Sa, 05:00 Uhr
01.06.2019
Es begann vor 25 Jahren:
170, 800, 24, 15
Jede Geschichte hat irgendwann ihren Anfang. Mit einem Datum und meist auch mit einem realen Ort. Die Geschichte dieser Zahlen startete am 4. Juni vor 25 Jahren in der Halleschen Straße...
Andreas und Helmut Peter (Foto: AHP/H. Fischer)
Mit einem Festwochenende wurde damals das erste Mercedes-Autohaus von Helmut Peter eröffnet. Es entstand auf dem Grundstück, für das sich der Mann schon vor der Wende interessierte. Damals noch als Meister der PGH "Gute Fahrt", denn hier sollte eine Waschstraße entstehen.
Statt dessen begann nach der Wende die bauliche Geschichte, an deren Anfänge sich Helmut Peter erinnert: "Nach der Wiedervereinigung habe ich das Grundstück schließlich zu einem marktüblichen Preis von der Treuhand erworben – anders als es bei vielen anderen Grundstücken um uns herum praktiziert wurde, die vom damaligen Geschäftsführer der Stadtwerke veräußert wurden."
Der 61jährige erinnert sich noch genau an das erste Wochenende, damals im Juni 1994. Stargast war die junge Stefanie Hertel. Sie war 15, genau wie sein Sohn Andreas. Heute, eine Vierteljahrhundert später, ist Andreas Peter nicht nur gleichberechtigter Geschäftsführer, sondern auch Gesellschafter.
Die Hallesche Straße sollte nicht nur mit der Nummer 148 zur Peter-Adresse werden, es folgten weitere Standorte. KleinPetersDorf erstreckt sich vom Stresemannring bis in die Gemarkung Bielen hinein. 170 Millionen Euro haben die Peters in den zurückliegenden fast 30 Jahren investiert und der überwiegende Teil davon ging an Betriebe, an Handwerker in der Region. In 15 Städten Thüringens, Sachsen-Anhalts und im südlichen Niedersachsen stehen 24 Häuser und die Gruppe zeichnet für acht Marken für den Vertrieb verantwortlich und bietet für vier Marken den Service an.
Der rastlose Aufstieg verschaffte Helmut Peter nicht nur Freunde. Wie denkt er heute darüber? "Natürlich bin ich stolz auf alles, was in dieser Straße meinen Namen trägt. Den Neid habe ich mir schon vor der Wende erarbeitet. Als Kfz-Elektriker-Meister in der PGH habe ich mit allem gehandelt, was im Handel schwer oder eigentlich gar nicht zu bekommen war.
Der Neidfaktor verstärkte sich mit der großen Mercedes-Benz-Vertretung und den anderen Häusern, die hier in der Straße folgten. Wenn ich mir vorstelle, dass wir inzwischen in 14 weiteren Städten Großinvestitionen getätigt haben und auch weiterhin tätigen werden, dann wird der Neidfaktor in meinen letzten Jahren bestimmt nicht kleiner werden."
Damit kann und muss er leben, doch es gibt nicht nur den erfolgreichen Unternehmer, es gibt auch den Menschen mit dem Herzen für die Regionen, in denen er tätig ist. Auch wenn die mitunter schon ein Stück weit weg sind vom unternehmerischen "Geburtstort" aktiv ist, er bleibt vermutlich immer "Nordhäuser".
"Nur wenige Menschen wissen, dass ich gemeinsam mit Gisela Hartmann den Park Hohenrode verhandelt und erworben habe, nachdem wir den Kaufpreis von 400.000 auf 200.000 Euro heruntergehandelt hatten und ich die letzten fehlenden 20.000 Euro draufgelegt habe, um alles zusammen – Park, Villa, Pavillon und Kutscherhaus – in Vereinshände legen zu können. In den gleichen Jahren riefen mein Sohn und ich das IFA-Museum ins Leben und investierten mehrere 100.000 Euro. Heute präsentiert sich den Besuchern ein Museum der Industriegeschichte, das seinesgleichen sucht und europaweit Anklang findet. Davon zeugen die vielen internationalen Besucher. Kommen wir zum Sport: Dass die THC-Damen seit neun Jahren in Nordhausen erfolgreich in der Handball-Champions-League spielen, ist zum größten Teil uns zu verdanken. Und ohne unsere Unterstützung wären neben dem traditionellen Rolandsfest auch viele andere Feste sowie Kultur- und Sport-Events in Stadt und Landkreis in dieser Form nicht möglich."
Und so soll es auch weiterhin bleiben, selbst wenn das politische Umfeld, in dem sich die Peters bewegen, nicht unbedingt berechenbarer geworden ist. Sie werden weiter investieren, werden aus Visionen Realitäten erwachsen lassen. Allerdings hat sich eine Vision gerade in Luft aufgelöst:
"Wir sehen es nach dem Motto: Wer viel macht, kann auch mal daneben liegen. Eigentlich sollte der neue Möbel BOSS-Markt im Gewerbegebiet Im Krug schon eröffnet sein. Notariell war alles erledigt, doch durch neue Strategien der Porta-Gruppe, zu der BOSS gehört, werden jetzt alle Verträge rückabgewickelt. Trotzdem werden wir das Gewerbegebiet und Flächen entlang der Nordhäuser Straße weiterentwickeln. Man sollte aber erst gackern, wenn das Ei gelegt ist." Nur eines können Helmut und Andreas Peter mit Gewissheit verkünden: auf diesen Flächen wird kein Solarpark entstehen, dafür seien sie zu wertvoll.
Aber eine klare Vision wird in den nächsten zwei Jahren Wirklichkeit: In Erfurt wird die Gruppe in mehrere neue Autohäuser für Opel und Suzuki investieren. Wir haben eine 20.000 Quadratmeter große Fläche des einstigen MINOL-Großtanklagers erworben. Sie ist höchstkontaminiert, trotzdem wird die Sache angegangen und es geht weiter: "Ein neues Karosserie- und Lackierzentrum sowie eine neue Kfz-Aufbereitung bauen wir derzeit in Heiligenstadt. Die Arbeiten laufen bereits. Hier investieren wir sechs Millionen Euro. Einen neuen Würth-Markt bauen wir gerade im Gewerbegebiet Worbis. Noch in diesem Jahr wird er eröffnet.
Schließlich entsteht in Lutherstadt Wittenberg eine neue Mercedes-Benz-Vertretung analog unserem Autohaus in Nordhausen, das gerade Jubiläum feiert. So wissen wir als Mittelständler, dass es bei uns nicht langweilig wird."
800 Frauen und Männern, darunter 120 Azubis bieten die Peters derzeit einen Arbeits- und Ausbildungsplatz. In drei verschiedenen Regionen: "Ich lebe viele menschliche Dinge vor und kann sagen, dass ich ein sehr ordentliches Verhältnis zu meinen Mitarbeitern habe, das bei einigen bis in die private Ebene hineinreicht. Seit 20 Jahren sind wir mit fünf Autohäusern in Niedersachsen. Dort ticken die Uhren etwas anders, aber auch nicht schlechter. Unsere Erfahrung in Sachsen-Anhalt ist seit drei Jahren eine völlig neue. Wir mussten uns bezüglich der Mentalität erst aneinander gewöhnen."
Neben den baulichen Investitionen, wird der Peter-Gruppe die Zukunft weitere Herausforderungen stellen. Es wird dies die Elektromobiliät und es wird das "schnelle Wechseln der Pferde" bei den Herstellern sein. Beispiel Opel. Die neue "Mutter" stellt einfach mal so einige Modelle ein, die Händler vor Ort müssen aber noch Jahre danach für den Service sorgen. Und da ist die Automatisierung, da ist die Digitalisierung. Eine völlig neue Lackierttechnik, Smart Repair und das Anbieten zusätzlicher Dienstleistungen. All das wird nicht mehr 25 Jahre dauern.
Helmut Peter will zwar nicht mit dem Rollator zur Tür in der Hallenschen 148 hereinkommen, aber mit 61 denkt er noch nicht ans aufhören. "Solange mich mein Sohn braucht und ich fit bin, werde ich für ihn und das Unternehmen da sein." Es ist sein Leben, das ihm privat einiges abverlangte, das ihn aber zu dem machte, wie man ihn kennt, ihn mag oder auch verteufelt. Denn Helmut Peter mischt sich gern ein, obwohl politisch selbst nie aktiv, hat er einen Wunsch an die politische Gilde: "Ich wünsche mir, dass Nordhausen weiter wächst und gedeiht und dass der neue Stadtrat und Kreistag dem Unternehmertum mehr Beachtung schenken und den Neidfaktor zurückstellen wird. Denn: Nur, wenn Betriebe Geld verdienen, haben sie auch genug Geld, um soziale, kulturelle und sportliche Projekte zu unterstützen."
Peter-Stefan Greiner
Autor: red
Andreas und Helmut Peter (Foto: AHP/H. Fischer)
Mit einem Festwochenende wurde damals das erste Mercedes-Autohaus von Helmut Peter eröffnet. Es entstand auf dem Grundstück, für das sich der Mann schon vor der Wende interessierte. Damals noch als Meister der PGH "Gute Fahrt", denn hier sollte eine Waschstraße entstehen.
Statt dessen begann nach der Wende die bauliche Geschichte, an deren Anfänge sich Helmut Peter erinnert: "Nach der Wiedervereinigung habe ich das Grundstück schließlich zu einem marktüblichen Preis von der Treuhand erworben – anders als es bei vielen anderen Grundstücken um uns herum praktiziert wurde, die vom damaligen Geschäftsführer der Stadtwerke veräußert wurden."
Der 61jährige erinnert sich noch genau an das erste Wochenende, damals im Juni 1994. Stargast war die junge Stefanie Hertel. Sie war 15, genau wie sein Sohn Andreas. Heute, eine Vierteljahrhundert später, ist Andreas Peter nicht nur gleichberechtigter Geschäftsführer, sondern auch Gesellschafter.
Die Hallesche Straße sollte nicht nur mit der Nummer 148 zur Peter-Adresse werden, es folgten weitere Standorte. KleinPetersDorf erstreckt sich vom Stresemannring bis in die Gemarkung Bielen hinein. 170 Millionen Euro haben die Peters in den zurückliegenden fast 30 Jahren investiert und der überwiegende Teil davon ging an Betriebe, an Handwerker in der Region. In 15 Städten Thüringens, Sachsen-Anhalts und im südlichen Niedersachsen stehen 24 Häuser und die Gruppe zeichnet für acht Marken für den Vertrieb verantwortlich und bietet für vier Marken den Service an.
Der rastlose Aufstieg verschaffte Helmut Peter nicht nur Freunde. Wie denkt er heute darüber? "Natürlich bin ich stolz auf alles, was in dieser Straße meinen Namen trägt. Den Neid habe ich mir schon vor der Wende erarbeitet. Als Kfz-Elektriker-Meister in der PGH habe ich mit allem gehandelt, was im Handel schwer oder eigentlich gar nicht zu bekommen war.
Der Neidfaktor verstärkte sich mit der großen Mercedes-Benz-Vertretung und den anderen Häusern, die hier in der Straße folgten. Wenn ich mir vorstelle, dass wir inzwischen in 14 weiteren Städten Großinvestitionen getätigt haben und auch weiterhin tätigen werden, dann wird der Neidfaktor in meinen letzten Jahren bestimmt nicht kleiner werden."
Damit kann und muss er leben, doch es gibt nicht nur den erfolgreichen Unternehmer, es gibt auch den Menschen mit dem Herzen für die Regionen, in denen er tätig ist. Auch wenn die mitunter schon ein Stück weit weg sind vom unternehmerischen "Geburtstort" aktiv ist, er bleibt vermutlich immer "Nordhäuser".
"Nur wenige Menschen wissen, dass ich gemeinsam mit Gisela Hartmann den Park Hohenrode verhandelt und erworben habe, nachdem wir den Kaufpreis von 400.000 auf 200.000 Euro heruntergehandelt hatten und ich die letzten fehlenden 20.000 Euro draufgelegt habe, um alles zusammen – Park, Villa, Pavillon und Kutscherhaus – in Vereinshände legen zu können. In den gleichen Jahren riefen mein Sohn und ich das IFA-Museum ins Leben und investierten mehrere 100.000 Euro. Heute präsentiert sich den Besuchern ein Museum der Industriegeschichte, das seinesgleichen sucht und europaweit Anklang findet. Davon zeugen die vielen internationalen Besucher. Kommen wir zum Sport: Dass die THC-Damen seit neun Jahren in Nordhausen erfolgreich in der Handball-Champions-League spielen, ist zum größten Teil uns zu verdanken. Und ohne unsere Unterstützung wären neben dem traditionellen Rolandsfest auch viele andere Feste sowie Kultur- und Sport-Events in Stadt und Landkreis in dieser Form nicht möglich."
Und so soll es auch weiterhin bleiben, selbst wenn das politische Umfeld, in dem sich die Peters bewegen, nicht unbedingt berechenbarer geworden ist. Sie werden weiter investieren, werden aus Visionen Realitäten erwachsen lassen. Allerdings hat sich eine Vision gerade in Luft aufgelöst:
"Wir sehen es nach dem Motto: Wer viel macht, kann auch mal daneben liegen. Eigentlich sollte der neue Möbel BOSS-Markt im Gewerbegebiet Im Krug schon eröffnet sein. Notariell war alles erledigt, doch durch neue Strategien der Porta-Gruppe, zu der BOSS gehört, werden jetzt alle Verträge rückabgewickelt. Trotzdem werden wir das Gewerbegebiet und Flächen entlang der Nordhäuser Straße weiterentwickeln. Man sollte aber erst gackern, wenn das Ei gelegt ist." Nur eines können Helmut und Andreas Peter mit Gewissheit verkünden: auf diesen Flächen wird kein Solarpark entstehen, dafür seien sie zu wertvoll.
Aber eine klare Vision wird in den nächsten zwei Jahren Wirklichkeit: In Erfurt wird die Gruppe in mehrere neue Autohäuser für Opel und Suzuki investieren. Wir haben eine 20.000 Quadratmeter große Fläche des einstigen MINOL-Großtanklagers erworben. Sie ist höchstkontaminiert, trotzdem wird die Sache angegangen und es geht weiter: "Ein neues Karosserie- und Lackierzentrum sowie eine neue Kfz-Aufbereitung bauen wir derzeit in Heiligenstadt. Die Arbeiten laufen bereits. Hier investieren wir sechs Millionen Euro. Einen neuen Würth-Markt bauen wir gerade im Gewerbegebiet Worbis. Noch in diesem Jahr wird er eröffnet.
Schließlich entsteht in Lutherstadt Wittenberg eine neue Mercedes-Benz-Vertretung analog unserem Autohaus in Nordhausen, das gerade Jubiläum feiert. So wissen wir als Mittelständler, dass es bei uns nicht langweilig wird."
800 Frauen und Männern, darunter 120 Azubis bieten die Peters derzeit einen Arbeits- und Ausbildungsplatz. In drei verschiedenen Regionen: "Ich lebe viele menschliche Dinge vor und kann sagen, dass ich ein sehr ordentliches Verhältnis zu meinen Mitarbeitern habe, das bei einigen bis in die private Ebene hineinreicht. Seit 20 Jahren sind wir mit fünf Autohäusern in Niedersachsen. Dort ticken die Uhren etwas anders, aber auch nicht schlechter. Unsere Erfahrung in Sachsen-Anhalt ist seit drei Jahren eine völlig neue. Wir mussten uns bezüglich der Mentalität erst aneinander gewöhnen."
Neben den baulichen Investitionen, wird der Peter-Gruppe die Zukunft weitere Herausforderungen stellen. Es wird dies die Elektromobiliät und es wird das "schnelle Wechseln der Pferde" bei den Herstellern sein. Beispiel Opel. Die neue "Mutter" stellt einfach mal so einige Modelle ein, die Händler vor Ort müssen aber noch Jahre danach für den Service sorgen. Und da ist die Automatisierung, da ist die Digitalisierung. Eine völlig neue Lackierttechnik, Smart Repair und das Anbieten zusätzlicher Dienstleistungen. All das wird nicht mehr 25 Jahre dauern.
Helmut Peter will zwar nicht mit dem Rollator zur Tür in der Hallenschen 148 hereinkommen, aber mit 61 denkt er noch nicht ans aufhören. "Solange mich mein Sohn braucht und ich fit bin, werde ich für ihn und das Unternehmen da sein." Es ist sein Leben, das ihm privat einiges abverlangte, das ihn aber zu dem machte, wie man ihn kennt, ihn mag oder auch verteufelt. Denn Helmut Peter mischt sich gern ein, obwohl politisch selbst nie aktiv, hat er einen Wunsch an die politische Gilde: "Ich wünsche mir, dass Nordhausen weiter wächst und gedeiht und dass der neue Stadtrat und Kreistag dem Unternehmertum mehr Beachtung schenken und den Neidfaktor zurückstellen wird. Denn: Nur, wenn Betriebe Geld verdienen, haben sie auch genug Geld, um soziale, kulturelle und sportliche Projekte zu unterstützen."
Peter-Stefan Greiner
