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Sa, 09:52 Uhr
16.01.2021
Service-Tipp/Werbung

Der Vergleich zur Realität

Um kaum ein anderes Segment der Online Unterhaltung halten sich so viele Gerüchte und falsche Behauptungen wie rund um den Glücksspielmarkt. Angefangen von unterschiedlichen Auslegungen der rechtlichen Erlaubnis und dem Betrieb sogenannter Online Casinos bis hin zu der falschen Annahme, dass jeder dritte Spieler der Glücksspielsucht verfällt...

Glücksspiel (Symbolbild) (Foto: 955169 auf Pixabay ) Glücksspiel (Symbolbild) (Foto: 955169 auf Pixabay )
Es gibt fast keinen anderen Bereich im Netz, in dem interessierte Leser so viele falsche Informationen finden wie rund um das Online Gambling. Damit räumen wir jetzt auf!

Online Angebote bieten Spielern entscheidende Vorteile
Als zur Anfangszeit der Online Glücksspielunterhaltung Buchmacher ihre Angebote um Gambling im Netz erweiterten, wurden diese Angebote relativ schnell von vielen Spielern genutzt. Die neuen Internet Casinos gaben Nutzern die Möglichkeit, an ihren Lieblingsautomaten zu spielen, ohne dafür extra in eine Spielhalle, Spielbank oder Spielothek aufbrechen zu müssen. Gleichzeitig stand bei den Anbietern im Netz plötzlich eine XXL-Auswahl zur Verfügung. Zur damaligen Zeit gab es noch in relativ wenigen Spielhallen und Spielbanken sogenannte Multi-Automaten, auf denen eine Vielzahl unterschiedlicher Spiele zur Verfügung standen. Allein in Sachen Auswahl boten die Online Anbieter ihren Kunden also ein deutliches Plus.

Gleichzeitig sprechen wir hier auch über Angebote, bei denen die sogenannte Auszahlungsquote höher lag als in traditionellen Casinos. Die Auszahlungsquote bestimmt, welcher prozentuale Anteil aller Einsätze über längere Zeit an die Spieler ausgezahlt wird. Der Rest davon ist der Hausvorteil, er verbleibt in der Spielbank. Über diese Einnahme bezahlt das Casino seine Miet- und Personalkosten.

In landbasierten Spielhallen erwarten Kunden Auszahlungsquoten rund um die 60%. Bei Online Angeboten fanden sich für identische Automaten Auszahlungsquoten jenseits der 90%. Wurde also am gleichen Automaten der gleiche Einsatz verwendet und gewonnen, konnten Spieler im Internet ab sofort höhere Gewinne erzielen. Viele Online Casinos spendieren sogar sofort ein kleines Guthaben ohne Einzahlung als Bonus! Offline gibt es höchstens ein kaltes Getränk zur Begrüßung!

Wie viele Kunden spielen in Deutschland offline und online?
Schauen wir uns einmal ein paar wichtige Kennzahlen an. Traditionelle Spielhallen setzen mit ihren Spielautomaten in Deutschland jährlich knapp 6 Milliarden Euro um. Das ist eine ordentliche Hausnummer, wenn man bedenkt, dass wir hier wirklich nur über die legalen Spielotheken und Spielbanken sprechen. Die Branche beschäftigt gerade einmal knapp 5.000 Mitarbeiter in ganz Deutschland.

Demgegenüber steht der (noch) nicht regulierte Markt. 2021 soll in Deutschland ein deutscher Glücksspielstaatsvertrag eingeführt werden, der dann auch das Angebot im Internet regulieren soll. Im bisherigen nicht regulierten Markt werden in Deutschland pro Jahr ca. 1 Milliarde Euro umgesetzt. Das heißt, lediglich ein Fünftel der Umsätze, der in landbasierten Spielhallen generiert wird, fällt in Deutschland auf das nicht regulierte Online Segment.

Dass speziell das Echtgeld-Glücksspiel einen gewissen Reiz besitzt und hier Suchtgefahr besteht, lässt sich nicht abstreiten. Doch während Offline Spielbanken und Spielotheken in Deutschland keine Fernsehwerbung schalten können, sieht das bei Online Casinos anders aus. Viele von ihnen berufen sich auf das EU-Recht, das ihnen natürlich erlaubt, ihre Angebote auch in allen EU-Ländern zu bewerben.

Allein über diesen Aspekt könnte man streiten, da speziell Glücksspielsüchtige, die ihre Sucht überwunden haben, durch die TV-Werbung fies getriggert werden. Diese Werbung nutzt absichtlich spezielle Töne und Gewinnbilder, um den Spieler zum Spielen zu animieren. Das ist sicherlich ein grenzwertiger Aspekt. Auf der anderen Seite dürfen in Deutschland Brauereien auch TV-Werbung für ihre alkoholischen Genussmittel schalten. Und hier wird auf ähnliche Trigger gesetzt.

Mit dem Glücksspielstaatsvertrag steht der Spielerschutz im Vordergrund
Generell könnte sich dieses Jahr hinsichtlich der Regulierung des Glücksspiels im Internet einiges ändern. Ein deutscher Glücksspielstaatsvertrag wurde auf den Weg gebracht, der aktuell ratifiziert werden muss. Sollte er zum Juli dieses Jahres eingeführt werden, werden zukünftig auch Online Angebote reguliert werden und mit einer deutschen Glücksspiellizenz ausgestattet. Speziell in Sachen Spielerschutz wird es einige Änderungen geben. Eine staatliche Kontrollbehörde führt eine Sperrdatei. Gleichzeitig verhindern technische Maßnahmen das gleichzeitige Einloggen bei mehreren Glücksspielanbietern. Und mithilfe eines monatlichen Einsatzlimits werden die monatlichen Glücksspieleinsätze der Spieler limitiert.

Im Gegenzug gibt es deutsche Glücksspiellizenzen, die den Online Markt regulieren und damit auf eine genauso legale Stufe katapultieren wie landbasierte Spielbanken und Casinos. Damit Kunden dann nicht zu nicht regulierten Angeboten wechseln, die keine deutsche Lizenz besitzen, sollen hier IP-Sperren zum Einsatz kommen, die den Zugang zu diesen Anbietern deutlich erschweren werden. Auch, ob diese Anbieter eine Möglichkeit finden, bei renommierten deutschen TV-Sendern zu werben, steht in den Sternen. Wir gehen nicht davon aus.

Angst um ihr Monopol: Lobbyistengruppen verbreiten Fake News
Mit der Einführung des Glücksspielstaatsvertrages ist dann auch Schluss mit falschen Lobbyisten-Behauptungen. Die Lobbygruppen der deutschen Lotterien sind seit Jahren darum bemüht, falsche Behauptungen rund um Casinoangebote im Netz zu streuen. Das hat aber den einfachen Hintergrund, dass wir hier über Konkurrenzangebote sprechen. Seitdem Online Casinos verfügbar sind, verzeichnen deutsche Lotterieanbieter einen massiven Kundenrückgang. Das führte dazu, dass die Lobbyistengruppen der deutschen Lotteriegesellschaften zum Sturm auf die Online Casinos aufriefen.

Im Zuge dessen wurden eine ganze Reihe Artikel platziert, in denen falsche Behauptungen aufgestellt worden sind. Medien sprangen auf den Zug auf und so halten sich bis heute allerhand unwahre Behauptungen rund um das Gambling im Netz und sorgen für eine zweifelhafte Außendarstellung des Online Glücksspielmarktes. Primär wurde das Argument vorgeschoben, dass das Spielen in Internet Casinos illegal sei und Kunden sich hier strafbar machen. Als zweites Hauptargument wurde erklärt, dass die Online Anbieter gezielt versuchen, Spieler süchtig zu machen.

Das erste Hauptargument wird sich jetzt durch die Einführung des legalen deutschen Glücksspiels komplett entkräften lassen. Und da hier auch eine ganze Reihe zusätzlicher Spielerschutz-Funktionen eingeführt werden, kann ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr behauptet werden, dass Online Casinos Spieler absichtlich zur Spielsucht verleiten.

Unter all diesen Gesichtspunkten wird klar, dass 90% der negativen Berichterstattung rund um das Gambling im Internet in den vergangenen Jahren von der Konkurrenz gestreut wurden. Deutsche Lottogesellschaften und das deutsche Oddset waren vor der Einführung der Online Angebote die einzigen Möglichkeiten, neben Spielbanken und Spielotheken in Deutschland legal Glücksspiel nachzugehen. Sie hatten es sich mit ihrer Monopolstellung so richtig bequem gemacht. Dass sie nicht kampflos vom Markt verschwinden werden, ist auch verständlich.

Mit der Einführung des deutschen Staatsvertrages wird es Lobbyisten deutlich schwerer gemacht, mit falschen Behauptungen und journalistischen Fake News deutsche Glücksspieler zu verunsichern. Und genau das und nicht der vorgeschobene Spielerschutz standen bei der zweifelhaften Außendarstellung des Online Gamblings im Vordergrund!
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