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Fr, 10:00 Uhr
10.04.2020
Wirtschaftliche Entwicklung in Nordthüringen

Nach der Krise ist vor der Krise

Der internationale Währungsfond rechnet in Folge der weltweiten Corona-Krise mit schweren wirtschaftlichen Verwerfungen und zieht Vergleiche zur großen Depression Ende der 1920er Jahre. Die nnz hat nachgehakt wie die Lage aktuell in Nordthüringen eingeschätzt wird…

Wirtschaft in der Krise (Foto: geralt/pixabay.com) Wirtschaft in der Krise (Foto: geralt/pixabay.com)

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Eine Messgröße, die Rückschlüsse auf die Lage zulässt, ist die Zahl der Anzeigen zur Kurzarbeit. In den drei Nordthüringer Kreisen Nordhausen, Kyffhäuserkreis und dem Eichsfeld liegt die aktuell bei rund 1.000 Betrieben, teilt Andrea Springer, Pressesprecherin der Nordhäuser Agentur für Arbeit mit. Ob auch alle Anzeigen tatsächlich umgesetzt werden steht derweil noch nicht fest, Anträge auf Erstattung werden erst nach der nächsten Lohnabrechnung gestellt. Belastbare Zahlen, auch zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit, werden erst Ende des Monats vorliegen.

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Bei der Arbeitsagentur geht man davon aus das dass Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Betroffen sind fast alle Wirtschaftsbereiche, eine solche Entwicklung habe es in dieser Kürze der Zeit und in dieser Breite noch nicht gegeben, meint Springer. Ähnlich schätzt man die Lage im Nordthüringer Unternehmerverband ein.

Für eine grundsätzliche Beurteilung der Lage und ihrer Entwicklung sei es noch zu früh, man habe in den letzten Wochen vor allem damit zu tun gehabt, Anfragen der Mitglieder zu beantworten und den Unternehmen handfeste Hilfen an die Hand zu geben, berichtet Nils Neu, Vorsitzender des NUV. „Wo kann ich noch einen Antrag stellen? Wo bekomme ich Schutzmaterialien her? Darf mein Betrieb noch weiter arbeiten oder muss ich zumachen? Wie lange kann ich ohne Umsatz meine Fixkosten bestreiten? Das waren die Fragen die die Unternehmer umgetrieben haben. Viele greifen gerade auf ihre Reserven zurück und haben bis jetzt noch keine Kurzarbeit eingeführt, nicht zuletzt weil dieser Schritt auch deutliche Einschnitte für die Mitarbeiter mit sich bringt und viele ihre Fachkräfte halten wollen. Aber früher oder später ist auch die größte Reserve aufgebraucht“.

Zunächst habe sich die Krise vor allem bei Gastronomen und Friseuren deutlich bemerkbar gemacht, inzwischen liege quer durch die Nordthüringer Wirtschaft vieles brach. Einzige Ausnahme bilden im Moment die Einzelhändler, die weiter geöffnet haben und steigende Umsätze verzeichnen.

„Für die Wirtschaft wird dieses Jahr als ein sehr schlechtes in die Geschichte eingehen, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung geht aktuell von einem Negativwachstum zwischen - 4 bis - 5 Prozent aus. Die Folgen werden, meiner Einschätzung nach, mindestens so gravierend wie in der Finanzkrise.“, meint der NUV-Vorsitzende. Man sehe bisher nur die „Spitze des Eisberges“, wie angespannt die Lage tatsächlich ist, habe in der Breite der Gesellschaft noch keinen Niederschlag gefunden.

Erfreulich sei dass die Politik schnell und umfangreich reagiert habe, ob die Umsetzung so unbürokratisch gelinge wie sie angekündigt wurde könne man aber noch nicht sagen. Mögliche Missbrauchsfälle wie man sie aktuell in Baden-Württemberg verfolgt werden schadeten am Ende der Mehrheit der Unternehmen, ganz ohne bürokratische Prüfung gehe es daher auch nicht. Von gut gemeinten Ratschlägen zur Überwindung der Krise sollte man aber im Moment eher absehen, meint Neu. „Wie man mit so einer Situation umgeht steht in keinem Lehrbuch, wir bewegen uns hier alle auf Neuland“.

Ein Hoffnungsschimmer: die Nordthüringer Unternehmer haben die Solidarität untereinander der Krise zum Trotz nicht vergessen und sich vielfach gegenseitig ausgeholfen, berichtet Neu. „Wenn man der Krise etwas positives abgewinnen will, dann das jetzt deutlich wird wie elementar wichtig die Leistung der Wirtschaft, vor allem des Mittelstandes und der vielen Mitarbeiter, für unser demokratisches System sind. In den letzten Jahren des Wohlstandes stand das nicht immer im Fokus“.
Angelo Glashagel
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Kommentare

10.04.2020, 10.34 Uhr
Wolfi65 | Die Zeit der großen Brötchen ist vorbei
Ab jetzt werden nur noch kleine Brötchen gebacken.
Die Milliarden von Euros an Rücklage bei der Arbeitsagentur, werden wohl nicht mehr lange halten.
Nach Corona kommt wohl die Saure-Gurken Zeit.
Eine weltweite Rezession, ausgelöst mal nicht durch Spekulanten, sondern durch ein mikroskopisch kleines Lebewesen.

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10.04.2020, 14.48 Uhr
thueri | Inflation im Anmarsch.
Ich höre im Geiste schon die Gelddruckpressen rattern. So entschuldet sich der Staat. Und durch Steuererhöhungen und neue "Solidaritäts"abgaben. Alles für die arme Wirtschaft. Die Preise werden schneller steigen. Das ersparte Geld auf dem Konto verliert weiter an Kaufkraft. Schliesslich muß der Staat ja das ausgegebene Geld ja wieder hereinholen. Die hochselbstgelobte "Markt"wirtschaft sollte doch angeblich so flexibel und leistungsstark sein. Alles Märchen, wie man jetzt sieht.

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