Fr, 15:24 Uhr
25.01.2019
Kulturszene aktuell
Rückblick auf Veranstaltungen im Panorama Museum
Die Aufführung des Auftaktfilms NANOUK am 18.Januar im Panorama Museum Bad Frankenhausen war in zweierlei Hinsicht bemerkenswert:...
Zum einen kamen überraschend viele Filmfreunde, was wohl auch an der freundlichen Unterstützung durch die Thüringer Allgemeine gelegen haben muss, die dieser Aufführung gleich mehrere bebilderte Artikel gewidmet hatte, zum anderen besuchte ich diese Filmveranstaltung ohne große Erwartungen und wurde von diesem Film und seiner archaischer Wucht förmlich umgehauen. Ganz wortkarg erzählte er in grandiosen Bildern vom einsamen Leben eines alten Inuit-Ehepaares, von Einsamkeit, Verlorenheit in der kargen, eisigen Weite der Tundra-Landschaft und dem Ausgeliefertsein den Naturgewalten gegenüber.
Er erzählte aber auch von dem Ende dieser Lebensform als Jäger und Sammler, denn die industrielle Moderne verändert in einschneidender Weise auch die Existenz dieser abgesondert lebenden Menschen: Ihre Kinder haben sie verlassen und suchen ein einfacheres Leben in der fernen Stadt, der Motorschlitten des Sohnes, der die Eltern besucht, hinterlässt einen schmutzigen Ölfleck im rein weißen Schnee, die Tiere (später auch die Menschen) sterben an einer mysteriösen Krankheit und damit verlässt den Jäger sein einstiges Jagdglück, der Frühling kommt immer früher, Flugzeuglärm stört die Stille der schier unendlichen Schneelandschaft, heftige Stürme bedrohen die Behausung und das Leben dieser Menschen und von den einstigen Rentierherden ist nur noch ein einziges Tier übrig geblieben, das im Verlauf des Films dann noch von einem LKW übergefahren wird.
Das Schlussbild des Films weitet sich zu einer überraschenden Apokalypse, wenn der Jäger im riesigen, tiefen Loch einer Diamantenmine seiner Tochter wortlos gegenübersteht, die als Ingenieurin und Meisterin dieser modernen Umweltzerstörung sich den Bauarbeiterhelm vom Kopf reißt und angesichts des Vaters begreift, dass die Mutter gestorben ist und zu weinen beginnt.
Die Kamera verlässt die beiden, schwebt hinaus aus diesem Höllenloch des Vergessens, schweift über den Grubenrand hinweg über eine gelblich verfärbte, moderne Stadt, die sich im höllischen schwefelgelben Dunst über einer zerstörten Landschaft langsam verliert. Der starke Eindruck, den dieser Film bei seinen Betrachtern hinterließ, war den Kinobesuchern des StuKi 76 am Freitagabend förmlich ins Gesicht geschrieben.
Fred Böhme
Autor: khhZum einen kamen überraschend viele Filmfreunde, was wohl auch an der freundlichen Unterstützung durch die Thüringer Allgemeine gelegen haben muss, die dieser Aufführung gleich mehrere bebilderte Artikel gewidmet hatte, zum anderen besuchte ich diese Filmveranstaltung ohne große Erwartungen und wurde von diesem Film und seiner archaischer Wucht förmlich umgehauen. Ganz wortkarg erzählte er in grandiosen Bildern vom einsamen Leben eines alten Inuit-Ehepaares, von Einsamkeit, Verlorenheit in der kargen, eisigen Weite der Tundra-Landschaft und dem Ausgeliefertsein den Naturgewalten gegenüber.
Er erzählte aber auch von dem Ende dieser Lebensform als Jäger und Sammler, denn die industrielle Moderne verändert in einschneidender Weise auch die Existenz dieser abgesondert lebenden Menschen: Ihre Kinder haben sie verlassen und suchen ein einfacheres Leben in der fernen Stadt, der Motorschlitten des Sohnes, der die Eltern besucht, hinterlässt einen schmutzigen Ölfleck im rein weißen Schnee, die Tiere (später auch die Menschen) sterben an einer mysteriösen Krankheit und damit verlässt den Jäger sein einstiges Jagdglück, der Frühling kommt immer früher, Flugzeuglärm stört die Stille der schier unendlichen Schneelandschaft, heftige Stürme bedrohen die Behausung und das Leben dieser Menschen und von den einstigen Rentierherden ist nur noch ein einziges Tier übrig geblieben, das im Verlauf des Films dann noch von einem LKW übergefahren wird.
Das Schlussbild des Films weitet sich zu einer überraschenden Apokalypse, wenn der Jäger im riesigen, tiefen Loch einer Diamantenmine seiner Tochter wortlos gegenübersteht, die als Ingenieurin und Meisterin dieser modernen Umweltzerstörung sich den Bauarbeiterhelm vom Kopf reißt und angesichts des Vaters begreift, dass die Mutter gestorben ist und zu weinen beginnt.
Die Kamera verlässt die beiden, schwebt hinaus aus diesem Höllenloch des Vergessens, schweift über den Grubenrand hinweg über eine gelblich verfärbte, moderne Stadt, die sich im höllischen schwefelgelben Dunst über einer zerstörten Landschaft langsam verliert. Der starke Eindruck, den dieser Film bei seinen Betrachtern hinterließ, war den Kinobesuchern des StuKi 76 am Freitagabend förmlich ins Gesicht geschrieben.
Fred Böhme
