Do, 09:24 Uhr
19.09.2019
Nnz-Betrachtung
Gedanken zu Klima-Krise und Klima-Hysterie
Die Klimakrise beherrscht inzwischen fast tagtäglich die Schlagzeilen, es gibt Demonstrationen, Aufrufe, Aktionen, ein nie dagewesenes Drängen tätig zu werden. Auf der einen Seite. Auf der anderen sieht man Klima-Hysterie und apokalyptische Wanderprediger. Alles also nicht so schlimm? Das Thema ist vielschichtig aber doch eigentlich nicht so schwer nachzuvollziehen, meint Angelo Glashagel...
Beginnen wir mit einer kleinen Anekdote. Ein Bekannter gab vor kurzem eine kleine Geschichte aus seinem Arbeitsalltag zum Besten. Der Herr ist Zerspanungsmechaniker, die Erzählung drehte sich um Diskussionen, die man so mit Kollegen führt. Das Thema, wie scheinbar überall in diesen Tagen: der Klimawandel und seine Folgen. Mein Bekannter frag also seinen Kollegen, ob der kein Interesse daran habe, dass seine Kinder in zwanzig oder dreißig Jahren noch in einer halbwegs intakten Welt leben können. Die Antwort des Kollegen: Ich will das mein Kind in zwanzig Jahren noch Diesel fahren kann.
Was will man da noch sagen? In der aktuellen Debatte prallen (mindestens) zwei Welten aufeinander. So scheint mir. Die einen, die sich sorgen wie es wird. Die anderen, die sich sorgen, dass es nicht so bleibt wie es ist. Diese ganze Diskussion, diese Gegensätzlichkeit, will mir nicht in den Kopf. Warum ist es so schwer zu verstehen, das wir vor umwälzenden Veränderungen stehen, wenn alles so weiter läuft wie bisher?
Das Thema ist vielschichtig und Bedarf wahrscheinlich eines mehrjährigen, intensiven Studiums, um sich einem umfassenden Verständnis auch nur zu nähern. Wir haben ein, zugegebenermaßen hochkomplexes System, dass wir Klima nennen und das von einer gefühlten Myriade Faktoren beeinflusst wird. Zu viele vielleicht, um vom durchschnittlich gebildeten Mitteleuropäer vollends verstanden zu werden. Aber die grundlegenden Gedanken sind doch nicht so schwer zu fassen, oder irre ich mich da?
Grundlegender Gedanke Numero zwei. Was passiert, wenn ich großen Mengen Salzwasser substantielle Mengen Süßwasser zugebe? Der Wasserspiegel steigt, soviel sollte offensichtlich sein. Zweitens wird sich der Salzgehalt des Wassers verändern. Nun geben wir dem ganzen noch ein paar durch Temperatur und Dichte bedingte Strömungen hinzu. Könnten diese durch den Zustrom großer Mengen Süßwassers und die damit verbundenen Änderungen beeinflusst werden? Wer in Chemie und Physik ein bisschen aufgepasst hat, sollte zumindest die Ahnung einer Antwort haben, ohne gleich die Komplexität globaler Wasserströme durchdringen zu müssen. Sollte es diese Änderungen geben, könnte sich das auf die allgemeine Wetterlage auswirken? Greifen Sie dazu bitte auf ihr Grundlagenwissen aus dem Geographie-Unterricht zurück, Stichwort: Wasserkreislauf. Regen, Flüsse, Meere, Verdunstung, Wolken, Regen – die Nummer. Auch hier: die Ahnung einer Antwort sollte offensichtlich sein.
Das Gletscher, Festlandeis und der antarktische Eisschild abschmelzen ist nicht zu bestreiten. Diese Phänomene können wir zu unseren Lebzeiten mit dem eigenen Auge beobachten, so wir denn gewillt sind zu sehen. Dass der Permafrostboden, wie der Name schon sagt eigentlich permanent gefrorener Boden, gerade auftaut und Methan freisetzt, ist ebenso unbestritten. Zu unserem Stoff X kommt also noch Stoff Y, erweitern Sie die Gleichung entsprechend und erklären Sie, wie das keine Auswirkungen auf die Gesamtgemengelage haben soll.
Der Teufel steckt aber bekanntermaßen im Detail. Im Wo, Wie und Wann. Nicht im Ob. Da ich nun lediglich über ein leidlich ausgeprägtes Wissen um mögliche Zusammenhänge verfüge, wende ich mich vertrauensvoll der Wissenschaft zu, begebe mich in die Hände von Leuten, die Jahrzehnte ihres Lebens mit genau diesen Detailfragen zugebracht haben. Und damit kommen wir zum nächsten grundlegenden Gedanken: dem Vertrauen in die Wissenschaft. Das es hier einen breiten Konsens zu Gunsten eines vom Menschen beeinflussten Klimawandels gibt, ist bekannt. Das der sich nicht zu 100% deckt, ebenso. Die Skeptiker führen eben deswegen gerne Studien ins Feld, die gegenteiliger Meinung sind, die gegen den Mainstream schwimmen. Es gibt Dissenz, Klimathese widerlegt, badabum und tusch.
Das die Damen und Herren Gelehrten in der übergroßen Mehrheit nach der wissenschaftlichen Methode arbeiten wird...ignoriert? Vergessen? Ist nicht bekannt? Kurz zur Erklärung. Wissenschaftler A hat eine These, die er überprüfen will. Er oder Sie denkt sich ein entsprechendes Experiment aus, um seine These zu überprüfen. Im vorliegenden Fall sind das in Ermangelung praktikabler Laborexperimente meist Berechnungen durch komplexe Computermodelle.
Methode und Ergebnisse werden geprüft, wieder geprüft und noch einmal geprüft. Dann wird publiziert, meist in einschlägigen Fachmagazinen und die eigene Arbeit den Kolleginnen und Kollegen weltweit zur nochmaligen Überprüfung vorgelegt. Peer review nennt sich das. Können die Experimente von A durch B, C, D und E bis Y mit gleichen oder ähnlichen Ergebnissen reproduziert werden haben wir eine Theorie, die solange gilt bis sie, im gleichen Prozess, widerlegt werden kann. Wir dürfen in Sachen Klimawandel also, auch bei ein paar abweichenden Ergebnissen, mit Fug und Recht von wissenschaftlichem Konsens sprechen.
Aber die machen das ja alle nur des Geldes wegen!, werden unsere Skeptiker nun einwerfen, den eingebildeten Gelehrten im Elfenbeinturm kann man nicht vertrauen. Ja, Wissenschaft kostet Geld. Wenn wir wissenschaftlichen Fortschritt nur noch in ehrenamtlicher Tätigkeit für ehrbar erachten, dann müssen wir zu den Tagen zurückkehren, in denen Universalgelehrte ihre Freizeit nutzten und mit eigenen Mitteln und in den eigenen vier Wänden zu Durchbrüchen gelangten. Diese Zeiten sind aber schon lange vorbei. Kein Hobbywissenschaftler wird die Komplexität klimatischer Zusammenhänge in seiner Garage abschließend entschlüsseln, im Keller einen Teilchenbeschleuniger zusammenschustern oder die kalte Fusion knacken.
Und ja, die Drittmittelakquise in der Wissenschaft ist ein Problem. Eines, dass man dem Staat zu Füßen legen muss, der sich eigentlich um die auskömmliche Finanzierung von Grundlagenforschung kümmern müsste. Die Punkte die hier gerne übersehen werden sind zweierlei: Erstens: das Abhängigkeiten nicht nur auf Seiten mancher Klimawandel-Befürworter bestehen sondern auch auf der Gegenseite. Es gibt ganze Industriezweige und dahinter eine erkleckliche Zahl an einflussreichen Personen, denen das Wasser im Munde zusammenlaufen dürfte, wenn sie an all die köstlichen, köstlichen Ressourcen denken, die da noch unter dem Eis schlummern und die Party noch ein wenig länger am laufen halten. Nicht zu vergessen diejenigen, denen staatliche Regulierung aus Umweltschutzgründen als Teufelszeug gilt.
Unsere Welt und unsere Wirtschaft ist auf Öl gebaut. Zu glauben, dass diejenigen, die von diesem Fundament am meisten profitieren, der Debatte nicht gerne eine andere Richtung geben würden, ist schlicht naiv. Punkt zwei: wir reden hier nicht von einer deutschen oder westlichen Problemstellung, sondern einer globalen. Die Argumente der Wissenschaft mit dem Ruf nach Korruption beiseite zu wischen, würde bedeuten, das weltweit tausende Männer und Frauen die Ideale und Methoden wissenschaftlichen Strebens nach zwei Jahrhunderten um des Mammons willen von heute auf morgen über Bord geworfen haben. Und das ist, wie jede global gedachte Verschwörung, eher unwahrscheinlich. Man darf dem globalen Konsens in Sachen Klimawandel also durchaus vertrauen schenken, auch wenn er nicht zu 100% ausfällt und es, sowohl auf der Pro wie auf der Contra Seite, Forscher gibt, die nicht so sauber arbeiten, wie sie es sollten.
Würden wir bei einem Verhältnis von 50 zu 50 oder 70 zu 30 liegen, wäre das etwas anderes. Wären es nicht so viele verschiedene wissenschaftliche Disziplinen, die jede in ihrem Fachgebiet zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangen, sondern nur eine einzige, deren Mitglieder sich beharken, dann wäre es etwas anderes. Aber hier hat die Quantität ihre eigene Qualität.
Womit wir zum vorerst letzten grundlegenden Gedanken kommen: der Endlichkeit. Und hier werde ich mich weit aus dem sprichwörtlichen Fenster lehnen und einen Blick in die Zukunft wagen. Der erste Blick ist ganz klar und nicht nur wahrscheinlich sondern unausweichlich. Die Ressourcen des Planeten, die wir für eine weiter so brauchen, werden der Menschheit über kurz oder lang ausgehen. Alles was nicht nachwächst, ist endlich. Zerstören wir sehenden Auges die Grundlagen der wachsenden Dinge, werden auch die ihrem nutzbarem Ende entgegen gehen. Der zweite Blick hängt weit aus dem geöffneten Fenster und klingt im ersten Moment nach Science-Ficiton. Unsere Ressourcen sind, bis auf wenige Ausnahmen, nicht endlich. Sie liegen nur nicht auf der Erde. Mineralien und anorganische Materialien, die wir tagtäglich verschlingen gibt es in Hülle und Fülle im All. Das einzige, was wahrlich (und relativ gesehen auch zeitnah) endlich ist, ist das, was nicht durch den Kosmos schwebt. Dinge, die es nur hier gibt, also all jenes, was aus lebendem Material entstanden ist und das wir, wie schon bemerkt, als fossile Rohstoffe bezeichnen.
Blöd nur das man das ganze Zeug im All nicht rankommt. Oder vielleicht doch? Bei Goldmann Sachs, mag man von den Finanzjongleuren halten was man will, geht man davon aus, dass der erste Trillionär ein space-miner, ein Bergbau-Unternehmer im Weltraum sein wird. Rein technologisch ist die Menschheit von dieser Möglichkeit der Ressourcenbeschaffung vielleicht weniger weit entfernt, als man das allgemein hin annehmen könnte. Die Kosten, Material und Technik ins All zu bringen sind in den letzten Jahren massiv gesunken und sollten bei anhaltendem Fortschritt weiter fallen. Ein paar prall gefüllte Gesteinsbrocken von den Rändern des Sonnensystems in Erdnähe zu schleppen und auszubeuten ist mit ein paar Milliarden Dollar technisch theoretisch umsetzbar und private Firmen, die genau das anstreben, gibt es bereits.
Gelingt das, hätte man einen ersten Schritt getan um die Zivilisation in der Kardaschow-Skala von Stufe 1 auf Stufe 2 zu heben. Alleine, also einem Menschen oder gar einem Staat, wird das kaum gelingen. Wir stehen vor globalen Herausforderungen, die global gelöst werden müssen. Je eher wir das erkennen und akzeptieren, desto besser. Dem steht freilich der wiederaufkommende Nationalegoismus gegenüber, aber das ist, wie noch einiges mehr rund um die Klima- und Rohstoffdiskussion, ein Thema für eine andere Betrachtung.
Angelo Glashagel
Autor: redBeginnen wir mit einer kleinen Anekdote. Ein Bekannter gab vor kurzem eine kleine Geschichte aus seinem Arbeitsalltag zum Besten. Der Herr ist Zerspanungsmechaniker, die Erzählung drehte sich um Diskussionen, die man so mit Kollegen führt. Das Thema, wie scheinbar überall in diesen Tagen: der Klimawandel und seine Folgen. Mein Bekannter frag also seinen Kollegen, ob der kein Interesse daran habe, dass seine Kinder in zwanzig oder dreißig Jahren noch in einer halbwegs intakten Welt leben können. Die Antwort des Kollegen: Ich will das mein Kind in zwanzig Jahren noch Diesel fahren kann.
Was will man da noch sagen? In der aktuellen Debatte prallen (mindestens) zwei Welten aufeinander. So scheint mir. Die einen, die sich sorgen wie es wird. Die anderen, die sich sorgen, dass es nicht so bleibt wie es ist. Diese ganze Diskussion, diese Gegensätzlichkeit, will mir nicht in den Kopf. Warum ist es so schwer zu verstehen, das wir vor umwälzenden Veränderungen stehen, wenn alles so weiter läuft wie bisher?
Das Thema ist vielschichtig und Bedarf wahrscheinlich eines mehrjährigen, intensiven Studiums, um sich einem umfassenden Verständnis auch nur zu nähern. Wir haben ein, zugegebenermaßen hochkomplexes System, dass wir Klima nennen und das von einer gefühlten Myriade Faktoren beeinflusst wird. Zu viele vielleicht, um vom durchschnittlich gebildeten Mitteleuropäer vollends verstanden zu werden. Aber die grundlegenden Gedanken sind doch nicht so schwer zu fassen, oder irre ich mich da?
Ein paar Gedanken
Wir geben dem System einen Stoff X zu, in unserem Fall vor allem CO2. Das war schon einmal drin im System, in einer Zeit, in der es wesentlich wärmer war als heute. Wo war es hin verschwunden? Unter die Erde, gespeichert in dem, was wir fossile Brennstoffe nennen. Die holen wir nun seit gut 150 Jahren aus ihrem unterirdischen Schlummer und pumpen sie in einer Geschwindigkeit in die Atmosphäre, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Das Ergebnis? Laut Skeptikern: keines. Die Menge an CO2 in der Atmosphäre sei ja viel zu gering, um einen Effekt zu haben. Dass die Dosis das Gift macht und die nicht unbedingt groß sein muss, um Schaden anzurichten, das ignoriert man geflissentlich. Das trifft natürlich nicht auf alle überall zu, aber auf manche, oft lautstarke Skeptiker.Grundlegender Gedanke Numero zwei. Was passiert, wenn ich großen Mengen Salzwasser substantielle Mengen Süßwasser zugebe? Der Wasserspiegel steigt, soviel sollte offensichtlich sein. Zweitens wird sich der Salzgehalt des Wassers verändern. Nun geben wir dem ganzen noch ein paar durch Temperatur und Dichte bedingte Strömungen hinzu. Könnten diese durch den Zustrom großer Mengen Süßwassers und die damit verbundenen Änderungen beeinflusst werden? Wer in Chemie und Physik ein bisschen aufgepasst hat, sollte zumindest die Ahnung einer Antwort haben, ohne gleich die Komplexität globaler Wasserströme durchdringen zu müssen. Sollte es diese Änderungen geben, könnte sich das auf die allgemeine Wetterlage auswirken? Greifen Sie dazu bitte auf ihr Grundlagenwissen aus dem Geographie-Unterricht zurück, Stichwort: Wasserkreislauf. Regen, Flüsse, Meere, Verdunstung, Wolken, Regen – die Nummer. Auch hier: die Ahnung einer Antwort sollte offensichtlich sein.
Das Gletscher, Festlandeis und der antarktische Eisschild abschmelzen ist nicht zu bestreiten. Diese Phänomene können wir zu unseren Lebzeiten mit dem eigenen Auge beobachten, so wir denn gewillt sind zu sehen. Dass der Permafrostboden, wie der Name schon sagt eigentlich permanent gefrorener Boden, gerade auftaut und Methan freisetzt, ist ebenso unbestritten. Zu unserem Stoff X kommt also noch Stoff Y, erweitern Sie die Gleichung entsprechend und erklären Sie, wie das keine Auswirkungen auf die Gesamtgemengelage haben soll.
Der Teufel steckt aber bekanntermaßen im Detail. Im Wo, Wie und Wann. Nicht im Ob. Da ich nun lediglich über ein leidlich ausgeprägtes Wissen um mögliche Zusammenhänge verfüge, wende ich mich vertrauensvoll der Wissenschaft zu, begebe mich in die Hände von Leuten, die Jahrzehnte ihres Lebens mit genau diesen Detailfragen zugebracht haben. Und damit kommen wir zum nächsten grundlegenden Gedanken: dem Vertrauen in die Wissenschaft. Das es hier einen breiten Konsens zu Gunsten eines vom Menschen beeinflussten Klimawandels gibt, ist bekannt. Das der sich nicht zu 100% deckt, ebenso. Die Skeptiker führen eben deswegen gerne Studien ins Feld, die gegenteiliger Meinung sind, die gegen den Mainstream schwimmen. Es gibt Dissenz, Klimathese widerlegt, badabum und tusch.
Das die Damen und Herren Gelehrten in der übergroßen Mehrheit nach der wissenschaftlichen Methode arbeiten wird...ignoriert? Vergessen? Ist nicht bekannt? Kurz zur Erklärung. Wissenschaftler A hat eine These, die er überprüfen will. Er oder Sie denkt sich ein entsprechendes Experiment aus, um seine These zu überprüfen. Im vorliegenden Fall sind das in Ermangelung praktikabler Laborexperimente meist Berechnungen durch komplexe Computermodelle.
Methode und Ergebnisse werden geprüft, wieder geprüft und noch einmal geprüft. Dann wird publiziert, meist in einschlägigen Fachmagazinen und die eigene Arbeit den Kolleginnen und Kollegen weltweit zur nochmaligen Überprüfung vorgelegt. Peer review nennt sich das. Können die Experimente von A durch B, C, D und E bis Y mit gleichen oder ähnlichen Ergebnissen reproduziert werden haben wir eine Theorie, die solange gilt bis sie, im gleichen Prozess, widerlegt werden kann. Wir dürfen in Sachen Klimawandel also, auch bei ein paar abweichenden Ergebnissen, mit Fug und Recht von wissenschaftlichem Konsens sprechen.
Aber die machen das ja alle nur des Geldes wegen!, werden unsere Skeptiker nun einwerfen, den eingebildeten Gelehrten im Elfenbeinturm kann man nicht vertrauen. Ja, Wissenschaft kostet Geld. Wenn wir wissenschaftlichen Fortschritt nur noch in ehrenamtlicher Tätigkeit für ehrbar erachten, dann müssen wir zu den Tagen zurückkehren, in denen Universalgelehrte ihre Freizeit nutzten und mit eigenen Mitteln und in den eigenen vier Wänden zu Durchbrüchen gelangten. Diese Zeiten sind aber schon lange vorbei. Kein Hobbywissenschaftler wird die Komplexität klimatischer Zusammenhänge in seiner Garage abschließend entschlüsseln, im Keller einen Teilchenbeschleuniger zusammenschustern oder die kalte Fusion knacken.
Und ja, die Drittmittelakquise in der Wissenschaft ist ein Problem. Eines, dass man dem Staat zu Füßen legen muss, der sich eigentlich um die auskömmliche Finanzierung von Grundlagenforschung kümmern müsste. Die Punkte die hier gerne übersehen werden sind zweierlei: Erstens: das Abhängigkeiten nicht nur auf Seiten mancher Klimawandel-Befürworter bestehen sondern auch auf der Gegenseite. Es gibt ganze Industriezweige und dahinter eine erkleckliche Zahl an einflussreichen Personen, denen das Wasser im Munde zusammenlaufen dürfte, wenn sie an all die köstlichen, köstlichen Ressourcen denken, die da noch unter dem Eis schlummern und die Party noch ein wenig länger am laufen halten. Nicht zu vergessen diejenigen, denen staatliche Regulierung aus Umweltschutzgründen als Teufelszeug gilt.
Unsere Welt und unsere Wirtschaft ist auf Öl gebaut. Zu glauben, dass diejenigen, die von diesem Fundament am meisten profitieren, der Debatte nicht gerne eine andere Richtung geben würden, ist schlicht naiv. Punkt zwei: wir reden hier nicht von einer deutschen oder westlichen Problemstellung, sondern einer globalen. Die Argumente der Wissenschaft mit dem Ruf nach Korruption beiseite zu wischen, würde bedeuten, das weltweit tausende Männer und Frauen die Ideale und Methoden wissenschaftlichen Strebens nach zwei Jahrhunderten um des Mammons willen von heute auf morgen über Bord geworfen haben. Und das ist, wie jede global gedachte Verschwörung, eher unwahrscheinlich. Man darf dem globalen Konsens in Sachen Klimawandel also durchaus vertrauen schenken, auch wenn er nicht zu 100% ausfällt und es, sowohl auf der Pro wie auf der Contra Seite, Forscher gibt, die nicht so sauber arbeiten, wie sie es sollten.
Würden wir bei einem Verhältnis von 50 zu 50 oder 70 zu 30 liegen, wäre das etwas anderes. Wären es nicht so viele verschiedene wissenschaftliche Disziplinen, die jede in ihrem Fachgebiet zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangen, sondern nur eine einzige, deren Mitglieder sich beharken, dann wäre es etwas anderes. Aber hier hat die Quantität ihre eigene Qualität.
Womit wir zum vorerst letzten grundlegenden Gedanken kommen: der Endlichkeit. Und hier werde ich mich weit aus dem sprichwörtlichen Fenster lehnen und einen Blick in die Zukunft wagen. Der erste Blick ist ganz klar und nicht nur wahrscheinlich sondern unausweichlich. Die Ressourcen des Planeten, die wir für eine weiter so brauchen, werden der Menschheit über kurz oder lang ausgehen. Alles was nicht nachwächst, ist endlich. Zerstören wir sehenden Auges die Grundlagen der wachsenden Dinge, werden auch die ihrem nutzbarem Ende entgegen gehen. Der zweite Blick hängt weit aus dem geöffneten Fenster und klingt im ersten Moment nach Science-Ficiton. Unsere Ressourcen sind, bis auf wenige Ausnahmen, nicht endlich. Sie liegen nur nicht auf der Erde. Mineralien und anorganische Materialien, die wir tagtäglich verschlingen gibt es in Hülle und Fülle im All. Das einzige, was wahrlich (und relativ gesehen auch zeitnah) endlich ist, ist das, was nicht durch den Kosmos schwebt. Dinge, die es nur hier gibt, also all jenes, was aus lebendem Material entstanden ist und das wir, wie schon bemerkt, als fossile Rohstoffe bezeichnen.
Blöd nur das man das ganze Zeug im All nicht rankommt. Oder vielleicht doch? Bei Goldmann Sachs, mag man von den Finanzjongleuren halten was man will, geht man davon aus, dass der erste Trillionär ein space-miner, ein Bergbau-Unternehmer im Weltraum sein wird. Rein technologisch ist die Menschheit von dieser Möglichkeit der Ressourcenbeschaffung vielleicht weniger weit entfernt, als man das allgemein hin annehmen könnte. Die Kosten, Material und Technik ins All zu bringen sind in den letzten Jahren massiv gesunken und sollten bei anhaltendem Fortschritt weiter fallen. Ein paar prall gefüllte Gesteinsbrocken von den Rändern des Sonnensystems in Erdnähe zu schleppen und auszubeuten ist mit ein paar Milliarden Dollar technisch theoretisch umsetzbar und private Firmen, die genau das anstreben, gibt es bereits.
Gelingt das, hätte man einen ersten Schritt getan um die Zivilisation in der Kardaschow-Skala von Stufe 1 auf Stufe 2 zu heben. Alleine, also einem Menschen oder gar einem Staat, wird das kaum gelingen. Wir stehen vor globalen Herausforderungen, die global gelöst werden müssen. Je eher wir das erkennen und akzeptieren, desto besser. Dem steht freilich der wiederaufkommende Nationalegoismus gegenüber, aber das ist, wie noch einiges mehr rund um die Klima- und Rohstoffdiskussion, ein Thema für eine andere Betrachtung.
Angelo Glashagel