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Mi, 09:07 Uhr
02.10.2019
Landespolitiker äußern sich

Es ist nicht leicht, einen Faden zu spinnen

Der Heimatverein Keula hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen, wie kn erfahren hat. Dazu diese Meldung...

„Viel Nützliches hat uns die Natur verraten, doch vieles haben wir auch wieder vergessen“, erzählt Regina Trutschel, die Vorsitzende des Heimatvereins Keula, ihrem Gast aus dem Thüringer Landtag. Aus ihrem Sondershäuser Wahlkreis hat sie die Abgeordnete Dr. Iris Martin-Gehl (DIE LINKE) eingeladen und ihr auch einiges geklagt über all die Auflagen, welche die Vereinsarbeit erschweren.

Es ist nicht leicht, einen Faden zu spinnen (Foto: Ingo Linsel) Es ist nicht leicht, einen Faden zu spinnen (Foto: Ingo Linsel)

Regina Trutschel erklärt, wie Schafwolle früher mit der Weberkarde bearbeitet wurde.

Zuerst führt sie aber vor, womit sich die Frauen in der Spinnstube des Heimatvereins beschäftigen.
An einer Wand hängen Weberkarden, die einst den Schäfern auffielen, weil die trockenen Fruchtstände dieser Pflanze sich wunderbar zum Kämmen von Schafwolle eignen. Freilich nutzten sich die

Es ist nicht leicht, einen Faden zu spinnen (Foto: Ingo Linsel) Es ist nicht leicht, einen Faden zu spinnen (Foto: Ingo Linsel)

Landwirtschaftliche Gerätschaften im Heimatmuseum.

Pflanzenhäkchen schnell ab, weshalb Regina Trutschel einen Kardierer aus Draht der Pflanze vorzieht. Von ihm nimmt sie nach mehreren Umdrehungen mit der Handkurbel die dann in eine Richtung gebrachte Haarschicht ab als spätere Grundlage des zu spinnenden Fadens. Und auch dieser Faden, so erklärt sie weiter, windet sich derart voll innerer Spannung, dass er noch nicht nutzbar ist. Um den Drall zu überwinden, müssen mehrere dieser Fäden miteinander versponnen werden. Weshalb ein Spinnrad, das wirklich auch genutzt werden kann, über drei Spulen verfügen muss. Bis nach Neuseeland dehnten die Frauen ihre Suche aus, um das richtige Gerät zu bekommen.

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Ein fachmännisch gereinigter, selbst gesponnener und manchmal sogar mit Waid gefärbter Wollfaden verursacht also einiges an Aufwand. Nicht nur auf Schafswolle greifen die Spinnerinnen zu, auch auf Alpaka- und Kamelhaare. Um die Unkosten zu begleichen, wird einiges auf Basaren angeboten. Das Interesse ist groß, so dass Wartezeiten bei der Bestellung von einem Jahr akzeptiert werden.

Es ist nicht leicht, einen Faden zu spinnen (Foto: Ingo Linsel) Es ist nicht leicht, einen Faden zu spinnen (Foto: Ingo Linsel)

Stiefel aus der napoleonischen Zeit.

Eigentlich wollten sich die Frauen ja nur diesem Hobby widmen, erklärt Regina Trutschel. Der Heimatverein, dem die Handarbeiterinnen beitraten, ging aber immer mehr auf sie über. Inzwischen lastet auf Frau Trutschel die Verantwortung für alles. „Wie soll ich denn die Leute versichern“, so fragt sie die Abgeordnete, „die gerade das Heimatmuseum in der alten Schule ausbauen?“ Seit sie sich selbst dabei verletzt hat, treibt sie zunehmend die Sorge um ihre Mitstreiter um.

Es ist nicht leicht, einen Faden zu spinnen (Foto: Ingo Linsel) Es ist nicht leicht, einen Faden zu spinnen (Foto: Ingo Linsel)

Das Geräusch des Spinnrades hat eine sehr beruhigende Wirkung.

Bei einem Rundgang durch das Museum zusammen mit dem Vereinsschatzmeister Helmut Lorber spürt man aber auch den Stolz über das bislang Erreichte. Angefangen von einer Kopie der ersten urkundlichen Erwähnung von Keula, über preußische Uniformen bis zu Stabilbaukästen aus der DDR-Zeit umfasst die Ausstellung Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte.

Es ist nicht leicht, einen Faden zu spinnen (Foto: Ingo Linsel) Es ist nicht leicht, einen Faden zu spinnen (Foto: Ingo Linsel)

Eine kleine Schatztruhe für den Heimatverein.

Einen ganzen Katalog mit Fragen und Bitten um mehr Unterstützung gibt die Vorsitzende schließlich der Abgeordneten mit. Dabei geht es vor allem um bürokratische Hindernisse, versicherungsrechtliche Unsicherheiten, faktische und finanzielle Verantwortlichkeiten, die dem Verein zu schaffen machen und die Vorsitzende sogar schon manchmal ans Aufhören denken ließen.

„Es ist wahrlich nicht leicht, einen guten Faden zu spinnen“, nickt Iris Martin-Gehl und sagt zu, sich der Sorgen des Vereins anzunehmen.

Text und Bilder: Ingo Linsel
Autor: khh

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