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Di, 06:38 Uhr
24.07.2018
nnz-Forum

Biosphärenreservat – wo bleibt die Karte?

Die gesamte Diskussion um das Thema Biosphärenreservat ist sinnentstellt: Die einen befürchten völlig ungerechtfertigterweise ein Ende ihrer bürgerlichen Existenz durch diesen Status, die anderen glauben, mit dem Biores wäre die Natur in der Region Südharz-Kyffhäuser endgültig geschützt. Beides trifft nicht zu, meint ein Leser der Nordthüringer Online-Zeitungen...

Weder ändert ein Biosphärenreservat irgendetwas an der Bewirtschaftungssituation der bisher schon konventionell landwirtschaftlich genutzten Flächen, die Ängste sind völlig unbegründet, noch sind damit die gravierenden Naturschutzprobleme unserer Region gelöst, da das Biores ja per se kein Naturschutz-, viel mehr aber ein Entwicklungsgebiet für die Menschen in ihrer naturnahen Umgebung ist.

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Handeln müssen weiterhin die Menschen, ein Biores ist ein Ideen- und Handlungsgebiet, eine Spielwiese für Initiativen. Es sind zu viele fake news in Umlauf, zu viele Halbwahrheiten, zu viele Ängste vor Neuem und Unbekanntem, vor einem Ende des viel geliebten status quo, wobei die Ängste leider allzu oft zu wenig von Fakten bestimmt sind. Ideen und weniger Scheuklappen wären da besser. Die Ministerin scheint machtlos zu sein, die Skepsis in unserer Region auszuräumen.

Das Entwicklungspotenzial in den Bereichen, die eine herausragende, und auch unter rot-rot-grün allerdings weiterhin unter gravierenden Biodiversitätsverlusten leidenden Landschaft immer noch für alle Beteiligten haben könnte, ist unbestritten groß. Dem Pressebeitrag von gestern entsprechend, könnte Siegesmund den renitenten Südharz bezüglich Biores aber bereits abgeschrieben haben.

Ich war arbeitsbedingt nicht dabei bei der Veranstaltung, wusste von ihr allerdings auch nichts, ich muss also die Presseinformationen für diesen Beitrag zugrundelegen.

Fest steht für mich aber auch: Auf Grund der klaffenden Lücke, zwischen dem, was deutsche bzw. Thüringer Umweltpolitiker seit nunmehr fast 30 Jahren von sich geben, und dem, was ich als Botaniker und aktiver Naturschützer draußen in der Realität entlang des viel bemühten „artenreichen Südharzer Zechsteinrandes“ vorfinde, hat sich auch bei mir eine umfassende Skepsis bezüglich Ministerworten eingeschlichen. Da greife ich doch mit meinen Mitstreitern lieber selbst zu Mäher und Harke, um die bei vielen Reden benützte „Biodiversität“ zu erhalten und wenigstens Erfolge zu sehen.

Erhalten in Zeiten des Klimawandels? Wir erleben gerade die nach 2003 bezeichnenderweise nächste Jahrhundertdürre. Die Folgen der von Klimaforschern vorausgesagten Häufungen dieser Phänomene für das, was wir eigentlich mit Schutzgebieten oder Entwicklungsgebieten, wie einem Biosphärenreservat, erhalten wollen, werden die Welt, so wie wir sie kennen, zerstören oder doch wenigstens massiv verändern. Der den Biores zugrundeliegende Gedanke des Projekts „man and the biosphere“ wird durch diese katastrophalen Umwälzungen eigentlich ad absurdum geführt. Das sollten auch die derzeitigen Politiker ihrer Bevölkerung schon aus Gründen der Ehrlichkeit und vor allem ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl, unbedingt mitteilen.

Aber wir sollten der Initiative von Frau Siegesmund dennoch eine Chance geben. Ich glaube schon, dass der Status Biosphärenreservat Möglichkeiten einer wenigstens noch mittelfristig ungeahnten Regionalentwicklung bietet. Hierzu gibt es eine Menge Beispiele aus anderen Regionen. Der Nationalpark Harz, gar nicht weit von uns, ist zwar kein Biosphärenreservat, aber allein der exklusive Status bewirkt, gekoppelt an mehr finanzielle Möglichkeiten, einen Aufschwung des Tourismus mit anderen Branchen im Schlepp. Warum sollten wir davon nicht etwas abbekommen?

Bitte Karte auf den Tisch!
Allerdings sollte endlich eine Karte mit den konkreten Flächen auf den Tisch, die die jeweiligen Zonen des Biores so konkret wie möglich darstellen sollen. Kommt diese Karte nicht sehr schnell, halte auch ich persönlich den Wunsch des Ministeriums, hier ein Biores aufzubauen, für wenig glaubwürdig. Die Ängste der Leute in unserer Region, sehr geehrte Frau Ministerin, beruhen zu einem großen Teil auf der Ungewissheit, ob ihr eigener Grundbesitz von "irgendetwas" betroffen sein könnte.

Hat die Bevölkerung keine ausreichenden Informationen, lehnt sie Pläne für ein Biosphärenreservat automatisch ab. Und das ist verständlich. Ich habe mit einem Landwirt aus der Region gesprochen, der mir dies für seine Branche deutlich machte, ohne dass er das Biores ablehnt. Selbst befreundete Naturschützer sehen das so.

Als langjähriger Kartierer der Pflanzenwelt würde ich zu den Flächen auch gern Vorschläge aus fachlicher Sicht unterbreiten wollen. Aber wenn sich die Verantwortlichen im flächenhaft Konkreten in Schweigen hüllen, ist dies nur schwer möglich.

Ich glaube, dass eine Karte mit den Biores-Flächen zu einem Stimmungsumschwung führen könnte. Denn es ist nicht so, dass die Bevölkerung nicht auch die Chancen für bestimmte Wirtschaftsbereiche sieht.
Seit der Wende lechzt unsere Region nach Geld. Nun haben wir, glauben wir Frau Siegesmund, eine einmalige Chance dafür. Wir sollten, liebe Kommunalpolitiker und Bürger, diese Chance nicht verstreichen lassen und allein den weiterblickenden Kommunen des Kyffhäuserkreises überlassen. Denn eine eventuelle Reue käme zu spät.

Weitere Fakten zum Projekt, etwas zum Anfassen und Betrachten für die Menschen aber, sollte Siegesmund schon liefern.
Bodo Schwarzberg
Autor: red

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