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Fr, 00:54 Uhr
08.02.2019
Kulturszene aktuell

Rekordbesuch im Etzlebener Dorfgemeinschaftshaus

Nils Ohl verblüffte mit Geschichten über das letzte Thüringer Königshaus. Dazu erreichte kn dieser Bericht aus Etzleben...

Eigentlich war ja nur eine Buchlesung vorgesehen, aber in Etzleben ist immer alles ein bisschen anders- eben besser! Für den vergangenen Dienstag gelang es den Mitgliedern des neu gegründeten Vereins „Etzleben- unser Dorf“ den Autor Nils Ohl in die 286 Seelen Gemeinde mit dem Versprechen zu locken, dass wir „die Bude voll kriegen“. Das schicke, neu renovierte Dorfgemeinschaftshaus ist natürlich niemals mit einer Bude zu vergleichen, aber mit genau 50 Gästen aus Büchel, Riethgen, Kölleda, Leubingen, Sondershausen, Cottbus, Erfurt und natürlich aus Etzleben war die Bestuhlung komplett aufgebraucht. Im Vorfeld wurde der Raum liebevoll von den Vereinsmitgliedern hergerichtet, anheimelnde Beleuchtungseffekte gesetzt und Plakate gestaltet, die die geschichtlichen Zusammenhänge des Romans widerspiegelten.


Um das sogenannte „Theatergefühl“ zu vermitteln gab es schon vor Beginn der Lesung etwas Sekt für die Seele und in der Pause auch einen liebevoll hergerichteten Imbiss für den Magen.
Alles war nun für den studierten Geschichts-/ und Lateinamerikawissenschaftler Nils Ohl vorbereitet. Der in Sondershausen geborene und aufgewachsene Autor reiste gleich mit seinen Eltern und seiner Tochter an, die auf ihren auch in der Journalistik ausgebildeten Sohn und Vater recht stolz sein konnten.

Denn bevor er mit der Buchlesung begann, schilderte Nils Ohl die Entstehung, die Lebensumstände und die zahlreichen Verstrickungen im Liebesleben des Thüringer Königshauses. Geheiratet wurde nur, wenn dadurch strategischer oder machtpolitischer Nutzen heraussprang. Leider gelang es dem Thüringer König Herminafried im Jahre 531 nicht rechtzeitig eine Ehe zwischen einem seiner Kinder und dem Herrschaftshaus der Franken anzubahnen. Die Sachsen rochen diesen Braten und beeilten sich, mit den Franken eine Allianz gegen das Thüringenreich zu bilden.


Allein wären die Franken oder die Sachsen durch die gut ausgebildeten und gefürchteten Thüringer Reiterheere zu besiegen gewesen, aber diesem Verrat konnten die Krieger des Herminafrieds nichts Ebenbürtiges entgegensetzen.
Nun geschah das Unabwendbare, so wie es der letzte große römische Dichter Venantius Fortunatus in seinem Heldenepos „de excidio thuringiae“ (Der Untergang Thüringens) aufbauend auf den Erzählungen von Radegunde, der Tochter Herminafrieds, in Liedform niederschrieb: „Blut von beiden Seiten tränkte die Wallstadt. Die Anzahl der Waffengefällten formte schon eine Brücke über den Fluss (Unstrut), so dass man hinüberschreiten konnte mit trockenen Fuß…“ „Aber der Königsschatz, den die Feinde zu erbeuten hofften, ward niemals gefunden.“ Thüringen ging unter, aber der Schatz der Thüringer ist bis heute nicht aufgetaucht! Auch hierüber spekulierte Nils Ohl. Was beinhaltete wohl dieser Schatz, ist er wirklich noch vergraben, oder haben Frau und Kinder des letzten Thüringer Königs nach und nach die Reichtümer geplündert, denn der Rest der Thüringer Königsfamilie lebte in Italien im gehobenen Stande weiter.
Rekordbesuch im Etzlebener Dorfgemeinschaftshaus (Foto: Peter Keßler)
Rekordbesuch im Etzlebener Dorfgemeinschaftshaus (Foto: Peter Keßler)

Da setzt nun sein 2. Roman „de excidio“ an. Nils Ohl las im zweiten Teil der Veranstaltung über Wido vor, dem Sohn des Tretenburger Vogts. Es wurde zu seiner Aufgabe den Schatz der Thüringer, der von seinem Vater kurz vor der Eroberung versteckt wurde, zu finden und vor den gierigen Händen der Franken zu beschützen. Denn nur wer die Insignien der Thüringer Könige besitzt, kann regulär zum Herrscher Thüringens gekrönt werden. Aber schwer verletzt, als Leibeigner eines blutrünstigen und intriganten Fürsten, getrennt von Familie und Freunden beginnt für Wido ein unbarmherziger Wettlauf um die Rettung des Königshorts, um seine Rache und um eine nie zu vermutende Liebe…
Früher hätte dieses Buch einen Platz in der Reihe „Spannend erzählt“ bekommen, heute sticht besonders die exakte Schilderung geschichtlicher Fakten gepaart mit literarischem Geschick heraus. Wo nun wirklich der Schatz, im Buch und vielleicht auch in der Wirklichkeit zu suchen und zu finden ist, hat Nils Ohl nicht wirklich verraten. Da hilft nur selber lesen…

Text und Fotos: Peter Keßler
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