsfreiheit gibt's nicht nur für die Befürworter, die Gegner dürfen auch ihre Meinung äußern - zum Beispiel mit Plakaten. Ich brauche immer noch kein Biosphärenreservat. Das sehe ich wie Herr Pasenow......
geloescht.20250302
24.07.2018, 07:17 Uhr
Frau Siegesmund in ihrem Lauf....
...halten weder Bär noch Wölfe auf...

Vielleicht soll das eine ABM für Ihre örtliche Parteifreundin werden, falls diese, was nicht unwahrscheinlich ist, bei der Landtagswahl ebenso krachend scheitert wie bei der letzten Bürgermeisterwahl?

Sicherlich wird das Thema im Wahlkampf keine geringe Rolle spielen und man kann gespannt sein, wie sich die Kandidaten*Innen dazu positionieren.

@ Alex Sie haben Recht. Wir Sondershäuser und die anderen Waldspaziergänger brauchen kein grünerträumtes Siegel, um uns in unserer Natur wohlzufühlen und schon gar keine als solche von der Politik deklarierten Urwaldwildnis.
Liane Enzinger
24.07.2018, 07:46 Uhr
Frau Hartmann und Frau Siegesmund, zwei Fragen:
1. Sie führten beide vor der jüngsten Landtagswahl immerzu das Wort “Bürgerbeteiligung“ im Munde. Warum starten Sie nicht einen Bürgerentscheid zum Thema Biosphärenreservat?

2. Haben Sie inzwischen den entstehenden Gipstagebau in der Rüdigsdorfer Schweiz besucht oder den Ort Stempeda, wo die Menschen Angst vor dem Gipsabbau haben?

Zusatzfrage: Liebe Frau Hartmann, könnten Sie es bitte künftig unterlassen, jene als dumm zu bezeichnen, die gegen das Reservat sind?

Liane Enzinger, M.A.
Andreas Dittmar
24.07.2018, 10:20 Uhr
Das kann auch teuer werden......
Einem Biosphärenreservat Karstgebiet sollte ein bestimmtes Konzept zugrunde liegen. Ich gehe auch davon aus, das mal jemand von denen, welche die Fördermittel bereitstellen, vorbeischaut. Der will dann auch Ergebnisse sehen.

Zugewucherter ehemaliger Staatsforst mit erhöhter Borkenkäferpopulation, riesiege Brachflächen+umgesiedelte Feldhamster, Windparks welche die Fledermausbestände bedrohen, Proteste gegen neue Steinbrüche, Tourismusflaute sollte man denen dann sehr gut erklären können. Kann man es nicht, sind die Fördermittel weg und es kommt noch ein Vertragsverletzungsverfahren oben drauf.
Fönix
24.07.2018, 11:27 Uhr
Zitat: " 4,2 Millionen Euro
sollen mit dem Reservat in die Region gespült werden, warb Siegesmund. Das Geld soll für Mitarbeiter der Reservatsleitung genutzt werden, könne aber beispielsweise auch für den Radwegebau genutzt werden."

Das ist selten dämlich formuliert. Es erweckt den Eindruck, dass die Fördermittel in erster Linie der Finanzierung der Selbstverwaltung dienen SOLLEN, für die Region viel interessantere Maßnahmen hingegen nur realisiert werden KÖNNEN - aber nicht müssen. In der Interpretation des üblichen Poilitikersprechs übersetzen sich das die meisten Leser so, wie hier auch in einigen Beiträgen offensichtlich sachkenntnisfrei argumentiert wird: Das Biosphärenreservat ist ein weitgehend künstliches politisches Konstrukt, das über die Region gestülpt werden soll. Die bereitgestellten Gelder dienen überwiegend dazu, die Selbstverwaltung und Selbsterhaltung dieses Konstrukts zu finanzieren, der Nährwert für die Region bleibt bescheiden. Das dann der nächste Trugschluss ("die mit dem Schutzstatus verbundenen Restriktionen gefährden die Existenzen der betroffenen Landnutzer") quasi schon auf der Zunge liegt, wundert nicht wirklich. Das was hier zu den Gesprächsinhalten der Veranstaltung in Ellrich geschrieben wurde, ist in meinen Augen die bestmögliche Steilvorlage, die die Initiatoren den Gegnern eines Biosphärenreservates bieten konnten. Was für ein Eigentor!

Wohltuend sachlich lesen sich dagegen die Argumente im aktuellen Artikel von B. Schwarzberg zum Thema. Es wäre sicher der bessere Weg gewesen, solche lokalen Hauptakteure des praktizierten Natur- und Umweltschutzes von Anfang an zentral in alle Aktivitäten einzubinden. Mir fallen da z.B. neben dem BUND in erster Linie Waldeigentümer und -nutzer, Landwirte oder z.B. auch der LAVT ein. So aber wurde ein quasi fertiger Plan an den Anfang des Moderationsprozesses gesetzt und jetzt wundert man sich über den massiven Gegenwind, der diesen Prozess von Anfang an beherrscht. Das sich die Moderatoren bis heute einem ausreichend flächenkonkreten Entwurf des Biosphärenreservates entziehen und statt dessen permanent darauf verweisen, nur ein Angebot zu unterbreiten, dass in der Region angenommen werden kann oder eben auch nicht, zeigt in meinen Augen deutlich, wie sehr man sich davor scheut, konkrete Verantwortung zu übernehmen und lieber ausreichend Hintertürchen offen lässt.
Wo ist denn das Problem, mehrere Planvarianten zur Ausweisung der einzelnen Schutzkategorien zu entwerfen, die verschiedene Optionen enthalten, die dann gegeneinander abgewogen werden können? Scheut man die Arbeit, die zweifelsohne damit verbunden ist? Oder lähmt nach der krachend gescheiterten Gebietsreform die Angst vor einer weiteren, vom politischen Gegner verwertbaren Niederlage jegliches konstruktive Agieren? Das man jetzt in erster Linie versucht, die regionalen Akteure gegeneinander auszuspielen ("Es sei durchaus denkbar, dass das Biosphärenreservat am Ende nur im Kyffhäuserkreis initiiert wird, wenn es nur dort gewollt ist.") ist bezeichnend. Dabei stellt z.B. die aktuelle Erweiterung des Gipsabbaus in der Region für die Politik ein viel größeres Glaubwürdigkeitsproblem dar. Zumal hier durch ein niedersächsisches Unternehmen die Zerstörung weiterer wertvoller Lebensräume im Thüringer Gipskarst vorangetrieben wird, also keine Steuereinnahmen in der Region generiert werden sondern nur Landschaftszerstörung, Staub und zusätzlicher Schwerlastverkehr. Vom Thema Erweiterung der Windvorranggebiete im Zuge der aktuellen Überarbeitung der Regionalen Raumordnungsplanung in Nordthüringen will ich an dieser Stelle absehen, auch wenn es durchaus passen würde. Das Gewittergrummeln ist ja schon zu hören. An anderer Stelle hatte ich bereits darauf hingewiesen ("Windkraftterror im rrG-Land").
dicker
24.07.2018, 12:20 Uhr
Falsche Politik!
Die Politik hat die Aufgabe mit Entscheidungen für den größt möglichen Teil der Bevölkerung Verbesserungen zu schaffen. Das Biosphärenreservat wird dies nicht schaffen.
"Das ist hier eine arme Region, die nur eine schöne Landschaft hat...", meinte ein Beteiligter des Moderationsprozesses in der Südharzhalle. Das mag sicherlich nicht ganz verkehrt sein aber, ist auch ein Verdienst der jahrzehntelangen falschen Tourismuspolitik in Thüringen. Das hier kein Tourismus läuft, ist nicht die Schuld der Südharzer. Zu lange hat man unsere Heimat stiefmütterlich aus Erfurt betrachtet. Und nun soll Alles gut werden? Das ich nicht lache. 4.2 Millionen sind ein Witz. Und in der Reservatsleitung wird ein Auffangnetz geschaffen für poltisch Gescheiterte. Fördergelder sind Steuergelder und sollten anders verteilt werden. Unsere alltäglichen Probleme sind klar: schlechte Straßen, z.T. miserable Zustände in den Schulgebäuden, unfassbar hinterwäldlerische Beitbandversorgung, Menschen haben 30 Jahre nach der Wende noch keinen Kanalanschluss, etc.
Solange diese Probleme nicht behoben sind, brauchen wir über ein Biosphärenreservat nicht zu reden. Wald- und Landbesitzer kümmern sich um ihr Eigentum denn Eigentum verpflichtet. Einziger Profiteur des Biosphärenreservat ist das grüne Umweltministerium und das Land Thüringen. Für eine richtige Tourismusoffensive, so sie denn gewünscht ist, müssen erst einmal die alltäglichen Probleme behoben werden. Nicht andersherum.
geloescht.20250302
24.07.2018, 18:24 Uhr
Was soll das?
Klappt's weiter nördlich nicht, springt der Kyffhäuserkreis ein?

Hat MdL der Grünen Babett Pfefferlein ihrer Ministerin versichert, dass wir klaglos als Notnagel für einen geplatzten Traum Nr. 1 Biosphärenreservat zur Verfügung stehen?
Andreas Dittmar
24.07.2018, 18:47 Uhr
Lasst euch nicht verkaufen !!!!!!!!!!!!!!!!!
Frau Siegesmund sagt: "Es wird keine Einschränkungen geben. Weder Unesco noch Land greifen in die kommunale Selbstverwaltung ein“

Allein bei dieser Aussage sollten bei jedem lokalen Kommunalpolitiker die Alarmglocken läuten. Wenn die Förderbedingungen nicht erfüllt werden, dann möchte man bestimmt auch die 4,2 Mio. Euro wieder zurück haben. Zusätzlich ist auch eine Vertragsstrafe möglich. Auch eine saftige Rechnung für den übertragenen (forstwirtschaftlich wertlosen) Staatsforst, welcher die 4% Kernzone (Grundlage) bildet könnte folgen. Die finanzielle Suppe dürfen dann die Kommunen, welche die Fördermittel angenommen haben eigenverantwortlich wieder auslöffeln. Bauernopfer sind dann die Protagonisten, welche gehorsam mit Überzeugungsarbeit zur Unterschrifft drängen. Weder Unesco noch Land lassen sich dann zur Verantwortung ziehen. Die berufen sich auf den Moderationsprozess und Frau Siegesmund auf ihre Aussage.

Warum unterstützt man nicht die Leute, welche sich aktiv um Umwelt- und Artenschutz kümmern ? Die haben wenigstens einen Plan von dem was sie tun und der Erfolg ist sichtbar. Warum antwortet man mit Worthülsen und liefert noch nicht mal ein Projekt als Disskusionsgrundlage.

http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=239143

Auch östlich von Nordhausen steht eine 32 Mio. teure Chance für unsere Region. Eine weitere findet man im Nachbarland Sachsen-Anhalt, auch ein BIR ohne UNESCO-Anerkennung, wo 30 Mitarbeiter in Roßla ihren Dienst tun.
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