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Di, 08:44 Uhr
24.09.2019
Meldungen aus dem evangelischen Kirchenkreis

Abschied vom Arbeitsleben

Willkommen im Ruhestand! Für Pfarrerin Seifert war der Abschiedsgottesdienst die letzte offizielle Amtshandlung...

Dementsprechend war die Unterkirche in Bad Frankenhausen am 15. September mit fast 250 Besuchern gut gefüllt.

Abschied vom Arbeitsleben (Foto: Peter Zimmer) Abschied vom Arbeitsleben (Foto: Peter Zimmer)

Es kamen nicht nur Gemeindeglieder aus ihrem Pfarrbezirk, sondern auch aus anderen Kirchgemeinden (Bendeleben, Oldisleben, Göllingen usw.) der Bereiche Oldisleben und Kyffhäuserland. Dies machte deutlich, wie bekannt und beliebt Pfarrerin Seifert in ihrer Dienstzeit geworden war. Da Pfarrerin Seifert in der Musik oft Entspannung fand, wurde der Gottesdienst dementsprechend gerecht: Posaunenchor Oldisleben und Kantorei Bad Frankenhausen mit Beteiligung von Chorsängern aus Oldisleben unter der Gesamtleitung von Kantorin Schildmann gaben ihr Bestes.

Abschied vom Arbeitsleben (Foto: Peter Zimmer) Abschied vom Arbeitsleben (Foto: Peter Zimmer)

Als Predigttext wählte Pfarrerin Seifert das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukasevangelium, Kapitel 10), es geht um die Frage nach dem Nächsten und der Nächstenliebe, gilt sie im weitesten Sinne oder eingeschränkt. Pfarrerin Seifert führte dazu aus: „Es war der 21.November 2014, eben hatte unsere Kirchgemeinde die Anfrage bekommen, ob wir einen jungen Mann ins Kirchenasyl nehmen könnten. Er hieß Sarkat und stammte aus dem Irak. Seit dreieinhalb Jahren war Sarkat in Deutschland und hatte in verschiedenen Unterkünften gelebt. In all dieser Zeit hatte sich in seinem Asylverfahren nichts getan. Nun sollte er, nach dieser langen Zeit des Wartens zurück geschickt werden nach Italien, denn dort hatte er damals vor dreieinhalb Jahren zuerst den Boden Europas betreten. Wir hatten uns darüber informiert, dass Sarkat in Italien nicht um sein Leben fürchten musste, aber er würde wie viele andere um sein Leben kämpfen müssen. Denn anders als in unserem Land würde ihm in Italien kein Platz in einer Unterkunft zustehen. Viele junge Männer lebten dort deshalb auf der Straße und es war – wie gesagt – Ende November.

Nachdem Sarkat schon so lange hier in Deutschland gelebt hatte, war es nicht nachzuvollziehen, wieso er nicht hier sollte bleiben können. Das Kirchenasyl war eine Möglichkeit, den Entscheid über die Abschiebung noch einmal überprüfen zu lassen.

Und wir als Kirchgemeinde mussten uns fragen, ob wir ein Kirchenasyl würden stemmen können. Gerade hatten wir in all unseren Kirchgemeinden Martini gefeiert. Wir hatten die Geschichte des Heiligen Martin gehört, hatten Martinslieder gesungen, die Martinshörnchen geteilt und das Licht der Martinslaternen durch die Straßen unserer Stadt und unserer Dörfer getragen. In Bad Frankenhausen hatten wir das Martinsspiel gesehen und dabei die Szene, in der Martin in der Nacht, nachdem er seinen Mantel mit dem Bettler geteilt hatte, im Traum den Himmel offen sieht. Und dann sieht er Jesus Christus, der auf ihn weist und sagt: das ist Martin. Er hat seinen Mantel mit einem Bettler geteilt. Und was er für diesen Menschen getan hat, das hat er für mich getan: „was er für diesen Menschen in Not getan hat, das hat er für mich getan.“ Dieser Satz fiel mir ein an jenem Abend, an dem wir hier in Bad Frankenhausen über das Kirchenasyl zu entscheiden hatten. Und ich dachte: So nah können einem die Worte der Bibel also mit einem Male kommen.

Abschied vom Arbeitsleben (Foto: Peter Zimmer) Abschied vom Arbeitsleben (Foto: Peter Zimmer)

Da habe ich sie schon hundertmal gehört, da habe ich schon mehrmals darüber gepredigt. Aber nun sind sie da. Nun stehen diese Worte sozusagen vor mir in Gestalt eines Menschen, der meine Hilfe braucht. Er ist der geringste Bruder, von dem Jesus spricht. Und Jesus geht ja noch ein Stück weiter. Er sagt: ICH bin es. Und alles, was ihr diesem Menschen in Not tut, das tut ihr mir. Wie könnten wir da an diesem Menschen vorüber gehen? Das ist eine der Fragen, die uns die biblischen Lesungen des heutigen Sonntags stellen. So erzählt Jesus im Evangelium von einem Menschen, der unter die Räuber gefallen ist. Halbtot ist er und kann sich auf keinen Fall selbst helfen. Aber es dauert, bis Hilfe in Sicht ist. Und darum geht es – ums rechte Sehen. Zweimal – so erzählt Jesus – kommen Menschen und sehen, was los ist: da liegt einer, der braucht Hilfe. Aber sie gehen vorüber. Doch dann – die heilsame Unterbrechung.

Ein Dritter kommt. Auch er sieht, was los ist. Und er lässt sich anrühren von dem, was er sieht. Im Evangelium heißt es: als er den Verwundeten sah, jammerte es ihn. „Es jammerte ihn.“ Das ist ein starkes Wort. Ich stelle mir das richtig vor – wie er ergriffen wird von der Not des anderen. Und wie er sich auch ergreifen lässt. „Es jammerte ihn“ - mit diesem Wort kommt etwas in Bewegung. Sehr ausführlich wird dann erzählt, wie er hilft. Und man spürt – dieser Mann weiß, worauf es ankommt. Das ist übrigens nicht nur barmherzig, es ist auch sehr mutig. Denn es hätte ja durchaus sein können, dass sich die Räuber noch versteckt hielten auf dem unübersichtlichen Weg zwischen Jerusalem und Jericho und es auch auf ihn abgesehen hatten. Mut braucht es und Barmherzigkeit, wenn Menschen unter die Räuber gefallen sind. Natürlich kann man fragen – gut, diesem einen Menschen in Not ist geholfen worden. Aber was nützte es, EINEM Opfer zu helfen, wenn das Räubertum auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho nicht generell beseitigt wurde? Am nächsten Tag traf es vielleicht schon den nächsten Reisenden. Ist Strukturverbesserung nicht viel wichtiger als Einzelfallhilfe. Und ist meine Hilfe für EINEN Menschen nicht nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein? Auch wenn ich einem Menschen helfe, der sich im Dschungel der Paragrafen verfangen hat, einen Durchblick zu gewinnen. Oder wenn ich einen Menschen unterstütze, dem die Sorge um sein Auskommen die Ruhe raubt. Macht das die Welt insgesamt besser? Jesus bejaht mit seinem Gleichnis vom Samariter, der barmherzig ist, ausdrücklich diesen Tropfen auf den heißen Stein. Denn zu dem, was Jesus zu sagen hat, gehört der unendliche Wert des einzelnen Menschen: „Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern – das habt ihr mir getan“. So sieht Jesus uns an. Jeden einzelnen von uns, als Gotteskind.

Von Gott ins Leben gerufen und mit vielen guten Gaben ausgestattet. Barmherzigkeit gehört zu diesen Gaben und der Sinn für Gerechtigkeit. Gaben für mich selbst und Gaben für andere. Und über allem die Liebe zu Gott: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen und mit aller deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Um diese drei Dimensionen meines Lebens geht es. Und wenn es heißt: aller guten Dinge sind drei. Dann steckt in diesem Wort eine wirkliche Lebensweisheit. Denn wenn eines fehlt, dann fehlt meinem Leben der Zusammenhang und der Halt. Ich brauche Gott und sein Wort. Ich brauche jeden Tag die biblischen Verse aus dem Herrnhuter Losungsbüchlein. Ich brauche Gott als den Schöpfer meines Lebens, der mich besser kennt, als ich mich selbst kenne und dem ich mich im Gebet anvertrauen kann mit allem, was mir auf dem Herzen liegt. Ich brauche Zeit für mich selbst. Ich brauche Momente, in denen ich mal ganz allein nur auf mich sehen kann. Was tut mir gut? Was macht mich stark? Und ich brauche die Gemeinschaft. Ich habe das große Glück, dass ich in einer großen Familie aufwachsen durfte. Auch, dass unser Elternhaus immer ein offenes Haus war und für mich und meine drei Brüder die Nachbarskinder zur Familie und zum Alltag dazu gehört haben. Ich habe das große Glück, eine eigene Familie zu haben und so eine Nähe und ein Vertrauen, das mich stark macht. Ich bin froh über Freundinnen und Freunde, die an unserer Seite sind. Und ich habe einen Beruf, der mich immer in die Gemeinschaft mit anderen ruft. Das sind große Geschenke, die mir Gott da gemacht hat. Denn wenn ich es auch mag, in unseren Kirchen manchmal ganz allein zu sein – nur mit Gott und mir selbst – auf die Dauer reicht das nicht aus. Da brauche ich den Glauben, die Hoffnung und die Liebe der anderen. Wie oft bin ich getröstet geworden durch den festen Glauben der anderen. Wie dankbar bin ich für Zeichen des Mutes, die auch mir Mut machen. Spannend ist es deshalb, dass das Gleichnis vom barmherzigen Samariter ja gar nicht nur erzählt wird als Beispielgeschichte für vorbildliches Verhalten. Sondern zu Beginn wendet sich der Schriftgelehrte an Jesus mit der Frage: Meister, was muss ich tun, damit ich das ewige Leben gewinne? Darum geht es – um das ewige Leben. Um Gottes Reich in unserer Welt. Der Prophet Johannes nennt es später den neuen Himmel und die neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. Und Jesus macht klar: das ewige Leben gibt es nicht ohne den Anderen. Gott hat uns Menschen zur Gemeinschaft bestimmt. Barmherzig sein und gerecht reden und handeln ist darum nicht nur etwas, das ich für andere tue, barmherzig sein tut auch dem eigenen Herzen gut. Wer dagegen immer nur Worte voller Ablehnung und Abgrenzung und Neid denkt und sagt, der schadet seiner eigenen Seele. Er verliert mit der mangelnden Liebe zu seinem Nächsten schließlich auch die Liebe zu sich selbst.
Wie gut ist es deshalb, die Gemeinschaft der Gottesfamilie zu haben. Schwestern und Brüder, die mit glauben und mit leben für das Reich Gottes in unserer Welt. Freilich überfällt uns zuweilen auch die Sorge um unsere Kraft. Wie stark, wie glaubwürdig sind wir als Gemeinde Gottes in unserer Gesellschaft? Voraussagen über künftige Gemeindegliederzahlen rauben uns die Ruhe? Wie soll das werden?

Abschied vom Arbeitsleben (Foto: Peter Zimmer) Abschied vom Arbeitsleben (Foto: Peter Zimmer)

Ich war vor einigen Tagen unterwegs auf der Straße zwischen Udersleben und Esperstedt. Die Felder links und rechts sind abgeerntet. Man sieht auch den abgeernteten Feldern die Not der Trockenheit dieses Sommers noch an, und den Bäumen am Straßenrand sowieso. Es ist ein Jammer. Und dann sah ich etwas, was mich richtig ergriff. Ein Traktor zog seine Bahn übers Feld. In großer Ruhe und Gelassenheit. Ich konnte meinen Blick gar nicht abwenden. Und mein erster Gedanke war: er sät. Er bringt die Wintersaat in den Boden. Es geht also weiter. Auch wenn der Sommer zum verzweifeln war. Auch wenn die Ernte nur mäßig ist – es geht weiter. Der Landwirt sät auf Hoffnung hin. Und bald wird die Saat aufgehen. Ein wunderbares Bild. Und ein biblisches Bild. Dieses Bild gebe ich euch gern weiter, liebe Schwestern und Brüder. Und dieses Bild nehme ich auch gern mit für mich. Denn der Same, so sagt es Jesus – der Same, der gesät wird, das ist das Wort Gottes. Und immer wieder vertraut uns Gott sein Wort an. Immer von Neuem legt Gott uns seine Worte ins Herz und auf die Zunge. Immer wieder rührt er uns an mit dem Geist des Lebens. Und wenn wir jetzt miteinander das Heilige Abendmahl feiern, dann empfangen wir sogar Gottes Gaben, Brot und Wein zur Stärkung für Leib und Seele. Mögen wir sie empfangen mit Zuversicht und Vertrauen. Damit seine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit groß werden kann in uns und wir davon gern und reichlich weitergeben an die Menschen neben uns.“

Nach dem Abendmahl nahm Superintendent Bálint die „Entpflichtung“ vor. Sie ist damit von allen Dienstpflichten befreit, aber mit ihrer Ordination hat sie ein lebenslanges Recht, um Amtshandlungen (z.B. Taufen, Hochzeiten, Trauerfeiern) auszuführen – dies tun viele Amtskollegen, nicht umsonst heißt es ja „Unruhestand“. Der Vertreter des Gemeindekirchenrates ihres Pfarrbereichs überbrachte den Dank der Gemeinden und Kirchenältesten:

Liebe Frau Pfarrerin Magdalena Seifert wir sagen Danke – das sind die Kirchgemeinden Udersleben, Ichstedt, Esperstedt, Borxleben und Bad Frankenhausen mit ihren Gemeinden und Kirchenältesten. Danke dem Herrgott, dass er Sie mit Ihrem lieben Mann 2011 hierher nach Bad Frankenhausen gelenkt hat. Danke, dass Sie, obwohl eigentlich die Stelle nur für Bad Frankenhausen ausgeschrieben war und sie kurze Zeit später schon 4 Dörfer übernehmen mussten und Sie uns die zusätzliche „Last“ nie haben spüren lassen. Danke für die lebensverbundenen Predigten, von denen man gestärkt nach Hause gehen konnte. Danke für Ihr Singen in der Kantorei trotz vielfältiger Aufgaben Danke für viele ehrenamtliche Einsätze bei den „niederen“ Arbeiten, sei es Ein- und Aufräumen des Gemeindesaals, Kirchenreinigung usw. - meist waren Sie die Letzte, die das Licht ausmachte. Danke für Ihre Teilnahme am öffentlichen Leben der Stadt und Region – es wurde wahrgenommen und geschätzt! Danke für die guten seelsorgerlichen Gespräche – Sie nahmen sich die Zeit dafür – trotz Zeitdruck durch ihre vielschichtigen Geschäftsführungstätigkeiten. Danke für viele neue Ideen, die Sie in unseren Gemeinden einbrachten und so das Gemeindeleben lebendiger gestalteten. Danke für manch klare Worte – ob in Predigt oder Sitzungen – es war nie verletzend, sondern nachdenkenswert.


Danke für Ihren Ehemann Jürgen Seifert – immer wieder war er als guter Geist auf vielfältige Weise aktiv. Danke für die liebevolle floristische Eingangsgestaltung am Pfarrhaus – immer wieder ein „Hingucker“, dazu immer ein offenes Haus, wenn Sie nicht gerade dienstlich unterwegs sein mussten. Danke für die 8 Jahre ihres Wirkens in unseren Gemeinden, liebes Ehepaar Seifert – für die weitere Zeit bleibt nur zu sagen: Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, der Herr hebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden.

Damit aber keine Wehmut bei uns aufkommt, zitiere wir frei nach Apostelgeschichte Kapitel 8: „Sie ziehen aber ihre Straße fröhlich“ – gen Saalfeld. Und etwas möchte sie ab und an uns erinnern – eine Bild von Bad Frankenhausen. Bürgermeister Strejc erinnerte an die gute Zusammenarbeit von Pfarrerin Seifert mit der Kommune.

Eine besondere Überraschung erlebte sie mit dem Besuch einer kleinen Abordnung aus ihrem ehemaligen Dienstort Frauenpriesnitz, wo sie zuvor 30 Jahre Dienst tat. Im Anschluss waren alle Gäste in den Gemeindsaal zum Kaffeetrinken eingeladen. Zahlreiche Gemeindeglieder sprachen noch einmal ganz persönlich mit Pfarrerin Seifert und übergaben Geschenke. Der Pfarrbereich Bad Frankenhausen mit den Orten Udersleben, Ichstedt, Esperstedt und Borxleben ist erstmals in der glücklichen Lage, keine Vakanzzeit zu erleben. Pfarrerin Nadine Greifenstein ist schon seit April als „Entlastung“ im Bereicht tätig, konnte sich einarbeiten und hat mit der Verabschiedung von Pfarrerin Seifert nun „nahtlos“ das Pfarramt Bad Frankenhausen übernommen.

Text und Fotos: Peter Zimmer
Bad Frankenhausen
Autor: khh

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